Brilon-Wald


Brilon-Wald
Brilon-Wald
Stadt Brilon
Koordinaten: 51° 21′ N, 8° 34′ O51.3438888888898.5738888888889474Koordinaten: 51° 20′ 38″ N, 8° 34′ 26″ O
Höhe: 474–663 m ü. NN
Einwohner: 559 (31. Dez. 2010)
Eingemeindet nach: Brilon
Postleitzahl: 59929
Vorwahl: 02961
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Lage der Ortschaft Brilon-Wald innerhalb des Stadtgebiets von Brilon

Brilon-Wald
Essigturm auf dem ehemaligen Industriegebiet
Bahnhof Brilon-Wald

Brilon-Wald ist der südlichste Stadtteil von Brilon im Hochsauerlandkreis im östlichen Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Er entstand zum Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Einfluss des Baus der Oberen Ruhrtalbahn von Hagen nach Warburg. Am 31. Dezember 2010 lebten im Ort 559 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Brilon-Wald liegt langgestreckt zwischen Brilon im Norden und dem hessischen Willingen im Süden unmittelbar nördlich der Einmündung der Schmala in die Hoppecke, die in Süd-Nord-Richtung durch das Dorf fließt. Es ist von Brilon rund 5,5 km entfernt und befindet sich etwa zwischen 440 und 500 m ü. NN.

Die Ortschaft Brilon-Wald erstreckt sich am unteren Osthang des Ginsterkopfes (Nordkuppe; 661 m; Südkuppe; 663,3 m) bzw. südöstlich des Habbergs (652 m); über beide Berge verläuft ein Abschnitt der Rhein-Weser-Wasserscheide. Nordöstlich von Brilon-Wald erhebt sich der Hammerkopf, (541,5 m), östlich die Kreuz Habuche (680,1 m), südöstlich der Hüttenkopf (681 m) und südlich der Rehkopf (674,4 m), der Teil des Bergzugs „Schellhorn“ ist.

Geschichte

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das Hoppecketal oberhalb von Gut Gudenhagen bis zur hessischen Grenze nicht besiedelt. 1845 wurde von einem Gerbereibesitzer aus Brilon eine Lohmühle gebaut. Von 1847 bis 1850 ließ die Stadt Brilon durch das Hoppecketal die Chaussee von Brilon nach Willingen bauen. Für die Benutzung der Straße erhob sie eine Maut. Die Straße vom Hoppecketal nach Bruchhausen und Elleringhausen wurde im Jahr 1859 fertiggestellt.

Die Entwicklung von Brilon-Wald hängt eng mit dem Bau der Eisenbahn zusammen. 1866 erhielt die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft die Konzession zum Bau der Strecke Schwerte–Warburg. Entgegen den Bemühungen der Stadt Brilon entschied sich die Eisenbahngesellschaft gegen eine Streckenführung in der Nähe zur Kernstadt. Es wurde die Linienführung über Olsberg und Elleringhausen mit Scheiteltunnel unter dem Habberg gewählt, da diese eine geringere Steigung und niedrigere Baukosten zur Folge hatte. Der 1393 m lange Elleringhäuser Tunnel unter dem Habberg wurde 1868 bis 1872 gebaut, gleichzeitig entstanden am Ostportal im Hoppecketal ein Bahnhof und einige Wohnhäuser, in denen zunächst Bauarbeiter und Pferde untergebracht wurden. Am 6. Januar 1873 nahm die Bahn den Güterverkehr, am 10. Februar den Personenverkehr auf. Die Station im Hoppecketal wurde zunächst Brilon-Corbach benannt.

Die Eisenbahnstrecke in die Kernstadt wurde am 1. Juli 1900 in Betrieb genommen. Da Brilon nun einen eigenen Bahnhof hatte, wurde die Station 1901 in Brilon-Wald umbenannt. Dieser Name wurde für den Ortsteil übernommen. In den Jahren 1913 bis 1919 wurden die Bahnanlagen erweitert, es entstanden ein neues Empfangsgebäude, ein neuer Güterschuppen und ein Lokomotivschuppen. Dafür wurde die Hoppecke nach Osten verlegt. In diese Zeit fällt auch die Inbetriebnahme der Strecke Brilon-Wald-Willingen am 31. Oktober 1914, die seit April 1917 bis Korbach befahrbar ist.

