Wiesenfeld (Geisa)

Wiesenfeld (Geisa)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Geisa
Geisa
Deutschlandkarte, Position der Stadt Geisa hervorgehoben
50.7166666666679.9666666666667318Koordinaten: 50° 43′ N, 9° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Wartburgkreis
Höhe: 318 m ü. NN
Fläche: 71,75 km²
Einwohner: 4740 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 66 Einwohner je km²
Postleitzahl: 36419
Vorwahl: 036967
Kfz-Kennzeichen: WAK
Gemeindeschlüssel: 16 0 63 032
Adresse der Stadtverwaltung: Marktplatz 27
36419 Geisa
Webpräsenz:
Bürgermeister: Martin Henkel (CDU)
Lage der Stadt Geisa im Wartburgkreis
Karte
Geisas Innenstadt von Westen

Geisa ist eine Stadt in der thüringischen Rhön im Ulstertal. Die nahe Grenze zu Hessen war im Kalten Krieg die Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Somit lag die Stadt im Sperrgebiet der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geisa ist eine Stadt im Norden der Rhön am Fluss Ulster.

Stadtgliederung

Übersicht Stadtteile

Ortsteile:

  • Apfelbach
  • Borsch
  • Bremen
  • Geblar
  • Kernstadt Geisa
  • Geismar
  • Ketten
  • Otzbach
  • Reinhards
  • Rockenstuhl
  • Spahl
  • Walkes
  • Wiesenfeld

Geschichte

Mittelalter

Abt Ratgar von Fulda schloss mit dem damaligem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Ludwig dem Frommen (778-840) einen Tauschvertrag. Er erwarb damit die Meiereien (villicationes) Geisa (Geisaha), Vacha (Vachhe) und Spahl (Spanelo) im Tausch gegen Ibstadt am Rhein. Dieser Vertrag findet sich im so genannten Codex Eberhardi des Klosters Fulda.

Um das Fuldaer Land gegen seine Nachbarn abzusichern, wurde Geisa wegen seiner günstigen Lage unter Fürstabt Bertho II. von Leibolz mit Mauern und Türmen befestigt. Die Stadtmauer ist bis auf wenige Ausnahmen wie die beiden Stadttore bis heute vollständig erhalten.

Eine Urkunde über die Verleihung der Stadtrechte gibt es nicht mehr. Zum ersten Mal als Stadt bezeichnet wird Geisa in einer Urkunde aus dem Jahre 1302. Das für eine Stadt typische "Schank- und Braurecht" wurde ihr 1340 von Fürstabt Heinrich VI. von Hohenberg verliehen. Durch die günstige Lage an den Königs- und Handelsstraßen Antsanvia und Via Regia, wurde Geisa bald zu einer blühenden Stadt.

Frühe Neuzeit

Die Unzufriedenheit der unterdrückten Bauern entlud sich 1524/1525 im Großen deutschen Bauernkrieg. In der Region waren es vor allem Bauern aus Tann, die Unzufriedenheit zeigten. Sie zogen nach Geisa um es zu erobern. Diesen Plan gaben sie allerdings bald auf und zogen weiter nach Fulda, wo sie von Landgraf Phillip von Hessen vernichtend geschlagen wurden. Danach wechselte Geisa mehrfach den Herren und damit die Religion. Schließlich blieb es dann aber bis heute beim alten Glauben.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) wurde die Region von arger Not heimgesucht. Verschiedenste Truppen plünderten und verwüsteten mehrfach die Stadt. Die Pest forderte zahlreiche Opfer. Auch in der Folgezeit hatten die Bewohner Geisas kaum Grund zur Freude. Ständige Kriege brachten Zwangseinquartierungen, Plünderungen und eine erdrückende Abgabenlast mit sich. Unter diesen Umständen wanderte ein Teil der Bevölkerung nach Ungarn aus. Noch heute gibt es in Ungarn eine mit Rhöner Dialekt sprechende Minderheit in der deutschen Minderheit.

