Burg Metternich (Weilerswist)


Burg Metternich (Weilerswist)
Metternich
Gemeinde Weilerswist
Koordinaten: 50° 44′ N, 6° 53′ O50.7372222222226.8891666666667120Koordinaten: 50° 44′ 14″ N, 6° 53′ 21″ O
Höhe: 120–150 m ü. NN
Einwohner: 2110 (2006)
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Postleitzahl: 53919
Vorwahl: 02254

Metternich ist ein Ortsteil der Gemeinde Weilerswist im Kreis Euskirchen, Nordrhein-Westfalen mit etwa 2.100 Einwohnern.[1]

Inhaltsverzeichnis

Lage

Der Ortsteil liegt im Osten des Gemeindegebietes an den Hanglagen der Ville. Durch den Ort verläuft der für die Gemeinde namensgebende Swistbach. An das Straßennetz ist Metternich über die BAB 61, Landstraße 163 und die K 33 angeschlossen.

Geschichte

Metternich wird erstmals im Jahre 1303 urkundlich erwähnt. 1322 wurde der Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg Territorialherr.

Die Besiedelung fand aber schon viel früher statt. An der Kreuzung Meckenheimer Straße / Bergstraße stieß man Ende des 19. Jahrhunderts auf Überreste einer römischen Straßensiedlung.

An zwölf Stellen innerhalb der Gemarkung Metternich wurden Spuren römischer Bauten entdeckt. In der Nähe des Hovener Hofs etwa, der außerhalb des Dorfes an der Swist liegt und heute einen Pferderennstall beherbergt, kamen 1853 die Überreste einer „Villa Rustica“ zum Vorschein.

Wappen

Bild:Wappmet.jpg

Das Kreuz deutet an, daß der Ort zum alten Kurfürstentum Köln gehörte. Der untere Teil erinnert an die beiden in Metternich ansässigen Adelsfamilien, die den Namen Metternich führten, aber nicht miteinander verwandt waren. Handelt es sich bei denen mit dem Löwenwappen um eine Nebenlinie der Herren von Alfter, so kamen die mit den drei Muscheln, deren bedeutendster Nachfahre der österreichische Staatskanzler war, aus dem Hause derer von Hemberg-Hemmerich.

Burgen

In Metternich standen zwei Burgen. Beide Häuser sind ursprünglich sicher bereits römisch besiedelt, urkundlich jedoch erst seit dem Mittelalter urkundlich nachweisbar. Sie sind die Stammsitze der Familien von Metternich. Zwischen den beiden Häusern, deren Hofbereiche aneinander grenzen, verläuft in Ost-West Richtung der Swistbach und in Süd-Nord-Richtung die Römerstraße von Trier an den Rhein bei Wesseling.

Wasserburg Metternich (Schloss Merle)

Wasserburg Metternich

Die Wasserburg Burg Metternich (Schloss Merle) wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Im Jahre 1316 wird erstmals ein Geschlecht erwähnt, das den Namen Metternich trug und als Wappen den Löwen führte.

