Breitenstein (Weil im Schönbuch)


Breitenstein (Weil im Schönbuch)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Weil im Schönbuch
Weil im Schönbuch
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Weil im Schönbuch hervorgehoben
48.6213888888899.0611111111111482Koordinaten: 48° 37′ N, 9° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Böblingen
Höhe: 482 m ü. NN
Fläche: 26,14 km²
Einwohner: 9979 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 382 Einwohner je km²
Postleitzahl: 71093
Vorwahlen: 07157, 07031
Kfz-Kennzeichen: BB
Gemeindeschlüssel: 08 1 15 051
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der Gemeindeverwaltung: Marktplatz 3
71093 Weil im Schönbuch
Webpräsenz:
Bürgermeister: Wolfgang Lahl

Weil im Schönbuch ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg und gehört zum Landkreis Böblingen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Weil im Schönbuch liegt auf der Schönbuchlichtung zwischen 432 und 487 Meter Höhe, 12 km südlich von Böblingen an der Bundesstraße 464 Böblingen - Tübingen am Nordrand des Naturpark Schönbuch.

Der alte Ortskern liegt auf einem in ost-westlicher Richtung verlaufenden Höhenrücken, der im Norden durch das Totenbach- und Seitenbachtal und im Süden durch das Schaichtal begrenzt wird. Das Dorf hat sich dann auf den flachen Nordhang und auch entlang des Höhenrückens ausgedehnt. Der steil abfallende Südhang blieb weitgehend unbebaut.

Weil im Schönbuch, Panoramaansicht von Süden

Nachbargemeinden

Die Nachbargemeinden von Weil im Schönbuch sind beginnend von Norden im Uhrzeigersinn: Schönaich, die Stadt Waldenbuch, Dettenhausen, der Ortsteil Bebenhausen der Stadt Tübingen, Altdorf und die Stadt Holzgerlingen.

Gemeindegliederung

Weil im Schönbuch besteht aus den drei Ortsteilen Breitenstein, Neuweiler und Weil im Schönbuch. Die Ortsteile waren bis in die 1970er Jahre selbstständige Gemeinden gleichen Namens. Die Ortsteile bilden zudem Wohnbezirke und mit Ausnahme des Ortsteils Weil im Schönbuch Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.[2] Zum Ortsteil Breitenstein gehört das Dorf Breitenstein. Zum Ortsteil Neuweiler gehören das Dorf Neuweiler und das Haus Eschmühle. Zum Ortsteil Weil im Schönbuch gehören das Dorf Weil im Schönbuch und die Häuser Obere Rauhmühle, Totenbachmühle und Untere Rauhmühle.[3]

Geschichte

Funde aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit belegen, dass Menschen schon seit langer Zeit im Gemeindegebiet lebten. Die erste Siedlung auf dem heutigen Gemeindegebiet haben die Römer Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. angelegt. Die Ausgrabung einer Villa rustica (römischer Gutshof mit Wirtschaftsgebäuden und Kultstätte) bei der Totenbachmühle und weitere, beim Umbau der Martinskirche im Jahre 1904 entdeckte Spuren, belegen das. Der Name Weil könnte von der lateinischen villa abgeleitet sein.

Im 4. Jahrhundert haben sich Alemannen im ältesten Teil des Dorfes, dem heutigen Maierhof, angesiedelt. Ob die Siedlung seitdem ununterbrochen bestand, ist nicht sicher. Im Jahre 1087 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung von Breitenstein. Rudolf von Breitenstein war ein Lehnsmann der Pfalzgrafen von Tübingen. 1188 wurde das Dorf als Weyl im Schaienbuch erstmals urkundlich erwähnt. Die Urkunde besagt, dass Pfalzgraf Rudolf I. von Tübingen seinen Teil des Dorfes dem von ihm ein Jahr zuvor gegründeten Kloster Bebenhausen geschenkt hat. Seinem Bruder ist der Fronhof (Maierhof) mit den dazu gehörenden Fronbauern verblieben. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts war Weil im Schönbuch zusammen mit Breitenstein und dem 1295 erstmals erwähnten Neuweiler fast vollständig im Besitz des Klosters Bebenhausen.