19. Jahrhundert

Marktbrunnen

Nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurde das Hochstift Fulda aufgelöst. Es wechselte nun mehrfach den Landesherren. Der Wiener Kongress 1815 zerschlug letztendlich die Region. Der nördliche und zentrale Teil ging an Kurhessen, der südliche an Bayern und das Geisaer Amt wurde dem thüringischen Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach angegliedert. Die politische Trennung der jahrhundertealten Verbindung nach Fulda führte zu einigen Reibereien mit der neuen Regierung, musste aber letztlich doch akzeptiert werden.

Geisa entwickelte sich nach der Auflösung der alten Zunftschranken im Jahre 1858 zu einer blühenden Handwerkerstadt. Viele Familien, darunter viele Juden, lebten vom Handel. Auch das Vereinswesen entwickelte sich in Geisa. 1858 und 1883 erlebte die Entwicklung Geisas herbe Rückschläge: Durch die beiden Großbrände (1858, 1883) wurde die Innenstadt zweimal fast vollständig dem Erdboden gleich gemacht. Nur die Kirche überlebte beide Brände fast unbeschädigt. Die nach der Reichsgründung 1871 einsetzende Industrialisierung war verbunden mit der Verarmung der Handwerker. Viele Menschen wanderten in der Folge ins Rheinland ab oder nach Amerika aus. Es gab aber auch Fortschritte: 1883 eröffnete die Städtische Sparkasse Geisa, 1896 wurde ein Raiffeisenverein gegründet. 1897 wurde das Wasserleitungssystem in Betrieb genommen und 1906 eröffnete die Ulstertalbahn Vacha-Geisa-Tann. Der Beginn des ersten Weltkrieges beendete diese Epoche der Entwicklung in Geisa. Insgesamt 73 junge Männer aus dem Geiser Amt kehrten nicht mehr in die Heimat zurück.

20. Jahrhundert

1920 schlossen sich sieben thüringischen Kleinstaaten zum Land Thüringen zusammen. Nur der Freistaat Coburg entschied sich zur Vereinigung mit Bayern. Geisa wollte jetzt wieder seinen Anschluss an Fulda, das zur preußischen Provinz Hessen-Nassau gehörte. Doch die neue Landesregierung gestattete diesen Schritt nicht, um weitere Absplitterungen zu verhindern.

Durch die Inflation ab 1923 wurden Waren immer teurer und für normale Bürger kaum mehr zu bezahlen. Um den Markt trotzdem aufrechtzuerhalten, gab die Stadt eigenes Notgeld heraus.

Geisa war immer eine Hochburg der christlichen Zentrumspartei gewesen. Trotzdem gab es bei den Reichstagswahlen am 12. November 1933 nur sehr geringen Widerspruch gegen die Nationalsozialisten. In den Pogromen im November 1938 wurden Wohnhäuser und Geschäfte der jüdischen Einwohner geplündert und die Synagoge angezündet. Eine Gedenktafel erinnert seit 1988 an dieses Geschehen. Während des Zweiten Weltkrieges mussten mehr als 60 Frauen und Männer aus den besetzten Ländern in Geisa und den heute zugehörigen Ortsteilen in der Landwirtschaft Zwangsarbeit verrichten.[2] Zwei Bomben fielen im Krieg in der Nähe von Geisa, sie richteten allerdings keinen Schaden an. Als die Amerikaner Deutschland von Westen her überrannten, sollte der Geisaer Volkssturm bis zum letzten Mann Widerstand leisten. Die Bürger waren jedoch so besonnen, dies nicht zu tun. So fiel Geisa ohne einen Schuss und ohne Blutvergießen in die Hände der Befreier.

