Wilhelm II. (Hessen-Kassel)


Wilhelm II. (Hessen-Kassel)
Kurfürst Wilhelm II. von Hessen

Wilhelm II. (* 28. Juli 1777 in Hanau; † 20. November 1847 in Frankfurt am Main), aus dem Haus Hessen, war von 1821 bis zu seinem Tode Kurfürst[1] von Hessen.

Inhaltsverzeichnis

Kurprinz

Der Sohn Wilhelms I. von Hessen-Kassel studierte in Marburg und Leipzig. Am 13. Februar 1797 heiratete er Prinzessin Auguste (1780–1841), Tochter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. Aus dieser Ehe gingen hervor:

  1. Wilhelm Friedrich Karl Ludwig (* 9. April 1798 in Hanau; † 25. Oktober 1802 ebenda)[2]
  2. Caroline (* 29. Juli 1799, Schloss Philippsruhe; † 28. November 1854 in Kassel), unverheiratet
  3. Luise Friederike (* 3. April 1801 in Hanau; † 28. September 1803, Schloss Philippsruhe)[2]
  4. Friedrich Wilhelm (* 1802; † 1875) – verheiratet mit Gertrude Lehmann (* 1806; † 1882)
  5. Marie Friederike Christine (* 6. September 1804 in Hanau; † 1. Januar 1888 in Meiningen) – heiratete am 23. März 1825 Bernhard II., Herzog von Sachsen-Meiningen (* 1800; † 1882)
  6. Friedrich Wilhelm Ferdinand (* 9. Oktober 1806 in Berlin; † 21. November 1806, ebenda)

Als Frankreich 1806 das Land besetzte, folgte Kurprinz Wilhelm seinem Vater ins Exil nach Holstein und Prag und ging 1809 nach Berlin. 1813 focht er im preußischen Heer in der Völkerschlacht bei Leipzig mit. Am 30. Oktober 1813 erließ er den Aufruf an die Hessen zum Kampf gegen Frankreich.

Nach der Rückkehr seines Vaters an die Spitze des Kurstaates übernahm Prinz Wilhelm im März 1814 den Oberbefehl über die kurhessischen Truppen. Nach dem Zweiten Pariser Frieden lebte er in Hanau.

Seine Ehe war inzwischen zerrüttet. 1815 trennte sich das Paar mit einem zunächst geheim gehaltenen Vertrag, stritt sich aber weiter in der Öffentlichkeit, bis die Kurfürstin 1826 für einige Jahre das Land verließ.

Kurfürst

Die drei letzten regierenden Generationen des Kurhauses unterhielten heftige Generations- und Familienkonflikte. Nach dem Tod des reaktionären Wilhelm I. am 27. Februar 1821, der eine Politik der Rückkehr in die Verhältnisse am Ende des 18. Jahrhunderts verfolgt hatte, leitete Wilhelm II., nachdem er die Regierung angetreten hatte, sofort zeitgemäße Reformen in der Verwaltung ein. Jedoch verfolgte er insgesamt eine konservative Politik. Er berief – entgegen den Erwartungen des Bürgertums – weder die Landstände ein, noch konnte er sich den Staat mit einer zeitgemäßen Verfassung im Sinne einer konstitutionellen Monarchie vorstellen.

Auch sein Familienleben war durch massive Konflikte bestimmt – ähnlich wie bei seinem Vater und später auch seinem Sohn Friedrich Wilhelm. 1821 erhob Wilhelm II. seine Geliebte, Emilie Ortlöpp aus Berlin, zur Gräfin von Reichenbach und später zur Gräfin von Lessonitz. Das Paar hatte acht Kinder:

  • Louise (* 26. Februar 1813 in Berlin; † 3. Oktober 1883 in Baden-Baden) ∞ 15. Mai 1845 Geheimrat Reichsgraf Carl August von Bose (* 7. November 1814 in Garmisch; † 25. Dezember 1887 in Baden-Baden). Louise von Bose war eine bedeutende Mäzenin.
  • Julius Wilhelm (* 4. Oktober 1815 in Kassel; † 15. Januar 1822 ebenda)
  • Amalie Wilhelmine Emilie (* 31. Dezember 1816 in Kassel; † 28. Juli 1858 in Dresden).
  1. ∞ 1836 Graf Wilhelm von Luckner (geschieden 1839)
  2. ∞ 1840 Karl von Watzdorff (* 9. März 1807 in Dresden; † 5. Dezember 1846 ebenda)
  3. ∞ 1847 erneut Graf Wilhelm von Luckner (* 29. Januar 1805; † 19. Februar 1865) [3].
  • Karl (* 24. August 1818 in Kassel; † 26. September 1881 in Prag) ∞ 20. Dezember 1861 Clementine Richter (* 28. August 1842 in Prag; † 13. Juli 1902 in Ischl)
  • Emilie (* 8. Juni 1820 in Kassel; † 30. Januar 1891 in Budapest) ∞ 10. März 1839 Graf Felix Zichy-Ferraris von Zich und Vásonkeö (* 20. November 1810; † 8. September 1885 in Szilvás, Ungarn)
  • Friederike (* 16. Dezember 1821 in Kassel; † 23. Februar 1898 in Weilburg) ∞ 3. November 1841 Freiherr Wilhelm von Dungern (* 20. Juni 1809 in Weilburg; † 3. Juli 1874 in Wildbad)
  • Wilhelm (* 29. Juni 1824 in Kassel; † 19. Januar 1866 in Neuchâtel) ∞ 19. März 1857 Amélie Freiin Göler von Ravensburg (* 27. April 1838 in Karlsruhe; † 14. März 1912 in Frankfurt am Main)
  • Helene (* 8. August 1825 auf Schloss Wilhelmshöhe; † 14. Mai 1898 in München) ∞ 4. Januar 1844 Freiherr Oswald von Fabrice (* 8. Januar 1820 in Bonn; † 3. Juni 1898 in München)

