AS400

AS400
System i Modell 570 mit Power 6 Prozessoren (Oktober 2007)
i5 Modell 570 (2006)

System i (frühere Namen AS/400 oder eServer iSeries oder System i5) ist eine Computer-Baureihe der Firma IBM.

IBMs Systeme i haben ein proprietäres Betriebssystem namens i5/OS und eine eigene Datenbank namens DB2, worauf in der überwiegenden Anzahl der Installationen kaufmännische Anwendungen zur Verwaltung der typischen Geschäftsprozesse einer Firma, als Server- oder Client/Serveranwendung, betrieben werden.

Die aktuellen IBM-Systeme i sind skalierbar, das heißt, man kann diese als relativ kleine Maschine (z. B. 5 Benutzer) betreiben, aber auch in Großrechner-Dimensionen (mit tausenden Benutzern). Die installierten Anwendungen können mehrere tausend Benutzer parallel bedienen, sofern die Hardware richtig dimensioniert ist.
Das Anfang 2008 größte verfügbare System i Modell 595 kann bis zu 64 Power5+ -Prozessoren enthalten, bis zu 2 TB RAM haben und bis zu 381 TB Plattenspeicher verwalten. In Deutschland sind im High-End-Bereich aber eher die 570er Modelle mit 2–16 Prozessoren verbreitet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1986 initiierte IBM das Projekt „Silverlake“ unter Leitung von Frank G. Soltis, Chef-Entwickler bei IBM in Rochester und Professor für Computer-Engineering an der Universität von Minnesota. Soltis entwickelte die fundamentalen Design-Konzepte des Systems AS/400, die heute noch immer in einer OS/400-Partition gültig sind.

Sie gehörte ursprünglich zu den Minirechnern, wird aber hauptsächlich kommerziell verwendet und bietet eine breite Schicht an Anwendungsprogrammen. Der Begriff Minirechner ist heute (2007) irreführend, sie gehört in die Kategorie Midrange-Rechner, ein Begriff, der sich Mitte der 1980er Jahre bis Ende der 1990er Jahre etablierte. Hiermit ist die Größe zwischen Servern, die auf Intel-kompatiblen Prozessoren basieren und Großrechnern (engl. main frames) gemeint.

Die AS/400 wurde am 20. Juni 1988 als gemeinsame Weiterentwicklung der IBM-Systeme System/36 und System/38 auf den Markt gebracht. Genauer gesagt handelte es sich um den Nachfolger der S/38 und war zu dieser sogar objektcodekompatibel, d. h. bisherige S/38-Anwendungen konnten ohne oder mit nur geringen Modifikationen wiederverwendet werden. Die /36-Anwendungen konnten in einem speziellen Modus unverändert laufen (Befehl: STRS36), was zwar zu Geschwindigkeitseinbußen führen konnte, jedoch viele Anwender dazu bewog, auf die AS/400 zu wechseln. Im Jahre 2000 wurde die AS/400 in iSeries umbenannt, im Oktober 2003 wurde der Name iSeries i5 geprägt, und seit 2006 gibt es die Modelle IBM System i5. Der neueste Name seit 2007 ist System i. Die neuen Modelle haben auch wesentlich erweiterte Möglichkeiten, wie z. B. den Betrieb von Linux und Unix (AIX), Lotus Domino, Java, den Einsatz als Web-Server. Fast alle TCP/IP-Server können auch unter i5/OS laufen (wie z. B. SNMP, FTP, DNS, Telnet, SMTP, POP3, LDAP, VPN), selbstverständlich auch mit IPv6.

Die ersten Modelle waren die sogenannten B-Modelle (B10, B20, B30, B35, B40, B50), danach folgten die D-, E- und F-Modelle. IBM ging danach zu numerischen Modellbezeichnungen über. In der Pinakothek der Moderne in München befindet sich ein Modell 520, welches im Jahre 2000 einen Design-Preis erhielt.

Eigenschaften

Generelles zum IBM System i

Die Architektur der System-i-Modelle ist durch die Besonderheit geprägt, dass das Betriebssystem von der Hardware durch eine Isolationsschicht getrennt ist. Wenn das Betriebssystem die Hardware direkt anspricht, verlangt eine Modernisierung der Hardware eine intensive Anpassung des Betriebssystems. Diese ist oft so kostenintensiv, dass vorgezogen wird, eine neue Systemreihe zu entwickeln und anzukündigen.