Thüringen - und damit auch Geisa - wurde nach dem Krieg Teil der Sowjetischen Besatzungszone, später der DDR. Geisa lag damit unmittelbar an der innerdeutschen Grenze. Schon 1952 wurde hier mit einer ersten Grenzbefestigung begonnen, die gegen Ende der sechziger Jahre ausgebaut wurde. In der Folge wurden in der Umgebung Dörfer und Aussiedlerhöfe dem Erdboden gleich gemacht. Alle Gebiete in einem Abstand von weniger als fünf Kilometern zur Grenze wurden zum Sperrgebiet erklärt, welches von Nichtansässigen nicht besucht werden durfte. Selbst nächste Verwandte von außerhalb durften die Einwohner nur mit einem Passierschein besuchen, der nur für den Einzelfall befristet erteilt wurde. Familien, die systemkritische Aussagen machten, oder denen Fluchtabsichten nachgesagt wurden, wurden aus ihrer Heimat zwangsausgesiedelt. 1960 begann die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. Privater Handel und Gewerbe wurden fast vollständig unterbunden. In der Folge schlossen ein Geschäft und ein Handwerksbetrieb nach dem anderen. Dennoch wurden auch in dieser Zeit Einrichtungen von erheblichem kulturellem und sozialem Wert geschaffen, die diesen auch bis heute erhalten haben. Beispiele sind das Ärztehaus, das neue Schulgebäude oder das Kulturhaus.

Am 23. Oktober 1989 schloss sich die katholische Gemeinde Geisas den Leipziger Friedensgebeten an. Ab 30. Oktober fanden im Anschluss an die Friedensgebete Protestmärsche mit brennenden Kerzen statt. Am 9. November öffnete die Regierung schließlich den Eisernen Vorhang. Durch die direkte Lage an der Grenze waren die Einwohner Geisas unmittelbar am Geschehen beteiligt. In der Folgezeit öffnete ein Grenzübergang nach dem anderen. Die Freude und die Emotionen zu dieser Zeit waren unglaublich. Am 10. März 1990 wurde die Städtepartnerschaft mit Hünfeld geschlossen. Aus den ersten freien Volkskammerwahlen ging die CDU, die fast 70 Prozent der Stimmen erhielt, als deutlicher Sieger hervor. Am Tag der Wiedervereinigung, dem 3. Oktober 1990, pflanzten die Pfarrer und Bürgermeister der Nachbargemeinden Rasdorf und Geisa eine Linde an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Heute ist Geisa Teil des aus der Gebietsreform hervorgegangenen Wartburgkreises im Freistaat Thüringen. Zur Stadt gehören nun auch die Orte Borsch, Lützenbachshof, Wiesenfeld, Bremen, Otzbach und Geblar. Seit 1997 ist die Stadt auch erfüllende Gemeinde für Buttlar, Gerstengrund und Schleid. Rockenstuhl mit seinen Ortsteilen wurde am 1. Januar 2009 eingemeindet.

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994 31. Dezember):

  • 1835: 1755
  • 1885: 1600
  • 1994: 3670
  • 1996: 3745
  • 1998: 3687
  • 2000: 3584
  • 2002: 3523
  • 2004: 3492
  • 2006: 3393
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Am 30. Juni 2005 waren von den 3387 Einwohnern 49,7 % weiblich.

Politik

Der Marktplatz mit Blick Richtung Gangolfiberg

Die Stadtverwaltung Geisa ist auch erfüllende Gemeinde für Buttlar, Schleid und Gerstengrund.

Stadtrat

  • CDU
  • PDS
  • Freie Wähler

Wappen

Das Stadtwappen von Geisa zeigt den Heiligen Simplizius in goldener Rüstung mit 2 Schilden. Das Linke zeigt drei Lilien, Symbol des Heiligen Bonifatius und seiner Begleiter. Auf dem rechten Schild ist das fuldische Kreuz zu sehen, das Zeichen des Fürstabts, zu dessen Besitztümern Geisa jahrhundertelang zählte.

