Wohnanhänger


Wohnanhänger

Ein Wohnwagen (auch: Caravan) ist ein Anhänger für Kraftfahrzeuge, in dem sich eine Wohnungseinrichtung befindet. Sie gehören zu den am häufigsten genutzten Ferienunterkünften.

Wesentlicher Unterschied zu den Wohnmobilen (Reisemobilen) ist das Fehlen eines eigenen Antriebs. Nachteil ist die Geschwindigkeitsbegrenzung für Gespanne, die so zumindest für kleinere Wohnmobile (unter 3,5 t) nicht gilt; Vorteile von Wohnwagen sind, dass das Auto nach dem Abstellen des Wohnwagens für Ausflüge zur Verfügung steht, ohne den ganzen Hausstand mitnehmen zu müssen und dass ein Wohnwagen meist deutlich weniger als die Hälfte eines vergleichbar großen Wohnmobiles kostet.

Im Jahre 2005 wurden in Deutschland erstmals mehr Wohn-/Reisemobile als Caravans neu zugelassen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Erste „Reisewagen“ (chambre du voyage) gab es seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien. Es waren bisweilen sehr luxuriös eingerichtete, zweiachsige und anfangs noch von Pferden gezogene Gefährte. Schon kurz nach Einführung des Automobils entstand im Jahre 1908 auf der Insel ein erster Caravan Club. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges gab es auf den britischen Inseln mehrere tausend Wohnwagen.

Wohnwagen von 1922

Das deutsche Pendant zum englischen „Reisewagen“ wurde von Arist Dethleffs (* 1908; † 14. Februar 1996) im Jahre 1931 erfunden. Der Peitschen- und Skistockvertreter nannte sein Gefährt „Wohnauto“ und erfüllte damit den Wunsch seiner Verlobten, der Malerin Fridel Edelmann, die sich, wie sie in einem Brief an ihren künftigen Ehemann schreibt, „so etwas Ähnliches wie einen Zigeunerwagen, in dem wir gemeinsam fahren und ich noch malen könnte“ vorstellte. „Wohnauto“ war ein irreführender Begriff, denn es handelte sich dabei um einen richtigen (Wohn-)Anhänger. Er wurde zu Ostern des folgenden Jahres fertiggestellt.

Das „Wohnauto“ wurde zu einer Art Hochzeitsgeschenk. Die Frischvermählten bereisten damit noch im selben Jahr die Republik und sorgten für Aufsehen, so dass schon bald zahlreiche Bestellungen bei dem Erfinder eingingen. Dethleffs verlegte sich kurze Zeit später auf die serielle Produktion seines mittlerweile modifizierten „Wohnautos“ und gründete das Unternehmen Dethleffs. Unter dem Markennamen werden bis heute Wohnmobile und Wohnwagen hergestellt.

Älterer, klassischer Wohnwagen
Mini-Wohnwagen (DDR-Produktion)
Großer Luxus-Wohnwagen

Typen

Wohnwagen gibt es in verschiedenen Grundversionen:

  • als Zeltklapp-Wohnwagen, der eigentlich ein in einem Anhänger verstecktes Zelt ist (Beispiel: Faltmeister, Klappfix),
  • als Klapp-Wohnwagen, der immerhin feste Seitenwände hat, aber während der Fahrt die Benutzung des Innenspiegels im Zugfahrzeug ermöglicht (Beispiel: die Wagen der französischen Fa. Esterel),
  • als Wohnwagen mit Hubdach, der für die Dauer der Fahrt eine etwas geringere Höhe hat als im Wohnbetrieb (Beispiel: Eriba Touring-Serie von Hymer),
  • als gewöhnlicher Wohnwagen, dessen Wände feststehen.

Tatsächlich spielen die ersten zwei Kategorien eine sehr kleine Rolle. Hubdach-Wohnwagen werden immerhin von einigen Firmen angeboten, aber mindestens 90 Prozent aller Wohnwagen fallen in die letzte Gruppe der gewöhnlichen Wohnwagen.

