Zweite Schlacht auf dem Amselfeld


Zweite Schlacht auf dem Amselfeld
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Schlacht auf dem Amselfeld
Teil von: Türkenkriege
Schlacht auf dem Amselfeld von Adam Stefanović, Öl, 1870
Schlacht auf dem Amselfeld von Adam Stefanović, Öl, 1870
Datum 15. Juni 1389 (julianischer Kalender)
Ort bei Priština
Ausgang Sieg der Osmanen. Beide Seiten verloren ihren Staatsführer.
Konfliktparteien
Serben, Bosnier, Albaner, Bulgaren[1] Osmanisches Reich
Befehlshaber
Fürst Lazar Hrebeljanović †, Vuk Branković, Vlatko Vuković Sultan Murad I. †, Bayezid I., Yakub
Truppenstärke
15.000-25.000 30.000-40.000
Verluste
unbekannt unbekannt

Die Schlacht auf dem Amselfeld (serbisch Бој на Косову/Boj na Kosovu) fand am 15. Juni 1389jul. auf dem Amselfeld im Kosovo zwischen den Truppen der serbischen Morava-Fürsten Lazar Hrebeljanović, dem Fürsten des Kosovo Vuk Branković sowie einer bosnischen Armee unter dem Heerführer Vlatko Vuković, der vom wichtigsten Vebündeten Lazars, dem bosnischen König Tvrtko I., entsandt war, sowie dem Heer der Osmanen unter Emir Murad I. und dessen Söhnen Bayezid I. sowie Yakub statt.[2] Die Serbische Armeee stand unter Lazars Oberbefehl.

Die Schlacht wird von zahlreichen Legenden begleitet und ist Teil der Serbischen epischen Gedichte im Kosovo-Zyklus.

Als Erinnerung an den Tag der Schlacht dient der Vidovdan, der am 28. Juni (15. Juni im julianischen Kalender) in Serbien gefeiert wird. Fürst Lazar, dessen Gebeine sich heute wieder in seinem Mausoleum dem Kloster Ravanica befinden, ist einer der wichtigsten Heiligen der Serbisch-Orthodoxen Kirche.

Inhaltsverzeichnis

Historischer Hintergrund

Obwohl die Schlacht an der Maritza 1367 oder 1371 im heutigen griechisch-türkischen Grenzgebiet zwischen dem serbischen Heer des Königs Vukašin Mrnjavčević und dem osmanischen Heer des Sultans Murad I. viel folgenschwerer für die serbische Geschichte war, so steht die Schlacht auf dem Amselfeld als Inbegriff des serbischen Kampfes gegen die Osmanen. Zwischen der Schlacht an der Maritza und der Schlacht auf dem Amselfeld fanden mehrere Schlachten statt, in denen einmal die Serben siegten (1381 bei Paraćin, 1387 in der Herzegowina) und dann wieder die Osmanen (1386 Eroberung von Niš). Auf dem Amselfeld sollte 1389 die Entscheidung fallen, ob die Osmanen ihr Einflussgebiet auch auf die altserbischen Länder auszuweiten vermochten.

Sowohl das serbische Heer unter Fürst Lazar Hrebeljanović als auch das osmanische Heer unter Sultan Murad I. waren gut vorbereitet. Nach der letzten siegreichen Schlacht gegen die Osmanen 1387 rechnete Fürst Lazar nicht so schnell mit einem neuen Feldzug der Osmanen, weswegen er kurz vor der Schlacht auf dem Amselfeld einen Feldzug gegen Ungarn führte. Sowohl Lazar als auch der bosnische König Tvrtko I. Kotromanić unterstützten die Gegenpartei Sigismunds von Luxemburg. Die innenpolitischen Konflikte in Ungarn ausnutzend fiel Lazar in Syrmien ein, besiegte die dortigen ungarischen Truppen und besetzte einige Ortschaften. Überrascht von der Nachricht eines neuen osmanischen Aufmarsches zog sich Lazar aus Syrmien wieder zurück, bot König Sigismund von Luxemburg einen Waffenstillstand an und versöhnte sich mit diesem, und richtete an Ungarn ein Hilfsgesuch. Dem Hilfsgesuch, das Fürst Lazar in viele Länder Europas schickte, folgten lediglich der bosnische König Tvrtko I. Kotromanić, der den Voivoden von Hum Vlatko Vuković Kosača entsandte, und der serbische Fürst Vuk Branković, der im Gebiet des heutigen Kosovos und in Skopje herrschte.