Der Entwurf der offiziellen Version des Wappens stammt von Prof. Otto Hupp aus Schleiheim bei München. Dieser entwarf es nach heraldischen Richtlinien bezüglich Form- und Farbgebung. Als Grundlage diente ihm ein Stadtsiegel aus dem Jahre 1391. Im Gegensatz zu anderen Versionen des Wappens verzichtet Hupp auf die Angabe der Jahreszahl der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt zu Füßen des Heiligen.

Hupp entwarf das Wappen in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts ohne die Stadt darüber in Kenntnis zu setzen. Bekannt wurde es in Geisa erst nach der Wiedervereinigung durch ehemalige Einwohner der Stadt. Seitdem ist es das offizielle Wappen.

Städtepartnerschaft

Nach dem Fall der innerdeutschen Grenze schloss die Stadt Geisa am 10. März 1990 ein Partnerschaftsvertrag mit dem nur 15 Kilometer entfernten Hünfeld in Hessen ab.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Denkmal am Point Alpha

"Point Alpha", das ist der Name einer Mahn-, Gedenk- und Begegnungsstätte vor den Toren Geisas an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

In direkter Nachbarschaft Geisas, der einst am weitesten westlich gelegenen Stadt des Ostblocks, erfüllte der amerikanische Beobachtungsstützpunkt "Point Alpha", Außenstelle des 11. Armored Cavalry Regiments "Blackhorse", bis zum Fall des Eisernen Vorhangs eine wichtige Aufgabe im Verteidigungskonzept der NATO. Der Stützpunkt lag im Zentrum der NATO- Verteidigungslinie "Fulda Gap" (Fuldaer Lücke), in der die Nato im Ernstfall die Invasion der Truppen des Warschauer Pakts vermutete. Die "Fulda Gap" zog sich von Herleshausen über Fulda bis in die Nähe von Bad Neustadt. Die Brisanz der damaligen Situation ist schon am Namen "Point Alpha" zu erkennen - hier erwartete man einen Angriff zuerst. Aus diesem Grund kann man die gesamte Region zu Recht als den "heißesten Punkt im Kalten Krieg" bezeichnen.

Heute umfasst der Komplex nicht nur den amerikanischen Stützpunkt auf der hessischen Seite sondern auch einen Streifen der originalen Grenzsicherungsanlagen der DDR und ein Begegnungszentrum auf thüringer Seite.

Bauwerke

Katholische Stadtpfarrkirche

Stadtpfarrkirche

Die Kirche "St. Philippus und Jakobus" wurde in den Jahren 1489 bis 1504 erbaut. Der Kirchturm sowie das nördliche Portal gehören zu den ältesten Teilen der Kirche, welche noch spätgotische Merkmale aufweisen. Durch spätere Umbauten im 16. Jahrhundert erhielten der Hauptraum und der Chor breitere und höhere Fenster. Die Kirche sollte ursprünglich dreischiffig erbaut werden, jedoch errichtete man aus unbekannten Gründen nur das Hauptschiff und das nördliche Seitenschiff.

Am westlichen Ende des Schiffes befinden sich zwei Emporen, von denen die untere um 1600 errichtet wurde und die obere erst mit der 1848 aufgebauten Orgel des Gothaer Meisters Friedrich Knauf entstand. Der rechteckige, steinerne Opferstock aus dem Jahre 1517 und der nur unbedeutend jüngere, reich verzierte und mit spätgotischem Maßwerk versehene Taufstein waren lange Jahre die ältesten Ausstattungsstücke der Kirche. Während einer umfassenden Umgestaltung des Innenraums in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der ehemals barocke Hauptaltar durch einen wertvollen spätgotischen Flügelaltar von 1491 aus der Schleider Pfarrkirche ersetzt.

