Überlagerungsempfänger


Überlagerungsempfänger

Der Überlagerungsempfänger (auch Superheterodynempfänger bzw. kurz Superhet, Super) ist eine elektrische Schaltung zum Empfang und zur Verarbeitung von hochfrequenten elektromagnetischen Signalen (HF-Signalen). Eingesetzt wird sie in vielen Geräten der Funkübertragung, der Telekommunikation und der HF-Messtechnik, vom einfachen Radio oder Fernsehen, die Funkfernsteuerung bis hin zu Satelliten.

In den letzten Jahren werden in der Empfängertechnik nicht nur Hilfsfunktionen wie Bedienung oder LO-Frequenzerzeugung digitalisiert, sondern zunehmend größere Teile der Signalverarbeitung. Diese Entwicklung führte zum Bereich des Software Defined Radio (SDR).

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Im Gegensatz zum Geradeausempfänger wird im Überlagerungsempfänger die Frequenz des HF-Signals mindestens einmal geändert, bevor es demoduliert wird. Dazu wird es mit dem Signal eines sich im Empfänger befindenden sogenannten Lokaloszillators (LO-Signal) gemischt, um eine feste, meist tiefere Zwischenfrequenz (ZF) mit dem gleichen Modulationsinhalt wie das HF-Signal zu erhalten. Die Frequenz des Lokaloszillators bestimmt zusammen mit der Zwischenfrequenz die Empfangsfrequenz.

Durch den Überlagerungsempfang wird die notwendige Verstärkung und Filterung des Signals erleichtert. Die Signalfilterung erfolgt auf einer konstanten und meist niedrigeren ZF (Zwischenfrequenz), deshalb kann – im Gegensatz zu dem beim Geradeausempfänger benötigten abstimmbaren HF-Filter – auf Festfrequenzfilter zurückgegriffen werden. Das ergibt einen vereinfachten Aufbau und deutlich höhere Trennschärfe (Selektion), wodurch sich eine wesentlich verbesserte Empfangsqualität ergibt.

Man unterscheidet zwei Empfangsprinzipien für Überlagerungsempfänger, nämlich das Homodyn- und das Heterodynverfahren. Beim Heterodynverfahren wird eine LO-Frequenz benutzt, die sich um einige 100 kHz (nämlich um den Betrag der ZF) von der HF unterscheidet, beim Homodynverfahren hingegen haben LO- und HF-Signal die gleiche Frequenz. Beim Homodynverfahren wird das amplitudenmodulierte Empfangssignal direkt (ohne ZF) auf den NF-Bereich umgesetzt, es handelt sich um einen Direktempfänger oder Direktmischer.

Geschichte

Bedienelemente und Daten des Radiola AR-812

Der Name Heterodyn beziehungsweise Superheterodyn ist eine Wortneubildung, zusammengesetzt aus dem lateinischen Wort super = „über“ sowie den griechischen Wörtern hetero = „verschieden“ und dynamis = „Kraft“, und beschreibt die Mischung von zwei Signalen unterschiedlicher Frequenz. Im Gegensatz dazu wird für den Namen des Homodyn-Empfängers das griechische Wort homόs = „gleich“ verwendet. Der Ausdruck Lokaloszillator bedeutet, dass sich dieser Oszillator am Ort (lat. locus = Ort), also im Überlagerungsempfänger selbst befindet. Superhet oder einfach nur Super sind bei Funkamateuren gebräuchliche Kurzformen für Überlagerungsempfänger nach dem Heterodynprinzip.

Wer der Erfinder des Überlagerungsempfängers ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Dass die Erfindung in die Zeit des Ersten Weltkriegs fällt und alle beteiligten Kriegsparteien an der Verbesserung der Radiotechnik arbeiteten, mag daran einen Anteil haben. Die englischsprachige Wikipedia[1] nennt Edwin Armstrong als Erfinder des Superheterodynempfängers (engl. Super heterodyne receiver), für den er 1918 ein Patent erhalten hat.

Andere Quellen[2] geben an, dass Armstrong im Jahr 1918 die Idee dazu hatte, als er in Frankreich stationiert war. Das US-Patent Nr. 1.342.885[3] von Edwin Armstrong beschreibt das Überlagerungsprinzip. Armstrong hat dieses Patent Anfang 1919 in den USA angemeldet und Mitte 1920 erhalten.

Fast gleichzeitig sollen aber auch Lucien Lévy (1917) in Frankreich sowie Walter Schottky (1918) in Deutschland dieses Funktionsprinzip entwickelt haben. Lucien Lévy erhielt 1919 und 1920 in Frankreich ein Patent (Nr. 493.660[4] und Nr. 506.297[5]) für seinen Schaltungsentwurf, der mit einer Zwischenfrequenz (ZF) arbeitete.

Einer der ersten kommerziell gebauten Superhets war der Radiola AR-812[6] von RCA, der von 1924 bis etwa 1927 über 140.000 Mal verkauft wurde. Die deutsche Firma DeTeWe entwickelte in den Jahren 1924/1925 den „Ultradyn“. In Frankreich sollen im Jahr 1923 drei Heimempfänger von Lucien Lévys Firma „Radio L.L“ produziert worden sein.

In den folgenden Jahrzehnten setzte sich das Schaltungsprinzip wegen seiner vielen Vorteile immer mehr durch. Es wurden viele Varianten von Überlagerungsempfängern entwickelt und gebaut, manche mit Doppel- und Mehrfachüberlagerung (bis zu vierfach) und Mischung mit konstanter statt variabler Mischfrequenz, sogenannte Konverter wie z. B. der LNB in der Satellitentechnik.

Die Überlagerung ist ein universelles Verfahren und wird auch in Sendern eingesetzt. Praktisch alle heute auf dem Markt verfügbaren drahtlosen Sende- und Empfangsgeräte arbeiten nach dem Überlagerungsprinzip (Radio, Funksprechgerät, Mobiltelefon, Basisstation, Relais, Fernsehen, Satelliten).

Funktionsprinzip

Blockschaltbild eines Überlagerungsempfängers

Das Antennensignal wird zunächst mit einem Filter in der Bandbreite begrenzt. Diese Funktion ist wegen der folgenden Mischerstufe sowieso nötig und reduziert die Spannungspegel, welche die Hochfrequenz-Verstärkerstufe verarbeiten muss. Hochfrequenzverstärker sind oberhalb des Kurzwellenbereichs nötig, damit das Antennenrauschen das Rauschen des Mischers übertönen kann. Mittelwellenempfänger haben so gut wie nie Hochfrequenz-Vorverstärker.

