Burgas


Burgas
Burgas (Бургас)
Wappen von Burgas Karte von Bulgarien, Position von Burgas hervorgehoben
Basisdaten
Staat: Bulgarien
Oblast: Burgas
Einwohner: 232.264 (15. März 2011)
Fläche: 253,644 km²
Koordinaten: 42° 30′ N, 27° 28′ O42.49530555555627.4717222222220-209Koordinaten: 42° 29′ 43″ N, 27° 28′ 18″ O
Höhe: 0-209 m
Postleitzahl: 8000
Telefonvorwahl: (+359) 056
Kfz-Kennzeichen: A
Verwaltung (Stand: seit Nov. 2007)
Bürgermeister: Dimitar Nikolow
Regierende Partei: GERB
Webpräsenz: www.burgas.bg
Burgas in Bulgarien

Burgas, auch Bourgas [bʊrˈɡas] (bulgarisch Бургас), ist mit 232.264 Einwohnern (Stand März 2011) [1] die viertgrößte Stadt Bulgariens. Die Stadt ist der Verwaltungssitz der gleichnamigen Provinz Burgas und der Gemeinde Burgas. Als Industrie- und Hafenstadt ist sie das wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum des Gebietes.

Durch die gute Verkehrsanbindung auf Straße, Schiene und See ist Burgas einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte des Landes. In Burgas befinden sich der größte Hafen des Landes, der Hafen Burgas, sowie einer der meistfrequentierten Flughäfen Bulgariens, der Flughafen Burgas.

Heute ist Burgas eine überregional bekannte Stadt des Tourismus. Die geographische Lage zwischen mehreren unter Naturschutz stehende Seen, das Schwarze Meer, die antike und mittelalterlichen Siedlungen und die Festivals ziehen nicht nur Fremde aus den Balkanländern, sondern auch aus ganz Europa und auch Asien an.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Burgas (Satellitenfoto) - Ein Großteil der Stadt befindet sich zwischen den drei Seen und dem Schwarzen Meer (rechts)

Geografische Lage

Burgas liegt im östlichen Teil der Oberthrakischen Tiefebene in der Bucht von Burgas. Die Hafenstadt ist umgeben vom Schwarzen Meer und drei Seen, dem Burgassee, dem Mandrasee und dem Atanassowsee. Der Burgassee liegt zwischen den Vierteln Gorno Eserowo und Dolno Eserowo. Gemeinsam mit weiteren Gewässern bilden die Seen die Seenlandschaft Burgasseen. Zwischen dem Mandrasee und dem Burgassee befindet sich der 209 Meter hohe Berg Warli brjag, der gleichzeitig den höchsten Punkt der Stadt markiert. In der Bucht von Burgas befindet sich die kleine bewohnte Insel Sweta Anastasia, die ebenfalls zum Stadtgebiet gehört. Die Bucht und die Stadt sind der westlichste Punkt des Schwarzen Meeres.

Durch die Stadt verlaufen die Europastraßen 87 und 773, hier beginnt auch der paneuropäischen Korridor Nr. 8. Burgas ist Anfangspunkt der längste Nationalstraße Bulgariens, die I/6 welche das Schwarze Meer über die Hauptstadt Sofia 385 km mit der mazedonischen Grenze verbindet. Die Nationalstraße I/9 verläuft ebenfalls durch die Hafenstadt.

Die Stadt ist (im Uhrzeigersinn) von folgenden Orten umgeben: Sosopol, Sredez, Ajtos, Ruen, Pomorie.

Stadtgliederung

Die zentralen Viertel (Januar 2011)

Außer der Innenstadt (Zentrum) gehören heute folgende Bezirke zur Stadt Burgas: Akacijte, Bratja Miladinowi, Wasraschdane, Gorno Eserowo, Dolno Eserowo, Sornitza, Isgrew, Lasur, Losowo, Meden Rudnik, P. R. Slawejkow, Pobeda, Sarafowo und Kraimorie. Seit 2009 sind auch die ehemaligen Gemeindedörfer Banewo (in dem sich die Mineralbäder von Burgas befinden) und Wetren Stadtbezirke von Burgas.[2]

Die Stadt Burgas ist in sechs „territoriale Direktionen“ (bulg. Териториална дирекция, kurz TD) administrativ unterteilt: Die TD Wasraschdane umfasst die zentralen Viertel Pobeda und Akaziite, sowie die zwischen den Burgassse und dem Mandrasee liegende Viertel Meden Rudnik und Gorno Eserowo. Die TD Isgrew umfasst die auf den beiden Seiten des Atanasowsee liegen Viertel Isgrew, Sorniza und Sarafowo. Die TD Primorie, umfasst die Viertel die einen Zugang zum Meer haben: Zentrum, Wasraschdane, Fischersiedlung und Krajmorie. Die TD Oswoboschdenie umfasst die nördlich des Burgassees gelegenen Viertel Slawejkow und Losowo, sowie die in den Ausläufer des Balkangebirges gelegenen Banewo und Wetren. Die TD Sora, umfasst die zentralen Viertel Lasur und Bratja Mladinowi, während die TD Dolno Eserowo nur das gleichnamige Viertel bildet.[3][4]

