Bund der Deutschen, Partei für Einheit, Frieden und Freiheit


Bund der Deutschen, Partei für Einheit, Frieden und Freiheit

Der Bund der Deutschen, Partei für Einheit, Frieden und Freiheit (BdD) war eine politische Partei in der Bundesrepublik Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Programm bis zu Gründung der DFU

Der BdD war aus der Bewegung gegen die von Konrad Adenauer betriebenen Politik der Westbindung entstanden. Nach der Unterzeichnung des Generalvertrags wurde am 26. Juni 1952 in Dortmund die Deutsche Sammlung gegründet. Mitglieder des Präsidiums waren der ehemalige Reichskanzler Joseph Wirth, Katharina von Kardorff-Oheimb und Wilhelm Elfes. Die Deutsche Sammlung rief zum Widerstand gegen den die Westbindung festschreibenden Generalvertrag auf und forderte, alle Möglichkeiten der Wiedervereinigung auszuschöpfen.

Die Gründung des BdD erfolgte 1953 auf Betreiben des Politbüros der SED. Zwar übernahmen nach außen hin Joseph Wirth, Wilhelm Elfes und andere bürgerliche Politiker den Parteivorsitz, doch lag die Organisation und Finanzierung der Partei immer in den Händen kommunistischer Funktionäre. Ziel der SED war es, ähnlich dem Konzept der Nationalen Front in der DDR bürgerliche und „national-gesinnte“ Kräfte als Bündnispartner zu gewinnen.

Kernprogramm des BdD war eine Neutralitätspolitik, die sich gegen die Wiederbewaffnung und die Westintegration Deutschlands wandte. Im Gegensatz zu Konrad Adenauer strebte man eine Verständigung mit der Sowjetunion an.

Zwar berücksichtigte der BdD auch wirtschafts- und sozialpolitische Forderungen des Mittelstandes und der Bauern, allerdings plädierte er auch für Sozialisierungen der Großindustrie.

Der BdD als Teil der DFU

Mit der 1961 erfolgten Gründung der Deutschen Friedensunion betrieb die SED die Verschmelzung des BdD mit der neuen DDR-Bündnisorganisation. Der den BdD beobachtende Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalens stufte so den BdD 1964 als vorgeschaltete Kaderorganisation der DFU ein. Tatsächlich trat der BdD trotz Fortbestehen der eigenen Organisation nicht mehr zu Wahlen an, sondern entsandte Kandidaten auf die Liste der DFU.

Am 2. November 1968 beschlossen DKP, DFU, BdD und andere linke Gruppierungen, das Antreten mit der gemeinsamen Liste Aktion Demokratischer Fortschritt (ADF) zur Bundestagswahl 1969. Zu diesem Zeitpunkt war der Mitgliederbestand nach Unterlagen der SED von einstmals 12.000 (1953/1955) auf weniger als 3.000 (1965) zurückgegangen.

Der BdD wurde offiziell nie aufgelöst, verschmolz allerdings de facto auf ihrem letzten Parteitag 1968 mit der DFU. Letzter Parteivorsitzender des BdD war seit 1964 der ehemalige Generalsekretär des BdD und der spätere DFU- und ADF-Funktionär Josef Weber.

Presse

Als dem BdD nahestehendes Organ wurde 1953 die Deutsche Volkszeitung gegründet. Nachfolger wurde nach der deutschen Wiedervereinigung das politische Wochenblatt Freitag.

Wahlen

Der BdD trat zu folgenden Bundestags- und Landtagswahlen an:

  • 1953 Wahlen zum Deutschen Bundestag in einer gemeinsamen Liste mit der GVP (Gesamtdeutsche Volkspartei) 318.475 Stimmen (1,2 %).
  • 1954 Wahlen zum Landtag von Nordrhein-Westfalen 19.515 Stimmen (0,3 %).
  • 1954 Wahlen zum Landtag von Schleswig-Holstein 10.009 Stimmen (0,8 %).
  • 1954 Wahlen zum Landtag von Hessen 12.047 Stimmen (0,5 %).
  • 1954 Wahlen zum Landtag von Bayern 43.720 Stimmen (0,4 %).
  • 1955 Wahlen zum Landtag von Niedersachsen 8.600 Stimmen (0,3 %).
  • 1955 Wahlen zum Landtag von Rheinland-Pfalz 10.527 Stimmen (0,7 %).
  • 1955 Wahlen zur Bürgerschaft in Bremen 3.988 Stimmen (1,1 %).
  • 1956 Wahlen zum Landtag von Baden-Württemberg 18.077 Stimmen (0,6 %).
  • 1957 trat der BdD zu den Bundestagswahlen an und erzielte 58.725 Stimmen (0,2 %).
  • 1957 Wahlen zur Bürgerschaft in Hamburg 3.469 Stimmen (0,3 %).
  • 1958 Wahlen zum Landtag von Nordrhein-Westfalen 176 Stimmen (0,0 % (-0,3 %)).
  • 1958 Wahlen zum Landtag von Schleswig-Holstein 6.037 Stimmen (0,5 % (-0,3 %)).
  • 1959 Wahlen zum Landtag von Niedersachsen 4.947 Stimmen (0,1 % (-0,2 %)).
  • 1959 Wahlen zum Landtag von Rheinland-Pfalz 6.613 Stimmen (0,4 % (-0,3 %)).
  • 1959 Wahlen zur Bürgerschaft in Bremen 1.337 Stimmen (0,3 % (-0,8 %)).
  • 1961 Wahlen zum Landtag von Baden-Württemberg 15.333 Stimmen (0,5 % (-0,1 %)).

Literatur

  • Heike Amos: Die Westpolitik der SED 1948/49-1961. "Arbeit nach Westdeutschland" durch die Nationale Front, das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und das Ministerium für Staatssicherheit, Berlin 1999, S. 99-106 ISBN 3-05-003446-7
  • Reinhard Hübsch: "Hört die Signale!": Die Deutschlandpolitik von KPD/SED und SPD 1945-1970, Akademie Verlag, Berlin 2002, ISBN 978-3-05-003648-9.
  • Michael Lemke: Die infiltrierte Sammlung. Ziele, Methoden und Instrumente der SED zur Formierung einer bürgerlichen Opposition in der Bundesrepublik 1949-1957, In: Tilman Mayer (Hg.): Macht das Tor auf! Jakob Kaiser Studien, Berlin 1996, S. 171-234. ISBN 3-87061-529-X
  • Dirk Mellies: Trojanische Pferde der DDR? Das neutralistisch-pazifistische Netzwerk der frühen Bundesrepublik und die Deutsche Volkszeitung, 1953-1973, Frankfurt am Main 2006, S. 40-51 ISBN 3-631-55825-2
  • Michael Werner: Die "Ohne mich"-Bewegung. Die bundesdeutsche Friedensbewegung im deutsch-deutschen Kalten Krieg (1949-1955), Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, Münster 2006, ISBN 3-86582-325-4.

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