Das bandbegrenzte und ggf. verstärkte Antennensignal gelangt zur Mischstufe und wird dort mit dem Signal des Abstimmoszillators fLO gemischt, wobei eine Reihe neuer Frequenzen erzeugt wird. Die LO-Frequenz wird um einen festen Betrag oberhalb oder unterhalb der Empfangsfrequenz gewählt.

Das Signalgemisch hinter dem Mischer enthält unter anderem die Summe und die Differenz der Eingangs- und LO-Frequenzen, wobei die Modulation des Eingangssignals erhalten bleibt. Eines dieser Signale hat immer die gleiche Frequenz, unabhängig von der gewünschten Empfangsfrequenz. Das erleichtert die weitere Signalverarbeitung im folgenden Zwischenfrequenz- (ZF-) Verstärker.

Bei moderneren Empfängerkonzepten durchläuft das Signal zunächst das ZF-Filter, das nur ein schmales Frequenzband fast ungehindert passieren lässt. Der Zwischenfrequenzverstärker verstärkt das gefilterte Frequenzgemisch für die weitere Verarbeitung durch den Demodulator. Speziell in der Röhrentechnik war die ZF-Selektion nicht als kompakte Einheit vor dem ZF-Verstärker angeordnet. Statt dessen dienten Bandfilter, also meist zwei magnetisch gekoppelte Schwingkreise, zum Auskoppeln des Signals aus Mischer- oder Verstärkerausgang und Leistungsanpassung an den folgenden Verstärkereingang.

Im Demodulator wird aus dem ZF-Signal wieder das Nutzsignal (z. B. Audio beim Radioempfang) gewonnen - entweder durch Gleichrichtung bei Amplitudenmodulation oder in einem Ratiodetektor bei Frequenzmodulation. Bei Einseitenband-Modulation dient eine weitere Mischstufe als Demodulator.

Schaltungsstufen im Detail

Verwendete Abkürzungen:

fe = Durchlassfrequenzbereich der Vorselektion
fE = Gewünschte Empfangsfrequenz
fZF = Zwischenfrequenz
fOsz = Abstimmfrequenz
fDif = Differenzfrequenz(en)
fSum = Summenfrequenz(en)

HF-Verstärker/Vorselektion

Signalverlauf eines Superheterodyne-HF-Verstärkers

Der Hochfrequenz-Verstärker hat mehrere Funktionen:

  • Er passt die Impedanz der Antenne an die nachfolgende Schaltung an (es soll ein Maximum der von der Antenne aufgenommenen Leistung an die nachfolgende Stufe weitergegeben werden).
  • Er verstärkt die schwachen Antennensignale, damit diese über dem Eigenrauschen des Mischers liegen. Dadurch wird die Eingangsempfindlichkeit des Empfängers gesteigert.
  • Er verhindert, dass die LO-Frequenz vom Mischer an die Antenne gelangt und dort abgestrahlt wird (Störsender).
  • In dieser Stufe wird eine Vorselektion vorgenommen, damit nur Frequenzen aus dem Empfangsbereich (Durchlassbereich fe) den Verstärker passieren können.

Die Vorselektion kann entweder mit der Eingangsfrequenz mitlaufen (typisch für die Röhrentechnik) oder in Form von meist umschaltbaren Bandpässen verwirklicht werden. Die Vorselektion hat vor allem die Aufgaben,

  • Empfang auf Spiegelfrequenzen zu unterdrücken und
  • die Belastung der folgenden aktiven Bauelemente zu reduzieren.

Der lineare Arbeitsbereich von Transistoren usw. ist begrenzt und nichtlineares Verhalten würde zu Mischeffekten zwischen den Eingangssignalen führen. Solche Großsignalstörungen können Geistersender erzeugen und einen Störpegel verursachen, der das Nutzsignal überdecken kann.

Mischer

Der Überlagerungsempfänger verwendet einen speziellen Mischer. Im Mischer wird der Eingangsfrequenzbereich (fe) auf einen anderen Frequenzbereich (meist einen niedrigeren) umgesetzt, indem fe mit der Frequenz des Abstimmoszillators fOsz gemischt wird. Dabei werden die Augenblickswerte der Signale vom Abstimmoszillator mit den Augenblickswerten der Eingangsfrequenzen multipliziert. Mit einem idealen Multiplizierer erhält man am Ausgang nur zwei neue Seitenbänder mit Signalen, die auf den Differenzfrequenzen von Abstimmoszillator und Eingangsfrequenzen liegen (fDif = | fOszfe | ) und mit Signalen auf der Summe von Abstimmfrequenz plus Eingangsfrequenzen (fSum = | fOsz + fe | ).

Beim Überlagerungsempfänger wird die Differenzfrequenz genutzt. Einfache Empfänger benutzen für Lang-, Mittel- und Kurzwelle 455 kHz, was im Kurzwellenbereich kaum noch Spiegelfrequenzunterdrückung zulässt; die Spiegelfrequenz ist nur 910 kHz entfernt. Für UKW ist die normale Zwischenfrequenz 10,7 MHz.

Hochwertige Kurzwellenempfänger nutzen meist eine 1. Zwischenfrequenz im Bereich 40...80 MHz, die nach einem Filter („Roofing-Filter“) mit einer typischen Bandbreite von 12 kHz auf eine zweite Zwischenfrequenz gemischt wird. Die Spiegelfrequenzunterdrückung könnte dann theoretisch ein einziger Tiefpass mit z. B. 32 MHz Grenzfrequenz übernehmen. U. a. aus Großsignalgründen benutzen solche Empfänger aber meist mehrere umschaltbare Bandfilter.

Die zweite Zwischenfrequenz dieser Empfänger ist typisch 455 kHz oder weniger. Häufig folgt direkt ein Analog-Digital-Umsetzer. Der Rest der Signalaufbereitung, einschließlich Filterung, Verstärkungsregelung und Demodulation, wird dann von einem digitalen Signalprozessor übernommen. Im Vergleich zu mehreren umschaltbaren Quarzfiltern ist eine solche Lösung sowohl leistungsfähiger, flexibler als auch preiswerter.[7]

Die Oszillatorfrequenz kann von einer eigenständigen Oszillatorschaltung stammen, aber auch vom Mischer selbst generiert werden (selbstschwingende Mischstufe).

Die mathematische Ableitung des idealen Mischers ist im Mathematischen Anhang zu finden.

Signalverlauf eines superheterodynen Mischers

In diesen neuen Frequenzbereichen sind nach wie vor noch die Informationen (Modulation) der Empfangsfrequenzen enthalten. Das Eingangssignal wurde nur auf zwei andere Frequenzbereiche umgesetzt.