Klima

Das Klima in Burgas ist trocken und gemäßigt kontinental mit Meereseinfluss. Der Sommer ist heiß, dank der Meeresnähe mit einer ständigen Brise dennoch angenehm. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen betragen 26,4 °C und die des Meeres 24,7 °C. Die Anzahl der Sonnentage in den Sommermonaten liegt zwischen 24 und 27 bei 10 bis 11 Sonnenstunden täglich. Der Herbst ist lang und dank des Einflusses des Schwarzen Meers warm und regenarm.[5]

Der Winter ist mild und in den meisten Fällen ohne Schneefall. Die Tagestemperaturen im Winter liegen im Durchschnitt bei 4,6 °C und die des Meeres bei  7,4 °C. Der Frühling tritt meist einen Monat später als im Rest des Landes ein, ist jedoch vergleichsweise auch kürzer.[5]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Schopfheim-Eichen
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 17 21 24 30 32 35 37 36 37 32 25 20 Ø 28,8
Min. Temperatur (°C) -1 0 2 6 10 15 17 16 13 8 3 0 Ø 7,4
Temperatur (°C) 2 3 6 10 15 20 22 21 18 13 8 4 Ø 11,8
Niederschlag (mm) 25,1 24,1 33 34,9 30,4 34,7 26,4 20,9 29,7 41,1 44,2 32,8 Σ 377,3
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Natur

Gewässer

Der Mandrsee im Winter

Durch die Stadt fließen die Flüsse Ajtoska, Rusokastrenska, Sredezka, Isworska und Tscharlijska. Die ersten zwei münden in den Burgassee, der Sredezka und der Isworska in den Mandrsee und der Tscharlijska in den Atanasowosee.[3] Von den drei Seen, welche die Stadt umgeben, ist der Atanasowsee der mit dem höchsten Salzgehalt gefolgt vom Burgassee mit rund 10 % Salzgehalt. Dagegen befindet sich im Mandrsee nur Süßwasser, obwohl er durch einen natürlichen Kanal mit dem Schwarzen Meer verbunden ist. Der Burgassee und der Mandrasee sind so genannte Limane. Sie sind durch das Aufstauen von Flussgewässern und einen nacheiszeitlichen Anstieg des Meeresspiegels, was zur Überflutung der Mündungsgebiete führte, entstanden. Der Bugrassee nimmt eine Fläche von 27,6 km² und der Mandrasee eine Fläche von 10 km² ein. Das Wasservolumen der beiden Seen beträgt 19 Mio. bzw. 11 Mio. Kubikmeter. Der Burgassee hat eine durchschnittliche Tiefe von 0,7 m und eine Maximaltiefe von 1 m, während die Tiefe des Mandrasees 1,8 m beziehungsweise die Maximaltiefe 4 m beträgt.[3][6]

Der Atanasowsee ist dagegen eine natürliche Lagune. Der See ist heute durch einen Damm in einen Nord-, und Südteil (auch nördlicher Atanasowsee und südlicher Atanasowsee genannt) zweigeteilt. Über dem Damm führt die Schwarzmeer-Autobahn, die das Stadtzentrum mit den nördlich des Sees gelegenen Vierteln und den Flughafen, sowie Burgas mit Warna verbindet. Die beiden Teilseen sind durch mehrere Kanäle untereinander und mit dem Schwarzen Meer verbunden. Obwohl der See zum Reservat erklärt wurde, ist die Salzgewinnung durch die Burgaser Salzminen nicht verboten. Hier wird seit der Antike, wie archäologische Funde nachweisen, Salz gewonnen.[3][6]

Südlich des Mandrasees erstreckt sich das Strandscha-Gebirge mit dem gleichnamigen Naturpark. Der See ist heute durch einen Staudamm von seinem natürlichen Abfluss ins Schwarze Meer getrennt. Er wird heute zum Bewässern von landwirtschaftlichen Flächen genutzt. Der Abfluss der Seegewässer folgt nach dem Damm dem natürlichen Kanal und bildet im Naturschutzgebiet Poda einen Liman. Durch den Kanal Poda fließt der See in die Schwarzmeerbucht Usungeren ab. Dieser Bereich wurde 2005 ebenfalls zum Naturschutzgebiet erklärt. Im See münden die Flüsse Sredezka, Rusokastro, Fakijska und Isworska.[3][6]

Im Stadtviertel Wetren befindet sich mit den Burgas Mineralquellen eine der ältesten in Europa genutzten Mineralquellen. Die Wasserversorgung der Stadt erfolgt durch die Stauseen Kamtschija (im Balkangebirge) und Jasna Poljana (im Strandscha-Gebirge), sowie kleine lokale, meist unterirdische Wasserquellen.[3]

