Zwergschnepfe

Zwergschnepfe
Zwergschnepfe
Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus)

Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus)

Systematik
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Gattung: Lymnocryptes
Art: Zwergschnepfe
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Lymnocryptes
Boie, 1826
Wissenschaftlicher Name der Art
Lymnocryptes minimus
(Brünnich, 1764)

Die Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus) ist eine monotypische Vogelart aus der Familie der Schnepfenvögel. Sie ist die einzige Art der Gattung Lymnocryptes. Der in der borealen und subborealen Zone von Nordost-Europa bis Ostsibirien brütende Vogel ist in Mitteleuropa als regelmäßiger Durchzügler zu beobachten. Einzelne Individuen überwintern außerdem in den Niederlanden, in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Ungarn. Aus Polen gibt es vereinzelte Brutbeobachtungen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Die 17 bis 19 cm lange Zwergschnepfe ist 40 bis 60 g schwer, hat eine Flügelspannweite von 30 bis 36 cm und ist damit deutlich kleiner als die ähnliche Bekassine. Am Rücken, der aus der Nähe metallisch grün schimmert, ist der Vogel schwarzbraun gefärbt und mit gelblichen Längsstreifen gezeichnet. Am Scheitel ist ein dunkler Mittelstreifen. Typisch ist der vier Zentimeter kurze und gerade Schnabel. Der Schwanz ist keilförmig und hat keinen Weißanteil.

Außerhalb der Brutzeit ist die Zwergschnepfe sehr schweigsam. Der Balzruf des Männchens ist dagegen noch in einer Entfernung von einem Kilometer zu hören. Es klingt logitokk logitokk und wird sowohl vom Boden aus als auch im Flug gerufen.[2]

Verbreitung und Lebensraum

Im Sommer brütet die Zwergschnepfe in Sümpfen und Mooren von Skandinavien bis Ostsibirien. Zwergschnepfen sind Lang- und Kurzstreckenzieher Sie überwintern in West- und Nordwesteuropa, dem Mittelmeergebiet, in Nordafrika, im Sahel und in Vorderasien. Grundsätzlich werden zwei Populationen unterschieden, von denen die eine in Nordeuropa brütet und in Süd- und Westeuropa sowie in geringem Maße in Westafrika überwintert. Die zweite Population brütet in Westsibirien und überwintert zum größten Teil in Südwest-Asien und im Nordosten Afrikas bis nach Tansania.[3] Als wichtige Überwinterungsgebiete dieser Population gilt der Süden Sudans und das Nildelta.[4]

Der Lebensraum der Zwergschnepfe sind große Moore und nasse Wiesen. Während den Zugzeiten rasten sie in Flachmooren, feuchten bis nassen Wiesenflächen, Randgebieten von Verlandszonen mit Seggen, Rohrkolben- und Schilfbeständen sowie Schlick-, Schwemm- und Ruderalflächen.

Verhalten

Die Zwergschnepfe hält sich versteckt in der Vegetation auf, duckt sich bei Gefahr an den Boden. Die Fluchtdistanz an Rastplätzen und auf dem Gelege beträgt meist nur einen bis zwei Meter, manchmal sogar weniger als einen Meter. Der Vogel fliegt in raschem, fledermausähnlichem Flug stumm auf und landet nach kurzer Strecke wieder.

Fortpflanzung

Die Zwergschnepfe führt komplizierte Balzflüge auf, die bei rhythmischem Klappern einen Sturzflug aus bis 50 m Höhe sowie verschiedene Wellenflüge beinhalten. Sie brütet vorwiegend in Mooren der Taiga oder auf nassen Wiesen. Das Gelege besteht meistens aus vier relativ großen Eiern.

Nahrung

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Lymnocryptes minimus.jpg

Die Nahrung besteht vor allem aus wirbellosen Kleintieren und Sämereien, die aus den oberen Bodenschichten erbeutet werden.