Mit der (preiswerten) Verfügbarkeit von Mehrgitterröhren und später von Dual-Gate-Feldeffekttransistoren verbreitete sich die multiplikative Mischung. Hier werden die beiden Spannungen jeweils auf einen eigenen Eingang des Steuerelements, wie zum Beispiel die beiden Gates eines Dual-Gate-Feldeffekttransistors oder die Steuergitter einer Vakuumröhre, geführt. Das Ausgangssignal wird von beiden Eingangssignalen gesteuert, was einer Multiplikation der beiden Steuersignale gleichkommt. Bei höheren Frequenzen (im höheren GHz-Bereich) wird häufig – und heute (2006) noch – ein Dioden-Ring-Mischer verwendet.

Die multiplikative Mischung bietet einige schaltungstechnische Vorteile gegenüber der additiven Mischung, so sind die Rückwirkungen auf den HF-Verstärker geringer und es besteht die Möglichkeit einer zusätzlichen Regelung der Mischstufe. Daneben produziert er weitaus weniger Anteile in der Nähe der Empfangsfrequenz (fe) und der LO-Frequenz (fLO). Das erleichtert die Filterung von unerwünschten Anteilen im Signal und wird in der nachfolgenden Tabelle noch einmal zusammengefasst.

Vor- und Nachteile der additiven Mischung

Vorteile:

  • Der Mischtransistor lässt sich als Oszillator mitbenutzen (selbstschwingende Mischstufe)

Nachteile:

  • Ohne Brückenschaltung sind Oszillatorfrequenz und Eingangsfrequenz kaum zu entkoppeln
  • Erzeugt viele unerwünschte Mischprodukte

Vor- und Nachteile der multiplikativen Mischung

Vorteile:

  • Erzeugt weniger unerwünschte Mischprodukte
  • Die Oszillator- und die Eingangsfrequenz sind entkoppelt
  • Eine Regelung der Mischverstärkung ist möglich

Nachteile:

  • Es ist in der Transistortechnik keine selbstschwingende Mischstufe möglich, während dies in der Röhrentechnik zum Beispiel mit einer Oktode durchaus so realisiert wurde.

Abstimmoszillator

Der Abstimmoszillator hat die Aufgabe, eine möglichst konstante Spannung mit der gewünschten Frequenz fOsz mit hoher Genauigkeit zu erzeugen. Diese Frequenz muss in einem weiten Bereich einstellbar sein, damit auf jeden gewünschten Sender innerhalb des Empfangsbereichs abgestimmt werden kann. Es gibt verschiedene Oszillatorschaltungen, die für diesen Zweck geeignet sind. Eingesetzt werden in der Regel LC-Schwingkreise, um ein sinusförmiges Oszillatorsignal zu erhalten, wenn es um die Abstimmung über einen nicht gerasterten Bereich geht. Ist allerdings das Raster klar vorgegeben (z. B. UKW mit 25 kHz) oder CB-Funk, dann sind LC-Oszillatoren eine schlechte Wahl und PLL-Oszillatoren treten an ihre Stelle – sie sind weitaus genauer und billiger, s. u.

Vom Abstimmoszillator hängt ganz wesentlich die Frequenzstabilität (das bedeutet, dass ein Sender über einen längeren Zeitraum empfangen werden kann, ohne die Abstimmung manuell nachregeln zu müssen) und die Eindeutigkeit der Skala (gleiche Skalenstellung des Frequenzzeigers soll gleiche Empfangsfrequenz liefern) ab.

Mit einem HF-Synthesizer und einer automatischen Frequenznachführung (AFC) kann eine Unabhängigkeit von Temperatur- und Alterungseinflüssen erreicht werden. (Siehe VFO, VCO, PLL und DDS).

Beim Einsatz eines analogen Abstimmoszillators kann jede beliebige Frequenz innerhalb des Empfangsbereichs am Empfänger eingestellt werden. Mit digital abgestimmten Oszillatoren kann die Eingangsfrequenz nur mit einer bestimmten Schrittweite eingestellt werden. Bei einfachen Kurzwellengeräten etwa liegen diese meist bei 100 Hz oder 1 kHz. Hochwertige DDS-gesteuerte Geräte bieten mittlerweile aber Abstimmschritte von 0,1 Hz, so dass man bei manueller Abstimmung praktisch keinen Unterschied mehr zur analogen Abstimmung wahrnehmen kann.

Für Rundfunkbänder mit festgelegtem Kanalraster (UKW, TV) sind derart feine Schrittweiten nicht notwendig. Da sich jedoch nicht alle Sender an die Norm halten, werden gute UKW-Empfänger mit einer Schrittweite im halben Kanalraster hergestellt (den oben erwähnten 25 kHz).

Zwischenfrequenz-Filter

Der ZF-Filter ist für einen festen Frequenzbereich ausgelegt. Als Bandpass soll es Signale außerhalb dieses Frequenzbereichs aussperren und die Frequenzen innerhalb möglichst ungehindert und unverändert durchlassen. Dadurch werden aus den angebotenen Frequenzen fDif und fSum vom Mischer nur die gewünschten Frequenzen um fZF an den ZF-Verstärker weitergeleitet. Das ZF-Filter hat damit einen maßgeblichen Anteil an der Trennschärfe und der Nahselektion des Empfängers. Je nach Frequenzband und Betriebsart werden ZF-Filter mit unterschiedlichen Bandbreiten benötigt.

Signalverlauf bei einem ZF-Filter

Spulenfilter wurden schon in der Frühzeit der Funk- und Rundfunktechnik (siehe Geschichte des Hörfunks) verwendet. Extrem schmalbandige Filter findet man bei den mechanischen Filtern und Quarzfiltern. Keramische Filter (Keramikschwinger) sind den Quarzfiltern in ihren Eigenschaften unterlegen, werden aber oft in Konsumergeräten wegen ihres günstigeren Preises benutzt.

Übliche Werte für die ZF-Frequenz sind 10,7 MHz für FM-Empfänger (UKW-Rundfunk) und 455 kHz für AM-Empfänger (Lang-, Mittel- und Kurzwelle), 38,9 MHz für TV-Empfänger (Analog, Bild-ZF) und 33,4 MHz sowie 33,158 MHz für die TV-Tonkanäle (FM, Stereo). Diese Werte sind zwar nicht genormt, aber weltweit verbreitet.

Zwischenfrequenz-Verstärker

Der ZF-Verstärker verstärkt und begrenzt (bei Frequenzmodulation (FM)) das Signal. Die Begrenzung ist bei FM notwendig, da sich Amplitudenänderungen, hervorgerufen durch Störungen auf dem Übertragungsweg, negativ auf die Empfangsqualität auswirken können. Möglich ist eine Amplitudenbegrenzung, weil bei der Frequenzmodulation, im Gegensatz zur Amplitudenmodulation, keine Informationen in der Amplitude übertragen werden.