Bei den gewöhnlichen Wohnwagen wird unterschieden in

  • Mini-Wohnwagen, die es eigentlich nur deshalb gibt, weil manche Autos nur geringe maximale Anhängelasten haben,
  • Touring- oder Reisewohnwagen, die häufigste Variante, und in
  • Luxus-Wohnwagen, die nur von großen PKW oder von Geländewagen gezogen werden können.

Von Wohnwagen zu unterscheiden sind Mobilheime, die nur mit Hilfe von Traktoren oder auf Tiefladern von LKW bewegt werden und sich für die Reise nicht eignen, da sie kein geeignetes Fahrgestell und keine Bremsen zum Fahren haben.

Aufbau und Ausstattung

Der Aufbau besteht oft aus einem Rahmen, der außen mit Aluminiumblech und innen mit einer Kunststoff- oder Holzverkleidung beplankt ist, während dazwischen mit Kunststoffschaum (oft Polystyrol oder Polyurethan) isoliert wird. Gewöhnliche Wandstärke ist 30 bis 40 mm, bei teureren Modellen bis zu 50 mm. Der Rahmen besteht in wenigen Fällen aus Metall (z. B. beim Eriba Touring), in den meisten Fällen aus Holz. Einige wenige Wohnwagen haben eine Hülle aus Polyester wie z. B. die Baureihe Adiva des slowenischen Herstellers Adria, die leichter repariert werden kann und nicht verrottet.

US-Amerikanischer „Airstream“-Wohnwagen

Auch Reisewohnwagen werden – zumindest außerhalb der eigentlichen Urlaubszeit – mitunter als Wochenendunterkunft im sogenannten Dauercamping benutzt.

Typische Reisewohnwagen haben eine Aufbaulänge von bis zu 4,50 m und eine Breite von 2,10–2,30 m und bieten je nach Innenausstattung bis zu sechs Schlafplätze, wobei dann zwei Plätze meistens nur für Kinder zu benutzen sind, oftmals in Form von Etagenbetten. Üblich sind zwei bis vier Schlafplätze. Oft sind die Schlafplätze tagsüber umbaubar zu Sitzgruppen – je nach Größe zu sogenannten Gegensitzgruppen (man sitzt sich gegenüber) oder U-Sitzgruppen bzw. Hecksitzgruppen (man sitzt an drei Seiten um den Tisch herum). Große Luxuswohnwagen können bis zu 8 m lang und 2,50 m breit sein.

Immer häufiger am Markt zu finden sind „Familien-Caravans“, welche sogar über bis zu 7 Schlafplätze verfügen. Hierbei gibt es meist ein festens Doppelbett für die Eltern, 2–3 feststehende Etagenbetten für die Kinder, sowie eine zusätzliche Sitzgruppe, welche nochmals zum Doppelbett umgebaut werden kann.

Übliche Ausstattung (außer bei sehr kleinen Wohnwagen) ist heutzutage ein Küchenblock mit einem zwei- oder dreiflammigen Gaskocher, einem Kühlschrank (ca. 70–90 l) und einer kleinen Spüle. Besonderheit des Kühlschranks ist die Möglichkeit, ihn mit 230 Volt Wechselstrom, mit 12 Volt Gleichstrom oder mit Campinggas (95 % Propan und 5 % Butan) betreiben zu können. Es handelt sich hierbei um sogenannte Absorberkühlschränke welche über elektrische Heizpatronen sowie einen Gasbrenner verfügen. Diese Geräte arbeiten völlig geräuschlos und brauchen recht lange, bis die gewünschte Kühltemperatur erreicht ist. Eher im Reisemobilbereich vertreten sind die Kompressorkühlschränke welche über einen Kühlkompressor verfügen. Deren Vorteil ist die weitaus bessere und schnellere Kühlleistung. Nachteilig sind hier allerdings die Notwendigkeit eines Stromanschlusses (Gasbetrieb nicht möglich) sowie ein nicht geräuschloser Betrieb. Marktführer bei den Caravankühlschränken ist die Firma Dometic (ehemals Electrolux).