Bestand

Die Bestandszahlen der Zwergschnepfe sind auf Grund ihrer versteckten Lebensweise nur sehr schwer zu ermitteln. Der Bestand an Zwergschnepfen wird zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf 18.000 bis 70.000 Brutpaare geschätzt. Zu den europäischen Ländern, die mehr als 1.000 Brutpaare aufweisen gehören Finnland, Norwegen, Russland und Schweden.[5] Wetlands International weist darauf hin, dass diese Zahl möglicherweise eine deutliche Unterschätzung sind, da die Anzahl der allein in Frankreich im Winter 1998/1999 49.460 Individuen betrug.[6] Basierend auf einer geschätzten jährlichen Jagdstrecke von 120.000 bis 150.000 Individuen für Europa und Nordafrika wurde geschätzt, dass die Zahl der über Westeuropa ziehenden Zwergschnepfen möglicherweise auf eine Herbstpopulation von 2,5 bis 3,0 Millionen Individuen hinweist. Daraus ergibt sich eine Brutpopulation von mehr als 500.000 Paaren.[7]

Die Zwergschnepfe gilt als eine der Arten, die vom Klimawandel besonders betroffen sein wird. Ein Forschungsteam, das im Auftrag der britischen Umweltbehörde und der RSPB die zukünftige Verbreitungsentwicklung von europäischen Brutvögeln auf Basis von Klimamodellen untersuchte, geht davon aus, dass das Verbreitungsgebiet zum Ende des 21. Jahrhunderts um 70 Prozent kleiner sein wird als das aktuelle. Nur zehn Prozent des aktuellen Verbreitungsgebietes genügt noch den Lebensraumansprüchen der Art. Potentiell neu besiedelbar ist die Region im Süden von Novaya Zemlya.[8]

Systematik

Die Zwergschnepfe steht in der monotypischen Gattung Lymnocryptes, die mit der Gattung Gallinago eng verwandt ist und mit dieser morphologisch wie anatomisch weitgehend übereinstimmt. Sie unterscheidet sich anatomisch durch einen doppelt eingeschnittenen Hinterrand des Brustbeins und einen Aufbau der Syrinx, der innerhalb der Klasse der Vögel einzigartig ist. Zu den äußeren Unterscheidungsmerkmalen zählen der keilförmigere Schwanz, der nur zwölf Steuerfedern umfasst, von denen die mittleren zugespitzt sind, zugespitzte innere Armschwingen und stark verlängerte Ellenbogenfedern. Die Schnabelbasis ist höher als bei Gallinago, der Schnabel insgesamt seitlich schmaler. Ein Merkmal, das sie von allen anderen Schnepfenvögeln unterscheidet, ist der metallisch-grünliche Glanz einiger Federn der Oberseite.[9]

Belege

Literatur

  • U. N. Glutz von Blotzheim, K. M. Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas (HBV). Band 7, Charadriiformes (2. Teil), AULA-Verlag, ISBN 3-923527-00-4
  • Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2
  • Peter Colston, Philip Burton: Limicolen – Alle europäischen Watvogel-Arten, Bestimmungsmerkmale, Flugbilder, Biologie, Verbreitung. BlV Verlagsgesellschaft, München 1989, ISBN 3-405-13647-4
  • Simon Delany, Derek Scott, Tim Dodman, David Stroud (Hrsg): An Atlas of Wader Populations in Afrika and Western Eurasia. Wetlands International, Wageningen 2009, ISBN 978-90-5882-047-1

Weblinks

 Commons: Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus) – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelbelege

  1. Bauer et al., S. 480 und S. 481
  2. Colston et al., S. 160
  3. Delany et al., S. 259
  4. Delany et al., S. 259
  5. Bauer et al., S. 480
  6. Delany et al., S. 261
  7. Delany et al., S. 261
  8. Brian Huntley, Rhys E. Green, Yvonne C. Collingham, Stephen G. Willis: A Climatic Atlas of European Breeding Birds, Durham University, The RSPB and Lynx Editions, Barcelona 2007, ISBN 978-84-96553-14-9, S. 186
  9. Glutz v. Blotzheim, S. 9, s. Literatur

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