Wilhelm Werhahn


Wilhelm Werhahn

Peter Wilhelm Werhahn (* 1. Februar 1880 in Neuss; † 25. September 1964) war ein Bankier und Unternehmer aus Neuss.

Person und Familie

Wilhelm Werhahn war der älteste Sohn von Peter Werhahn, dessen Vermögen und Stellung im Familienunternehmen OHG Wilh. Werhahn er erbte, aus der die heutige Wilh. Werhahn KG entstand. Zur Unterscheidung von seinem Großvater wird sein zweiter Vornamen üblicherweise als Rufnamen geführt. Diese legendäre rheinische Millionärsfamilie, die aufgrund ihres frommen Katholizismus in Neuss und Umgebung als „heilige Familie“ bezeichnet wurde, hatte bereits im 19. Jahrhundert ein beträchtliches Vermögen erworben und es zu Beginn des 20. Jahrhunderts erheblich vermehrt. Obwohl sich die Liste der beherrschten Unternehmen anfangs wie ein wildes Sammelsurium von Klein- und Mittelunternehmen liest, erkennt man aus der Historie, dass dem Aufbau des Familienkonzerns eine planmäßige Strategie zugrunde lag. Im Mittelpunkt des Familienvermögens stand und steht das Privatbankhaus Wilh. Werhahn in der Neusser Königsstraße, dessen Aktivitäten sich auf Familienmitglieder und –unternehmen konzentrieren und sich seit dem 1. Januar 2011 Bankhaus Werhahn GmbH (davor: Bankhaus Werhahn KG) nennt[1].

1907 heiratete Wilhelm Werhahn die aus Düsseldorf-Heerdt stammende und mit dem Neusser Patriziat eng verbandelte Adelgundis Cremer. Ihrer Familie gehörte die seit 1811 bestehende Peter Cremer Standard Waschmittel- und Seifenwerke mitsamt einer Ladenkette in Düsseldorf. Adelgundis starb früh, so dass der Siebenunddreißigjährige Wilhelm Werhahn 1917 die damals gerade volljährige, elf Jahre jüngere Schwester Magdalena Cremer ehelichte. Zehn Jahre nach der Heirat schied die Familie Cremer aus dem Gesellschafterkreis völlig aus und die OHG Wilh. Werhahn übernahm den Seifenhersteller, ohne dass die Gründe bekannt wurden [2].

In die Amtszeit von Wilhelm Werhahn fällt auch die Beteiligung der Bankiersfamilie an der Commerzbank AG. Diese war so erheblich, dass Wilhelm Werhahn Aufsichtsratsvorsitzender des Kreditinstituts war. Sein gleichnamiger Enkel Wilhelm Werhahn vertrat später die Interessen der Neusser Familie ebenfalls im Aufsichtsrat. Mit der WKV Warenkredit-Anstalt in Köln [3] nahm die Bankiersfamilie in der Zeit des Wirtschaftswunders auch an der Finanzierung von Teilzahlungskrediten teil, bis sie dieses Geschäft an die Bank für Gemeinwirtschaft abstieß. Später beteiligte sie sich an der Kölner AKB Privat- und Handelsbank AG, Deutschlands größter markenunabhängiger Automobilleasingbank, bis sie diese Beteiligung 2002 an die spanische Banco Santander Central Hispano (BSCH) für € 1,1 Mrd. verkaufte [4].

Wilhelm Werhahn brachte es auf die Rekordzahl von 23 Aufsichtsratsmandaten, wurde schon mal als „ungekrönter König von Neuß“ bezeichnet [5], war von 1945 bis 1962 Präsident der IHK Neuss und mit der Kölner Privatbankiersfamilie Sal. Oppenheim ebenso befreundet, wie mit deren „Statthalter“ während des Dritten Reiches, Robert Pferdmenges, einem engen Freund Konrad Adenauers, dessen Tochter Libeth mit Wilhelms Sohn Hermann Josef Werhahn verheiratet ist. Die angeheiratete Nichte des Altkanzlers Gabriele Vell, Witwe von Hans Adenauer war eine geborene Werhahn. Die Verbindungen der Familie Werhahn sind legendär: Dr. Joseph Kardinal Frings, Kölner Erzbischof und befreundet mit dem Nachkriegskanzler, war über die Verwandtschaft zur Großmutter ein Vetter Wilhelm Werhahns. Der Bruder des Kardinals, Alfons Frings war Neusser Oberbürgermeister. Prälat und Kölner Domherr Franz Werhahn war Onkel Wilhelm Werhahns.

Einzelnachweise

  1. http://www.werhahnbank.de/index.html
  2. Bernt Engelmann: Die Macht am Rhein, Band 1: Der alte Reichtum, München, 1968; ISBN 3-423-00830-X, S. 184
  3. Bernt Engelmann: Die Macht am Rhein, Band 1: Der alte Reichtum, München, 1968; ISBN 3-423-00830-X, S. 173
  4. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,181713,00.html
  5. http://www.dr-wo.de/themen/jungblut/75.htm

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