Im Gasflaschenkasten (früher Deichselkasten) können bei kleineren Wohnwagen zwei 5-kg-, bei anderen zwei 11-kg-Gasflaschen untergebracht werden.

Die Wasserversorgung geschieht mit Kanistern (entnehmbar) oder Tanks (fest eingebaut) mit einer Kapazität von 20 bis 70 l, das Abwasser wird (im Gegensatz zu Reisemobilen) nicht in einem Tank gesammelt, sondern fließt in einen untergestellten Eimer, Kanister oder – besser – einen geschlossenen Abwasserbehälter (verschiedene Bauarten, in manchen Ländern Vorschrift). Auf luxuriösen Campingplätzen werden Frisch- und Abwasser fest angeschlossen, sehr selten auch Gas. Vom Vorratsbehälter zum Wasserhahn muss das Wasser gepumpt werden, weil es kein Gefälle zum Wasserhahn hin gibt. Das geschieht mit einer 12-Volt-Pumpe, weshalb für den 230-Volt-Betrieb ein Gleichstrom-Netzteil notwendig ist. Die Wasserhähne haben einen Kontakt, der beim Drehen oder Anheben des Hahnes die Pumpe beim Öffnen automatisch einschaltet. Früher gab es Fußschalter hierfür, auf die man bei der Wasserentnahme treten musste.

Immer häufiger gefragt werden auch elektrische Kleinboiler zur Heißwasserbereitung (meist die Truma-Therme mit 5 l Inhalt). Diese versorgen nicht nur eine optionale Dusche im Bad, sondern bieten auch mehr Komfort z. B. beim Geschirrspülen im Caravan. Weiterhin sind diese an die Warmluftanlage der Gasheizung angeschlossen (sofern vorhanden), welche somit auch das Frischwasser im Boiler mit erwärmt. Eher im Reisemobilbereich vertreten sind größere Gasboiler mit 10–14 l Kapazität.

Häufig anzutreffen ist auch eine Nasszelle mit Waschbecken, meist auch mit Kassettentoilette. Hierbei ist die Firma Thetford führend. Hilfreich ist eine sogenannte Serviceklappe, über die der Abwassertank mit den Fäkalien (Schwarzwassertank) von außen entsorgt und auch Frischwasser nachgefüllt werden kann. Eine Duscheinrichtung gibt es in gut ausgestatteten Wohnwagen, mindestens aber haben neue Modelle eine Duschtasse als Nasszellenboden, so dass Wasserspritzer nicht den Wagenboden aufweichen können.

Fast alle Wohnwagen haben eine Gasheizung, wobei im deutschsprachigen Raum die Firma Truma führend ist. Für Wintercamping benötigt man eine Warmluft-Verteilanlage, damit eine gleichmäßige Temperatur herrscht. Ebenfalls sind sogenannte Winterrückenlehnen notwendig; hierbei handelt es sich um Abstandhalter zwischen den Polstern der Sitzgruppen und den Außenwänden, um diesen Bereich zu hinterlüften, damit Schwitzwasserbildung vermieden wird. Besonders für Wintercamping ausgerüstete Wohnwagen haben teilweise auch eine Fußbodenheizung, manchmal auch mit einem Warmwasserkreislauf.

Beim Wintercamping ist der Wohnwagen starken Temperaturschwankungen ausgesetzt: Beim Wohnen angenehme 18–20 °C, beim Fahren (dabei sollte die Heizung abgeschaltet sein) sinkt die Temperatur auf die Außentemperatur ab – vielleicht auf minus 20 °C. Bei Ankunft wird dann gleich wieder aufgeheizt.

Hilfreich für das Wintercamping ist eine automatische, druckgesteuerte Umschaltung von der ersten auf die zweite Gasflasche, damit die Heizung nicht mitten in der Nacht wegen Gasmangels verlischt.