Die Burg ging vom Kölner Erzbischof zu Lehen, wurde 1348 anlässlich einer Erbteilung zwischen vier Brüdern aktenkundig und blieb bis zum Jahre 1692 in dieser Familie. Der letzte dort ansässige Freiherr von und zu Metternich verkaufte 1692 Burg und Herrschaft an den kur-kölnischen Geheimrat und Staatssekretär Franz Wilhelm von Schönheim. Nach dem Tod des letzten Schönheim von Metternich, Domherr Johann Arnold von Schönheim erbten dessen Vettern den Besitz, der kunstsinnige Kölner Weihbischof Clemens August von Merle und sein Bruder Josef Clemens von Merle. Auf letztere geht die Anlage des Landschaftsparks 1802 um die Burg zurück. Über den preußischen Staatsrat und bedeutenden französischen Juristen Daniels kam das Rittergut an den Major a. D. Karl Friedrich von Müller und seine Frau Helene geb. Krupp aus Essen, von dessen Sohn es 1879 Franz Freiherr von Schorlemer kaufte und umfassend erneuerte. Er verkaufte Metternich schon 1895 an den königlichen Kammerherrn Edmund Freiherr Spies von Büllesheim, dessen Familie die Burganlage bis heute bewohnt. Während das Herrenhaus von Burg Metternich nach starken Kriegsschäden und beginnendem Verfall durchgreifend renoviert werden konnte, ist von den ursprünglichen Vorburgen nichts mehr erhalten. Der heutige vierflügelige Gutshof wurde um 1885 an dieser Stelle vollständig neu erbaut. Die Vorburggräben sind zumeist eingeebnet, aber das Herrenhaus ist noch immer von einem großen Weiher umgeben, der die Pfahlroste unter den Fundamenten ständig unter Wasser hält. In westlicher und südlicher Richtung ist die Burg immer noch durch drei Wasserhindernisse, inklusive der Swist geschützt. Auf Burg Metternich, einer zweiflügligen Anlage, die ihre jetzigen Gestalt im 17. Jahrhundert erhielt, wurde Anfang des 19. Jahrhunderts der Gesellschaftsvertrag der Firma Friedrich Krupp zu Essen geschlossen. Der rheinisch-französische Jurist und spätere preußische Staatsrat, Advocat General, Heinrich Gottfried Wilhelm Daniels (1754–1827) hat dort den Code Civil ins Deutsche übersetzt und so die Grundlage für das Rheinische Zivilgesetz gegeben, er war auch Präsident des Appellhofes in Köln.

Haus Velbrück

In der Ortsmitte stehen noch Reste der Burganlage von Haus Velbrück. Ein Geschlecht, das sich von Metternich nannte und drei Muscheln im Wappen zeigt besaß um 1325 den wasserumwehrten Hof östlich der Kreuzung der römischen Straße (Bergstraße) der heutigen Meckenheimer Straße. Er hieß nach dem Vornamen seiner späteren Herren in drei Generationen Ottohof, dann, nach der Erweiterung zur zweiteiligen Wasserburg und der Einheirat (1545) des Gerhard von Velbrück, Haus Velbrück. Das war der Stammsitz des Adelsgeschlechtes, das den Namen Metternich in ganz Europa bekannt machen sollte. Auf Haus Velbrück sind die Nachfahren der Familie Halbach, von Barton gen. von Stedman ansässig.

Kirche

Kirche St. Johannes der Täufer

Die Metternicher Pfarrkirche ist Johannes dem Täufer und Maternus, dem ersten Bischof von Köln, als Pfarrpatronen geweiht.Sie ist auch heute noch Sitz einer Pfarrei des Erzbistums Köln. Gottesdienst findet dort derzeit nicht statt.

Schon in der Römerzeit dürfte ein Vorgängerbau an gleicher Stelle gestanden haben, möglicherweise eine Matronenkultstätte. Im Kirchturm wurden römische Matronenweihesteine und römische Ziegel verarbeitet, wie sich beim Anbau im Jahr 1953 herausstellte. Die Matronenkultstätte dürfte im vierten Jahrhundert christianisiert worden sein. Auf den Matronenkult weist auch der Name des durch den Ort fließenden Swistbaches des Namen von Schwesternbach herrühren dürfte. Die drei heiligen Schwestern, Matronen wurden früh von der christlichen Kirche adaptiert (Fides, Spes, Caritas) es gilt als gesichert, daß die Kirche auf der Stelle einer im 4. Jahrhundert christianisierten römischen Weihestätte steht.