Flora und Fauna

Burgassee

Die nähere Umgebung der Stadt Burgas ist durch eine Vielfalt von Naturschutzgebieten und Arealen gekennzeichnet, u. a. durch die vier international bedeutenden Brut- und Rastgebiete Poda, Mandra-See, Burgas/Waja- und Atanassow-See. Sie sind in das Projekt Feuchtgebiete Burgas (engl. Burgas Wetlands) eingegliedert. Dazu wurden der Burgas-, und der Atanassow-See, sowie das Naturschutzgebiet Poda in der Ramsar-Liste aufgenommen. In den Seelandschaften um Burgas nisten und überwintern zahlreiche unter Schutz stehende Vogelarten wie Pelikane, kleine weiße Reiher und Kormorane. Ein großer Teil der Weltpopulation anderer Zugvögel wie die Zwergscharbe und die Weißkopfruderente überwintern in dem Gebiet um die Burgaser Seen. Durch die Stadt bzw. über ihre Seen verläuft auch der östliche Nord-Süd-Migrationsweg der Zugvögel, die Via Pontica, was Vogelbeobachter und Ornithologen aus ganz Europa anlockt.[6][7][8][9]

In der Bucht von Burgas und in den Burgasseen wurden rund 140 verschiedene Fischarten nachgewiesen, die zum Teil im Regionalmuseum zu besichtigen sind. Am südlichen Ausgang der Stadt befindet sich das Naturschutzgebiet Poda mit einer öffentlich zugänglichen Vogelbeobachtungsstelle. Dort sind 255 Vogelarten nachgewiesen, was 67 Prozent der gesamten Vogelwelt Bulgariens entspricht. Im Naturreservat Atanassowsee sind es sogar 317 Vogelarten. Davon stehen 83 Arten in Bulgarien auf der Roten Liste und über 170 Arten sind von europäischer Bedeutung. Im Naturreservat Atanassowsee ist das kleinste Säugetier der Welt anzutreffen, die Etruskerspitzmaus. 2010 wurden Rosaflamingos dort gesichtet.[6][9][10]

Parks

Außer dem Meeresgarten im Zentrum der Stadt existieren fünf weitere großangelegte Parks - der Kaptschetopark (87 ha), der Krajmoriepark (412,6 ha), der Brjastowec-Draganowo-Izworischte-Park (818,3 ha), der Park Ezeroto und der Park Rosenez. Der Park Rosenez, der südlich der Stadt Richtung Sozopol in den Ausläufern des Strandscha-Gebirges und entlang der Schwarzmeerküste liegt, ist ein Naherholungsgebiet der Bewohner von Burgas.[3]

Burgasbär

Der Sage nach soll in der Umgebung von Burgas eine Bärenart namens Burgasbär leben.[11] Bulgarischen Medienberichten zufolge kam es in jüngster Zeit (letztmalig im August 2005) im Großraum des Schwarzen Meeres zum vereinzelten Aufeinandertreffen von Mensch und Burgasbär. Wanderer in der seenreichen Region um Burgas berichteten von unmittelbarem Sichtkontakt mit dem Burgasbären. Der letzte zweifellos existierende Bär in der Region von Burgas wurde am 24. September 1874 von einheimischen Jägern in einem Waldgebiet nahe Burgas erlegt.[12]

Naturschutz

Teil des Naturschutzgebietes Usungeren

Mehrere Naturschutzgebiete grenzen an das Stadtgebiet von Burgas oder nehmen Teile der Stadt ein. Die Naturreservate Atanasowo-, und Mandra-See, die seit 1980 bestehen, haben nach mehreren Ausweitungen heute eine Fläche von 1002,3 ha. 1997 wurde ein Großteil des Burgassees und sein Ufer zum Naturschutzgebiet mit eine Fläche von 379 ha erklärt. Weitere Naturschutzgebiete sind, seit 1990 das Gebiet Mündung des Flusses Isworska, mit einer Fläche von 150 ha; seit 1989 das Naturschutzgebiet Poda, mit einer Fläche von 100,7 ha; seit 1995 das Gebiet Tschengene Skele, mit einer Fläche von 160 ha; das Korijata-Naturschutzgebiet mit einer Fläche von 11,6 ha, eingerichtet 1995 und die 2005 zum Naturschutzgebiet erklärte Bucht Usungeren. Als geschütztes Gebiet gilt auch seit 1995 die Natursehenswürdigkeit Wodenizite, die über einer Schutzfläche von 73,6 ha verfügt. Südlich der Stadt erstreckt sich der größte bulgarische Naturpark - Naturpark Strandscha.[3][6]

In einigen der Schutzgebiete werden internationale Projekte mit deutscher und Schweizer Beteiligung durchgeführt. So unterstützt die bulgarisch-schweizerische Gesellschaft für Artenschutz das Programm „Feuchtgebiete Burgas“.[3] 2009 wurden gemeinsam mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Alfred Toepfer Stiftung eine weitere Vogelbeobachtungsstation und mehrere Brutplattformen im Atanassowsee im Betrieb genommen.

