Wladimir Bukowski


Wladimir Bukowski
2007

Wladimir Bukowski (russisch Владимир Константинович Буковский; * 30. Dezember 1942 im russischen Belebei (Baschkortostan), ist ein Menschenrechtsaktivist und Publizist und war ein sowjetischer Dissident; Kandidat der russischen Opposition für das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation bei der Präsidentenwahl am 2. März 2008.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Schon als Schüler und Student geriet Bukowski durch abweichende Meinungen in Konflikt mit der Sowjetmacht und wurde sowohl aus der Schule als auch von der Universität ausgeschlossen. 1963 wurde er wegen des Versuchs, das Buch Die neue Klasse des jugoslawischen Dissidenten Milovan Đilas zu vervielfältigen als unverbesserlich eingestuft und in eine psychiatrische Anstalt in Leningrad eingewiesen. Im Februar 1965 entlassen, setzte er seine oppositionelle Tätigkeit fort und wurde von Ende 1965 bis Juli 1966 erneut zur psychiatrischen Behandlung zwangseingewiesen.

Wegen der Organisation einer Protestdemonstration im Januar 1967 wurde er vor Gericht gestellt; seine Rede vor Gericht kursierte bald im Samisdat. Die Richter stuften dies als Teilnahme an „Gruppenhandlungen, welche die öffentliche Ordnung stören“ ein und verurteilten ihn zu drei Jahren Lager. Nach der Rückkehr aus dem Lager nach Moskau wurde Bukowski einer der Wortführer der sich formierenden sowjetischen Dissidentenbewegung. In der Folge gab er ausländischen Korrespondenten Interviews und sorgte dafür, dass im Westen insbesondere der Einsatz der Psychiatrie gegen Andersdenkende bekannt wurde.

Im März 1971 wurde Bukowski erneut verhaftet, nachdem ihn ein Artikel in der Zeitung Prawda, der ihm antisowjetische Tätigkeit vorwarf, in der ganzen UdSSR bekannt gemacht hatte. Vor allem wegen der Herausgabe einer Dokumentensammlung, die den Missbrauch der Psychiatrie zu politischen Zwecken in der UdSSR belegte, wurde er in einem Prozess am 5. Januar 1972 in Moskau zu 7 Jahren Freiheitsstrafe (zwei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Lager) und fünf Jahren Verbannung verurteilt. Wegen anhaltender Proteste im Westen tauschte die Sowjetregierung Bukowski im 18. Dezember 1976 gegen den Führer der chilenischen Kommunisten Luis Corvalán aus.

Nach seiner zwangsweisen Aussiedelung ließ er sich in Großbritannien nieder und setzte seine kritischen Recherchen und Analysen fort. Mit zahlreichen Enthüllungen aus den eröffneten Moskauer Archiven über die Tätigkeit der sowjetischen Geheimdiplomatie und Verstrickungen westlicher Organisationen erregte er weltweites Aufsehen. 2004 gründete er zusammen mit Politikern wie Boris Nemzow und Garri Kasparow das liberale Komitee 2008.

Bukowskis Hauptthema ist die Naivität (gullibility) des Westens gegenüber der Sowjetunion bzw. ihrer - seiner Meinung nach - keineswegs untergegangenen Ideologie. In der EU sieht er einen neuen Sowjetstaat im Entstehen. Ihre Ideologie sei die politische Korrektheit, welche gezielt eingeführt werden würde, um sie dann mit repressiven Methoden durchsetzen zu können.[1] Er prophezeit, auch dieser EU-Sowjetstaat werde Gulags haben. Kein Verständnis hat er für die Friedensbewegung gegen den NATO-Doppelbeschluss und gegen den Irak-Krieg. Diese ist für ihn ein Ergebnis sowjetischer bzw. russischer Propaganda. Nach Bekanntwerden des Abu-Ghuraib-Folterskandals rechnete er in einem Artikel für die Washington Post aber ebenso schonungslos mit der amerikanischen Regierung ab [2].

("Марш несогласных"), 2007, 6, 11, Moskau

Am 28. Mai 2007 erklärte Bukowski seine Bereitschaft, für die Wahlen zum Präsidenten der Russischen Föderation im März 2008 zu kandidieren. Am 16. Dezember 2007 fand in Moskau die erste amtliche Wählerversammlung von Bukowski statt; es wurden mehr als die benötigten 500 Teilnehmer registriert. Am 18. Dezember reichte er seine Dokumente für seine Kandidatur beim zentralen Wahlkomitee der Russischen Föderation ein. Seine Bewerbung wurde aber abgelehnt, da er seit geraumer Zeit im Ausland (in London) lebt; ein russischer Präsidentschaftskandidat muss aber laut Gesetz die letzten 10 Jahre in Russland gelebt haben.

Werke

(Deutsch)

  • Wind vor dem Eisgang. Ullstein Kontinent, Berlin 1981. ISBN 3-548-38018-2
  • Pazifisten gegen den Frieden - Friedensbewegung und Sowjetunion. Verlag SOI, Bern 1983. ISBN 3-85913-120-6
  • Dieser stechende Schmerz der Freiheit. Russischer Traum und westliche Realität. Ullstein, Berlin 1985. ISBN 3-548-20576-3
  • Abrechnung mit Moskau. Das sowjetische Unrechtsregime und die Schuld des Westens. Lübbe Verlagsgruppe, Bergisch Gladbach 1996. ISBN 3-7857-0829-7

(Englisch)

  • To Build a Castle-My Life As a Dissenter, Rowman & Littlefield Publishers, 1988, ISBN 978-0896331310
  • EUSSR. The Soviet Roots of European Integration, mit Pavel Stroilov, Sovereignty Publications, 2004, ISBN 978-0954023119
  • Reckoning With Moscow: A Nuremberg Trial for Soviet Agents and Western Fellow Travelers, Regnery Publishing Inc., 1998, ISBN 978-0895263896

Literatur

  • Andre Martin und Peter Falke: Wladimir Bukowski. Vom Sowjetkerker ins Weiße Haus. Pattloch-Verlag, München 1977. ISBN 3-557-91147-0

Einzelnachweise

  1. http://www.schweizerzeit.ch/0707/euverschwoerung.htm
  2. http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/12/17/AR2005121700018.html

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