Die erste schriftliche Erwähnung findet sich aber erst im Jahr 1303 im „Liber valoris“, einem Güterverzeichnis der Erzbischöfe von Köln. Im Jahr 1630 wurde die Kirche niedergebrannt. Erst ab 1653 war die durch den dreißigjährigen Krieg verarmte Gemeinde in der Lage, mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Die jetzige Form der Kirche geht – abgesehen von dem Anbau aus dem Jahr 1953 – auf diesen Wiederaufbau aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. Die Kriege im 19. und 20. Jahrhundert haben der Kirche weniger zugesetzt als die Grundwasserabsenkungen aufgrund des Braunkohletageabbaus. Zahlreiche Risse im Mauerwerk und drohende Einsturzgefahr machten die denkmalgeschützte Kirche dringend renovierungsbedürftig. Derzeit findet der Rückbau der Anbauten aus dem 20. Jahrhundert statt. Bei Ausgrabungen im Jahr 2007 wurden u. a. drei merowingische Adelige (8.–9. Jahrhundert) mit Bewaffnung im Kirchenschiff gefunden. Erwähnenswert sind im Innern der Kirche eine gotische Monstranz aus dem 15. Jahrhundert, ein Kreuzabnahmebild, das der Schule von Rubens zugeschrieben wird und Bildnisse der vier Evangelisten aus dem 17.Jhd.Die Altarplatte stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde ebenso wie der Taufstein bei Ausgrabungen im Zuge des Anbaus 1953 gefunden. Drei Gewölbeschlusssteine mit den Wappen der Herren von Metternich-Alfter und des Erzbischofs von Köln. Im Kirchturm hängen drei Glocken, mit denen an hohen Festtagen, insbesondere am Johannesfest, dem 24. Juni, „gebeiert“ wird. Die mittlere Glocke, ist dem heiligen Martin geweiht: „Marti-nus heiße ich, zum Gottesdienst rufe ich, alles Unwetter vertreibe ich, 1528“. Das nicht unbedeutende Reliquiar scheint um 1970 verloren gegangen zu sein.

Brauchtum

Versteigerung der „Dorfschönen“
Seit 1921 findet am Ostersonntag die Jahreshauptversammlung des Junggesellenvereins, mit anschließender Versteigerung der Dorfschönen,im Vereinslokal statt. Nachdem Jahres- und Kassenbericht verlesen sind und der alte Vereinsvorstand entlastet ist, wird der neue Vorstand gewählt. Anschließend folgt die Versteigerung der Dorfschönen. Alle heiratsfähigen Mädchen des Ortes werden im Vorfeld der Versammlung ermittelt und als versteigerungswürdig befunden. Diese Sitte ist keineswegs als maskulines Gehabe oder gar als Wichtigmacherei zu verstehen. Maikönigin wird das Mädchen, das den höchsten Preis einbringt. Die Bekanntgabe erfolgt durch Darbringen eines Ständchens vor dem Haus der Holden.
Mainacht
Die Nacht zum 1. Mai war schon in früheren Zeiten den Junggesellen vorbehalten, mit Musik und der dicken Trumm ging es in den Wald, um die Maibäume zu fällen. Heutzutage nimmt das Fällen und Aufladen der Bäume mitunter eine gewisse Zeit in Anspruch, denn nicht nur das hohe Eigengewicht der Bäume und die erforderlichen Stärkungspausen ziehen das ganze in die Länge, sondern auch die Suche nach dem richtigen Weg. Aufgabe der Junggesellen ist es einen Dorfmaibaum aufzustellen, sie sind darauf bedacht, ihr „Herrschaftsgebiet“ und ihren „Anspruch auf die Auserwählte“ anderen gegenüber zu behaupten. Um Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, wird ein „Wegezoll“ verlangt oder gezahlt. Im Morgengrauen werden die beiden Bäume der Maikönigin aufgestellt, wo man meist schon mit Kaffee und Schnittchen erwartet wird. Anschließend folgt das traditionelle Fußballspiel auf dem Sportplatz, das erstmals 1972 in der Chronik erwähnt wird.
Mai- und Kleinkirmes
Bis 1983 waren das Maifest (Stiftungsfest) und die Kleinkirmes (St. Johannes der Täufer) zwei eigenständige Feste. Früher beschränkte sich das Maifest auf den Sonntag. Es begann mit dem Wecken durch den Tambourkorp um sechs Uhr. Nach dem gemeinsamen Kirchgang, dem Schauschwenken vor der Kirche und der Kranzniederlegung am Ehrenmahl folgte das Frühschoppen im Saale der Gaststätte „Zum Treppchen“. Die Junggesellen stellen seit jeher die Träger des Baldachins, der Fahnen und bis vor kurzem auch die Begleitmusik. Anschließend folgte Frühschoppen, dann Festzug und Ball. 1984 entschloss man sich das Maifest und die Kleinkirmes auf einen Termin zu legen. Das heute so genannte „Junggesellenfest“ beginnt freitags mit einer Disco mit jährlich wechselnden Themen. Der Höhepunkt des Junggesellenfestes ist der samstägliche Krönungsball bei dem das Maipaar proklamiert wird. Der Sonntag läuft in gewohnter Weise ab: Kirchgang, Johannes-Prozession, Kranzniederlegung, Frühschoppen, Empfang der auswärtigen Vereine, feierliches Abholen des Maipaares, Festzug durch den Ort, Freundschaftsschwenken, Preisverteilung und Tanz. Am Sonntagnachmittag dominieren in besonderer Weise die Junggesellen der verschiedenen Ortschaften, in einem guten Miteinander.
Großkirmes
Wie es der Name schon verrät, war die Kirmes zu Ehren des zweiten Pfarrpatrons „St. Maternus“ (11. September) früher etwas umfangreicher. Samstags stellte man zuerst zwei Birken vor das Vereinslokal. Am Abend wurde die Kirmes mit einem Fackelzug durch den Ort „herausgeholt“. Sonntags folgte Kirchgang, Schauschwenken, Frühschoppen, Festzug und Tanz. Montags ging der Bettelzug, oder auch bekannt als „Köttzoch“ durch den Ort. Durch Fähndelschwenken wird an das gute Herz der Dorfbewohner appelliert. Früher wie heute geht es beim Bettelzug immer lustig zu; nicht nur das regelrechte Umsorgen seitens der Anwohner mit Getränken verschiedenster Art sondern auch geselliges Beisammensein sowie der Schabernack mit dem „armen Paies“ tragen ihren Teil dazu bei. Im Laufe der Zeit wurde die Großkirmes, bedingt durch ein Überangebot von Veranstaltungen, immer kleiner. Die letzten Jahre wurde unter dem Namen „Maternuskirmes“ nur noch auf dem Dorfplatz gefeiert. Doch neben der Tradition des Bettelzugs werden noch weitere Traditionen aufrechterhalten: z. B. das Hahneköppen und das Verbrennen des „Paies“ am Kirmesmittwoch. Die Kirmes wird mit dem Hähnchenessen, Stiefeltrinken und ein paar gemütlichen Stunden beendet.
Fähndelschwenken
Das Fähndel ist das sichtbare Symbol der Junggesellenvereine und wird von ihnen wie ein „Augapfel“ gehütet. Der Ursprung des Fähndelschwenkens, wie es heute im Rheinland gepflegt wird, lässt sich bis in das 14. und 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Es war zunächst ein militärischer Brauch und diente der Nachrichtenübermittlung und als taktisches Richtungs- und Sammelzeichen. Später wurde dieser Brauch von den Schützenbruderschaften und den Handwerkerzünften übernommen. Nach Gründung der frühen Junggesellenvereine fand das Fähndelschwenken auch bei ihnen Verbreitung. Die heutige Schwenktradition unterteilt sich in Freundschafts- bzw. Schauschwenken und dem Preis- bzw. Meisterschaftsschwenken.