Die Isolationsschicht der Systeme i hingegen erlaubt, Hardwaremodernisierungen ohne Eingriff in das Betriebssystem vorzunehmen (Siehe LIC weiter unten). Dies erklärt, warum die AS/400, die vor bald 20 Jahren angekündigt wurde, sich bis zum System i mit der modernsten Hardware wandeln konnte, ohne dass die Anwendungsprogramme umgeschrieben werden mussten. Denn Anwendungsprogramme basieren auf dem Betriebssystem und nicht auf der Hardware. Selbstverständlich wurde das Betriebssystem ebenfalls weiterentwickelt, aber ohne die Zwänge, die üblicherweise mit der Modernisierung der unterliegenden Hardware verbunden sind.

  • Das System i gibt es grundsätzlich in zwei Ausführungen, und zwar als Enterprise-Modell (für klassische AS/400-Anwendungen mit Eingabe-Bildschirm per Blockgrafik) oder als Standard-Modell (für Server-Anwendungen, wie z. B. Client-Server-Lösungen auf Java-Basis oder SAP mit Client-Server-Technologie)
  • Es gibt kleine Systeme, die mit einer Partition ausgeliefert werden, auf denen man i5/OS betreiben kann.
  • Es gibt mittlere und große Systeme, die in verschiedene Partitionen aufgeteilt werden können. In jeder dieser Partition wird ein separates Betriebssystem gefahren. Das Betriebssystem muss nicht das IBM-eigene i5/OS sein.
  • Um diese Partitionen verwalten zu können, haben die System i einen eingebauten Verwaltungsrechner (flexible service processor = FSP). Dieser muss hochgefahren werden, bevor die Partitionen gestartet werden können.
  • Um die Informationen des FSP editieren zu können und verwaltbar zu machen, gibt es eine Hardware Management Console (HMC). Diese ist eine Software von IBM, die unter Linux auf einem eigenen Server auf Basis einer intel-Architektur laufen muss.
  • Die Ressourcen Prozessoren und Hauptspeicher können mit Hilfe der HMC dynamisch (d. h. im laufenden Betrieb) zwischen den Partitionen verschoben, entfernt oder hinzugefügt werden.

Hardware

Bei der Gehäuseform unterscheidet man zwischen Standalone und Rackmounted. Kleinere Modelle werden auch noch als einzeln stehende Gehäuse angeboten. Ab dem Modell 550 bis zur 595 gibt es nur 19-Zoll-Gehäuse, die in ein Rack verbaut werden. Je nach Prozessoranzahl und Prozessorbaureihe werden die Hauptgehäuse durch eine oder mehrere Erweiterungseinheiten ergänzt. In diesen Erweiterungseinheiten sitzen dann Festplatten, IOPs, IOAs, HSL Adapter und sonstige Adapter. Es gibt auch Erweiterungseinheiten für Prozessoren.

Man kann diese Systeme (Server) auch per iSCSI oder SAN-Adapter festplattenlos betreiben. Die Festplattenkapazitäten werden dann von einer SAN-Lösung, also einem zentralen Storage-System bereitgestellt.

Spezielle Aufgaben werden nicht vom Hauptprozessor direkt, sondern von Spezialprozessoren durchgeführt, was den Durchsatz extrem erhöht. Da sind z. B. die IOPs (Input/Output-Prozessor) zu erwähnen. Die entsprechenden Adapterkarten (IOAs) für Netzwerk, Festplatten etc. werden über diese IOPs angesteuert und entlasten somit den Hauptprozessor. Bis 2006 hatte fast jedes System einen oder mehrere IOPs. Diese IOP-Karten kosten ungefähr soviel wie zwei normale Büro-PCs. Auf Grund der steigenden Prozessorleistung, schnellerer Busssysteme (z. B. PCI-X), und um die Systeme günstiger anbieten zu können, geht IBM dazu über, IOPless IOAs anzubieten.

Für die Ver-/Entschlüsselung gibt es eigene Kryptografie-Co-Prozessoren auf PCI- oder PCI-X-Adapterkarten, welche ebenfalls den Vorgang beschleunigen und den Hauptprozessor entlasten.

