Brunello di Montalcino


Brunello di Montalcino
Ansicht von Montalcino

Brunello di Montalcino ist einer der international gesuchtesten Rotweine Italiens.

Inhaltsverzeichnis

Produktion und Handel

Er wird sortenrein aus einer Spielart der Sangiovese-Traube, die 'Sangiovese Grosso' oder Brunello genannt wird, gekeltert. Der Brunello wird erst ab dem 1. Januar des sechsten auf die Ernte folgenden Jahres für den offiziellen Handel freigegeben, er muss mindestens zwei Jahre in Eichenfässern ausgebaut sein und mindestens vier Monate Flaschenreife haben. Für den Brunello di Montalcino Riserva gibt es die Handelsfreigabe ab dem 1. Januar des siebten auf die Ernte folgenden Jahres, er muss dabei mindestens zwei Jahre im Eichenfass ausgebaut sein und mindestens sechs Monate Flaschenreife aufweisen. Dann entsteht daraus ein voller, körperreicher, hocharomatischer Rotwein.

Der Klon für die spezielle Unterart der Sangiovese wurde von Ferruccio Biondi-Santi auf seinem Gut „Il Greppo“ erstmals isoliert. Danach hatte die Familie Biondi-Santi über Jahre hinweg praktisch ein Monopol auf den Brunello.

Die meisten Erzeuger bringen auch den Rosso di Montalcino in den Handel, welcher nicht so lange lagern muss. Diese duftige und leichtere Variante ist auch wesentlich billiger, was bei den derzeitigen Preisen für einen guten Brunello ein zugkräftiges Argument ist.

Da die Brunelloerzeuger auch die Möglichkeit haben, ihren Brunello als Rosso di Montalcino zu verkaufen, finden sich in schlechteren Jahrgängen (wie etwa 1992 oder 2002) die Brunellotrauben zumeist im Rosso di Montalcino wieder. Diese Vorgehensweise festigt die herausragende Stellung und Qualität des Brunellos im internationalen Weinmarkt. Zur Gründerzeit dieses Weins kamen allerdings nur allerbeste Jahrgänge auf die Flasche. So wurden beispielsweise bis zum Zweiten Weltkrieg nur die Jahrgänge 1888, 1891, 1925 und 1945 abgefüllt.

Im Jahr 1960 betrug die für den Brunello bestockte Fläche lediglich 63 ha und es gab elf abfüllende Betriebe. Später wurde die Herstellung des Brunello di Montalcino Gemeingut in Montalcino, wodurch es vielen kleinen wie auch großen Betrieben ermöglicht wurde, diese Köstlichkeit zu keltern.

1966 gehörte der Brunello zu den acht ersten Gebieten, die den Status einer Denominazione di origine controllata erhielten; am 1. Juli 1980 war man das erste Gebiet mit dem Status einer DOCG. Im Jahr 1998 wurde die Gesetzesgrundlage letztmalig überarbeitet. [1]

Vom „Brunello di Montalcino“ wurden 2007 knapp sieben Millionen Flaschen produziert, die meisten für den Export in die USA (20 Prozent), nach Deutschland (14 Prozent) und in die Schweiz (8 Prozent). 251 Produzenten erwirtschaften mit dem „Brunello“ einen Jahresumsatz von 132 Millionen Euro. Hinzu kommen drei Millionen Flaschen Rosso di Montalcino sowie eine Million Flaschen der neu geschaffenen Kategorie Sant' Antimo. In diese Kategorie fallen Weine mit gebietsfremden Rebsorten und dort soll der Weg für neue, moderne Weine geschaffen werden.

Beste Jahrgänge

Die besten Jahrgänge (fünf Sterne) seit 1945 lauten: 1945, 1955, 1961, 1964, 1970, 1975, 1985, 1988, 1990, 1995, 1997, 2004 und 2006. Seit 1991 wird die Jahrgangsqualität der Weine auf Fliesen – von regionalen Künstlern kreiert – am Rathaus von Montalcino dokumentiert.

Beschreibung

  • Farbe: intensives Rubinrot, nach Alterung ins Granatrote tendierend
  • Duft: elegant, Nuancen von Veilchen, Iris und Vanille
  • Geschmack: herb, warm, tanninbetont, robust und harmonisch mit großer Länge im Abgang
  • Alkoholgehalt: mindestens 12,5 Volumenprozent
  • Gesamtsäure: 6–7 Promille
  • Trinktemperatur: 17 - 18 °C

Bekannte Produzenten sind: Altesino, Baricci, Biondi-Santi, Caparzo, Casanova di Neri, Castelgiocondo, Castello Banfi, Ciacci Piccolomini d'Aragona, Col d'Orcia, Costanti, Fuligini, La Pieve, Lisini, Loacker Corte Pavone, Pieve Santa Restituta, Pinino, Poggio Antico, Poggio di Sotto, Salvioni, Vasco Sassetti, Scopetone, Siro Pacenti, Soldera, Talenti, Vitanza Valdicava, Pian dell' Orino, Val di Suga, Diego di Molinari.

Weinskandal 2008

Das italienische Magazin "l'espresso" hat am 4. April 2008 vorab über Ergebnisse des italienischen Landwirtschaftsministeriums berichtet, wonach über 100.000 Flaschen gepanschten Brunello-Weines des Jahrgangs 2003 beschlagnahmt wurden. Einige Winzer sollen entgegen den DOCG Vorschriften den Brunello di Montalcino nicht ausschließlich aus örtlichen Sangiovese-Trauben hergestellt, sondern ihn mit Merlot und Cabernet Sauvignon aus Süditalien verschnitten haben. Dies sollte den Wein lieblicher gestalten, da Kunden auf dem Absatzmarkt USA dies bevorzugten. Betroffen sind 13 Kellereien der Region. Die Polizei beschlagnahmte 600.000 Flaschen des Erzeugers Castello Banfi und weitere bei Frescobaldi und Argiano. Antinori hat seinen Jahrgang 2003 selbst vor der Auslieferung gesperrt.[2] Am 28. Oktober 2008 hat sich nach langen Diskussionen eine eindeutige Mehrheit (96%) der Brunello-Produzenten gegen eine Änderung der DOCG-Vorschriften des Brunello di Montalcino entschieden, er wird auch in Zukunft wie schon seit über 100 Jahren ausschließlich mit Sangiovese-Trauben hergestellt.[3]

Brunello in Zahlen [4]

Weinbergsfläche

Zeitraum Anbaufläche
60er 65 ha
70er 400 ha
80er 750 ha
1997 1245 ha
2008 2050 ha

Produktionsmenge (in Flaschen)

Zeitraum Flaschen
1980/81 ca. 1,0 Mio.
1990 ca. 2,0 Mio.
2000 ca. 3,5 Mio.
2007 7,0 Mio.

Einzelnachweise

  1. http://gazzette.comune.jesi.an.it/133/4.htm Gesetzestext der Überarbeitung aus dem Jahr 1998
  2. ZDF heute vom 4. April 2008
  3. RAi TG1 vom 28. Oktober 2008
  4. [Merum 5/09]

Literatur


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