Kräfteverhältnisse

Zahlen über die bewaffneten Kräfte der Kontrahenten sind nicht überliefert. „Alle abendländischen und türkischen Quellen berichten über die zahlenmäßige Überlegenheit des christlichen Heeres - mit einer Ausnahme: Runciman, Verfasser eines Standard-Werkes über die Kreuzzüge, spricht von einer 'großen zahlenmäßigen Überlegenheit der Türken' auf dem Amselfeld.[3] Etwa 40.000 Mann, von denen ein Großteil aus Anatolien kam, soll seine Stärke diesen Darstellungen zufolge betragen haben. Zu diesen Truppen sollen sich auch serbische Fürsten aus Mazedonien gesellt haben, wie z.B. Konstantin Dejanović.

Im christlichen Lager sollen hingegen unter Fürst Lazar lediglich rund 25.000 Mann versammelt gewesen sein, von denen rund 18.000 Mann von Fürst Lazar selbst, die übrigen Männer vom bosnischen Feldherrn Vlatko Vukotić und vom Fürsten Vuk Branković gestellt worden sein sollen. Würden diese Zahlen stimmen, so hätte es sich tatsächlich um eine für die damalige Zeit beachtliche Heeresstärke gehandelt. Zum Vergleich: 1415 in der Schlacht von Azincourt im Hundertjährigen Krieg bekämpften sich ca. 20.000 Franzosen und 6.000 Engländer.

Schlachterlauf

Detaillierte Berichte zur Schlacht gibt es nicht. Bekannt ist, dass Fürst Lazar die Streitkräfte im Zentrum anführte, der Fürst Vuk Branković die Streitkräfte des rechten Flügels und der bosnische Feldherr Vlatko Vukotić die Streitkräfte des linken Flügels.

Wahrscheinliche Truppenaufstellung zu Beginn der Schlacht, rot: serbisches Heer, grün: türkisches Heer

Auf der türkischen Seite führten Sultan Murad I. das Zentrum, sein älterer Sohn und Thronfolger Bajezid I. den rechten und der jüngere Sohn Jakub den linken Flügel. Der Grieche Evremos Beg war auf Gegenspionage und Abwehr christlicher Strategien spezialisiert. Ein gewisser Haidar war Kommandant der osmanischen Artillerie, die damals schon benutzt wurde. Es wurden schwere Salven auf die christlichen Ritter geschossen, die bis dato noch keinem Artilleriebeschuss ausgesetzt waren. Auch das serbische Heer hatte Kanonen. Die ersten Kanonen waren importiert und erstmals 1373 eingesetzt worden, 1385 wurden in Serbien die ersten eigenen Kanonen gegossen. Entgegen späterer Volksüberlieferungen und Legenden, die Erklärungen für das eigene Schicksal suchten, war das serbische Heer gut vorbereitet.

Die osmanischen Kanonen sollen die Schlacht eröffnet haben[4]. Sie sollen Stein- und Eisenkugeln in die näher kommenden Linien der christlichen Reiterei geschossen haben. Es bedurfte eines Volltreffers, um einen Reiter samt Pferd aufzuhalten, daher war die Artillerie am Amselfeld nicht besonders wirkungsvoll, abgesehen von der psychologischen Wirkung. Dem Artillerieeinsatz folgte ein Pfeilregen der Bogenschützen. Der Beschuss hatte nur schwache Wirkung, er hatte lediglich die Pferde verstört. Die schwer gepanzerten Reiter ritten in schwerfälligem Galopp auf die Bogenschützen zu, diese suchten auszuweichen und davon zu springen. In der Zwischenzeit war die osmanische Reiterei hervorgebrochen. Sie suchte die hinter der christlichen Reiterei gehenden Fußsoldaten zu erfassen. Der rechte Flügel unter Vuk Branković brachte dem Vernehmen bzw. den Berichten des osmanischen Thronfolgers Bajezid nach den linken osmanischen Flügel unter Jakub in schwerste Bedrängnis, auch im Zentrum schlugen die christlichen Ritter breite Bahnen in die osmanischen Reihen. Erst der Einsatz des rechten osmanischen Flügels unter Bajezid konnte eine anbahnende Niederlage der Osmanen abwenden. Weiter ist der Verlauf der Schlacht nicht bekannt.