In der Nacht vor der entscheidenden Bauernschlacht bei Böblingen am 12. Mai 1525 lagerte das schwäbische Bundesheer unter seinem Führer Georg Truchsess von Waldburg-Zeil im Seitenbach- und Totenbachtal in Weil im Schönbuch. Von hier aus zog er am frühen Morgen mit seinen Truppen nach Böblingen, um dort die Bauern vernichtend zu schlagen.

Während der Reformationszeit wurde 1535 die Klostergrundherrschaft Bebenhausen aufgelöst, Weil im Schönbuch wurde württembergisch.

1559 wurde das ganze Dorf samt Kirche und Rathaus durch Brandstiftung vernichtet. Als einziges Gebäude überstand das etwas abseits stehende Pfarrhaus die Katastrophe. Der Brandstifter konnte gefasst werden und wurde zum Tode verurteilt. Zur Vollstreckung des Urteils sperrte man den Täter in ein Fass, das mit langen Nägeln gespickt war und rollte dieses einen Hügel hinunter. Dadurch wurden die Nägel ins Fass getrieben und töteten den Mann. Im Dreißigjährigen Krieg fielen am 8. September 1634 kaiserlich-katholische Truppen nach der Schlacht bei Nördlingen plündernd und mordend in Weil im Schönbuch ein und brachten auch die Pest mit. Fast ein Drittel der Dorfbevölkerung verlor ihr Leben in diesem Krieg.

1850 hatte Weil im Schönbuch 2453 evangelische und 21 katholische Einwohner, die in 287 Haupt- und 165 Nebengebäuden lebten und arbeiteten.[4] Damit war Weil nach Sindelfingen und Böblingen die drittgrößte Gemeinde im Oberamtsbezirk (nicht gleichzusetzen mit dem heutigen Landkreis Böblingen).

Weil im Schönbuch um 1900

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges war Weil im Schönbuch am 21. und 22. April 1945 Schauplatz schwerer Kampfhandlungen zwischen deutschen und französischen Truppen. Es gab Tote unter der Bevölkerung und den Soldaten, 56 Gebäude wurden zerstört.

Eingemeindungen

Im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg wurden die zuvor selbständigen Gemeinden

  • Neuweiler am 1. Juli 1971 und
  • Breitenstein am 1. April 1972

in die Gemeinde Weil im Schönbuch eingegliedert.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (rot gekennzeichnet) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts (nur Hauptwohnsitze). Alle Zahlen seit 1871 vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg[5]; 1850 aus der Beschreibung das Oberamts Böblingen[4].


Politik

Gemeinderat

Nach der Kommunalwahl vom 13. Juni 2004 ergab sich folgende Sitzverteilung:

FWG 54,2 % -10,0 11 Sitze -5
CDU 29,1 % +7,6 7 Sitze +1
SPD 16,7 % +2,4 4 Sitze ±0

Wappen

Blasonierung: In Silber auf grünem Hügel zwei grüne Buchen, alles überdeckt durch einen springenden roten Hirsch mit goldenem Geweih.

Partnerschaften

Seit 1976 ist der Ortsteil Neuweiler freundschaftlich mit Hennersdorf in Niederösterreich verbunden.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Weil im Schönbuch ist mit der Kreisstraße 1062 an die Bundesstraße 464 angeschlossen. Weitere Kreisstraßen stellen die Verbindung zu den Nachbarorten Holzgerlingen und Schönaich K 1048, Waldenbuch K 1050 und Dettenhausen K 1062 her. Die Kreisstraße K 1049 stellt die Verbindung zu den Ortsteilen Neuweiler und Breitenstein her, die K 1058 verbindet die Siedlung Roter Berg mit Weil im Schönbuch und der B 464.

Im Dezember 1996 wurde die Schönbuchbahn (BöblingenDettenhausen) wieder in Betrieb genommen. Drei Haltestellen in Weil im Schönbuch binden die Gemeinde über Böblingen an das Netz der S-Bahn Stuttgart an.