Betriebssysteme LINUX, AIX, WINDOWS

Ein IBM System i ist ein „Integrationssystem“. Das bedeutet, es unterstützt nicht nur OS/400 bzw. i5/OS, sondern auch Linux (native PowerPC- oder intel-Architektur über eine PC-Steckkarte) und das hauseigene Unix-Derivat AIX, sowie Windows (über eine PC-Steckkarte). Die PC-Steckkarte (auch IPCS genannt) ist ein eigenständiger PC mit CPU und Hauptspeicher, der Festplattenplatz auf dem System i verwendet. Es können je nach Modell bis zu 60 dieser PC-Karten eingebaut werden. Zusätzlich können viele Linux-Partitionen installiert sein. Somit kann man beispielsweise 50 einzelne Server auf einem einzigen System i zusammenfassen, was die Administration und das Speichermanagement erheblich vereinfacht. Das Storage-System des System i kann mit einem SAN verglichen werden, welches dynamisch benötigten Platz einer jeweiligen Partition (LPAR genannt) zuweisen kann (ab V5R4).

OS/400 (i5/OS) Partition/System

i5 Modell 520 (inkl. HMC) (2005)

Innerhalb einer Partition (oder eines System mit nur einer Partition) mit OS/400 (bis V5R3) oder i5/OS (ab V5R4) laufen die meisten Programme, die ab 1988 entwickelt wurden, auch heute noch. Und das, obwohl sich die Hardware und die Software (Betriebssystem und Compiler) gravierend verändert haben.

Das OS/400 ist ein herstellerspezifisches (andere Bezeichnung: proprietäres) Betriebssystem, das grundsätzlich nur auf dieser Hardware von IBM lauffähig ist. Es kann aber auch in einer Partition auf einem eServer pSeries (p5) betrieben werden. Neben dem integrierten Datenbankverwaltungssystem bietet das OS/400 u. a. integrierte Sicherheitsfeatures und Netzwerkunterstützung. Viele Systemelemente sind hier in einer Umgebung zusammengefasst. Das i im abgelösten Namen iSeries bedeutet laut IBM integrated, da die Integration verschiedener Software-Elemente wie Datenbank, Sicherheitsverwaltung, Betriebssystem, Programmierumgebung etc. die Anwendung und Administration vereinfacht.

Die System i gilt als ein sehr stabiles System; in vielen Firmen laufen diese Systeme rund um die Uhr ohne Systemabstürze. Gemeinsam mit der vergleichsweise hohen Bedienerfreundlichkeit ergibt das einen niedrigen TCO-Wert. Über Viren- und Trojanerangiffe ist bisher nicht viel bekannt. In großen Unternehmen betreut oft ein einziger Administrator eine iSeries, die mehreren Tausend Anwendern Daten und Programme bereitstellt.

Neben dem Betriebssystem OS/400 laufen auch GNU/Linux und AIX nativ auf dem System i. Zusätzlich ist es möglich, über sogenannte IXS-Karten (Integrated xSeries Server for iSeries) sowie IXA-Adapter (Integrated xSeries Adapter) und deren x86-Architektur Windows auf die Hardware-Ressourcen der Maschine zugreifen zu lassen. Seit 2007 ist es auch möglich, IBM Blade Center mit entsprechenden Blade Server per iSCSI an eine i5/OS Partion anzuschließen. In diesem Falle fungiert das System i als Plattenspeicher mit hoher Sicherheit.

Objektbasiertheit

iSeries Modell 810 (2003)

Objektbasiert ist nicht in jedem Falle gleichzusetzen mit dem Begriff objektorientiert, wie er bei Programmiersprachen häufig gebraucht wird. Grundsätzlich wird jedes Element im System – ob Bibliothek, Benutzerprofil, Gerätekonfiguration etc. – als Objekt mit bestimmten Funktionen und Attributen angesehen. Ein Objekt gliedert sich in einen Header und in die eigentlichen Informationen, wobei der Header das Objekt allgemein beschreibt (z. B. durch Eigentumsrechte, Name, Objektart, Schnittstellen). So wird durch den Header z. B. definiert, auf welche Art und Weise das Objekt bearbeitet werden kann. So verfügen Objekte über Eigenschaften (oder Parameter), die verändert werden können. Nicht definierte Eigenschaften können nicht angelegt oder geändert werden. Beispielsweise kann einem Objekt „Benutzerprofil“ nicht die Eigenschaft „Farbe“ angehängt oder modifiziert werden. Dateien sind ebenso stets ein Objekt. Reine Textdateien gibt es nur zur Emulation von Kompatibilitäten mit anderen Betriebssystemen; in der Regel ist eine AS/400-Datei aber ein Datenbankobjekt. Es ist daher nicht möglich, eine Textdatei in das System zu transferieren und sie anschließend in ein Programm (.exe) umzuwandeln. Das Betriebssystem lehnt solche Manipulationen ab.