Ergebnis

Wesentlich für den osmanischen Sieg war jedenfalls deren „straff geleitete ... Armee“, der die „zusammengewürfelten gegnerischen Einheiten“ letztlich nicht gewachsen waren[5]. Fest steht, dass sowohl Fürst Lazar als auch Sultan Murad starben. Über den Ausgang der Schlacht herrschte selbst unter Zeitgenossen Unklarheit. Der Franzose Meziers, ein russischer Mönch namens Ignatij, die anales ragusini anonymi aus Dubrovnik und Berichte des Königs Tvrtko I. an Florenz und Trogir bejubeln einen Sieg des Christentums. In Paris bekundeten die Kirchenglocken von Notre Dame den Sieg der Christenheit.

Osmanische Berichte über die Schlacht auf dem Amselfeld sind spärlich, und die wenigen sprechen mit einem gewissen Argwohn über die Schlacht, weil der Sultan Murat I. am 28. Juni 1389 durch ein Attentat getötet wurde. Dabei ist es eine Ironie der Geschichte, dass exakt am gleichen Tag 525 Jahre später, durch die Ermordung des Kronprinzen Franz Ferdinand, der Erste Weltkrieg ausgelöst wurde. Jedenfalls zog sich der neue Sultan Bajezid I. sofort nach der damaligen osmanischen Hauptstadt Edirne zurück, um sich die Thronfolge zu sichern, was fälschlicherweise auch als Sieg der christlichen Truppen gedeutet wurde.

Zwar wird die Schlacht auf dem Amselfeld allgemein als Sieg der Ottomanen betrachtet, aus rein militärischer Sicht muss die Schlacht jedoch eher als Unentschieden gewertet werden. Beide Anführer der Truppen waren gefallen, beide Verbände zogen sich vom Schlachtfeld zurück und die Ottomanen besetzen das Kosovo nicht.

Die schweren Verluste die beide Seiten erlitten trafen die Serben jedoch härter weil ihnen nicht die gleichen Reserven wie dem osmanischen Reich zur Verfügung standen. Dies führte dazu, das Serbien faktisch zu einem Vasallenstaat des osmanischen Reichs herabsank. Serbische Edelmänner zollten den Osmanen Tribut und stellten Truppen, einige von ihnen verheirateten ihre Töchter mit Bayezid, darunter auch die Tochter des gefallenen Fürsten Lazar. Stefan Lazarevic wurde zum treuen Verbündeten von Bayezid und kämpfte an seiner Seite in einigen bedeutenden Schlachten (z.B. in der Schlacht von Nikopolis). Erst diese Umstände führen dazu, dass die Schlacht auf dem Amselfeld als klare Niederlage der Serben gesehen wird.

Nachfolgende Amselfeldschlachten

Die Schlacht auf dem Amselfeld von 1389 war nicht die einzige. Schon früher wie auch später sollte das Kosovo Polje, das Amselfeld, Stätte verschiedener Kriege sein. Im Süden vom Gebirge der Šar Planina geschützt boten lediglich die Durchbrüche bei Kačanik und Preševo an der heutigen serbisch-mazedonischen Grenze und südlich des Amselfeldes einen Einmarsch in Serbien. Überschritten fremde Heere die Pässe, so trafen sie unmittelbar auf das Amselfeld, eine weite und fruchtbare Ebene, ideal für größere Schlachten. Nördlich des Amselfeldes begann wiederum das Gebirge des Kopaonik. Konnten Eindringlinge die Šar Planina überwinden, so versuchten serbische Heere diese wenigstens im Kopaoniker Vorgebirge aufzuhalten.