Geschichte

Erste Siedlungen in der Frühzeit

Im nahen Hinterland von Burgas sind mehrere vorgeschichtliche und antike Siedlungen bekannt, die älteste vom Chalkolithikum bis in die Spätbronzezeit.[13] Anfang 2008 wurden bei Ausgrabungen in der 10 km vom Stadtkern entfernten Gegend „Solna Niwa“ (deutsch: Salz-Acker), nahe dem Atanassowsee, mehr als 250 Artefakte gefunden, wobei die ältesten davon auf mindestens 6000 Jahre vor Chr. datiert werden. Die Funde, darunter rituelle Gegenstände eines Priesterkönigs, zeugen von einer entwickelten Landwirtschaft, Viehzucht und Salzgewinnung der damaligen Bewohner dieser Gegend. Die Artefakte von Solna Niwa sind vermutlich die ältesten, die an der Schwarzmeerküste je gefunden wurden, auch älter als die vom Gräberfeld von Warna, und unterstreichen die frühgeschichtliche Bedeutung des Ortes.[14][15][16][17]

Eine thrakische Siedlung befand sich in der Gegend „Slatkite kladenci“, die seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. wohl als Emporion (Markt) von Apollonia Pontika diente. Auf der Anhöhe Schiloto im heutigen Viertel Meden Rudnik befand sich eine thrakische Festung welche die nahegelegenen Kupferbergwerke bei Warli brjag schützte, die sich im Besitz thrakischer Fürsten befanden. Später wurde hier ein griechisch-römischer Tempel des Gottes Apollon Musagete (Apollo als Musenführer) errichtet. Tyrsis war eine weitere thrakische Siedlung und befand sich südwestlich von Burgas und wurde Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr. zerstört. Archäologische Untersuchungen der spätere Mineralbäder Aqua Calidae belegen ebenfalls thrakische Vorsiedlungen.[13][16][17] Unter der Herrschaft des Großkönigs Dareios I. gerieten die thrakischen Siedlungen unter persischen Herrschaft. Nach der Abwehr der persischen Invasion und der Gründung des Odrysenreiches wurde die Siedlungen erneut thrakisch.[18]

Münze von Kaiser Severus Alexander, geprägt in der römischen Siedlung Colonia Flavia Deultemsium

Burgas entstand aus mehrere Siedlungen an der Küste des Schwarzen Meeres und des näheren Küstenland, vor allem jedoch auch den Siedlungen Deultum, Aqua Calidae und dem späteren Pirgos. Deultum, war zunächst eine am westlichen Ufer des heutigen Mandrasees, an der Mündung des Flusses Sredecka gelegenen thrakischen Siedlung. Der Name der Siedlung Deultum (auch Develtum, Debeltum, Debeltus oder Develt) bedeutet im thrakischen „Zwischen zwei Seen (gelegen)“. Zwischen 383 und 359 v. Chr. wurde unter Cotys I. der Ort erneut Teil des Odrysenreiches. Die Bedeutung der Nachbarstädte Apollonia Pontika und Mesambria in der Antike hemmte jedoch den Aufschwung der kleineren Siedlung.[16][17][19] Bis 340 v. Chr. eroberte der makedonische König Philipp II. die thrakischen Siedlungen.[18]

Entwicklung von der Römerzeit bis zum Mittelalter

72 v. Chr. sicherte der Feldherr Lucullus die Region dauerhaft für das Römische Reich. Im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand östlich des thrakischen Deultum eine vom römischen Kaiser Vespasian gegründete Kolonie für Veteranen. Ihr Name Colonia Flavia Pacis Deultemsium übertrug sich später auch auf die thrakische Stadt. In dieser Zeit wurde sie zur zweitwichtigsten Stadt der römischen Provinz Thracia und Zentrum der Ländereien zwischen der heutigen Bucht von Burgas und dem Strandschagebirge. Claudius Ptolemäus erwähnte die Stadt unter dem Namen Develtus, Plinius der Ältere hingegen unter Deulcium[20] Hier traf eine Abzweigung der römischen Heeresstraße Via Militaris auf die Via Pontica, welche die Küstenstädte entlang des Pontos Euxeinos (altgriechisch Πόντος Εὔξεινος für Schwarzes Meer) verband. Im Stadtzentrum von Burgas lassen sich römische Spuren mit Münzfunden (1.–4. Jahrhundert n. Chr.) ausmachen. Südwestlich des heutigen Bahnhofs befinden sich die Reste eines römischen Statios[13].

Später wurde an den Südhängen des nahegelegenen Hemus-Gebirges (Balkangebirge) der Ort Aqua Calidae errichtet, ein Heilbad mit wasserreichen Mineralquellen, das nachweislich von byzantinischen Kaisern (unter anderem Maurikios) und Kaiserinnen regelmäßig besucht wurde. Das Gebiet der heutigen Stadt umfasst außerdem die früheren Siedlungen Pirgos, Kastiakion, Poros/Foros, Skafidia und Rossokastron.[16][19] Unter den Namen Pudizos ist Pirgos in der Tabula Peutingeriana verzeichnet.[21]