Relationale Datenbank DB2/400

Die relationale Datenbank ist fest in das Betriebssystem OS/400 integriert. Es gilt: „Ohne Betriebssystem keine Datenbank und umgekehrt“. Die DB2/400 bietet eine hohe Funktionalität und Leistung, weshalb sie zu den führenden Datenbanksystemen gehört. Durch die feste Integration ist keine zusätzliche Berechtigungsverwaltungssoftware (wie z. B. RACF) nötig, sondern es kann mit den vorhanden Objektrechten autorisiert werden. Durch die permanente Weiterentwicklung durch IBM ist diese Datenbank heute auch für eine Vielzahl von externen Schnittstellen wie JDBC (Java), ODBC, FTP o. Ä. offen.

Die Datenbank hatte am Anfang (1988) gar keinen Namen, wurde später DB2/400 genannt und heißt seit iSeries DB2/UDB (Universal Database).

Für Abfragen und Datenmanipulation wird SQL (Structured Query Language) verwendet. Mit Programmiersprachen, die nativ im OS/400 compiliert werden können, kann auch mit programmspezifischen Zugriffsmethoden die Datenbank abgefragt und manipuliert werden.

Im April 2007 hat IBM eine Kooperation mit MySQL AB angekündigt, um DB2 UDB for iSeries als Database-Engine für MySQL verfügbar zu machen.[1] Dadurch kann die freie Datenbank MySQL auch auf dem System i5 eingesetzt werden. IBM erhofft sich davon, neue Einsatzbereiche des Systems i5 für MySQL- und PHP-Anwendungen zu eröffnen.

Einstufiger Speicher

Der Arbeitsspeicher und der Festplattenspeicher werden zu einem großen virtuellen Speicher zusammengefasst, das heißt, der Adressraum wird durchgängig adressiert.

iSeries Modell 270 (2002)

Somit gibt es keine Segmentierung des Adressraums, die Programme nutzen während der Ausführung absolute Adressen. Wenn ein Objekt bearbeitet wird, existiert keine vollständige Kopie im Arbeitsspeicher, sondern es werden nur Teile (sog. „Pages“) geladen. Wird ein Objekt gelöscht, markiert das System den darauf zeigenden Pointer als ungültig und nicht wiederverwendbar, so dass hier das Ausnutzen von Sicherheitslücken unterbunden wird.

Kenner der Windows- oder Unix-Systeme müssen sich das Konzept so vorstellen: Der Hauptspeicher wird als Read-Cache für die Festplatten verwendet, alle Festplatten stellen eine Art „Auslagerungsdatei“ dar, in der alle Objekte (temporär oder permanent) abgelegt werden. Diese Daten werden beim Systemstart nicht gelöscht, so dass „permanente“ Objekte wieder zur Verfügung stehen.

Durch die einstufige Speicherverwaltung ist für den Anwender (und auch für das Betriebssystem) nicht nachvollziehbar, welche Objekte auf welcher Platte abgelegt werden. Vorteilhaft ist, dass sich der Anwender nicht um eine Aufteilung des Plattenplatzes kümmern muss. Bei Plattenspeicherengpässen muss die Plattenkapazität nur erweitert werden, um die Verteilung der Daten kümmert sich das System. Die AS/400 hatte von Anfang an das sogenannte RAID-Prinzip integriert. Bei Ausfall einer Platte kann das System durch die checksum-Methode (bereits im S/38 vorhanden) fehlende Daten innerhalb des Plattenstapels ermitteln. Bei Ausfall von mehr als einer Platte ist allerdings diese Berechnung nicht mehr möglich (erst neuere Modelle ab 2006 unterstützen RAID6). Daher ist für Hochverfügbarkeitsumgebungen eine Plattenspiegelung ratsam, welche auch Controller- und Bus-übergreifend möglich ist. Defekte Magnetplatten konnten seit der Betriebssystemversion 3.2 während des laufenden Betriebs gewechselt werden. Dies wird auch als Hot-Swapping bezeichnet.