1402 fand die zweite Schlacht auf dem Amselfeld nach 1389 statt. Zwei serbische Heere traten gegeneinander an, die des Sohnes Fürst Lazars, Stefan Lazarević, und des Sohnes Vuk Brankovićs, Đurađ Branković. Stefan Lazarević siegte, und Đurađ Branković musste die Oberhoheit seines Onkels anerkennen.

Eine dritte Schlacht auf dem Amselfeld fand zwischen dem 17. Oktober und 20. Oktober 1448 statt, bei der Murad II. die Osmanen befehligte, und brachte eine Niederlage für das Kreuzfahrerheer, das unter der Führung des ungarischen Reichsverwesers Johann Hunyadi stand. Hier geschah gleich ein doppelter Verrat. Einmal als sich der Führer des Kreuzzugs, Johann Hunyadi, in Aussicht auf eine verlorene Schlacht mitsamt seinen Truppen bei Nacht und Nebel davonmachte und seine deutschen und böhmischen Verbündeten im Stich ließ, die dann allesamt in ihren Wagenburgen von den Osmanen besiegt wurden. Gleichzeitig wechselten etwa 4000 Walachen die Linien und liefen zu den Osmanen über (andere Quellen berichten gar von 8000 Walachen).

Nationalmythos der Serben

Das Mädchen vom Amselfeld, Uroš Predić
Paeonia peregrina, die Byzantinische Pfingstrose am Fuße des Denkmals am Gazimestan
Gazimestan, Denkmal der Amselfeldschlacht
Die Schlachtaufstellung, Gazimestan

Die Schlacht auf dem Amselfeld ist das historische Ereignis, das im Wesen der serbischen Geschichte am meisten verklärt wird. Im serbischen Selbstverständnis ist das Amselfeld damit der schicksalshafte Ort ihrer Geschichte, dessen Singularität Vasko Popa Beispielhaft im Gedicht Kosovo polje zusammenfasst: Ein Feld wie kein zweites, Himmel darüber, Himmel darunter [6] Fürst Lazar, als Führer der christlichen Koalition, wird schon unmittelbar nach der Schlacht der Oreol des Märthyrers zugesprochen, der durch die Heiligsprechung, literarische Behandlung und Kult des Amselfeldmythos, bis heute eine exponierte Stellung im serbischen Nationalbewusstsein einnimmt.

Der Kosovo-Zyklus in der Serbischen epischen Dichtung

Herkunft und Literarische Einflüsse

In der Serbischen epischen Dichtung sind die Gesänge des Kosovozyklus seit dem späten 15. Jahrhundert bekannt. Die serbische epische Dichtung wurde oral tradiert und wird bis heute von einem Sänger, dem Guslar, der zumeist ein Seiteninstrument, die Gusle als Begleitinstrument nutzt, vorgetragen.

Strukturell sind diese Gesänge aus der mittelalterlichen Dichtung in den feudalen Zentren an der Adriaküste, den bugarstice hervorgegangen (14 oder 16 Silben in einer Linie).[7] Hier wurden die Heroen der Schlacht vom Amselfeld, nach dem Zusammenbruch des serbischen Reiches 1459, durch die Emigration zahlreicher serbische Adliger an die Adriaküste und die Herzegowina literarisch von den ehemaligen serbischen Hofdichtern sowie der Tradition verhafteten Adligen als zentrale Gestalten in die epischen Gesänge aufgenommen, die bald zu einem Zyklus verschiedener Geschichten anwuchsen, die auch außerhalb des Amselfeldkontexts Themen fanden.

Eine Beeinflussung der epische Gesänge ist durch die italienische Dichtung, insbesondere von Ariosto und Tasso, wie auch von der Tradition der Trobadore und den kastilischen Romances (Romanceros, romances), die den Konflikt zwischen Islam und Christentum behandeln, in den feudalen Zentren Dalmatiens wie Ragusa, dem späteren Dubrovnik vermutet worden. Die Schlacht an sich wird in den Gesängen nicht beschrieben, aber die Figuren und Handlungen bewegen sich um das große Ereignis der Schlacht.