Ende des 1. Jahrhunderts, während der Herrschaft des römischen Kaisers Antoninus Pius, wurden die Festung Poros und eine Wegestation (statio milliaria), mit einem Hafen auf der heutigen Halbinsel Faros im Bezirk Kraimorie erbaut. Sie sicherten auf der Via Pontica eine kleinere Bucht, die heute durch eine Landzunge vom Schwarzen Meer getrennt ist und in der Spätantike und im Mittelalter einen sicheren Vorhafen zu Develtum und Skafidia darstellte. Neben der Festung gab es auch ein kleines Kloster. Einige Historiker vermuten, dass es sich um das von der byzantinischen Kaiserfamilie im 13. Jahrhundert gestiftete und wieder errichtete Kloster des Heiligen Georg (bulg. Свети Георги) handelt.[16][22] Es ist nicht bekannt, ob die Stadt wie die gesamte Region um 270 von den Goten zerstört oder erobert worden ist.[16][19][23]

Nach der Reichsteilung von 395 des Imperium Romanum gehörte die Region dem oströmischen Reich (später Byzanz) an. Unter der Herrschaft des byzantinischen Kaisers Justinian I. (527-565) wurde Aqua Calidae durch eine Festungsmauer befestigt. Unter dem bulgarischen Herrscher Krum kam die Region Sagore dauerhaft zum bulgarischen Reich. In diesem Zusammenhang ließ der bulgarischer Herrscher den bulgarisch-byzantinischen Grenzwal Erkesija (bulg. Еркесия) errichten.[16][24] Einer Überlieferung nach soll 863 der bulgarische Khan Boris I. in oder in der Nähe von Develtum im Beisein des byzantinischen Kaisers Michael III. getauft worden sein. Dabei nahm er als Würdigung an den oströmischen Herrscher den Taufnamen Michael an und unterstellte anschließend seine gesamte Regentschaft dem Ziel der Christianisierung seines Reiches. Um 970 geriet die Region erneut unter byzantinische Herrschaft. 1093 stationierte Alexios I. Komnenos Truppen zur Sicherung der östlichen Pässe des Balkangebirges in Aqua Calidae.[16][19]

1206 wurde der Badeort Aqua Calidae, der mittlerweile unter den Namen Thermopolis bekannt war, vom lateinischen Kaiser Heinrich zerstört (siehe Vierter Kreuzzug), später jedoch von Bulgaren und Byzantinern wieder errichtet. 1270 wurde Poros in ein Dokument des Patriarchats von Konstantinopel erwähnt.[23] 1304 fand in bei Poros die Schlacht von Skafida statt, in welcher der bulgarischer Zar Todor Swetoslaw die Byzantiner schlug und die südliche Schwarzmeerküste eroberte. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Region durch die Katalanische Kompanie geplündert.[16][19]

Osmanische Herrschaft (14. bis 19. Jahrhundert)

Deultum und Pirgos wurden etwa 1367/1368 von den Osmanen unter Sultan Murad I. erobert[25] und später am Byzanz verkauft um 1453 gemeinsam mit den anderen nah gelegenen Küstenstädten, als eine der letzten Städte im heutigen Bulgarien für Jahrhunderte unter osmanische Herrschaft zu geraten. Dabei wurde Deultum zerstört und die Stadt konnte sich in den folgenden Jahrhunderten nicht erholen und spielte in der osmanischen Geschichte keine Rolle mehr. Thermopolis, wie Pirgos blieb erhalten und als Bad für die osmanischen Sultane ausgebaut. In Poros errichtete der osmanische Sultan Bayezid II. für sein Hof ein Çiftlik (zu dt. etwa "Bauernhof"). Die ehemalige Festung Pirgos existierte lange nur als eine Fischersiedlung als Teil des Çiftliks von Iskender Pasa und wurde in mehreren osmanischen Steuerregister als Teil der Aidos Kaza (zu dt. etwa Verwaltungskreis) erwähnt. Obwohl nach der Zerstörung der antiken Wasserleitungen Pirgos in den folgenden Jahrhunderten an Wassermangel litt, diente der Ort als Marinestützpunkt der osmanischen Flotte für Balkan-Kampagnen.[16][25][26] Süßwasser wurde mit Pferdekarren herangebracht und in großen Gefäße in Hafennähe gelagert.[23]

Bei Poros, das Teil der Anchialo Kaza wurde für die Schifffahrt ein Leuchtturm erbaut. In der Mitte des 16. Jahrhunderts erwähnte der osmanische Reisende Hadschi Kalfa den Ort als ersten großen Hafen nach dem Bosporus unter den Namen Burgas. Nach der Schlacht von Lepanto von 1571 entwickelte sich der Ort als Schiffsbauzentrum.[25] Ein weiterer Reisender, Evliya Çelebi, berichtet 1656 von zwei Häfen im Ort, einer bei Poros für die großen Schiffe und ein weiterer in Pirgos in Areal des heutigen Hafens für die kleineren.[16][19] Wie der osmanische Chronist Hacı Ali in seinem Feldzug-Tagebuch Fethname-i Kamaniçe berichtete zog der osmanische Sultan Mehmed IV. 1672/73 über Thermopolis im Osmanisch-Polnischen Krieg (1672–1676). Als während der Kampagne von 1673 Armenier aus der Kampfregion zwangsumgesiedelt wurden, ließen sich einige in Burgas nieder. 1675 wurden sie in Pirgos vom armenischen Erzbischof Mardiros Krimeci besucht.[23][27]

