Zürcher Kantonalbank


Zürcher Kantonalbank
  Zürcher Kantonalbank
Logo der Zürcher Kantonalbank
Sitz Zürich, Schweiz
Rechtsform Öffentlich-rechtliche Anstalt
Gründung 15. Februar 1870
Website www.zkb.ch
Geschäftsdaten 2010
Bilanzsumme 126,4 Mrd. CHF (31. Dezember 2010)
Mitarbeiter 4'972 (31. Dezember 2010)
Leitung

Unternehmensleitung

Martin Scholl (CEO)
Jörg Müller-Ganz (Bankpräsident)

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) ist die marktführende Universalbank des Kantons Zürich in der Schweiz. Sie ist nur im eigenen Kantonsgebiet vertreten, jedoch national und teilweise international tätig. Gemessen an der Bilanzsumme von 126,4 Milliarden Schweizer Franken ist sie die grösste Kantonalbank und viertgrösste Schweizer Bank. Sie ist im Hypothekar- und Kreditgeschäft sowie im im Anlage- und Vorsorgebereich tätig und zählt mit Kundenvermögen von rund 165 Milliarden Franken zu den grösseren Vermögensverwaltern der Schweiz. Als selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt des Kantons Zürich geniesst sie eine unbeschränkte Staatsgarantie. Der Kanton haftet für alle Verbindlichkeiten der ZKB, soweit ihre eigenen Mittel nicht ausreichen. Die Bonität der ZKB wird von den drei Ratingagenturen, Standard & Poor’s, Moody’s und seit Januar 2009 auch von Fitch Ratings, mit der Bestnote («AAA» bzw. «Aaa») eingestuft.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gründerjahre

Am 15. Februar 1870 eröffnete die Zürcher Kantonalbank ihren ersten Schalter. Hypothekarkredite und sonstige Kapitalbedürfnisse für Arbeiter, Handwerker und Angestellte, für landwirtschaftliche und gewerbliche Betriebe sowie für kleinere und mittlere Industrieunternehmungen wurden von den damaligen Privatbanken weitgehend vernachlässigt. Hier sollte die «Bank des Zürcher Volkes» einspringen. Der Kanton Zürich stellte das Dotationskapital zur Verfügung, garantierte die Verbindlichkeiten der Bank (Staatsgarantie) und bestellte die obersten Organe. Der öffentliche Leistungsauftrag und damit die gesellschaftspolitische Verantwortung wurde im Gegenzug gesetzlich festgeschrieben.

Jahrhundertwende

Ende des 19. und zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts erlebte die Zürcher Wirtschaft einen beachtlichen Aufschwung. Parallel dazu wuchs auch die Bevölkerung stark an. Die Folgen waren eine vermehrte Nachfrage nach Wohnungen sowie steigende Mietzinsen. Der Hypothekarbestand der Zürcher Kantonalbank nahm daraufhin markant zu.

Krisenzeit

Die Zürcher Kantonalbank blieb trotz gelegentlicher Rückschläge in den kriegs- und krisengeschüttelten Jahren zwischen 1914 und 1950 eine zuverlässige Stütze im Kanton. Dank ihres gesetzlichen Auftrages liess sie sich nicht auf riskante Geschäften ein und überstand auch die Kreditkrise Anfang der 1930er-Jahre ungeschoren.

Von der Hypobank zur Finanzdienstleisterin

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die schweizerische Wirtschaftsmetropole Zürich zu einem der bedeutendsten Finanzplätze. Die Zürcher Kantonalbank hielt mit dieser Entwicklung Schritt, indem sie ihr Geschäftsvolumen ausdehnte und ihre Leistungen vielfältiger ausgestaltete. Zwischen 1960 und 1988 hatte sich die Bilanzsumme der ZKB verzehnfacht; sie stieg von CHF 3,8 Mrd. auf fast CHF 35 Mrd. Gleichzeitig nahm die Zahl der Mitarbeitenden von 986 auf 3740 zu. Die Schwerpunkte bildeten in dieser Zeit Spar- und Hypothekargeschäfte. Gegen Ende des Jahrhunderts entwickelte sich aus der Hypothekarbank eine international agierende Finanzdienstleisterin. 1994 führte sie als erste Schweizer Bank das Online-Banking ein. Die Immobilienkrise Mitte der 1990er-Jahre zwang auch die ZKB zu Korrekturmassnahmen. Die Bank reorganisierte sich und richtete sich auf Kundensegmente aus.

Rekordjahre 2003–2006

Dank Kostenkontrolle, verstärktem Engagement im Handel und im Anlagegeschäft gelangen zwischen 2004 und 2006 drei Rekordjahre. Davon profitieren insbesondere der Kanton und die Gemeinden, die durch die Gewinnausschüttung direkt am Erfolg der Bank teilhaben.