Die Verstärkerstufen im ZF-Verstärker sind regelbar, sie müssen in der Lage sein, einen großen Dynamikumfang zu verarbeiten, um mit schwachen und mit sehr starken Signalen zurechtzukommen.

Es sind einige Empfänger auf dem Markt, die eine der ZF-Stufen (meist die niederfrequenteste) durch Digitaltechnik ergänzen oder ganz ersetzen. Die analogen Signale, die der ZF-Stufe zugeführt werden, werden dafür in Echtzeit in digitale Signale umgewandelt (siehe Analog-Digital-Umsetzer) und dann von einem Signalprozessor weiterverarbeitet. Das hat den Vorteil, dass viele in Hardware nur schwer oder überhaupt nicht verwirklichbare Funktionen in Software realisiert werden können. Dazu gehören unter anderem hochwertige, in der Bandbreite variable ZF-Filter oder Kerbfilter (engl. notch filter) die automatisch der Störfrequenz folgen, um nur einige Anwendungen zu nennen.

Demodulator

Im Demodulator wird der Nachrichteninhalt wieder von dem hochfrequenten Träger getrennt. Die Demodulatorschaltungen unterscheiden sich je nach zu demodulierender Betriebsart.

Amplitudenmodulation (AM)

Amplitudendemodulation

Bei der Amplitudenmodulation ist schon eine Diode und ein RC-Glied für die Rückgewinnung des Nutzsignals ausreichend (siehe Hüllkurvendetektor und Tiefpass).

Im Bild rechts dient der parallele Kondensator zur Festlegung der oberen Grenzfrequenz des demodulierten Signals bzw. zur Unterdrückung der ZF. Der Parallelwiderstand legt die untere Grenzfrequenz des demodulierten Signals fest und dient zur Stabilisierung des Arbeitspunktes der Diode. Der Koppelkondensator (rechts) trennt die am Demodulator entstehende Gleichspannung vom folgenden Verstärker.

Bei Betriebsarten mit unterdrücktem Träger, wie SSB, wird im Demodulator – zum Beispiel ein Ringmodulator – mit einem BFO (Beat Frequency Oszillator) der Träger wieder dazugemischt. Die Steuersignale für die automatische Verstärkungsregelung (AGC) und die automatische Frequenzregelung (AFC) werden im Demodulator aus der demodulierten Spannung gewonnen.

Frequenzmodulation (FM)

Frequenzmodulierte Signale werden meist dadurch demoduliert, dass man die Phasenlage des Signals mit der Phasenlage eines lose gekoppelten Resonators vergleicht. Dieser Resonator kann ein Schwingkreis sein (Verhältnisdiskriminator oder Ratiodetektor), ein Keramikresonator oder auch eine PLL-Schaltung. Stimmen Resonanzfrequenz und Nutzsignal-Frequenz überein, ergeben sich 90° Phasenverschiebung. Ist die Nutzsignal-Frequenz kleiner, sinkt der Phasenwinkel, bei höherer Nutzfrequenz steigt er.

NF-Verstärker

Signalverstärkung durch NF-Verstärker

Der NF-Verstärker hebt die demodulierten Signale wieder so weit an, dass damit ein Lautsprecher, Kopfhörer oder externer Verstärker (Hifi-Komponente) angesteuert werden kann. (Anmerkung: Traditionellerweise war bei einem Radio der Anschluss für den Verstärker an der Demodulatordiode angeschlossen; daher die Namen „Dioden-Stecker“, „-Kabel“ oder „-Buchse“ für die entsprechenden Anschluss-Komponenten.) Der NF-Verstärker kann die Klangeigenschaften beeinflussen, wie beispielsweise das Anheben oder Absenken der Höhen und Tiefen.

Automatische Verstärkungsregelung

Die automatische Verstärkungsregelung, im deutschen mit AVR abgekürzt (engl. automatic gain control, AGC), gleicht Schwankungen der Empfangsfeldstärke aus. Dazu wird die Regelspannung, die aus dem Demodulator gewonnen wird, den HF-/ZF-Stufen (Rückwärtsregelung) oder dem NF-Verstärker (Vorwärtsregelung) zugeführt. Dort wird dann die Verstärkung der Stufe entsprechend erhöht oder verringert. Dadurch ist es möglich, schwache und starke Sender in gleicher Lautstärke wiederzugeben oder den Schwund beim Kurzwellenempfang auszugleichen.

Automatische Frequenzregelung

Die automatische Frequenzregelung, im deutschen mit AFR abgekürzt (engl. automatic frequency control, AFC), gleicht Schwankungen der Empfangsfrequenz aus.

Betrachtung der bisher besprochenen Stufen an einem Schaltplan

Der im Bild zu sehende UKW-Tuner besitzt einen regelbaren HF-Verstärker (gelb), eine multiplikative Mischstufe (grün) und einen VCO (rot). Der Tuner ist mit Dual-Gate-FETs ausgestattet, die sich durch einen hohen Eingangswiderstand und ein geringes Eigenrauschen auszeichnen.

Schaltplan eines UKW-Tuners.
Anschlüsse:
1: Regelspannung zur Regelung der Verstärkung des HF-Verstärkers.
2: Antenne, 75 Ohm
3: Masse
4: Abstimmspannung zum Sendersuchlauf
5 und 6: Ausgang zum ZF-Verstärker

7: Oszillatorausgang für PLL(?)
8: AFC

HF-Verstärker/Vorselektion

Der Antenneneingang ist unsymmetrisch für 75-Ohm-Koaxialkabel. Die Antenne wird induktiv über L1/L2 an die HF-Verstärkerstufe angekoppelt (Leistungsanpassung). L1 und L2 haben die Aufgabe, die Antenne an die HF-Verstärkerstufe anzupassen. L2, C2, C3, D1, D2 bilden den ersten Vorkreis (Parallelschwingkreis), dort wird die gewünschte Eingangsfrequenz selektiert. Der Vorkreis wird über D1, D2 abgestimmt. Die Abstimmspannung kommt über den Vorwiderstand R8 an die Kapazitätsdioden. C3 dient zum Abgleich des ersten Vorkreises (ist für den Hersteller oder Servicetechniker gedacht).

Die vorselektierte Eingangsfrequenz gelangt über C4 an das Gate 1 (G1) von Q1. Dieser verstärkt die Eingangsfrequenz. Die Regelung der Verstärkung (hier Rückwärtsregelung) erfolgt dabei über das Gate 2 (G2). Die Regelspannung wird über den Spannungsteiler R5/R6 dem G2 zugeführt. C7 dient zur Abblockung von HF-Störungen auf der Regelspannung. Die verstärkte Eingangsfrequenz gelangt nun über die Drain von Q1 an den nächsten Vorkreis L3/L4. HF-Verstärker und Mischstufe sind durch L3/L4 induktiv gekoppelt. C9, C10, D3, D4 bilden hier einen Parallelschwingkreis. Dieser Vorkreis wird über D3, D4 abgestimmt.