Die iSeries war von Anfang an auf einen 128-Bit-Adressraum ausgelegt. Die ersten Prozessoren (CISC-Eigenentwicklungen von IBM) waren 48-Bit-Bipolar-Systeme, Ende 1994 stieg IBM auf die 64-Bit-POWER-Prozessoren um. Derzeit werden im Betriebssystem 80 Bit für die Adressierung verwendet (unabhängig von der CPU-Architektur), ein Umstieg auf 128 Bit ist mit einfachen Mitteln machbar.

Der 128-Bit-Adressraum erlaubt eine direkte Adressierung von 18 Quintillionen Bytes. Bei einem Wechsel der Prozessorarchitektur auf 128-Bit-CPUs ist durch das objektbasierte Konzept und dem Vorhandensein von Objektcode in den Programmen ein problemloser Umstieg möglich, siehe nachfolgendes Kapitel. Systemintern sind alle Pointer 16 Byte breit.

Lizenzierter Interner Code

Der lizenzierte interne Code (auch LIC genannt) ist das Herzstück jeder OS/400 (i5/OS) Partition (Systems), da diese Software-Komponente zwischen der Hardware und der Anwendungssoftware vermittelt (das Betriebssystem OS/400 wird hier als Anwendungssoftware angesehen). Nur dieser LIC kann eine Hardware direkt ansprechen, und er stellt der Anwendungssoftware alle nötigen Programmierschnittstellen zur Verfügung. Es kann keine Funktion unter Umgehung dieser APIs verwendet werden, und diese prüfen neben Plausibilität auch Berechtigungen. Dies ist auch ein Grund, warum OS/400 auf der gleichen Hardware etwa 3–5 % langsamer als beispielsweise AIX ist, da diese Prüfungen Rechenzeit benötigen.

Bei einem Hardware-Wechsel ändert IBM diesen internen Code, behält die Schnittstellen aber bei, so dass die Anwendungsprogramme nicht modifiziert zu werden brauchen. Bei gravierenden Änderungen in der Hardware (Wechsel der CPU-Architektur) wird weiterhin auf die in den Programmen üblicherweise vorhandene Zwischencode-Schicht zurückgegriffen. In einem Programmobjekt ist nicht nur ein (fast) direkt ausführbarer Code enthalten, sondern auch ein Objektcode. Ruft man ein Programm auf, welches für eine andere CPU erstellt wurde, erkennt dies das Betriebssystem und wandelt das Programm automatisch um. Auf diese Weise wurde auf der iSeries der Wechsel von proprietären 48-Bit-CISC-Prozessoren auf 64-Bit-RISC-Prozessoren vollzogen. Die Anwender haben auf dem alten System alle Programme auf ein Band gesichert und auf dem neuen System zurückgeladen. Den Rest erledigte das Betriebssystem.

Dieser hardwareunabhängige Objektcode kann aus dem Programmobjekt entfernt werden, um Speicherplatz zu sparen. Dann muss aber das Programm unter Verwendung des Quellcodes neu umgewandelt werden, wenn es eine neue Hardware-Architektur gibt.

Diese Möglichkeit der hardwareunabhängigen Software ist in der IT-Branche recht einzigartig, da hier nicht ein menschenlesbarer Quelltext mit der (oft ja kommerziell vertriebenen) Software mitgegeben werden muss, obwohl dies im AS/400 traditionell häufig vorkommt.

Programmierung auf OS/400 (i5/OS)

Überblick

Eine alte AS400: Modell 640 (ca. 1997)

Mit der klassischen AS/400 Programmierung soll im Allgemeinen folgendes ausgedrückt werden:

Als Datenbank wird die DB2 benutzt, welche im OS/400 fest verankert ist. Diese Datenbank kann man über die spezielle Datenbankbeschreibungsprache DDS oder über normierte SQL-Befehle verwalten und administrieren.

Um das OS/400 zu steuern, wird die Steuersprache CL benutzt, die wie eine Shell-Sprache funktioniert, aber wesentlich komfortabler zu benutzen ist, da es bildschirmgestütztes Prompting gibt. Die CL-Befehle können zu einer Art Script zusammengefasst werden, welche hier als CL-Programme bezeichnet werden und die compiliert werden müssen. Eine Interpretation von CL-Programmen ist nicht vorgesehen.