Die Fahrgestelle der meisten Wohnwagen stammen von der Firma AL-KO (Alois Kober) oder BPW (Bergische Achsen). Fast alle Modelle sind gebremst, d. h. mit einer sogenannten Auflaufbremse ausgestattet. Wird der Pkw gebremst, schiebt der Wohnwagen von hinten. Durch den Druck der Deichsel auf die Kugelstange der Anhängerkupplung werden die Bremsen des Wohnwagens betätigt. Dies sind übrigens immer Trommelbremsen, weil sich Scheibenbremsen auf diese Weise nicht mit ausreichend hoher Kraft betätigen lassen. Durch ein starkes Anschrägen der Backenbetätigung wird zum einen ein Servo-Effekt erreicht, zum anderen ein problemloses Rückwärtsfahren ermöglicht, da hierbei nur eine ganz geringe, vernachlässigbare Bremswirkung entsteht. Ältere Wohnwagen hatten bis ca. in die 1970er Jahre noch eine von Hand zu betätigende Rückfahr-Klinke an der Deichsel, die den Auflaufbremsmechanismus zum Rückwärtsfahren außer Kraft zu setzen erlaubt.

Die meisten Camper verwenden ein Vorzelt oder Sonnendach vor dem Wohnwagen. Dadurch wird die Nutzfläche stark vergrößert. Das Vorzelt wird als Windfang bzw. Wetterschutz, zum Abstellen von Gegenständen und insbesondere zum Trocknen von Kleidung verwendet, da es im Innenraum an Platz mangelt (z. B. um nasse Kleidung zu trocknen). Beim Dauercamping stehen im Vorzelt oft ganze Küchen- und Wohnzimmereinrichtungen; dann wird oftmals vermieden, im Wohnwagen selbst zu kochen, um Kochgerüche aus dem Schlafbereich herauszuhalten.

Die neuesten Modelle werden jährlich u. a. auf dem Caravan Salon in Düsseldorf und der C-B-R in München vorgestellt.

Rechtliches

Fahren

Verbindung vom Wohnwagen zum Auto, Modell mit Schlingerdämpfer

Bei Verwendung eines Wohnwagens mit einem Pkw ist immer die zulässige Anhängelast des Pkw (siehe Kraftfahrzeugschein unter Ziffern 28/29) zu beachten, ggf. auch die zulässige Gesamtmasse des Gespanns. Dabei zählt die tatsächliche Masse des Anhängers, nicht seine zulässige Gesamtmasse (früher zulässiges Gesamtgewicht). Es gibt zusätzliche Hilfen wie Anti-Schlinger-Kupplungen, die von den Firmen AL-KO, Winterhoff und Westfalia angeboten werden.

Für Wohnwagen gilt – wie für andere Anhänger auch – in Deutschland eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km/h. Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, kann eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden. Diese sind:

  1. Zugfahrzeug muss mit Antiblockiersystem (ABS) ausgerüstet sein.
  2. Die zulässige Gesamtmasse des Zugfahrzeugs darf nicht größer als 3,5 t sein (gilt jedoch nicht für Pkw, sondern nur für sonstige mehrspurige Kraftfahrzeuge mit Anhänger).
  3. Der Wohnwagen muss hydraulische Stoßdämpfer haben.
  4. Die zulässige Gesamtmasse des Wohnwagens darf maximal 80 Prozent der Leermasse des Zugfahrzeugs betragen. Seit Oktober 2005 gilt eine erweiterte Regelung (siehe unten).
  5. Die Reifen des Caravans müssen jünger als 6 Jahre sein und mindestens der Geschwindigkeitskategorie L (= 120 km/h) entsprechen.
  6. Die Stützlast der Kombination ist an der größtmöglichen Stützlast des Zugfahrzeugs oder des Anhängers zu orientieren, wobei als Obergrenze der jeweils kleinere Wert gilt.

