Zitadelle


Zitadelle
Zitadelle von Bitche

Eine Zitadelle ist ein für sich selbstständiger Teil einer Festung und ihr am stärksten ausgebauter Teil. Bei einer Erstürmung der Stadt durch feindliche Truppen diente sie als Rückzugsort für die Garnison und letzter Widerstandskern der Stadt. Die Bezeichnung wurde in der Frühen Neuzeit von der italienischen Bezeichnung „cittadella“ entlehnt, was „kleine Stadt“ bedeutet.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Lage der Zitadelle Mainz auf einer Landkarte von 1898

Eine Zitadelle positioniert sich entweder innerhalb oder am Rande einer Stadtbefestigung. Oftmals wurde sie bewusst im Zentrum einer als unloyal betrachteten Stadt errichtet und diente somit einem ähnlichen Zweck wie die mittelalterliche Zwingburg. Bei der Lage außerhalb der Stadt trennt die Esplanade als freies Schuss- und Rückzugsfeld die Zitadelle von den anderen Wehranlagen.

Form, Verbreitung und Geschichte

Freie äußere Form

Die fast kreisrunde Zitadelle von Aleppo

Die älteste Form der Zitadelle ist die auf einem Hügel gelegene Festung innerhalb oder am Rande einer Stadt. Die äußere Form dieser Zitadellen leitete sich mehr oder weniger direkt aus den Umrissen des Berges oder Hügels ab, auf dem sie standen. Im Griechenland der Antike wurden sie Akropolis genannt, was soviel bedeutet wie „Hohe Stadt“. Sie erfüllten auch die Funktion eines Heiligtums.

Auch spätere Beispiele, wie die Zitadelle Petersberg in Erfurt oder die Zitadelle von Bitche, richteten sich in ihrer groben Gesamtform nach dem Höhenprofil der Landschaft oder dem Umriss eines Berges. Im Detail übernahm man hier aber bereits das „zackenförmige“ Bastionärsystem.

Beispiele

innerhalb Deutschlands

außerhalb Deutschlands

Regelmäßiges Vieleck

Die neuitalienische Manier des Festungsbaus, spätes 16. Jahrhundert. a: Zurückgezogene Flanke mit Orillon b: Ravelin c: Cavalier g: Gedeckter Weg w: Waffenplatz
Schematische Karte der Zitadelle Spandau mit vier Bastionen – einer an jeder Ecke.

Anfang/Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelte man eine neue Form der Zitadelle, die den Grundriss eines regelmäßigen Vieleckes oder Sternes hatte (Siehe dazu die Abschnitte „Ursprünge des Bastionärsystems“ und „Entwicklung der neuitalienischen Manier“ im Artikel Geschichte der neuzeitlichen Festung). Im 17. Jahrhundert verfeinerte der französische Baumeister Sébastien Le Prestre de Vauban dieses Prinzip dann derart erfolgreich, dass er Einladungen von Städten aus ganz Europa erhielt, um deren Verteidigungsanlagen zu überarbeiten oder gleich ganz neu zu entwickeln. Das führte dazu, dass Zitadellen in einigen Regionen auch allgemein als „Vauban-Festungen“ bezeichnet werden. Durch die ausgeklügelte Geometrie der Wehranlagen war sie weniger auf den Schutz, den eine erhöhte Lage auf einem Berg brächte, angewiesen. Daher sind viele Vauban-Festungen in eher flacheren Regionen vorzufinden, wo es dann im Gegensatz zur Berglage auch einfacher ist, ein System aus schützenden Wassergräben anzulegen.

Die Renaissance strebte nach Idealen. Das „geometrische Ideal“ eines regelmäßigen Sternes mit dreieckigen Bastionen als Zacken konnte nicht immer in seiner Reinheit umgesetzt werden. Dies lag entweder an einer markanten Topographie, zum Beispiel der Lage auf einem Berg, an die es galt, sich anzupassen (siehe dazu im obigen Abschnitt z.B. die Zitadelle von Bitsch). Oder die Zitadelle richtete sich in ihrer Gestalt mehr nach dem Befestigungssystem der Stadt, als Beispiel käme eventuell die Zitadelle Wesel in Betracht (siehe ebenfalls im obigen Abschnitt).

Beispiele

innerhalb Deutschlands

außerhalb Deutschlands

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Zitadelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Zitadelle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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  • Zitadelle — (frz.), kleine Festung innerhalb einer größern, dient als Reduit der ganzen Befestigung …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Zitadelle — Sf Kernstück einer Festung per. Wortschatz fach. (15. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus frz. citadelle, dieses aus it. cittadella, einem Diminutivum zu it. città Stadt , aus l. cīvitās, zu l. cīvis m./f. Bürger .    Ebenso nndl. citadel, ne. citadel …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Zitadelle — Zitadelle: Die Bezeichnung für »Befestigungsanlage, Kernstück einer Festung« wurde im 15./16. Jh. unter Einfluss von gleichbed. frz. citadelle aus it. cittadella »Stadtfestung« entlehnt. Dies ist eine Verkleinerungsbildung zu ait. cittade »Stadt« …   Das Herkunftswörterbuch

  • Zitadelle — die Zitadelle, n (Aufbaustufe) am stärksten ausgebauter Teil einer Festung Beispiele: Um die Zitadelle tobten erbitterte Kämpfe. Die mächtige Zitadelle ist das Wahrzeichen der Stadt …   Extremes Deutsch

  • Zitadelle — Zi|ta|dẹl|le 〈f. 19〉 Kernstück einer Festung od. befestigten Stadt [<ital. cittadella „Stadtfestung“; Verkleinerungsform zu città „Stadt“ <lat. civitas „Bürgerschaft, Stadt“; zu civis „Bürger“] * * * Zi|ta|dẹl|le, die; , n [unter Einfluss …   Universal-Lexikon

  • Zitadelle — Bastei, Bastion, Befestigung, Befestigungsanlage, Burg, Festung, Festungsbau, Fort, Kastell, Verteidigungsanlage; (veraltet): Feste; (dichter. veraltet): Wehr; (früher): Bollwerk. * * * Zitadelle,die:1.⇨Befestigung(2)–2.⇨Festung(1)… …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Zitadelle — Zi·ta·dẹl·le die; , n ≈ Festung …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Zitadelle — Zi|ta|dẹl|le 〈f.; Gen.: , Pl.: n〉 (Kern einer) Festung od. befestigten Stadt [Etym.: <ital. cittadella »Stadtfestung«, Verkleinerungsform zu città »Stadt« <lat. civitas »Bürgerschaft, Stadt«; zu civis »Bürger«] …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Zitadelle — Zi|ta|del|le die; , n <aus fr. citadelle, dies aus it. citadella, eigtl. »kleine Stadt«, Verkleinerungsbildung zu altit. cittade »Stadt«, dies aus lat. civitas>: 1. Festung innerhalb od. am Rande einer Stadt. 2. letzter Widerstandskern in… …   Das große Fremdwörterbuch


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