Der an der Westseite stehende, über die Stadt wachende 38 Meter hohe Kirchturm besitzt fünf Stockwerke und ist mit einer Galerie aus steinernem Maßwerk sowie mit an allen vier Ecken unterhalb der Galerie angebrachten Wasserspeiern versehen. Im Turmaufsatz, der aus einem achteckigen Kuppelbau besteht, wohnte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts der Türmer, der die Glocken zu läuten und über die Stadt zu wachen hatte. Heute ist in den beiden Stockwerken der Kuppel ein automatisches und handspielbares Carillon untergebracht, dessen Melodien drei Mal täglich in der ganzen Stadt erklingen.

Rathaus

Rathaus von Geisa

Das Rathaus der Stadt Geisa wurde nach dem ersten Stadtbrand im Jahre 1858 zwischen 1859 und 1861 auf dem Platz des alten Rathauses auf der südöstlichen Ecke des Marktplatzes im neugotischen Stil errichtet. In seiner Architektur ähnelt es dem Erfurter Rathaus, welches in derselben Epoche entstand. In einen Stein in der Mauer der Rathausgarage ist die Jahreszahl 1663 eingemeißelt - er stammt wahrscheinlich noch vom Vorgängerbau.

Schloss

Schloss Geisa

Fuldas Fürstabt Adalbert von Schleifras (1700-1714), dessen Wappen das Eingangsportal des Schlosses markiert, ließ auf dem Geisaer Gangolfiberg neben dem Amtsgericht vom bekannten Baumeister Johann Dientzenhofer das neue Schloss errichten. Es diente als Jagdschloss und Sommerresidenz der fuldischen Fürstäbte und Fürstbischöfe. Nach der Säkularisierung des Fuldaer Landes waren im Schloss im laufe der Zeit diverse öffentliche Einrichtungen untergebracht, wie das Forstamt, der Schulhort und in jüngerer Zeit auch Teile der Grundschule. An das Schlossgebäude schließt sich am Hang des Gangolfiberges der terrassenförmig angelegte Schlossgarten (Funkengarten) an, der von der im Ganzen sehr gut erhaltenen Stadtmauer begrenzt wird. Die Südostecke der Geisaer Stadtbefestigungsanlage wird durch einen Stadtmauerturm, das Diebstürmchen, markiert. Im Funkengarten finden regelmäßig Veranstaltungen, unter anderem das bekannte Funkenfest statt.

Amtsgericht

Amtsgerichtsgebäude

Das 1540 erbaute Gebäude diente zu Beginn als Kellerei und Kornspeicher. Vom Ende des 16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts war das Gebäude im Besitz von Melchior von Dernbach genannt Graul, Amtmann in Brückenau, kaiserlicher Rat und fuldaischer Hofmarschall, Bruder des Fürstabtes Balthasar von Dernbach und Vater von Peter Philipp von Dernbach, dem späteren Fürstbischof von Bamberg und Würzburg. Unter den Fürstäbten Placidus von Droste (1678-1700) und Konstantin von Buttlar (1714-1726) wurde es zum Amtshaus und Gerichtssitz umgebaut. Obwohl das Amtsgericht Geisa im Rahmen einer Strukturreform 1949 aufgelöst wurde, hat das Gebäude diesen Namen bis auf den heutigen Tag behalten. Viele Jahre diente es als Wohn- und Bürohaus und zur Unterbringung des Schulhortes. Heute befindet sich im Amtsgerichtsgebäude die "Artenschutzstation Rhön" und das Heimatmuseum Geisa mit eigenem Grenzmuseum.

Geisaer Waldhäuschen

Das Geisaer Waldhäuschen wurde 1916 Zwecks Unterbringung der städtischen Forstarbeiter errichtet. Ab 1929 wurde es zu Zwecken des Fremdenverkehrs benutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der Geisaer Kulturbund die Trägerschaft und sanierte es in Eigenleistung von Grund auf.