Die eigentlichen „Greenscreen“-Applikationen oder zeichenorientierten Applikationen wurden in der großen Masse in RPG geschrieben. Auch COBOL spielte eine Rolle. Historisch betrachtet ist es bis heute möglich, alle RPG-Versionen (RPG-II, RPG-III, RPG/400 etc.) zu verwenden. Der in der jetzt aktuellen Version V5R4 verfügbare RPG-Compiler kann auch „alte“ Syntax (Tabulator-orientiert, also Lochkarten-ähnlich) verarbeiten und lauffähige Programme/Module erstellen. Zum Teil laufen noch Anwendungen, die vor 15 Jahren entwickelt wurden, und Anwendungen der neuesten Art parallel.

Andere Programmiersprachen wie z. B. COBOL, C, C++, oder Java (Programmiersprache) sind ebenfalls verfügbar und können hier compiliert werden. Darüber hinaus sind Interpretersprachen, wie Net.Data, Rexx, als auch Perl und PHP benutzbar. Innerhalb des OS/400-Systems wird mit dem Befehl STRQSH eine Shell gestartet, in der sh-Scripte ausgeführt werden können, die AIX-kompatibel sind. Dadurch können komplette AIX-Anwendungen parallel zu klassischen Programmen in einer Partition ausgeführt werden.

Anwendungen

OS/400 bzw. i5/OS

AS/400 Modell 150 (1997)
  • Immobilienwirtschaftliche Software (WohnData)
  • Finanzbuchhaltung von verschiedenen Herstellern
  • ERP Software von verschiedenen Herstellern
  • Lagerverwaltungssoftware (z. B. LFS 400)
  • BDE Systeme
  • Zeitmanagement
  • J.D. Edwards
  • SAP-Produkte
  • SAP Netweaver 2004s
  • Lohn und Gehaltssoftware (verschiedene Hersteller)
  • PPS Systeme
  • Internetshops
  • Websites
  • SMTP
  • POP
  • DNS
  • DHCP
  • MQSeries
  • Lotus Domino
  • WebSphere
  • Apache HTTP Server
  • perl (nur ILE Version 5.005_2)

AIX / PASE (AIX Runtime)

LINUX

  • Sollte man die passende Anwendung für i5/OS nicht finden, kann man entweder in den großen Linux-Topf greifen (einfache Netz-Anwendungen wie Firewall, Mail etc. bis zur Oracle-, MySQL- oder sonstige Datenbank) oder seine Intel-basierten Server in die Maschine integrieren (Active-Directory, MS-SQL-Server, Exchange etc.)
  • Internetshops

WINDOWS

  • 100 % Intel-kompatibel durch PC-Einsteckkarten oder Server-Anbindung per iSCSI

Hardwarefakten

Prozessoren in AS/400, iSeries, i5

Die iSeries sowie das System i5 verwenden heutzutage IBM POWER-Prozessoren. Dieser RISC-Mikroprozessor hat eine Verarbeitungsbreite von 64 Bit und wird von IBM selbst entwickelt und hergestellt. Die Prozessormodelle SStar und POWER 5/5+/6 sind hyperthreadfähig (nicht POWER4!), d. h. sie können simultan zwei Threads abarbeiten. Die POWER 4/5/5+/6-Modelle enthalten zwei Prozessorkerne im Core. Sie sind darüber hinaus auch als Multichip-Module (MCM) erhältlich und haben hier vier POWER-Prozessoren (acht Cores) bzw. acht POWER-Prozessoren (16 Cores) auf einem MCM.

Prozessorbezeichnung Jahr Prozessortakt Server-Modelle
Cobra (A10) Seit 1995 55 oder 75 MHz Modell: 4xx, 5xx
Muskie (A25/A30) Seit 1995 125 oder 154 MHz Modell: 53x
Apache (RS64) (A35) Seit 1997 125 MHz Modell: 6xx, 150
NorthStar; (RS64 II) Seit 1998 200, 255 oder 262 MHz Modell: 170, 250, 7xx
Pulsar (RS64 III) Seit 1999 450 MHz Modell: 270, 820
IStar Seit 2000 400, 500, 540 oder 600 MHz Modell: 820, 830, 840, SB2, SB3
SStar (RS64 IV) Seit 2001 540, 600 oder 750 MHz Modell: 270, 800, 810, 820, 830, 840
POWER 4 Seit 2002 1,3 GHz Modell: 890
POWER 4 Seit 2003 1,1 oder 1,3 GHz Modell: 825, 870
POWER 5 Seit 2004 1,5 oder 1,65 GHz Modell: i5-520; i5-550; i5-570; i5-595
POWER 5 Seit 2006 1,9 GHz Modell: i5-595
POWER 5+ Seit 2006 1,9 GHz
2,2 GHz
Modell: i5(i)-520, i5(i)-550
Modell: i5(i)-570
POWER 5+ Seit 2007 1,9 GHz
2,3 GHz
Modell: i-515, i-525
Modell: i-595
POWER 6 September 2007 4,7 GHz Modell: i-570
POWER 6 April 2008
November 2007
3,8 GHz
4,0 GHz
Modell: BladeCenter JS12
Modell: BladeCenter JS22
POWER 6 April 2008 4,2 GHz
3,5 oder 4,2 GHz
Modell: Power 520
Modell: Power 550