Im 17. Jahrhundert siedelten sich griechische Fischer aus dem nahegelegenen Anchialos an und der Ort breitete sich auf das heutige Stadtgebiet aus und wuchs zu einem kleinen Fischerdorf. Dabei trug er den Namen Ahelo-Burgas, Pirgos oder Borgos. In dieser Zeit entstand auch das Dorf Atanasköi (später Atanasowo, heute das Stadtviertel Isgrew). Die Bevölkerung erwarb sich ihren Unterhalt vorwiegend durch Fischerei und Getreideanbau. Von einer ehemaligen byzantinischen Burg Pirgos (aus dem gr. Πύργος - Turm, Burg, Festung), die weiter unter den Osmanen bestand, erhielt Burgas seinen heutigen Namen. Heute ist der Standort dieser Burg unbekannt.[19][25]

Lafitte-Clavé, der die Region 1784 besuchte, bezeichnete Burgas als strategisch wichtig, größte Stadt in der Bucht und als erster die Bucht unter den Namen Bucht von Burgas, mit der Bemerkung, dass diese zuvor unter Bucht von Poros bekannt war. Der sich westlich der Stadt befindlicher See nannte Lafitte-Clavé Burgassee und sein Abfluss Burgas.[28] Mehrere westliche Diplomaten, darunter Wenzel Edler von Brognard (1786)[16][29] und Claude-Charles de Peyssonnel (1787)[30] berichten in dieser Zeit, dass Burgas ein Kasaba (dt. Kleinstadt) mit 1100–1200 Wohnhäusern und ein wichtiges Handelszentrum und Umschlagplatz für landwirtschaftliche Waren aus dem östlichen Thrakiens sei. Burgas sei das Zentrum der Küste von Achtopol bis Gyozeken[16] und besitzt sein eigenes Getreidemaß, das Burgas Kile.[31]

Im Russisch-Osmanischen Krieg (1828–1829) wurde die befestigte Stadt am 12. Juli 1829 von russischen Truppen, mit Unterstützung der örtlichen Bevölkerung eingenommen. Bereits im Vorfeld floh die türkisch-moslemische Bevölkerung von Burgas. Die Stadt war in der folgenden kurzen Zeit Stützpunkt der russischen Flotte.[25] In dieser Zeit zählte die russische Administration nur noch 475 Wohnhäuser, zwei Moscheen (Cilesis zâde Mustafa Cami und Gazi Paşa Camii) und eine Kirche (die Heilige Mariä Himmelfahrt). 212 der Wohnhäuser gehörten türkische Bewohner der Stadt und waren verlassen. Die Kirche wurde von Griechen, Bulgaren und Armenier gleichzeitig genutzt. Als nach dem Frieden von Adrianopel bekannt wurde, dass die Region weiter im osmanisch-türkischen Reich verbleibt, zogen die christlichen Bewohner mit der Russischen Armee vor den anrückenden Türken fort. Sie ließen sich in vornehmlich in Bessarabien nieder. Ein kleiner Teil kehrte in den nächsten Jahren nach Burgas zurück. 1836 besuchte der deutsche General Helmut von Moltke die Stadt und hinterließ den ältesten bekannten Stadtplan.[16][32]

In den 1850er Jahren wurden Krim- und Kaukasus-Tataren in Burgas angesiedelt. Die Tataren errichteten dort die Moschee Azizie mit einer angeschlossenen Schule. 1853 legten österreichische Kaufleute den Grundstein der katholischen Kirche. In dieser Zeit wohnte und arbeitete der polnische Dichter Adam Mickiewicz in der Stadt. In den 1860er Jahren wurde Burgas erneut wichtiges Handelszentrum und Umschlagplatz für landwirtschaftliche Waren aus dem östlichen Rumelien und verdrängte endgültig Anchialos. Mit den administativen Reformen des Tanzimats von 1864 erfolgte eine Neugliederung des Osmanischen Reiches. Dadurch wurde Burgas zum Zentrum einer Kaza im Sandschak Sliwen. Im selben Jahr siedelte die osmanische Regierung Tscherkessen in den naheliegenden Dörfer Mugres (heute Gorno Eserowo), Yakezli (heute Debelt) und Aivadcik (heute Djulewo). 1863 hatte die Stadt ca. 3.000 Einwohner. Die moslemischen Bürger (Türken, Tataren und Tscherkessen) stellten zum diesen Zeitpunkt die Hälfte der Bewohner dar. Laut einer französischen Untersuchung der osmanischen Schwarzmeerhäfen war Burgas 1865 nach Trapezunt der Hafen mit dem höchsten Warenumschlag.[16][33]

Viele Bulgaren aus den Balkanstädtchen Kotel, Elena, Sliwen und Stara Sagora und der Strandschadörfer siedelten sich in der folgenden Zeit in Burgas an. Geprägt von den Ideen der bulgarischen Wiedergeburt leiteten die Bulgaren den Kampf gegen die dominierende griechische Sprache in der Schule und Kirche ein. So wurden 1865 die erste bulgarische Schule, die Heilige Brüder Kiril und Methodius und 1869 die erste, gleichnamige bulgarisch-orthodoxe Kirche der Neuzeit hier eingeweiht.[34][35][36]

