Bosses


Bosses

Bartholomäus des Bosses (* 29. August 1668 in Chaineux, Provinz Lüttich; † 17. April 1738 in Köln) war Jesuit. Er ist vor allem durch seinen Briefwechsel mit Gottfried Wilhelm Leibniz bekannt, der zwischen dem 25. Januar 1706 und dem 29. Mai 1716 vor allem philosophisch-theologische Fragen betraf.

Nach dem Ordenseintritt 1686 studierte er in Köln Rhetorik, Mathematik, Philosophie und Theologie bis zum doctor theologiae. Am Hildesheimer Gymnasium Mariano-Josephinum der Jesuiten unterrichtete er Philosophie und Theologie. Im Januar 1706 besuchte er erstmals Leibniz in Hannover, der auch mehrmals nach Hildesheim kam. Er ermöglichte Leibniz den Kontakt zum China-Missionar Pater Nicolas Cima SJ. 1709 wurde des Bosses zum Kölner Gymnasium Tricoronatum abberufen, um Mathematik zu unterrichten, 1711 nach Paderborn versetzt, um wiederum Philosophie zu lehren, und 1713 kehrte er nach Köln zurück und lehrte dort bis zu seinem Tod.

Eine Kernfrage im Briefwechsel war das konfessionell äußerst strittige Theodizeeproblem, zu dem Leibniz 1710 in Amsterdam die Essais de Théodicée ... publizierte, die des Bosses ins Lateinische übersetzte. Sie erschienen unter dem Titel Godefridi Guilelmi Leibnitii Tentamina Theodicaeae de bonitate Dei, libertate hominis et origine mali latine versa ... 1719, ohne des Bosses' Namen offenzulegen, vermutlich um ihn vor katholischen Angriffen im Orden zu schützen.

Auch mit dem Leibnizianer Christian Wolff korrespondierte des Bosses.

Literatur

  • E. Meuthen: Die alte Universität. Kölner Universitätsgeschichte. Bd. 1, München 1988
  • J. Stillig: Jesuiten, Ketzer und Konvertiten, Untersuchungen zum Religions- und Bildungswesen im Hochstift Hildesheim in der Frühen Neuzeit. Hildesheim 1993, S. 323 ff
  • Leonhard Hell: Des Bosses, Bartholomaeus. In: LThK3 11, 57.

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