Modelle der AS/400, iSeries, i5 Systeme

Die IBM hat ihre Maschinen immer in Modellen gruppiert, die jedes Jahr leistungsstärker wurden. Die Modellbezeichnung änderte sich im Laufe der Jahre von Buchstabenbeginnen in reine Zahlen. Die Prozessorgruppe ist hier mit aufgeführt, weil sie Aufschluss über die Kosten des Betriebssystems und der Lizenzprogramme gibt. Je höher die Zahl, umso teurer auch das Betriebssystem. Der CPW-Wert ist die Maßeinheit der Leistungsfähigkeit einer AS/400. Je höher die Zahl, umso schneller und leistungsfähiger ist der Rechner. Das Release ist eine Mindestanforderung auf der entsprechenden Hardware. Neuere Releases funktionieren oft bis zu einem gewissen Grad.

Modellbezeichnung Jahr Prozessorgruppe Base – CPW OS/400 Release
B10,B20,B30,B35,B40,B45,B50,B60,B70 1988, 1989 P10, P20 2,9 - 20 V1R1 - V2R1
C04,C06,C10,C20,C25 1990 P10 3,1 - 6,1 V1R1 - V2R1
D02,D04,D06,D10,D20,D25,D35,D45,D50,D60,D70,D80 1991 P10,P20,P30 3,8 - 56,6 V2R2, V2R3
E02,E04,E06,E10,E20,E25,E35,E45,E50,E60,E70,E80,E90,E95 1992 P10,P20,P30,P40 4,5 - 116,6 ?
F02,F04,F06,F10,F20,F25,F35,F45,F50,F60,F70,F80,F90,F95,F97 1993 P05,P10,P20,P30,P40 5,5 - 177,4 V2R3
P01, P02, P03 1993, 1994, 1995 P05 7,3 - 16,8 V3R1, V3R2
150 1996 P05 10,9 - 35,0 V4R1
S10, S20, S30, S40 1997 P05, P10, P20, P30, P40, P50 45,4 - 4550 V4R1, V4R2, V4R3, V5R1
SB1, SB2, SB3 1997, 2000 P30, P40 1794 - 16500 V4R1, V4R3
10S, 100, 135, 140 1995, 1993 P05, P10, P20 17,1 - 65,6 ?
170 1998 P05,P10,P20, 30 - 1090 V4R2
200, 20S, 236 1994 P05, P10 7,3 - 17,1 V3R0M5 (bei Modell 236: nur SSP)
250 2000 P05 50 - 75 V4R5
270 2000 P05, P10, P20 50 - 2350 V4R5 oder V5R1
300, 30S, 310 1994 P10,P20,P30,P40 11,6 - 177,4 V3R0M5 - V3R2
400, 40S, 436 1995 P05, P10 13,8 - 91,0 V3R6 - V4R3
500, 50S, 510, 530, 53S 1995 P10, P20, P30, P40 18,7 - 650 V3R6 - V4R3
600, 620, 640, 650 1997 P05, P10, P20, P30, P40, P50 22,7 - 4550 V4R1 - V4R3
720 1999 P10,P20,P30 240 - 1600 V4R3 - V5R3
730 1999 P20,P30,P40 560 - 2890 V4R3 - V5R1
740 1999 P40,P50 3660 - 4550 V4R3 - V5R1
800 2003 P05,P10 300 - 950 V5R2
810 2003 P10, P20 750 - 2700 V5R2
820 2000, 2001 P05,P10,P20,P30,P40 100 - 3700 V4R5, V5R1
825 2003 P30 3600 - 6600 V5R2
830 2000, 2002 P20,P30,P40,P50 1850 - 7350 V4R5, V5R1
840 2000,2001,2002 P40, P50 10000 - 20200 V4R5, V5R1
870 2002 P40,P50 7700 - 20000 V5R2
890 2002 P50, P60 20000 - 37400 V5R2
520 2004 - 2006 P05, P10, P20 500 - 7100 V5R3, V5R4
550 2004 - 2006 P20 3300 - 14000 V5R3, V5R4
570 2004 - 2006 P30, P40 3300 - 58500 V5R3, V5R4
595 2004 - 2007 P50, P60 24500 - 216000 V5R3, V5R4
515 04.2007 P05 3800/7100 V5R4
525 04.2007 P10 3800/7100 V5R4
570 09.2007 P30 5500 - 76900 V5R4
520 POWER6 1Chip 1Core 2Threads 2009 4300 V5R4 - V6R1
520 POWER6 1Chip 2Cores 4Threads 2009 8300 V5R4 - V6R1
520 POWER6 2Chip 4Cores 8Threads 2009 15600 V5R4 - V6R1
550 POWER6 1-4Chips 1-8Cores 2-16Threads 3,5-4,2GHz 2009 4000-32650 V5R4 - V6R1
560 POWER6 2,4,8Chips 4,8,16Cores 8,16,32Threads 3,6GHz 2009 14100 - 48500 V5R4 - V6R1
570 POWER6 1-12Chips 2-32Cores 4-64Threads 3,5 - 5,0GHz 2009 14100 - 48500 V5R4 - V6R1
575 POWER6 not for IBM i 2009
595 POWER6 4-32Chips 8-64Cores 16-128Threads 4,2 ; 5,0GHz 2009 35500 - 294700 V5R4 - V6R1