1873 ergab eine osmanische Bevölkerungszählung für Burgas 682 Wohnhäuser und 1753 männliche Bevölkerung. In jener Zeit war die Stadt dreigeteilt in ein türkisches Viertel, das sich heute zwischen dem Hafeneingang und dem Hotel Primorez befindet, ein griechisches, das sich westlich vom türkischen um die Kirche Heilige Mutter Jesu befand und ein bulgarisches um die heutige Kathedrale Heilige Brüder Kiril und Methodius.[16][19][37] Südwestlich vom bulgarischen Viertel schlossen die Häuser und die Moschee der Tataren an. Obwohl die bulgarische Bevölkerung in Burgas nicht an Kampfhandlungen für die politische Unabhängigkeit wie im Aprilaufstand 1876 teilnahm, verliefen durch die Hafenstadt wichtige Kanäle zur Kommunikation und Waffenlieferungen der Inneren Revolutionären Organisation. Mehrmals besuchten die Revolutionsführer Wasil Lewski und Panajot Chitow die Stadt.[36]

Hafen Ostrumeliens und Vereinigung Bulgariens

Entwicklung der Einwohner
1878-1945
Jahr Einwohner
1878 2.950[38]
1892 ~ 5.000[39]
1900 10.703[40]
1906 ~ 15.000[41]
1920 21.170[42]

Im Russisch-Türkischen Befreiungskrieg von 1877/78 wurde der sichere Hafen von Burgas von der türkischen und tatarischen Bevölkerung Ostbulgariens, sowie von Deserteuren und irregulären osmanischen Truppen (Başı Bozuk) als Abzugsort genutzt. Ende 1877 entsandte die osmanische Armee mit dem Dampfer Selime eine 300 Mann starke Truppe von regulären Streitkräften, um die Bevölkerung und den Hafen vor marodierenden Banden zu schützen. Am 28. Januar 1878 zogen sich die Streitkräfte mit der kompletten türkischen und tscherkesischen Bevölkerung aus der Stadt Richtung Konstantinopel ab. Am 6. Februar 1878 endete formal die osmanisch-türkische Herrschaft über die Stadt. An diesem Tag wurde Burgas von russischen Einheiten unter der Führung von General Lermontow nach dem Waffenstillstand von Edirne eingenommen. Bereits am nächsten Tag gründete sich eine bulgarische Gemeinde, welche zum ersten bulgarischen Bürgermeister Niko Popow wählte. Zu diesem Zeitpunkt zählte Burgas rund 3.000 Einwohner. Die russische Armee wurde im ehemaligen türkischen Viertel einquartiert, richtete ein Lazarett ein und blieb bis Mitte 1879 in der Stadt.[43][44]

Nach dem Berliner Kongress von 1878 wurde Burgas jedoch erneut Teil des Osmanischen Reiches und in die neu konstituierte autonome Provinz Ostrumelien eingegliedert. In dessen Folge siedelten sich die ersten Flüchtlingen aus Ostthrakien und ein kleiner Teil der türkischen Bevölkerung kehrte nach Burgas zurück, erreichte jedoch nie mehr ihre Vorkriegsstärke.[45][46] Gleichzeitig bildete sich gegen die Entscheidungen des Berliner Kongresse in Burgas, wie im ganzen Land, ein Einheitskomitee. Das Komitees setzte sich als primäres Ziel die Rückkehr der osmanischen Administration nach Ostrumelien mit allen Mitteln zu verhindern und als langfristiges Ziel alle bulgarische Gebiete zu vereinen. Das Komitee von Burgas fungierte als Sportklub und trug den Namen Morski Orel. Der Sportklub fungierte später als lokales Komitee der Bulgarischen geheimen revolutionären Zentralkomitee, welches die Einheitskomitees in Ostrumelien vereinte.[47]

Burgas war zu diesem Zeitpunkt eine kleine Hafenstadt, ohne fließendes Wasser und ohne Kanalisation. Das Wasser wurde weiter per Lastkarren oder von Wasserträger von den mehreren Süßwasserquellen in der Umgebung in die Stadt gebracht. Die Stadt teilte sich in ein griechisches, ein bulgarisches, ein tatarisches und ein Viertel der Roma und Sinti. Mit dem Wegzug der türkischen Bevölkerung wurden ihre Moscheen in der Stadt zerstört. Entscheidungen des Stadtrates wurden in Bulgarisch, Griechisch und osmanisch bekannt gegeben. Trotz des Wassermangels war die Stadt ein wichtiges Handelszentrum, der einzige Großhafen Ostrumeliens und administratives Zentrum eines der sechs Departements. Die wirtschaftliche Entwicklung lockte Flüchtlinge aus dem noch unter osmanischer Direktherrschaft stehende bulgarische Gebiete in Thrakien und Makedonien nach Burgas. 1880 wurde das Tschitalischte Probuda eröffnet.[47][48] Die erste Wochenzeitung in Burgas erschien am 20. Juli 1885 und trug den Namen Burgaski westnik.[49]