Sonstiges

  • Im Ort gibt es die Drei-Eichen-Grundschule und den Kindergarten Villa Sonnenhügel.

Vereinsleben

  • SV Metternich 1945 e.V. mit den Abteilungen Fußball, Alte Herren, Jugendfußball mit eigenen Mädchenmannschaften, Gymnastikgruppe
  • Mini-Husaren Metternich, Gardetanz für Kinder, Junioren und Tanzgruppe Ü30 gegr. 1988
  • Gartenbau- und Verschönerungsverein Metternich e.V. gegr. 1902
  • Freiwillige Feuerwehr Weilerswist, Löschgruppe Metternich gegr. 1906
  • Junggesellenverein „Eintracht“ Metternich e.V. gegr. 1880
  • Karnevalsgesellschaft Blau-Weiß Metternich 1956
  • Männergesangsverein „Eintracht“ Metternich 1949 e.V.
  • Reit- und Fahrverein Metternich e.V. gegr. 1981
  • Fanfaren Corps Blau-Weiß Metternich e.V. gegr. 1962
  • Kirchenchor "St. Cäcilia Metternich gegr. 1995
  • Angelsportverein (ASV) Weilerswist-Metternich e.V. gegr. 1964

Literatur

Hans W. Rhiem (Hrsg.): 1303-2003: 700 Jahre Metternich; von den Anfängen bis heute. ISBN 3-935221-25-8

Einzelnachweise

  1. Statistische Daten der Gemeinde Weilerswist, Einwohner inkl. Nebenwohnsitzen, Stand 2006

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