Baugleichheit mit pSeries

Die „POWER 5+“‐ und POWER‐6‐basierten Plattformen des IBM System i und System p sind seit den Ankündigungen von i5 und p5 physikalisch nahezu baugleich. Da ein IBM‐System‐i‐Server bei großen Modellen immer nach Kundenwunsch konfiguriert wird, sind die verbauten Teile in dem fertigen Computer sehr selten identisch zu einer anderen Konfiguration. Den Unterschied machen die charakteristischen Eigenschaften des gewählten Betriebssystems i5/OS, AIX oder Linux aus, denn man benötigt für die verschiedene Betriebssysteme verschiedene Features, wie z. B. Plattenkontroller, Netzwerkadapter, CPU-Gehäuse.

Kosten

Hardware

Generell kann man die Hardware kaufen. Ein Leasing über die IBM sowie über andere Leasinggesellschaften ist möglich und wird in der Praxis sehr oft in Anspruch genommen.

Wartungskosten

Nach der Garantiezeit, oder auch schon während der Garantiezeit, benötigt man bei einem produktiv eingesetzten System einen Wartungsvertrag, der mit dem Hersteller oder mit einem anderen Anbieter abgeschlossen werden kann. Darin wird in der Regel eine Reaktionszeit und eine Bereitschaftszeit (z. B. 24 × 7) vereinbart.

Softwarewartung

Um eine in Produktion befindliche Maschine mit neuen Software Fixes (Program Temporary Fixes, kurz PTFs) zu versorgen, benötigt man einen Softwarewartungsvertrag. Ebenso Softwareprobleme und neue Releases sind damit abgedeckt.

Preisbeispiele verschiedener Hardware-Ausbaustufen

Beispiel 1 (2007): Der Listenpreis für ein i520-System, Einstiegsmodell der sog. Express-Seller Serie, mit einer POWER 5+ CPU mit 1.9 GHz (600 CPW Prozessor/30 CPW interaktiv), 1 GB Hauptspeicher, 2 × 35 GB Festplatten (gespiegelt), internem Bandlaufwerk QIC 30/60 GB, internem DVD-ROM, 2 × 1 GBit Ethernet LAN und Betriebssystem V5R4 und einer Lizenz für Websphere Express V6.0 beträgt ca. 11.500 €.

Beispiel 2 (2006): Der Preis für ein i595-System Standard-Edition mit 1974 GB Plattenspeicher, 64 GB RAM, 16 Power5-Prozessoren (51.000 CPW Prozessor/12.000 CPW interaktiv), i5/OS für alle Prozessoren betrug Anfang 2006 rund 2.190.000 €.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Kooperation mit MySQL AB

Weblinks


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