Mulitiplikativer Mischer und erstes ZF-Filter

Die Eingangsfrequenz gelangt über eine Anzapfung (induktiver Spannungsteiler) von L4 über C11 an G1 von Q2. Q2 mischt aus der Eingangsfrequenz und der Oszillatorfrequenz, welche über C23 an Gate 2 kommt, die ZF. Über die Drain von Q2 kommt die ZF über R16 an das erste ZF-Filter, welches durch T1, C14, C18 gebildet wird. Der ZF-Filter ist abgleichbar.

Abstimmoszillator (VCO)

Der Transistor Q3 des Oszillators arbeitet in Basisschaltung. Die Betriebsspannung gelangt über R25, L5, R23 an den Kollektor des Transistors. C26, C25 dienen zur Abblockung der Betriebsspannung und sind für den Oszillatorkreis L5, C24, D6, D7 nicht frequenzbestimmend, da sie bei dieser Frequenz nur einen Kurzschluss darstellen (C26 = C25 = 560 pF). C22 bewirkt eine Mitkopplung (Positive Rückkopplung), damit der Oszillator schwingt. C22 und C20 erfüllen die Phasenbedingung von 0° bei Oszillatoren.

R26, R21, D5 bilden den Basisspannungsteiler, wobei D5 der Temperaturkompensation dient. Dies ist notwendig damit der Oszillator bei Temperaturänderungen stabil arbeitet.

C19 beseitigt HF-Störungen auf der Betriebsspannung. Das gleiche gilt für C16, C17 bei der Abstimmspannung. Der Eingang AFC geht zum AFC-Schalter. D8, C28, C27 sind zuständig für die AFC. Wobei D8 den Oszillator um einige ppm nachstimmt.

Die Abstimmung

Wie bei der Erklärung des Abstimmoszillators schon erwähnt, lässt sich dessen Frequenz vom Anwender einstellen. Die Frequenz des Abstimmoszillators fOsz liegt immer um den Betrag der ZF-Frequenz fZF höher oder tiefer als die gewünschte Empfangsfrequenz fE.

  • Bei Aufwärtsmischung : fE = fOszfZF
  • Bei Abwärtsmischung : fE = fOsz + fZF

Wenn bei fZF = 455kHz der Frequenzbereich fe von 800 bis 1200 kHz gewünscht wird, muss fOsz auf 1455 kHz eingestellt werden. Dann sind am Ausgang des Mischers diese Frequenzen und deren Summen und Differenzen vorhanden. Der ZF-Filter lässt aber nur 455 kHz durch. Die einzige Frequenz aus dem Bereich von fe, die diese Bedingung erfüllen kann, ist die Empfangsfrequenz 1000 kHz. Eine Addition der Eingangsfrequenz mit der Abstimmfrequenz ist immer \ge 2255 kHz; es bleibt also nur die Differenz:

| fEfOsz | = | 1000 kHz - 1455 kHz | = 455 kHz..

In der Praxis wird nicht nur diese einzelne Frequenz das Filter passieren, sondern, bedingt durch die Bandbreite des ZF-Filters von zum Beispiel 10 kHz, d. h., das Filter lässt Frequenzen zwischen etwa 450 und 460 kHz durch, alle Empfangsfrequenzen, die zwischen 995 und 1005 KHz liegen.

Beim obigen Beispiel wurde als fe nur 800 bis 1200 kHz zugelassen. Lässt man einen größeren Frequenzbereich zu, so zeigt sich ein Nachteil des Superhet und die Notwendigkeit, im HF-Vorverstärker (bzw. vor dem Mischer) die Empfangsbandbreite mittels Vorselektion zu beschränken.

Spiegelfrequenz

Könnten noch höhere Empfangsfrequenzen an den Mischer gelangen, dann gäbe es noch eine Differenzfrequenz fDiv aus fe und fOsz, die 455 kHz ergibt:

| f_E - f_{Osz} | = | 1000~\text{kHz} - 1455~\text{kHz} | = 455~\text{kHz}.

Zusätzlich zu der gewünschten Empfangsfrequenz fE von 1000 kHz würde auch noch die Frequenz 1910 kHz auf die ZF heruntergemischt, in den ZF-Verstärker gelangen und demoduliert. Diese zweite, ungewollte Empfangsfrequenz nennt man Spiegelfrequenz. Sie ist mit dem Abstand der ZF-Frequenz an der Abstimmfrequenz gespiegelt.

Bei Empfängern mit ungenügender Spiegelfrequenzunterdrückung wird jeder Sender zweimal empfangen. Einmal auf der eigentlichen Sendefrequenz fE und ein zweites Mal als Spiegelfrequenz dieses Senders auf der Frequenz f_E + 2 \cdot f_{ZF}. Das wäre zwar unschön, aber nicht weiter störend. Problematisch wird der Spiegelfrequenzempfang dann, wenn die Empfangsfrequenz und die Spiegelfrequenz von einem Sender belegt ist, was bei hoher Bandbelegung sehr häufig vorkommt. Dann werden beide Sender gleichzeitig demoduliert und es kommt zu hörbaren Störungen.

Vor- und Nachteile

Vorteile:

  • Es ist die einzige Art, sehr hohe Empfangsfrequenzen, wie sie etwa beim UKW- oder Satellitenempfang auftreten, stabil zu verarbeiten. Ein Geradeausempfänger ist dafür ungeeignet, weil er zu geringe Verstärkung und zu große Bandbreite hat.
  • Der ZF-Filter ist auf eine feste Frequenz eingestellt, die meist niedriger als die Empfangsfrequenz ist. Deshalb ist es einfacher, den Filter mit höherem Gütefaktor auszulegen. Der ZF-Verstärker kann auf tiefen Frequenzen elektrisch stabiler aufgebaut werden als auf höheren Frequenzen.
  • Ein Filter, das direkt auf der Empfangsfrequenz arbeitet, muss abstimmbar (in der Frequenz veränderbar) sein, damit verschiedene Frequenzen (Sender) empfangen werden können. Hochwertige schmalbandige, abstimmbare Filter sind bei hohen Frequenzen schwer zu realisieren, sie verändern zudem ihre Bandbreite mit der Empfangsfrequenz.
  • Ein Filter fester, niedriger Frequenz erhöht die produktionstechnische Reproduzierbarkeit des Empfängers ganz entscheidend gegenüber anderen Konzepten wie dem Geradeausempfänger oder dem Audion. Für einen Großteil der aufwändigen Abgleicharbeiten, die bei einem Mehrkreisaudion erforderlich sind, genügt beim Superhet eine einmalige Einstellung bei der Herstellung.
  • Wenn mehrere Bandfilter verwendet werden, kann eine nahezu rechteckförmige Durchlasskurve erzielt werden, die eine hohe Trennschärfe durch hohe Flankensteilheit gestattet, ohne dabei die hohen Frequenzen zu beschneiden.
  • Man kann eine hohe Gesamtverstärkung ohne Rückkoppelgefahr erzielen, da Verstärkung auf unterschiedlichen Frequenzen erfolgt.
  • Die Oszillatorfrequenz lässt sich - im Gegensatz zum Geradeausempfänger - beispielsweise mit PLL digital einstellen und stabilisieren.
  • Letztlich sei noch die einfache Bedienbarkeit („Einknopfbedienung“) erwähnt, die das Überlagerungsprinzip mit sich bringt.