Seit Oktober 2005 gilt eine neue Regelung:

  1. Die zulässige Gesamtmasse des Caravans darf die Leermasse des Zugfahrzeugs nicht übersteigen (Faktor 1,0). Zusätzlich muss:
  2. der Anhänger mit einer Stabilisierungseinrichtung gemäß ISO 11555-1 der Fassung vom 1. Juli 2003 ausgestattet sein.
  3. oder mit anderen technischen Einrichtungen, zu denen ein Gutachten (ABE oder Betriebserlaubnis) vorliegt, das einen sicheren Betrieb der Kombination bis 120 km/h bestätigt.
  4. oder das Zugfahrzeug mit einem speziellen elektronischen, fahrdynamischen Stabilitäts-System für Anhängerbetrieb ausgestattet ist, über das eine Bestätigung des Herstellers vorliegt und das in den Fahrzeugpapieren eingetragen ist.

Die Neuregelung der Tempo-100-Verordnung für Caravan-Kombinationen ermöglicht es rund 80 Prozent der Caravan-Besitzer, auf Autobahnen und autobahnähnlichen Straßen Tempo 100 zu fahren. Die neue Verordnung ist seit 22. Oktober 2005 rechtskräftig und zunächst bis zum 31. Dezember 2010 befristet. Die wichtigsten Neuerungen zur bisherigen Tempo-100-Regelung sind der höhere Massenfaktor zwischen Zugfahrzeug und Anhänger und der Wegfall der sogenannten „Hochzeit“, also der Bindung der Tempo-100-Regelung an ein bestimmtes Gespann. Ein freier Tausch zwischen Fahrzeug und Anhänger ist so unter Einhaltung der genannten Bedingungen erstmals möglich. Zudem darf der Quotient aus zulässigem Gesamtgewicht des Wohnwagens und Leergewicht des Zugfahrzeuges nun den Wert 1 (bisher 0,8) annehmen.

Neben der verfügbaren Antriebsleistung des Zugfahrzeuges muss auch die gesamte Fahrphysik stimmen. Denn Luftkräfte wirken mit dem Quadrat der Geschwindigkeit auf den Wohnwagen-Aufbau. Die Betriebserlaubnis eines Wohnwagens begrenzt die maximale Geschwindigkeit in aller Regel auf 100 km/h, was im Falle eines Unfalls bei höheren Geschwindigkeiten zum Verlust der Versicherungsleistung führen kann (auch wenn die nationalen Straßenverkehrsordnungen anderer Länder höhere Geschwindigkeiten zulassen).

Hinweise zu den Verkehrsbestimmungen für Gespanne in den einzelnen Urlaubsländern finden sich in Autoatlanten, Reise- und Campingführern sowie über die Webportale der Automobilklubs.

Parken

In Deutschland dürfen Wohnwagen ebenso wie andere Anhänger von Kraftfahrzeugen am Straßenrand sowie auf öffentlichen Parkplätzen nicht länger als zwei Wochen geparkt werden. Dies gilt nicht auf besonders gekennzeichneten Parkplätzen.[1] Entgegen weit verbreiteter Ansicht wird durch Verschieben des Wohnwagens um wenige Meter oder kurzzeitiges Entfernen und wieder Abstellen eine längere Parkdauer nicht legalisiert. Statt dessen wird lediglich den Ordnungsbehörden der Nachweis des Parkverstoßes erschwert.

Bitte beachte den Hinweis zu Rechtsthemen!

Fahrphysik, Geschwindigkeit, Stabilität, Eigenheiten

Ein Wohnwagengespann sicher und zügig zu fahren, erfordert zumeist eine erhebliche Umstellung der Fahrgewohnheiten.

Schon die größere Breite eines Gespannes mit den Spiegelverlängerungen und das Abbiegen um enge Ecken erfordert gewisse Eingewöhnung.

Der Antriebsstrang eines PKW wird im Wohnwagenbetrieb erheblich belastet. Besonders Antriebe, die bei niedriger Drehzahl nur ein geringes maximales Drehmoment erreichen belasten Kupplung oder Drehmomentwander besonders beim Anfahren wegen erforderlichen erhöhten Drehzahlen sehr. Oft ist es bei knapp bemessener Leistung auch nicht möglich, bei 80 bis 100 km/h die Geschwindigkeit – vor allem bei Gegenwind oder leichten Steigungen – im höchsten Gang zu halten. Es muss heruntergeschaltet werden und gegebenenfalls wird auch der fließende Verkehr behindert.