Einzelne Gesänge des Epos

Das Mädchen vom Amselfeld

Eine der bekanntesten Figuren ist hier unter anderem das Mädchen vom Amselfeld. Die junge Frau sucht nach der Schlacht Überlebende und kümmert sich mit Essen und Wein um die Verwundeten. Sie erfährt durch die Erzählung des tödlich verwundeten Helden Pavle Orlović, was sich zugetragen hat. Die junge Frau ist in der serbischen Kultur seither Sinnbild von Güte und Hilfsbereitschaft:[8]

Frühe Rose, Junges Mädchen vom Amselfeld
Frühe Rose am sonntäglichen Morgen
Rose vor der strahlende Morgensonne
Die weißen Ärmel ihrer Robe hat Sie zurückgeworfen
Hat sie hinter ihre weichen weißen Ellenbogen geworfen
Trägt auf ihren Schultern weißes Brot
Trägt zwei leuchtende Krüge
Mit frischem Wasser hat sie den einen gefüllt
und den Anderen mit guten dunklen Wein
Dann sucht sie die weite Niederung des Amselfeldes
Sucht den Platz wo Zar Lazar stand
Wandert zwischen verblutenten Heroen
Als sie einen lebenden darunter entdeckt
Git sie im kühlendes Wasser
Gibt ihm wie das Sakrament, den roten Wein
Und bietet dem Helden das gute weiße Brot

Die Amselfeldschlacht in Mittelalterlichen serbischen literarischen Texten

Literarisch wird die Amselfeldschlacht aber auch schon unmittelbar nach der Schlacht thematisiert. Seine älteste lyrische Behandlung erfährt die Amselfeldschlacht 1402 im von der ehemaligen Despotin und Nonne Jefimija verfassten Lobpreisung des Fürsten Lazar (serb. Pohvala knezu Lazaru). Darin wird Lazar zum Christusgleichen Erlöser stilisiert:
Um die Unsicherheit iridischer Herrschaft abzulegen
um dein Blut zu vergießen
und sich den Kriegern des himmlischen Königs anzuschließen.
erreichtest du zwei Ziele:
Du tötestes das Ungeheuer
und erlangtest das Martyrergewand von Gott.

Der Sohn Lazars und Despot des serbischen Reiches Stefan Lazarević stellt auf dem Amselfeld eine Marmorsäule mit einem längeren literarischen Text auf. Darauf stand unter anderem: Wanderer, du, der du über das serbische Land gehst, egal woher du kommst, fremder oder einheimischer, betritts du dieses Feld, das sich Amselfeld nennt, dann wirst du auf diesem die Gebeine der Toten erblicken, und auch eine steinerene, kreuzartige Säule vorfinden, die geschmückt und sich inmitten des Feldes aufrecht erhebt.[9]

Serbische Legenden um das Amselfeld

Eine Legende ist auch, das die roten Pfingstrosen des Amselfeldes nach der Schlacht aus dem Blut der Gefallenen Heroen wuchsen. Daher heißt die Byzantinische Pfingstrose Paeonia peregrina (Kosovski božur, kyrill: Косовски вожур). Ein bekanntes Gemälde mit dem Thema ist Nadežda Petrovićs impressionistisches Gemälde Rote Pfingstrosen.

Politisierung des Vidovdans

Der Auftritt von Slobodan Milošević' zur 600-Jahr-Feier der Schlacht am 28. Juni 1989 in Gazimestan und seine dortige Amselfeld-Rede wird als erste bedeutende Manifestation der serbischen Nationalbewegung und des schwierigen Prozesses der serbischen Ideentitätsfindung im krisengeschüttelten Jugoslawien der 1980er Jahre gesehen. Die Nationalitätenkonflikte im späten Jugoslawien, die mit der Abkehr einer Identifizierung mit der jugoslawischen Gesellschaft und Ablehnung eines Gemeinsamen Staates zu den Jugoslawienkriegen beitrugen, wurde insbesondere im Westen an der Amselfeldrede ausgemacht, die Inhaltlich jedoch nie eine Brandrede darstellte und nur den Prozess der Nationalisierung eines der jugoslawischen Völker manifestierte.