Nachteile:

  • Durch das Überlagerungsprinzip entstehen Nebenempfangsstellen (Spiegelfrequenzen), die nur durch erhöhten Filteraufwand vor dem Mischer unterdrückt werden können.
  • Durch den Abstimmoszillator und einen zu einfachen Mischer kann es zu unerwünschten Nebenprodukten und zu „Pfeifstellen“ kommen.
  • Das Grundrauschen des Empfängers wird durch den zusätzlichen Abstimmoszillator und den Mischer gegenüber einem Geradeausempfänger erhöht.
  • Teile des Lokaloszillatorsignals werden über die Empfangsantenne ausgestrahlt, wodurch die Empfangsanlage durch andere Empfänger mit Richtantenne geortet werden kann. Für die zivile Anwendung ist dieser Nachteil jedoch weitestgehend unerheblich.

Schaltungsvarianten

Einfachüberlagerung hat bei hohen Frequenzen den Nachteil, dass bei tiefer Zwischenfrequenz (455 kHz) die Spiegelfrequenz kaum von der gewünschten Empfangsfrequenz getrennt werden kann. Wählt man eine hohe Zwischenfrequenz (10,7 MHz), steigt auch die Bandbreite der ZF-Filter stark an. Deshalb und als Antwort auf spezielle Anforderungen sind Varianten des Überlagerungsempfängers entwickelt worden.

Doppel- und Mehrfachüberlagerungsempfänger

Beim Einfachsuperhet ist die gewählte Zwischenfrequenz immer ein Kompromiss. Einerseits soll sie möglichst niedrig sein, denn für niedrige Frequenzen lässt sich der ZF-Filter steilflankig und mit hohem Gütefaktor aufbauen. Andererseits verschärft eine niedrige ZF das Problem mit den Spiegelfrequenzen. Je niedriger die ZF-Frequenz ist, umso geringer ist der Abstand der Empfangsfrequenz fE zu einem Spiegelfrequenzen erzeugenden Signal (Abstand =  2 \cdot f_{ZF}).

Eine niedrige ZF erfordert dadurch eine schmalbandige Vorselektion, um Spiegelfrequenzen wirksam zu unterdrücken. Das wird aber wieder umso schwieriger, je höher die Empfangsfrequenzen liegen, da hierzu der Filter in der Vorselektion bei gleicher Bandbreite eine höhere Güte haben muss.

Bild 1: Blockschaltbild eines Amateurfunk-Receivers (Allmode-Receiver/Doppelsuper) mit SSB und Schmalband-FM (NFM)

Um dieses Problem zu umgehen, arbeitet der Doppelsuper mit zwei Zwischenfrequenzen. In Kurzwellen- und Amateurfunk-Receivern wird oftmals die 1. ZF im Bereich von 40-70 MHz gewählt und als zweite ZF 455 kHz oder niedriger genutzt. Der Abstimmoszillator (VCO in Bild 1) schwingt hier um die 1. ZF-Mittenfrequenz höher als fE.

Durch die hohe erste ZF sind die Spiegelfrequenzen sehr weit von der empfangenen Nutzfrequenz entfernt im Bereich 40...100 MHz. Damit reichte als Vorselektion in der HF-Vorstufe im Prinzip ein 30-MHz-Tiefpass. Zumeist haben diese Empfänger aber mehrere umschaltbare Bandpässe, um möglichst viele starke Sender, z. B. im Mittel- oder niedrigen Kurzwellenbereich, auszublenden.

Auf dieser hohen ersten ZF sind Quarzfilter teuer und haben nur begrenzte Selektion. Deshalb verwendet man für alle Betriebsarten das gleiche Filter („Roofing-Filter“) mit typisch 12 kHz Nutzbandbreite und setzt mit einem zweiten Oszillatorsignal (Quarzoszillator in Bild 1) auf eine wesentlich niedrigere 2. Zwischenfrequenz um. Die weitere Selektion kann dann, wie bei einem Einfachsuper, auf z. B. 455 kHz verwirklicht werden. Das Roofing-Filter engt das Frequenzfenster, das die weiteren Stufen verarbeiten müssen, stark ein und hält so sehr viele starke Fremdsignale fern.

Eine mittlerweile beliebte Variante ist, eine noch deutlich niedrigere 2. (oder 3.) ZF-Frequenz zu benutzen, dieses ZF-Signal mit einem Analog-Digital-Umsetzer zu digitalisieren und digital weiter zu verarbeiten – einschließlich Demodulation.

Siehe auch: Weltempfänger

Dreifachsuper Barlow Wadley XCR-30

Es ist möglich, mehr als einen Oszillator abstimmbar zu machen. Dieses Prinzip wird zum Beispiel beim Kurzwellenempfänger Barlow Wadley XCR-30 angewandt. Bei diesem Empfänger wird das gewünschte Eingangssignal mit einem einstellbaren Oszillator in den ersten ZF-Bereich von 44,5–45,5 MHz hochgemischt. Dieser erste Oszillator dient der Auswahl des MHz-Bereichs. Die erste ZF wird dann mit einem Oszillatorsignal von konstanten 42,5 MHz in den zweiten ZF-Bereich zwischen 2–3 MHz gemischt. Aus der zweiten ZF wird anschließend mit einer normalen Einfachsuperhetschaltung die gewünschte Empfangsfrequenz im Kilohertzbereich eingestellt und auf die dritte ZF von 455 kHz heruntergemischt. Dieses Prinzip erfordert zwei Abstimmvorgänge: Die Auswahl des MHz-Frequenzbereichs mit dem ersten Abstimmrad (MHz SET) und anschließend die Auswahl der Empfangsfrequenz innerhalb dieses MHz-Abschnitts mit einem zweiten Abstimmrad (kHz SET).