Generell sind daher für den Gespannbetrieb Motoren, die ein hohes Drehmoment schon bei niedrigen Drehzahlen anbieten und über ausreichend Leistung verfügen, vorteilhaft. Das sind vor allem moderne Diesel- und Ottomotoren mit Aufladung und Direkteinspritzung oder großvolumige sechs- oder Mehrzylindermotoren, die ihr maximales Drehmoment schon bei relativ geringen Drehzahlen um 1500 U/min und darunter erreichen und über einen größeren Bereich halten können.

Auch für Gespanne gilt, dass ein Mitschwimmen im fließenden Verkehr die wirtschaftlichste und sicherste Fahrweise ist. Häufig ist das für Urlaubsreisen der LKW-Verkehr auf der rechten Spur der Autobahn. So wird eigenes Überholen und Überholtwerden durch andere auf ein Mindestmaß reduziert. Die 100-km/h-Zulassung für Gespanne ist eine probate Möglichkeit, sich dem Dilemma „Gesetzestreue versus übliche Fahrgepflogenheiten der LKW“ zu entziehen.

Das Kühlsystem des PKW wird durch den Gespannbetrieb höher belastet. Die Bremsen eines PKW werden, trotz Auflaufbremse des Wohnwagens, im Gespannbetrieb erheblich höher strapaziert. Kritische Fälle sind vor allem lange Passabfahrten im Gebirge, bei denen auch heutzutage noch Brems-Fading einsetzen kann: das merkliche Nachlassen der Bremsleistung infolge Überhitzung.

Auch die Aerodynamik eines Wohnwagengespannes birgt einige Besonderheiten. Gespannfahrer, insbesondere mit knapper Motorisierung, könnten in die Versuchung kommen, sich an Lastwagen „anzuhängen“ und ihnen in deren Windschatten in einem geringen Abstand zu folgen – sich „ansaugen“ zu lassen. Damit wird der erforderliche und aus guten Gründen vorgeschriebene Sicherheitsabstand erheblich unterschritten, mit möglichen fatalen Folgen.

Die aerodynamischen Wechselwirkungen bestehen auch beim Überholen und beim Überholtwerden: Es gibt einen Bereich des seitlichen „Ansaugens“ und „Wegdrückens“ im schnellen Wechsel; besonders bei großen und schnell vorbeifahrenden Fahrzeugen (z. B. Kleintransportern). Auf diese Effekte muss man gefasst sein und darf sich nicht zu einem Verreißen der Lenkung bei Korrekturversuchen verleiten lassen.

Gespannfahren erfordert in besonderem Maße Vorausschau und Umsicht. Auch sind sich viele andere Verkehrsteilnehmer der besonderen Bedingungen eines Wohnwagengespannes nicht bewusst. Es dauert länger, bis der Fahrer sich über die Seitenspiegel einen Überblick über die Verkehrssituation verschaffen kann. Das Gespann beschleunigt weniger; Überholvorgänge ziehen sich in die Länge. Besonders in Großstädten – wo jeder jede Lücke nutzt – ist besonnene Fahrweise angesagt: immer auf alles gefasst sein, sehr früh Zeichen geben, keine schnellen Spurwechsel und ggf. Abwarten, bis ein einsichtiger Verkehrspartner das gewünschte Manöver erlaubt.

Ein Wohnwagengespann neigt zu Schwingungen. Unebenheiten der Fahrbahn werden deutlicher wahrgenommen als im Solobetrieb (Nicken). Bei höheren Geschwindigkeiten neigen Gespanne zum seitlichen Pendeln, insbesondere bei ungeschickter Beladung (Hecklastigkeit). Beim Auftreten von Pendeln sofort leicht abbremsen: Bremsen bringt eine gefährlich werdende Schwingung aus dem Takt.

