Überrock


Überrock

Der Überrock (auch Interimsrock genannt) war Teil der militärischen Kleidung von Offizieren in Preußen und anderen deutschen Staaten.

Die ursprüngliche Version wurde entworfen, um außer Dienst über dem eigentlichen Uniformrock getragen zu werden, woraus sich der Name erklärt. Rock war damals die übliche Bezeichnung für bestimmte Jacken.

Entwicklung

Kaiser Wilhelm II. im Überrock

Durch Allerhöchste Kabinettsorder (A.K.O.) vom 23. Oktober 1808 wurden die bisherigen, dunkelblauen Überröcke abgeschafft und durch dunkelgraue ersetzt, die bis eine Hand breit unter das Knie reichten und einen offenen Kragen hatten. Die alten Überröcke durften aber bis 1814 aufgetragen werden. Das bedeutete, dass bereits beschaffte Überröcke, die aber noch nicht so verbraucht waren, dass man sie in der Öffentlichkeit nicht mehr hätte tragen können, bis zum befohlenen Zeitpunkt weiter getragen werden durften.

Das Nachfolgemodell, das 1814 sowohl für die Verwendung im wie außer Dienst eingeführt wurde, erhielt einen geschlossenen Kragen und reichte nur noch bis zum Knie, war jedoch - nach der damaligen Mode - so eng geschnitten, dass es nur noch ohne untergezogenen Rock passte. Trotzdem behielt es die amtliche Bezeichnung Überrock. Eine A.K.O. vom 15. Dezember 1838 präzisierte nochmals, dass die Überröcke bis zum oberen Rand des Knies reichen sollten. Später wurde für Offiziere der Fußtruppen schwarze Tuchfarbe festgelegt. 1842 wurden die Kragen unter dem Kinn abgerundet.

Mit A.K.O. vom 5. April 1843 wurden die Überröcke abgeschafft, durften jedoch aufgetragen werden, dies fiel auch in die Zeit der Einführung des Waffenrocks. Inzwischen waren sie bei den Offizieren aber so beliebt, dass sich das Auftragen extrem lang hinzog, was stillschweigend geduldet wurde, wodurch er sich zum charakteristischen Kleidungsstück des deutschen Offiziers in damaliger Zeit entwickelte.

In der Bekleidungsvorschrift von 1899 und ihrer Fortschreibung bis 1911 wird der Überrock in Ziffer 75 ausführlich beschrieben. Demnach trugen die Offiziere der Jäger, Schützen und MG-Abteilungen dunkelgrüne, der Dragoner kornblumenblaue, der Jäger zu Pferde graugrüne und die der übrigen Waffengattungen (außer den Husaren, die keinen Überrock trugen) dunkelblaue Überröcke. Der Überrock war nach wie vor zweireihig, mit je sechs (in Bayern sieben) Knöpfen pro Reihe. Die Knöpfe entsprachen in der Farbe den jeweiligen Uniformknöpfen (je nach Regiment golden oder silbern). Als einzige Abzeichen wurden die Schulterstücke getragen. Der Stehkragen war vorn abgerundet und hatte die Farbe des Waffenrockkragens.

"Bitte Überrock"

Obwohl der Überrock bereits seit langer Zeit kein offizielles Bekleidungsstück mehr war, bildete der Überrock bis zum Ende des ersten Weltkriegs eine typische auf Einladungskarten in konservativen Kreisen zu findende Kleiderordnung[1]. "Bitte Überrock" erlaubte ein Erscheinen im Überrock oder als Zivilist im bequemen Tagesanzug, meist Gehrock[2], und nicht im Frack bedeutete somit, sich nicht fein zu machen.

Siehe auch


  1. Eustachius Graf Pilati, Etikette-Plaudereien, 3. Aufl., Berlin, 1906, S. 234 Zeno.org; J. v. Wedell, Wie soll ich mich benehmen, Stuttgart, 1896, S. 100 ff. Zeno.org
  2. Vgl. Rudolf Stratz, Lieb Vaterland, 7. Kapitel

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