Aktuelle Zahlen

Bruttogewinn per 31. Dezember 2010 (in Mio. CHF): 847

Konzerngewinn per 31. Dezember 2010 (in Mio. CHF): 729

Gewinnausschüttung an Kanton und Gemeinden 2011 für Geschäftsjahr 2010 (in Mio. CHF): 330

Bilanzsumme per 31. Dezember 2010 (in Mio. CHF): 126'410

Kundenvermögen per 31. Dezember 2010 (in Mio. CHF): 165'059

Return-on-Equity (Eigenkapitalrentabilität) 2010: 9,6 %

Cost-Income-Ratio (Kosten-Ertrags-Verhältnis) per 31. Dezember 2010: 61,9 %

Eigenkapitalratio (Tier 1) 2010: 14,1 %

Personalbestand per 31. Dezember 2010 (teilzeitbereinigt): 4'972

Geschäftsstellen: 103 (davon 83 Filialen, 16 Agenturen und 4 Automatenbanken)

Fünfjahresübersicht

2006 2007 2008 2009 2010
Bruttogewinn Konzern (in Mio. CHF) 1'073 956 692 1'001 847
Jahresgewinn Konzern (in Mio. CHF) 937 843 503 751 729
Gewinnausschüttung an Kanton und Gemeinden (in Mio. CHF) 341 400 352 381 379
Bilanzsumme (in Mio. CHF) 95'205 103'172 113'231 117'235 126'410
Eigene Mittel (in Mio. CHF) 6'843 7'334 7'436 7'834 8'180
Kundenvermögen (in Mio. CHF) 114'852 119'150 121'495 150'150 165'059
Mitarbeiter (teilzeitbereinigt per Jahresende) 4'353 4'446 4'685 4'825 4'972

Besitzverhältnisse und Geschäftszweck

Die Zürcher Kantonalbank ist im Besitz des Kantons. Die ZKB erfüllt einen gesetzlichen Leistungsauftrag. Sie wird nach kaufmännischen Grundsätzen geführt und soll einen angemessenen Gewinn erwirtschaften. Der Rahmen der Geschäftstätigkeit, der Geschäftszweck sowie die Beaufsichtigung und die Organisation der Bankorgane sind im Gesetz über die Zürcher Kantonalbank geregelt.

Zu den gesetzlichen Aufträgen gehört:

  • die Versorgung der breiten Bevölkerung mit Bankdienstleistungen
  • die Förderung des preisgünstigen Wohnungsbaus und des Wohneigentums
  • die spezielle Berücksichtigung der Bedürfnisse der kleineren und mittleren Unternehmen, der Arbeitnehmenden, des Gewerbes und der Landwirtschaft sowie der öffentlich-rechtlichen Körperschaften
  • die Unterstützung einer umweltverträglichen Entwicklung im Kanton Zürich

Unter den öffentlichen Leistungsauftrag fällt ausserdem der Betrieb der Pfandleihkasse des Kantons Zürich. Diese Institution gewährt zinsgünstige Kleinstdarlehen ab 10 Franken. Ein allfälliges Defizit wird von der ZKB getragen.

Staatsgarantie

Der Kanton Zürich haftet nach dem Kantonalbankgesetz für alle Verbindlichkeiten der Zürcher Kantonalbank, wenn deren eigene Mittel nicht ausreichen. Diese Staatsgarantie dient als Stabilisator für den Finanzplatz Zürich, besonders in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Die ZKB gehört zu den weltweit wenigen Banken, die von den drei Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch mit der jeweiligen Bestnote bewertet werden.

Organisation

Die Zürcher Kantonalbank steht unter der Oberaufsicht des Kantonsrates. Dieser wählt die Mitglieder des Bankrates und des Bankpräsidiums. Dem Bankrat obliegt die Oberleitung der Bank sowie die Aufsicht und Kontrolle über die Geschäftsleitung. Er delegiert die operative Geschäftstätigkeit der Bank an die Generaldirektion.

Mitglieder des Bankpräsidiums

  • Jörg Müller-Ganz (Bankpräsident)
  • Jànos Blum (Vizepräsident)
  • Bruno Dobler (Vizepräsident)

Mitglieder des Bankrates

  • Alfred Binder
  • Thomas Heilmann
  • Peter Ruff
  • Kurt Schreiber
  • Anita Sigg
  • Hans Sigg
  • Liliane Waldner
  • Rolf Walther
  • Stefan Wirth

Mitglieder der Generaldirektion

Martin Scholl (Vorsitzender der Generaldirektion/CEO)

  • Bruno Meier (Leiter Geschäftseinheit Risk, stv. CEO)
  • Daniel Previdoli (Leiter Geschäftseinheit Privatkunden)
  • Christoph Weber (Leiter Geschäftseinheit Private Banking)
  • Heinz Kunz (Leiter Geschäftseinheit Firmenkunden)
  • Philipp Halbherr (Leiter Geschäftseinheit Investment Banking)
  • Markus Bachofen (Leiter Geschäftseinheit Products und Services)
  • Rudolf Sigg (Leiter Geschäftseinheit Finanz)
  • Anton Allemann (Leiter Geschäftseinheit Logistik)

Tätigkeitsgebiete

Hypothekargeschäft

Ein Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit der Zürcher Kantonalbank ist das Hypothekargeschäft. Sie fördert die Bautätigkeit speziell durch Vergabe von Kleinsthypotheken und durch Darlehen an Wohnbaugenossenschaften.