Die Kurfürstin und der Kurprinz zogen sich vom Hof zurück und sammelten die Opposition aus Adel und Bürgertum um sich (Schönfelder Kreis). Kurprinz Friedrich Wilhelm ging nach Berlin und söhnte sich erst 1830 wieder mit seinem Vater aus. Da der Kurfürst sich mit seiner „offiziellen“ Geliebten völlig außerhalb der auch den Adel inzwischen teilweise prägenden bürgerlichen Moral gestellt hatte, stand er nun familiär und politisch völlig isoliert dar.

Als „durch die lange Wartezeit [auf die Nachfolge] etwas verkorkst“[4] wird der Kurfürst mit seiner Politik und seinem Verhalten eingestuft.

Rückzug aus dem Amt

Die Revolution von 1830 brach so in Kurhessen mit besonderer Vehemenz aus. Wilhelm II. sah sich gezwungen, die Landstände einzuberufen. Diese beschlossen am 5. Januar 1831 eine neue, für damalige Verhältnisse außerordentlich fortschrittliche Verfassung, mit einem Einkammerparlament und der Möglichkeit einer Ministeranklage, einem Vorläufer der parlamentarischen Verantwortlichkeit der vom Monarchen ernannten Minister.

Wilhelm II. schätzte allerdings, nachdem er in der Verfassungsfrage nachgegeben hatte, die Lage hinsichtlich seiner Stellung in der Öffentlichkeit falsch ein. Er gestattete der Gräfin Lessonitz, nach Kassel zurückzukehren. Das hatte am 11. Januar erneut Unruhen zur Folge. Kurfürst und Hof verließen daraufhin fluchtartig Kassel und nahmen Residenz in Hanau, Schloss Philippsruhe und Wilhelmsbad vor den Toren Hanaus. Da sich bei den damaligen Kommunikationsmöglichkeiten ein Regieren von Hanau aus (die Minister waren in Kassel geblieben) als technisch schwer möglich erwies, übertrug der Kurfürst für die Dauer seiner Abwesenheit aus der Hauptstadt seinem Sohn Friedrich Wilhelm die Regentschaft. Da er nie nach Kassel zurückkehrte, war das faktisch eine Abdankung.

Der Kurfürst lebte nun zusammen mit Gräfin Lessonitz zunächst in Schloss Philippsruhe, später in Frankfurt am Main. Nach dem Tod der Kurfürstin am 19. Februar 1841 heiratete er am 8. Juli 1841 die Gräfin Lessonitz. Als auch sie am 12. Februar 1843 starb, heiratete er am 28. August 1843 Karoline von Berlepsch, die er zur Baronin und später zur Gräfin von Bergen erhob. Diese dritte und letzte Ehe blieb kinderlos.

Nach seinem Tod wurde er in der Gruft der Marienkirche in Hanau bestattet.[5] Da im Zweiten Weltkrieg die Bestattung bei einem Bombenangriff schwer beschädigt wurde, wurden deren Reste in den 1990er Jahren in einem neuen Sarg beigesetzt.

Literatur

  • Herman von Petersdoff: Wilhelm II., Kurfürst von Hessen. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 75–79.
  • Ewald Grothe: Wilhelm II. In: Kassel-Lexikon. Hrsg. von der Stadt Kassel. Bd. 2. Kassel 2009, S. 325f.
  • Joachim Kühn: Das Ende einer Dynastie. Kurhessische Hofgeschichten 1821 bis 1866. Berlin 1929.

Anmerkungen

  1. In Hessen-Kassel (und nur dort) wurde die Bezeichnung „Kur-“ auch nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches beibehalten.
  2. a b Vgl.: Reinhard Suchier: Die Grabmonumente und Särge der in Hanau bestatteten Personen aus den Häusern Hanau und Hessen. In: Programm des Königlichen Gymnasiums zu Hanau. Hanau 1879. S. 39.
  3. Werner Fritzsche: Unterhaltsames und Amüsantes aus der Familiengeschichte der Grafen von Luckner; Dresden 2007
  4. Eckhart G. Franz, Das Haus Hessen, Stuttgart 2005, ISBN 3-17-018919-0, S. 137
  5. Vgl. dazu: Reinhard Suchier: Die Grabmonumente und Särge der in Hanau bestatteten Personen aus den Häusern Hanau und Hessen. In: Programm des Königlichen Gymnasiums zu Hanau. Hanau 1879. S. 40f.


Vorgänger Amt Nachfolger
Wilhelm I. Kurfürst von Hessen
1821–1847
Friedrich Wilhelm I.

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