Yayoi-Zeit


Yayoi-Zeit

Yayoi (jap. 弥生時代, Yayoi jidai) bezeichnet eine japanische Kulturepoche, die ihren Ursprung ungefähr 300 v. Chr. hat und bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. hineinreicht. Ihren Namen verdankt sie der ersten Fundstelle einer neuen Keramikart, die in einem Vorort von Tokio gefunden wurde. Diese neue Keramik unterscheidet sich in Form und Gestaltung sehr von der der Jōmon-Zeit. Sie ist nun wesentlich schlichter und härter, da sie bei höheren Temperaturen gebrannt wird.

Offenbar gab es um 300 v. Chr. einen erneuten Einwanderungsstrom von Korea aus, der die Menschen der Jōmon-Kultur verdrängte. Zunächst breitete sich der Zustrom von Nord-Kyūshū und Nara gen Osten aus, während sich in den westlichen und nördlichen Teilen von Kantō, im Norden von Tōhoku und auf Hokkaidō weiterhin die Jōmon-Kultur behaupten konnte.

Inhaltsverzeichnis

Landwirtschaft

Mit dem Eindringen kontinentaler Volksgruppen gelangten auch neue kulturelle Einflüsse auf die japanischen Inseln. Neben den Keramiken wurde nun erstmals Nassreis angebaut, und damit eine erweiterte Form der Landwirtschaft und des Ackerbaus betrieben. Der Anbau von Reis wurde schnell zu einer tragenden wirtschaftlichen Komponente, da er fortan als Grundnahrungsmittel diente. Zudem wurde ein ausgefeiltes Bewässerungssystem erschaffen. Auch die Pferde- und Rinderhaltung wurden zu dieser Zeit eingeführt und genutzt. Bedingt durch die gesicherte Nahrungsmittelproduktion und die gute Wasserversorgung stieg die Bevölkerungszahl rasch an und es kam zu einer Vergrößerung der einzelnen Siedlungen.

Die Holzhäuser waren durch einen Wassergraben geschützt und hatten eine zentrale Feuerstelle, an der für das gesamte Dorf gekocht wurde. Hierbei wurden spezielle Keramiken als Töpfe benutzt, Krüge für Wasser verwendet und man aß aus Bambustellern.

Neben dem Reis war die Einführung von Metallwaren von entscheidender Bedeutung. Zwar wurden Bronze und Eisen noch teuer aus Korea importiert, für die Produktion von Waffen, Schmuck und Gebrauchsgegenständen war es jedoch unverzichtbar geworden.

Dies ist auch die Zeit, in der Japan erstmals von chinesischen Quellen erwähnt wird. In diesen werden die japanischen Inseln umfassend als das Land Wa (倭) bzw. Wo bezeichnet. Die Quellen berichten von den Sitten der dort lebenden Menschen, wie sie sich mit rosa und roten Farben schminken und ihre Toten betrauern und verehren. Vor schweren Aufgaben werden aufgekochte Knochen zur Weissagung herangezogen, und es werden lange Rituale zur Verehrung der Gottheiten durchgeführt. Jede Stadt hat einen eigenen Marktplatz, auf dem sich auch Weise aufhalten, die der chinesischen Schrift mächtig sind. Jede Provinz hat Beamte, die für die Ordnung an Märkten und Getreidespeichern sorgen.

Gesellschaft

Auch in der Gesellschaft vollzog sich ein Wandel. Anhand der chinesischen Dokumente lässt sich eine hierarchische Gesellschaftsstruktur nachweisen:

Uji (氏)
Am machtvollsten waren die Uji, was frei übersetzt Klan oder Sippe bedeutet. Sie bestanden aus großen Familienverbänden und bildeten die Oberschicht in einer Region. Der uji no kami war der Sippenälteste und wurde als Abkömmling der Uji-Gottheit (ujigami) verehrt. Somit besaß er eine patriarchale Stellung und war oberster Priester bei Zeremonien. Die Uji trugen zudem Familiennamen.
Be (部)
Die Be bildeten die Arbeiterklasse, die sich auch in Gemeinschaften zusammenschlossen. Sie waren zwar prinzipiell frei, standen jedoch im Dienste der Uji.
Yakko (奴)
Die Yakko war die Sklavenklasse. Sie gehörten den Uji und machten ca. 5 % der damaligen Gesamtbevölkerung Japans aus.

Mit der Zeit verschmolzen immer mehr Familien zu großen Klans zusammen. Insbesondere die Yamato-Familie übte große Macht aus. Ausgehend vom Land Yamatai schuf sie eine politische Einheit und führte die ersten Kriege mit anderen Ländern. Oft wird von einer legendären Herrscherin namens Pimiko (auch Himiko oder Himeko gelesen) berichtet, die auch nach Korea übersetzte und dort große Gebiete eroberte.

In den japanischen Annalen (Kojiki, Nihonshoki) wird die Einheit Japans durch den ersten Kaiser Jimmu im Jahre 660 v. Chr. geschaffen, nachdem er das Land Yamato erobert haben soll. Dieses Datum wird jedoch angezweifelt und die tatsächliche Einigung eher auf die Wende zwischen der Yayoi-Zeit und der Kofun-Zeit verlegt.

Das Heiligtum im Ise-Schrein wird alle zwanzig Jahre identisch auf einem daneben liegenden zweiten Platz neu errichtet, das alte Gebäude wird angezündet. Archäologische Ausgrabungen von Yayoi-Dörfern haben bewiesen, dass der Baustil dieses Holzschreins tatsächlich dem der Yayoi-Zeit entspricht.

Literatur

  • Kiyoshi Inoue: Geschichte Japans, Campus Verlag, Frankfurt/New York 1995, ISBN 3-593-34845-4

Weblinks

 Commons: Yayoi-Zeit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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