Ansässige Unternehmen

  • Hecker Werke GmbH & Co. KG Spezialfabriken für Dicht- und Reibelemente; Dichtungen, Membrane, Gummiformartikel, O-Ringe
  • KLW Karl Lutz GmbH; Werkstatt- und Büroeinrichtungen, Werkbänke, Stühle, Regale, Schränke
  • Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG
  • Franz Hahn, Holz- und Baustoffe Transporte
  • Stähli Läpp-Technik GmbH, Feinschleif-Läpp- und Poliertechnik

Bildungseinrichtungen

  • Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule
  • Grundschule Neuweiler (nur 1. und 2. Klasse)
  • Grundschule Breitenstein (nur 1. und 2. Klasse)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Regelmäßige Veranstaltungen

Ein fester Bestandteil des Jahres ist mittlerweile auch das Seenachtsfest geworden, dass die Freiwillige Feuerwehr Weil im Schönbuch jedes Jahr am Feuerwehrsee in der Nähe des Ortskerns veranstaltet. Dieses Fest hat auch schon einen festen Termin, denn es findet nun schon seit einigen Jahren immer am ersten Samstag im August statt.

Jedes Jahr findet der Sängerfasching des Gesangvereins statt.

Sport

Im Sport ist Weil im Schönbuch vor allem durch das Kunstradfahren bekannt geworden. Die Weilerin Astrid Ruckaberle hält seit dem 20. Januar 2001 den Deutschen Rekord im Einer-Kunstradfahren der Frauen.

Musik

  • Musikverein Original Schönbuchmusikanten Weil im Schönbuch, gegründet 1931.
    Der Verein hat eine Jugendkapelle und die Stammkapelle. Darüber hinaus werden sogenannte Beginners an die Musik herangeführt.[6]
  • Junges Streichorchester Weil im Schönbuch, gegründet 1995.
    Derzeit existieren drei Orchester: Kinderorchester, Jugendorchester und das Streichorchester, sowie ein Cello-Ensemble. Insgesamt spielen in diesen Orchestern mehr als 50 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
  • Harmonika-Freunde Weil im Schönbuch, gegründet 1964.
    Der Verein bietet Akkordeon-, Gitarren- und Keyboard-Unterricht an. Für die ganz jungen Kinder gibt es einen Musikgarten und die Musikalische Früherziehung. Neben dem Unterricht wird in Orchestern musiziert. Die mit den Grundschulen Weil und Breitenstein bestehende Kooperation im Zuge der Ganztagsbetreuung an Schulen soll ebenfalls dazu beitragen, das Musikleben in der Gemeinde zu beleben.
  • b!cause ist ein Chor, gegründet 1981.
    Derzeit ca. 35 Sänger und Sängerinnen pflegen ein Repertoire aus den Bereichen der Gospel-, Pop- und Soulmusik.

Persönlichkeiten

Florian Toncar (* 18. Oktober 1979) deutscher Politiker (FDP) und Mitglied des Deutschen Bundestages wuchs in Weil im Schönbuch auf.

Erich Hartmann (* 19. April 1922 in Weissach, † 20. September 1993 in Weil im Schönbuch) war ein Luftwaffenoffizier der deutschen Wehrmacht. Mit 352 bestätigten Luftsiegen war er der militärisch erfolgreichste Jagdflieger in der Geschichte des Luftkampfs.

Religion

Sowohl die evangelische Kirche als auch die katholische Kirche haben in Weil im Schönbuch Gemeinden, letztere im Verbund mit weiteren Orten der Schönbuchlichtung. Die islamische Bevölkerung unterhält keine eigene Versammlung.

Quellen

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Bevölkerungsstand
  2. Hauptsatzung der Gemeinde Weil im Schönbuch vom 30. September 2003
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 135–137
  4. a b Beschreibung des Oberamts Böblingen – Tabelle I.
  5. Statistisches Landesamt B-W.
  6. http://www.musikverein-weil-im-schoenbuch.de/

Weblinks


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