Datum

Als Datum der Schlacht wird manchmal der 28. Juni angegeben. Dies liegt daran, dass der 15. Juni des Julianischen Kalenders auf den 28. Juni des heute international benutzten Gregorianischen Kalenders fällt. Da die serbische orthodoxe Kirche den Gregorianischen Kalender nicht übernommen hat [10], gilt in Serbien bis heute der 15. Juni des Julianischen Kalenders als Gedenktag; der internationale Gedenktag, der 28. Juni nach dem gregorianischen Kalender, findet an demselben Tag statt. Zum Zeitpunkt der Schlacht gab es aber noch keinen Gregorianischen Kalender, daher war damals das Datum eindeutig.

Der Vidovdan (eigentlich Vidov dan, deutsch St.-Veits-Tag) ist im Grunde genommen der Feiertag des altslawischen Gottes Svantovit bzw. Sveti Vid, zu dt. "der heilige Herrscher/Sieger". Er war der oberste Kriegsgott der alten Slawen. Aus diesem Grunde wählten die Serben diesen Tag um mit den Osmanen die Schlacht auf dem Amselfeld auszutragen.

Besondere Bedeutung hat der Vidovdan jedoch für Serbien. Als Vidovdan ging die Niederlage der Serben gegen die Osmanen in der Schlacht auf dem Amselfeld am 15. Juni 1389 (nach Gregorianischem Kalender am 28. Juni) in die Geschichte ein. Der 28. Juni ist Gedenk- und Feiertag in Serbien.

Literatur

  • Der Bergkranz, Petar Petrović-Njegoš, ISBN 3-87690-004-2
  • Der Krieg um den Kosovo, Malte Olschewski, ISBN 3-9806814-0-8
  • Der serbische Mythos, Ebenda, ISBN 3-7766-2027-7
  • Byzanz-Verfall und Untergang, John Julius Norwich, ISBN 3-8289-0374-6
  • Serbische Heldenlieder, Marburger Abhandlungen zur Geschichte und Kultur Osteuropas, ISBN 3-87690-627-X
  • Der Balkan, Gerhard Herm, ISBN 3-612-26195-9
  • Der Balkan, Mark Mazower, ISBN 3-442-76040-2

Weblinks

Siehe auch

Fußnoten

  1. Shaw, Stanford J.: Das Osmanische Reich und die moderne Türkei. in: Grunebaum, Gustav Edmund von Grunebaum: Die islamischen Reiche nach dem Fall von Konstantinopel. Fischer Weltgeschichte Bd. 15 Islam II. Augsburg 1998 (Weltbild Lizenzausgabe) S. 32f.
  2. Dusan Batkovic, Kosovo chronicals, Belgrad 1992 Kosovo chronicals, The Age of Ascent
  3. Ferenc Majoros und Bernd Rill: Das Osmanische Reich 1300–1922. Die Geschichte einer Großmacht. Marix Verlag GmbH, Wiesbaden 2004, S. 116.
  4. In den meisten Quellen ist nichts von einem osmanischen Artillerieeinsatz zu lesen. Solche Aussagen stützen sich im Allgemeinen auf eine nicht unumstrittene Passage in der Geschichte des Osmanischen Reiches von Hammer-Purgstall. Majoros/Rill: Das Osmanische Reich 1300–1922, S. 117.
  5. Josef Matuz: Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte. Primus Verlag, Darmstadt 1996, S. 38.
  6. Vasko Popa: Collected Poems 1943-1976, trans. Anne Pennington (Manchester: England Carcanet Press 1978), p. 109]
  7. Dich Schlacht auf dem Amselfeld, Serbische Epische Gesänge, Englische Übersetzung von John Matthias und Vladeta Vuckovic mit einem Vorwort von Charles Simic [1]
  8. The Maiden of Kosovo Serbische Epische Gesänge - Das Mädchen vom Amselfeld
  9. SREDNJEVEKOVNI SRPSKI SPISI O KOSOVU (Mittelalterliche serbische Schriften zum Kosovo) Stefan Lazarevic - Ove reči su bile pisane na stubu mramornom na Kosovu
  10. Der julianische Kalender wird von der Russischen und der Serbischen Orthodoxen Kirche, vom Patriarchat von Jerusalem und von einigen Klöstern auf dem hl. Berg Athos sowie von der Äthiopischen Kirche verwendet.


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