Gängige Maßnahmen zur Sicherung der Fahrstabilität eines Gespanns sind:

  • Ausrüsten des Gespannes mit einer Stabilisierungseinrichtung
  • Zulässige Stützlast ausnutzen (Stützlastwaage)
  • Schwere Objekte möglichst in den Kofferraum des Zugwagens. Gute Voraussetzung ist eine Niveauregulierung an der Hinterachse des Zugwagens.
  • Die zulässige Achslast nicht überschreiten
  • Alles Schwere im Wohnwagen möglichst tief und möglichst nahe an die Achsmitte, in die unteren Staufächer oder verzurren
  • Keine schweren Gegenstände in die Oberfächer
  • Keine Überladung von Zugfahrzeug und Wohnwagen
  • Die Wirksamkeit von Spoilern auf dem Dach des Zugfahrzeugs ist umstritten. Es ist schwierig, sie anzubringen und richtig einzustellen; sie werden nur noch selten verwendet.
  • Eine Satellitenantenne immer flach abklappen

Marken, Hersteller und Typen

Zirkuswohnwagen
  • Adria, Slowenien
  • Airstream
  • Beisl
  • Bürstner gehört zur Hymer-Gruppe
  • Cabby, schwedischer Hersteller, bekannt für besonders wintertaugliche Caravans
  • Carado, Gemeinschaftsunternehmen von Hymer & Dethleffs, seit 2006
  • Caravelair (gehört mit Sterckeman zum französischen Trigano-Konzern)
  • Corsar, ehemaliger Hersteller aus Marl/NRW
  • Cristall ist mit dem Konkurs der holländischen Gruppe Tirus nicht mehr am deutschen Markt
  • Dethleffs gehört zur Hymer-Gruppe
  • Eifelland, gehört mit Wilk, Knaus und Tabbert zur Knaus Tabbert Group (gemeinsame Produktion)
  • Eura Mobil
  • Eriba heissen die Wohnwagen der Firma Hymer, seit im Jahre 1957 Erwin Hymer und Erich Bachem (=ERIch BAchem; Spitzname aus Studienzeiten) den „Ur-Troll schufen“.
  • Fendt gehört zur Hobby-Gruppe
  • Hobby
  • Hymer
  • Intercamp, ehemaliger Hersteller aus der DDR, vollisolierte Polyestercaravans
  • Kabe, schwedischer Hersteller, bekannt für besonders wintertaugliche Caravans
  • Kip, niederländischer Hersteller
  • Knaus, gehört mit Eifelland, Wilk und Tabbert zur Knaus Tabbert Group (gemeinsame Produktion)
  • LMC gehört zur Hymer-Gruppe
  • Niewiadow Polen, produzierte bis 2007 noch Wohnwagen mit Hubdach
  • QEK (VEB Qualitäts- und Edelstahlkombinat), Wohnwagenmarke aus der DDR (QEK Junior, QEK Aero, QEK 325)
  • Solifer
  • Sterckeman (gehört mit Caravelair zum französischen Trigano-Konzern)
  • Tabbert, gehört mit Eifelland, Knaus und Wilk zur Knaus Tabbert Group (gemeinsame Produktion)
  • TEC, heute zu LMC
  • Weippert
  • Wilk, gehört mit Eifelland, Knaus und Tabbert zur Knaus Tabbert Group (gemeinsame Produktion)

Siehe auch

Camping, Zelt, Wohnmobil, Ferien, Bordspannungssteckdose, Wohnbus, Bauwagen, Hebekippdach

Literatur

  • DIN VDE 0100-754 (VDE 0100-754):2006-02 Errichten von Niederspannungsanlagen -Teil 7: Anforderungen für Betriebsstätten Räume und Anlagen besonderer Art -Hauptabschnitt 754: Elektrische Anlagen von Caravans und Motorcaravans ( IEC 60364-7-708: 1988, modifiziert + A1: 1993, modifiziert); Deutsche Übernahme HD 384.7.754 S1: 2005, VDE-Verlag, Berlin

Weblinks

Einzelnachweise

  1. StVO §12 (3b)

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