Engagement für die Öffentlichkeit

Die ZKB engagiert sich in Kultur, Sport, Forschung oder Naturschutz wie z. B.

  • der Zoo Zürich und der Wildnispark Zürich
  • die Führung der SanArena-Rettungsschule
  • die Stiftung Botanischer Garten Grüningen
  • das Theater Kanton Zürich
  • die Unterstützung von Forschungsprojekten im Rahmen des Wissenschaftssponsorings, welche einer breiten Öffentlichkeit jeweils an den ZKB-Forumsveranstaltungen zugänglich gemacht werden
  • die Förderung des zürcherischen Kulturschaffens an Veranstaltungen wie dem Theaterspektakel, der Kyburgiade und durch die Unterstützung von Kulturstätten wie das Jazzlokal Moods oder das Literaturhaus
  • die Ausrichtung und Finanzierung des ZKB-Schillerpreises
  • die Unterstützung von Veranstaltungen des Breitensports (Züri-Lauf Cup, Turnfeste, Töss-Stafette, etc)
  • die Publikationen der «Züri-Reihe», welche volkskundliche und kulturelle Themen aus der Region einem breiten Publikum nahe bringt.
  • die Unterstützung des Nachtnetzes des Zürcher Verkehrsverbunds

Privatinvest Bank AG

Am 27. Oktober 2009 gab die ZKB die vollständige Übernahme der österreichischen Privatinvest Bank AG (PIAG) von der Commerzbank und der Salzburger Sparkasse bekannt. Die Transaktion wurde am 1. Februar 2010 formell abgeschlossen. Die Umbenennung der Privatinvest Bank, die zukünftig unter der Marke Zürcher Kantonalbank auftreten wird, soll im Verlaufe des Sommers 2010 erfolgen. Damit verbunden ist die Absicht der Zürcher Kantonalbank, sich im internationalen Private Banking auf die Zielmärkte Deutschland und Österreich sowie ausgewählte zentraleuropäische Länder zu konzentrieren.[1]

Mangelnde Einhaltung interner Richtlinien 2006/2007

Ende 2006, Anfang 2007 kam eine ungenügende interne Kontrolle der ZKB an die Öffentlichkeit. Als führende Bank im Derivatehandel war sie als Optionsemittentin indirekt an verschieden feindlichen Firmenübernahmen oder Übernahmeversuchen beteiligt – so bei Unaxis, Saurer, Converium, Ascom, Implenia oder Sulzer. Besonders das Zürcher Traditionsunternehmen Sulzer missbilligte das Vorgehen der Zürcher Kantonalbank, Aktienpakete für Dritte durch Ausnützen von Schlupflöchern in der Meldepflichtregelung zu schnüren. Die Konsequenz daraus war eine Untersuchung der Eidgenössischen Bankenkommission, deren Ergebnis bis zum aktuellen Zeitpunkt noch aussteht.

Aufgrund der Untersuchungen der Aufsichtsbehörden sah sich das oberste Organ der Staatsbank, der Bankrat, zu verschiedenen Massnahmen gezwungen. Hierbei trennte sich die Bank im April 2007 zunächst von ihrem Leiter Investment und Private Banking sowie von ihrem Handelschef. Am 7. Mai 2007 wurde zudem in einem Pressecommuniqué der Zürcher Kantonalbank der Rücktritt von CEO Hans F. Vögeli auf den 31. Mai 2007 bekanntgegeben. Das involvierte Derivatteam hatte die Bank bereits zuvor verlassen.

In der Folge beschloss die ZKB verschiedene neue Richtlinien, unter anderem für das Optionsgeschäft. Sie erklärte ihre Absicht, zukünftig bei feindlichen Übernahmen kotierter Firmen nicht mehr mitzuwirken und für die Umgehung von Meldepflichten keine Hand mehr zu bieten. Ferner wurden die Eigengeschäftsbestimmungen für die Mitarbeiter verschärft, eine Compliance-Einheit eingerichtet und eine eigens für das Risikocontrolling zuständige Geschäftseinheit geschaffen.

In einem im Oktober 2008 im Zürcher Kantonsrat behandelten Schreiben der Eidgenössischen Bankenkommission entlastet diese die noch amtierenden Bankratsmitglieder, Bankpräsidiumsmitglieder und Geschäftsleitungsmitglieder. Die EBK beabsichtigte gegen diese keine aufsichtsrechtliche Massnahmen zu ergreifen. Alle Personen, die mit solchen Massnahmen oder «mit allfälliger Entfernung» hätten rechnen müssen, hätten die Bank inzwischen verlassen.[2]

Weblinks

 Commons: Zürcher Kantonalbank – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Medienmitteilung der Zürcher Kantonalbank vom 2. Februar 2010
  2. ZKB-Bankrat im Fall Sulzer entlastet. Neue Zürcher Zeitung, 10. Oktober 2008, abgerufen am 18. September 2009.

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