Die Vorteile dieser Schaltung sind eine für einen analogen Empfänger gute Ablese- und Wiederholgenauigkeit und eine recht hohe Spiegelfrequenzunterdrückung. Das funktioniert ohne PLL, also ohne die damit einhergehenden potenziellen hochfrequenten Störquellen, leidet aber unter schlechtem Großsignalverhalten. Da die Selektion erst in der fünften Stufe erfolgt, können die vorhergehenden Stufen durch benachbarte Sender übersteuert sein, ohne dass man diese Sender hören kann.

Konverter, Frequenzumsetzer

Konverter oder Frequenzumsetzer sind Vorschaltgeräte, die einen Frequenzbereich auf einen anderen umsetzen (konvertieren). Es wird der zu empfangende Frequenzbereich im ersten Mischer mit einer konstanten Frequenz gemischt und so ein ganzes Frequenzband in einen anderen Frequenzbereich verlegt. Innerhalb dieses Frequenzbereichs wird dann mit einem Einfach- oder Mehrfachsuper auf den gewünschten Sender abgestimmt.

Ein Beispiel ist der LNB in der Satellitentechnik. Dieser reduziert die Empfangsfrequenz von etwa 10,7-12,7 GHz auf etwa 1–2 GHz und schickt diese erste Zwischenfrequenz über ein längeres Kabel zum Satellitenreceiver. Hier ist der erste ZF-Filter aber kein Festfrequenzfilter wie bei einem herkömmlichen Empfänger, sondern der Satelliten-Receiver ist seinerseits ein Superhet, der den vom LNB kommenden Frequenzbereich (meist 950 bis 2150 MHz) auf 480 MHz umsetzt.

Einsatz finden Frequenzkonverter noch beim Umsetzen des 70 cm-Amateurfunkbandes ins 2-m-Amateurfunkbands (historisch) und beim Unsetzen von UHF-Sendern ins VHF-Band (historisch). Für ältere TV-Geräte gibt es Konverter, die den Frequenzbereich der Kabel-Sonderkanäle in den UHF-Bereich umsetzen und für Autoradios gab es Konverter, welche Teile der KW-Bänder in den MW-Bereich verlegten.

Messempfänger

Ein Messempfänger dient – ähnlich einem Spektrumanalysator – der Ermittlung des Betragsspektrums eines elektromagnetischen Signals. Das verwendete Prinzip ist dem eines Spektrumanalysators nicht unähnlich. Die Demodulation erfolgt hier mit den Detektoren, mit denen die Signalpegel bewertet werden. Allerdings erfolgt vor der Mischung des Signals zusätzlich eine Vorselektion des HF-Signals. Ein Messempfänger „fegt“ (engl. sweep) nicht wie der Analysator kontinuierlich über einen Frequenzbereich (engl. span), sondern es werden diskrete Frequenzen ausgewählt, bei denen der Pegel zu messen ist.

Als Pendant zum „frequenz sweep“ des Analysators verfügen moderne Messempfänger über einen „frequency scan“ (der allerdings auch oft „sweep“ genannt wird). Hier wird in einem bestimmten Frequenzbereich an einer Frequenz eine definierte Zeit lang gemessen, bevor das Gerät einen automatischen Schritt (engl. step) zur nächsten Messfrequenz ausführt und erneut misst. Die Schrittweite ist dabei abhängig von der jeweiligen Auflösebandbreite, welche wiederum in Normen vorgeschrieben ist. Die Messzeit oder Verweildauer ist je nach zu messendem Signal zu wählen. Bei schmalbandigen Signalen kann die Zeit vergleichsweise klein gewählt werden, bei periodisch auftretenden transienten (Stör-)Signalen hingegen muss die Messzeit der Wiederholfrequenz angepasst werden.

Bei modernen Messempfängern sind die ZF-Filterung, sowie die Detektoren, teilweise oder vollständig digital realisiert. Anforderungen an Messempfänger und deren Detektoren sind international in der CISPR 16-1-1 festgelegt.

Es entstehen heute immer mehr Verfahren, welche mit Hilfe der schnellen Fouriertransformation (engl. Fast Fourier Transformation, FFT) die Funktion und Genauigkeit eines Messempfängers nachempfinden. Hauptsächlich will man hiermit lange Messzeiten verkürzen, wie sie bei Messungen für die elektromagnetische Verträglichkeit notwendig sind. Messungen dieser Art werden in Fachkreisen Zeitbereich-Messungen oder Zeitbereichsmethoden (engl. Time-Domain-Measurement) genannt. Insbesondere in Deutschland wurde in den vergangenen Jahren viel Forschung betrieben, und es entstanden Lösungen, sowohl in kommerziellen Messempfängern implementiert, als auch aus einzelnen Komponenten (Messempfänger, Digitaloszilloskop, PC) zum Eigenbau.

Begriffe

Eindeutigkeit
Ein Eingangssignal muss eindeutig mit der Skala oder Frequenzanzeige übereinstimmen. Im anderen Fall spricht man von Mehrdeutigkeit.
Empfindlichkeit
Die Empfindlichkeit eines Empfängers gibt an, um wie viel stärker ein Nutzsignal (eine Radiosendung oder ähnliches) gegenüber dem Rauschen sein muss, damit der Empfang dieses Nutzsignals noch möglich ist. Das Eingangssignal soll trotz des Rauschens der Empfängerstufen und des über die Antenne zugeführten Außenrauschens noch gut aufzunehmen sein - egal in welcher Betriebsart.
Feinabstimmung
Unabhängig von der Sendeart (WFM - UKW-Radio, SSB, CW etc.) muss eine gute Abstimmung bei gleich bleibender Selektivität gegeben sein.
Kompression, Übersteuerungsfestigkeit
Analog zur Empfindlichkeit, stellt dies die obere Grenze des Aussteuerbereichs dar. Sie wird angegeben durch den 1-dB-Kompressionspunkt.
Kreuzmodulation, Zustopfeffekt
Wird die Information/Modulation eines starken Nachbarsenders durch den empfangenen Sender übernommen, so spricht man von Kreuzmodulation. Bei getasteten HF-Trägern spricht man im selben Fall vom Zustopfeffekt.
Selektivität
Die Selektivität oder Trennschärfe bezeichnet die Fähigkeit des Empfängers, aus mehreren, dicht in der Frequenz beieinanderliegenden Sendern den gewünschten herauszufiltern, siehe Nahselektion.
Spiegelfrequenzunterdrückung
Der Wert der Spiegelfrequenzunterdrückung gibt an, wie gut Spiegelfrequenzen gedämpft werden, die Angabe ist in Dezibel, höhere Werte sind besser.
Stabilität
Das Nutzsignal soll immer gut empfangbar sein, unabhängig von thermischen und/oder elektrischen Einflüssen.
Überlagerung
Die Addition zweier Schwingungen nennt man Überlagerung. Für den Überlagerungsempfänger ist der Begriff also eigentlich nicht richtig, da hier eine Mischung (also eine Multiplikation) stattfindet. Gemeint ist allerdings die Addition des Betrags in Dezibel, was gleichbedeutend mit einer Multiplikation ist.