Bereits im Jahr 1880 errichtete die Hüstener Gewerkschaft südlich des Bahnhofs eine Fabrik, in der aus Buchenholz Holzkohle, Holzessig, Holzteer und andere chemische Stoffe hergestellt wurden. Bis nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Fabrik ständig vergrößert, zeitweilig waren dort fast 300 Mitarbeiter beschäftigt. Die chemische Fabrik, die inzwischen der Firma „HIAG“ und dann der Degussa gehörte, stand 1932 kurz vor der Schließung. Nur die Beharrlichkeit des damaligen Werksleiters Theophil Reichert hat dies verhindert. 1937 wurden dieser Fabrik weitere Gebäude hinzugefügt.

Südlich der chemischen Fabrik entstand 1905 die Westdeutsche Holzindustrie, eine Fabrik zur Herstellung von Wäscheklammern und Besenstielen. 1923 hatte dieses Unternehmen 200 Mitarbeiter, die Produktion lief in zwei Schichten. Doch schon im Jahr 1925 ging die Firma in Konkurs, und die Gebäude wurden an den Caritasverband der Diözese Münster und an die Landesversicherung Westfalen verkauft, die hier gemeinsam Lungenheilstätten für TBC-kranke Frauen einrichteten. Wegen der guten Auslastung wurde die Klinik um ein großes Haus erweitert, das auf einem Berg östlich von Brilon-Wald gebaut wurde und heute eine Klinik zur Rehabilitation von Suchtkranken beherbergt.

Im Ersten Weltkrieg wurde der Buchenwald im Bereich des heutigen Kirchwegs wegen Holzmangels abgeholzt. In den 1920er Jahren entstanden hier die ersten Wohnhäuser abseits der Korbacher Straße, ferner ein neues Schulgebäude (1924) und die katholische Kirche (1925 bis 1927). Die beiden Gebäude wurden vom Architekten Franz Schneider aus Düsseldorf-Oberkassel entworfen.

Im Jahre 1937 verkaufte die Stadt das „Alte Forsthaus“ und vier Hektar Umland an die Firma Degussa, die hier Werkswohnhäuser für die Mitarbeiter der chemischen Fabrik bauen wollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg verkaufte die Degussa das Land für 50 Pf/m² an ihre Mitarbeiter, und es entstanden 22 Einfamilienhäuser.

In der chemischen Fabrik entstanden noch bis 1986 neue Anlagen. Seit 1928 produzierte man dort auch Aktivkohle, zuletzt als Hauptprodukt des Werkes. Degussa verkaufte am 1. Mai 1988 das Werk in Brilon-Wald an einen anderen Aktivkohlehersteller, die Calgon Carbon Corporation aus Pittsburgh in den USA. Diese Firma gründete das Tochterunternehmen „Chemviron Carbon GmbH“ in Neu-Isenburg, zu dem nun auch das Werk Brilon-Wald gehörte. Diese Gesellschaft stellte 1992 nach 112 Jahren die Fabrikation von Holzkohle in Brilon-Wald ein. Mitte 1995 wurden auch die Produktion von Aktivkohle eingestellt und die letzten 150 Mitarbeiter entlassen. Das Gelände der stillgelegten Chemischen Fabrik und eine Entschädigungssumme von neun Millionen DM gingen in den Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen über, das sich im Gegenzug dazu verpflichtete, das Gelände zu sanieren.

Seit 1983 besteht eine Niederlassung der Unbeschuhten Karmelitinnen mit dem Karmel St. Josef. Diese steht der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. nahe.[1][2]

Logo von Brilon-Wald

Am 4. April 1992 wurde ein eigenes Logo in Wappenform für Brilon-Wald vorgestellt. Die Idee und Gestaltung stammen von Renate Emde aus Brilon-Wald. Das Logo besteht aus den Elementen „Wald“ (oben links), welcher in dieser Form auch auf den Vorstandsuniformen des Heimatschutzvereins wiederzufinden ist, „Hoppecke“ (oben rechts) sowie dem Petersschlüssel (unten), welcher sich auch auf dem Wappen der Kernstadt Brilon befindet.

Ortsansässige Vereine

  • Heimatschutzverein Brilon-Wald e. V. (gegr. 1924)
  • Chorgemeinschaft Brilon-Wald (gegr. 1948 als Männerchor des Heimatschutzvereins)
  • Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendgemeinschaft in Brilon-Wald e. V. (gegr. 2000)
  • Dorfverein Brilon-Wald aktiv e. V. (gegr. 2004)

Persönlichkeiten

Einzelnachweise

  1. Bericht Sauerlandkurier
  2. Darstellung auf Seiten der Priesterbruderschaft

Weblinks

Quellen


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