Aus Angst, Grenzgänger könnten es als Unterschlupf bei einer Republikflucht über die nahe innerdeutsche Grenze missbrauchen, ließ die Regierung das Waldhäuschen 1975 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abreißen und provozierte damit Empörung bei der Bevölkerung. Nach der Wende herrschte in Geisa der einhellige Wille zum Wiederaufbau des Waldhäuschens. Es gab allerdings Probleme mit der Baugenehmigung, da im Biosphärenreservat Rhön außerhalb geschlossener Ortschaften keine neuen Gebäude errichtet werden dürfen. Nach einigen Jahren konnte 1998 schließlich doch das neue Waldhäuschen eingeweiht werden.

Parks

In dem weitläufigen und erholsamen Park auf dem Gangolfiberg befinden sich unter anderem der Gedenkstein zu Ehren des größten Sohnes der Stadt, Athanasius Kircher und das Centgericht. Es stammt aus dem 11. Jahrhundert und ist in dieser Form als mittelalterliche Gerichtsstätte in Mitteldeutschland einmalig. Es besteht aus einer regelmäßigen Anordnung von Steinquadern, die als Sitzgelegenheit dienten. Je höher der Stein, desto höher der Rang der Person. Den Centgerichten oblag insbesondere auch die Blutgerichtsbarkeit, das heißt die Verhängung der Todesstrafe.

Friedhofskapelle auf dem Gangolfiberg

Inmitten des Friedhofes auf dem Gangolfiberg liegt die architektonisch wertvolle Friedhofskapelle, deren Bestehen seit dem Jahr 1461 nachweisbar ist. An der Nordseite ist eine Außenkanzel aus der Zeit um 1600 angebracht, die mit der Innenkanzel durch einen Mauerdurchgang verbunden ist. Während man die Süd- und die Westseite nicht mit besonderem Schmuck versehen hat, sind an der Ostseite mehrere barocke Grabsteine zu erkennen. Es wird vermutet, dass die Friedhofskapelle früher als Wallfahrtskapelle genutzt wurde, sie liegt auf einem der bekannten Jakobswege nach Santiago de Compostela.

Naturdenkmäler

Der Rockenstuhl ist ein Berg mit einer Höhe von 529 Metern. Er liegt ca. 5 km südlich von Geisa zwischen den Flüssen Ulster und Geisa. Bedingt durch den aufgesetzten Basaltkegel und seine geographische Lage ist er ein Wahrzeichen des Geisaer Landes. Auf dem geschichtsträchtigen Rockenstuhl befindet sich eine Schutzhütte, in deren Nähe Reste einer sagenumwobenen ehemaligen Burganlage zu sehen sind. Zwischen Geisa und dem Rockenstuhl existiert ein historischer Wanderlehrpfad, auf welchem man geschichtliche Hintergrundinformationen erfährt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Geisa liegt an der B 278 und ist über die nahe B 84 an Fulda und Eisenach angebunden. Bis zur Bundesautobahn 7 (Auffahrt Hünfeld/Schlitz) sind es 22 km, bis zur A 4 (Auffahrt Friedewald) knapp 30 km. Die Stadt ist nur über Straßen zu erreichen. Die Eisenbahntrasse wurde bereits im Rahmen der Isolierung an der ehemaligen innerdeutschen Grenze in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts stillgelegt und abgebaut. Die Trasse wird jetzt teilweise als Ulsterradweg genutzt.

Persönlichkeiten

Peter Philipp Reichsgraf von Dernbach gen. Graul, Fürstbischof des Bistums Bamberg und Bistums Würzburg

Literatur

  • Eva Krause: Kirchenführer Stadtpfarrkirche Geisa. Parzeller Verlag, Fulda (2002) ISBN 3-7900-0334-4
  • Adelbert Schröter: Land an der Straße. Leipzig (1990) ISBN 3-7462-0430-5

Quellen

  1. Thüringer Landesamt für Statistik: Bevölkerung nach Gemeinden
  2. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 322, ISBN 3-88864-343-0

Weblinks


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