Mathematischer Anhang

Das Zustandekommen der beiden Seitenbänder beim Mischen (Idealer Mischer;Multiplizierer)lässt sich mathematisch so erklären: Das Eingangssignal sei

 s_e(t) = a(t)\, \cos(2 \pi f_e \cdot t),

das Signal des idealen Abstimmoszillators sei

 s_{Osz}(t) = 2\, \cos(2 \pi f_{Osz} \cdot t).

Das Ausgangssignal des Multiplizierers ist somit

 s_{Mischer}(t) = s_e(t) \cdot s_{Osz}(t) = 2a(t)\, \cos(2 \pi f_e \cdot t) \, \cos(2 \pi f_{Osz} \cdot t) .

Durch Anwendung der Additionstheoreme ergibt sich

 s_{Mischer}(t) = a(t)\, \cos(2 \pi (f_{Osz} + f_e) \cdot t) + a(t)\, \cos(2 \pi (f_{Osz} - f_e) \cdot t) .

Dabei entspricht der Teil

 a(t)\, \cos(2 \pi (f_{Osz} + f_e) \cdot t) dem oberen Seitenband (fSum)

und

 a(t)\, \cos(2 \pi (f_{Osz} - f_e) \cdot t) dem unteren Seitenband (fDif).

Sonstiges

Blockschaltbild eines handelsüblichen Stereo-Empfängers (Receiver) mit VCO, PLL und Mikrocomputersteuerung:

Stereo-Empfänger

Ansicht auf die Leiterplatte eines Überlagerungsempfängers:

Tuner aus HK AVR 41

Der UKW-Tuner (1) enthält die HF-Stufen, den Oszillator (VCO) und die Mischstufe. Dabei werden die HF-Stufen und der Oszillator über Kapazitätsdioden abgestimmt. Der Tuner besitzt unter anderem einen Eingang für die Abstimmspannung, sowie einen Ausgang für die Oszillatorfrequenz (für PLL). Unter (2) sind die drei 10,7-MHz-Keramikfilter für die ZF zu sehen. Die ZF wird dem IC (3) zugeführt, welcher unter anderem den FM-Demodulator enthält. Der oft verwendete 7,1-MHz-Quarz unter (4) ist für die Referenzfrequenz der PLL zuständig. Der PLL-IC (meist ein LM 7000, LM 7001) ist ein SMD-Bauteil auf der Rückseite der Leiterplatte und nicht zu sehen.

Eine Anwendung des Heterodynprinzips im Infraroten wurde mit dem Infrared Spatial Interferometer verwirklicht, bei dem die aufgefangene Strahlung mit der aus Infrarotlasern gemischt und dadurch zu HF umgesetzt wird.

Generell kommt das Heterondyn-Detektionsprinzip in optischen Anordnungen zur Anwendung, z. B. indem sehr schmalbandig monochromatische Laserstrahlung durch akusto-optische Modulatoren (= lokaler Oszillator) moduliert werden und so geringfügig nach oben und unten verschobene Lichtfrequenzen erzeugt werden, die sich anschließend durch Interferenzfilter oder Fabry-Perot-Etalons gut von der Ausgangsfrequenz trennen lassen.


Literatur

  • Jens Heinich: Eine kurze Chronik der Funkgeschichte. Hein, Dessau 2002. ISBN 3-936124-12-4.
  • Martin Gerhard Wegener: Moderne Rundfunk-Empfangstechnik. Franzis, München 1985, ISBN 3-7723-7911-7.
  • Ferdinand Jacobs: Lehrgang Radiotechnik. Franzis, München 1951, ISBN 3-7723-5362-2 (2 Bände).
  • Philips GmbH (Hrsg.): Philips Lehrbriefe. Band 1. Einführung und Grundlagen. Philips Fachbücher. Hamburg 1987.
  • Otto Limann, Horst Pelka: Funktechnik ohne Ballast. Einführung in die Schaltungstechnik der Rundfunkempfänger. 16. Auflage. Franzis, München 1984, ISBN 3-7723-5266-9.
  • Dieter Nührmann: Das große Werkbuch Elektronik. Franzis, Poing 2001. ISBN 3-7723-5575-7
  • Heinrich Hübscher (Hrsg.) u. a. : Elektrotechnik. Fachbildung Kommunikationselektronik. Band 2. Radio-, Fernseh-, Funktechnik. Westermann, Braunschweig 1989, ISBN 3-14-221330-9.
  • W. Rohländer: Der Superhet. In: Funkamateur. Theuberger, Berlin 1977, ISSN 0016-2833, S. 193.
  • Christoph Rauscher: Grundlagen der Spektrumanalyse. 3. Auflage, Rohde & Schwarz, München 2007, ISBN 978-3-939837-00-8.
  • Ralf Rudersdorfer: Funkempfängerkompendium. 1. Auflage, Elektor, Aachen 2010, ISBN 978-3-89576-224-6.

Weblinks

 Commons: Überlagerungsempfänger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Artikel über Edwin Armstrong in der englischsprachigen Wikipedia
  2. Alan Douglas: Who Invented the Superheterodyne?. (Origialartikel: The Legacies of Edwin Howard Armstrong. In: Proceedings of the Radio Club of America Nr. 3, 1990, Vol. 64
  3. Patent US1342885: Method of Receiving High Frequency Oscillations. Erfinder: Edwin H. Armstrong.
  4. Patent FR493660.
  5. Patent FR506297.
  6. Radiola AR-812 (englisch) → Webseite nicht mehr abrufbar → Archiv (14. September 2005 09:35 Uhr) (Archivversion vom 14. September 2005)
  7. http://books.google.de/books?id=PmMYUqiEVcYC&pg=PA1097&lpg=PA1097&dq=digitale+Zwischenfrequenz&source=bl&ots=26NX2r5v6c&sig=M-_tBFowpK-ZSrHU-svi8w2zi4c&hl=de&ei=RoPvTdjLFcnNsgb2psytCg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CBgQ6AEwADgK#v=onepage&q=digitale%20Zwischenfrequenz&f=false


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