Die Stadt blieb osmanisch bis September 1885, als die osmanische Provinz Ostrumelien, nach einem Militärputsch sich mit dem Fürstentum Bulgarien vereinigte. Die Vereinigung Bulgariens wurde jedoch von Österreich-Ungarn und Russland missbilligt, Großbritannien hingegen stellte sich hinter dem Fürstentum. Am folgenden Serbisch-Bulgarischer Krieg nahmen auch Bürger aus Burgas unter der Führung des Einheitskomitees teil.[47] Obwohl der Frieden von Bukarest von 1886 das status quo wiederherstellte gab sich Russland unzufrieden und der russischer Zar Alexander III. weigerte sich dem bulgarischen Fürsten Alexander von Battenberg als Herrscher des vergrößerten Bulgarien anzuerkennen.[50][51]

Anfang Mai 1886 misslang einer Verschwörung der prorussische Kräfte in Burgas unter der Führung des russischen Oberst Nikolaj Nabokow gegen Alexander von Battenberg. Obwohl im August der bulgarische Fürst Alexander I. in einem von Russland initiierten Offiziersputsch gestürzt wurde, wusste sich die bulgarische Regierung von Stefan Stambolow gegen Russland durchzusetzen.[50][51] Auch eine weitere von Russland initiierte Militärrevolte im Oktober in Burgas, wurde mit Hilfe der Ajtos-Kompanie unter der Führung von Major Kosta Paniza von der Zentralregierung niederzuschlagen.[50][52] In der Zwischenzeit erschien am 20. September 1886 die erste Ausgabe der humoristische Wochenzeitung Tschepljo.[49]

Wirtschaftlicher Aufschwung, Flüchtlinge und Ilinden-Preobraschenie-Aufstand

Ab dem späten 19. Jahrhundert entwickelte sich Burgas zu einem bedeutenden Wirtschaftszentrum. Der erste Bebauungsplan der Stadt wurde 1891 verabschiedet. Das orientalische Stadtbild änderte sich nach westlichem Vorbild, vor allem durch die neu errichteten öffentlichen Gebäude: 1888 wurde die Stadtbibliothek gegründet, 1891 wurde der Meeresgarten angelegt und 1897 die Kathedrale Heilige Brüder Kiril und Methodius errichtet.[16] 1895 eröffnete Georgi Iwanow die erste Druckerei in Burgas, gefolgt von der 1897 eröffnete Druckerei von Ch. Weltschew, die 1900 ihr Name in Drukerei Brüder Weltschewi änderte.[49] Aus dieser Zeit ist auch die Bildung einer der größten armenischen Gemeinden[53] in Bulgarien zurückzuführen, die sich im ehemaligen Türkenviertel niederließen.[16] Die Eröffnung der Eisenbahnlinie nach Plowdiw am 27. Mai 1890[54] und des heutigen Hochseehafens 1903 bildeten wichtige Etappen dieses Aufschwungs und führten zur schnellen Industrialisierung der Stadt. In der Zeit danach wurden 151 Fabriken gegründet. Darunter waren die von Awram Tschaliowski gegründete Fabrik für Raffinerie von Zucker, die vom Iwan Chadschipetrow gegründeten Großen Bulgarischen Mühlen und die Öl-, und Seifenfabrik Kambana.[16] 1900 wurden die Mineralquellen Teil der Stadt. 1907 wurde die erste Süßwasserleitung vom Balkangebirge in die Stadt verlegt, die zwischen den Jahren 1910 und 1912 erweitert wurde.[47][55]

Bulgarische Flüchtlinge aus Makedonien siedelten sich seit den 1880er Jahren in der Stadt an, die Mehrheit von ihnen kam zwischen 1923 und 1925 nach Burgas. Sie kamen überwiegend aus der Gegend um die heutige nordgriechische Stadt Giannitsa, die sie im Rahmen eines Bevölkerungsaustauschs zwischen Griechenland und Bulgarien nach dem Vertrag von Neuilly-sur-Seine verlassen mussten. Am 29. Januar 1895 gründeten makedonische und thrakische Bulgaren auf Initiative von Christo Stanischew die Flüchtlingsorganisation Pirin Planina. Später kamen noch weitere Organisationen, wie der makedonische Wohltätigkeitsverein Dimitar Michajlow, der Kultur-, Bildungs-, und Wohltätigkeitsverein der makedonischen Frauen Mentscha Karnitschewa oder die makedonische Jugendorganisation Pelister hinzu. Die thrakischen Bulgaren gründeten daraufhin am 15. Dezember 1896 den Edirne Vertriebenenverein - Strandscha. Zwischen 19. und 21. Februar 1897, während des ersten Kongress der thrakischen Flüchtlingsorganisationen schlossen sich diese zum Bund der thrakischen Vereine zusammen und beschlossen die Gründung von revolutionären Komitees. Die Komitees sollten den bewaffneten Kampf in den bulgarischen Gebieten im Osmanischen Reich wieder aufnehmen.[16][47][56]

Mit der Gründung des Bulgarischen Exarchats durch den Sultansferman von 1870 erhielt die bulgarische orthodoxe Kirche ihre Unabhängigkeit zurück. Mehrere Orte an der westlichen Schwarzmeerküste, darunter auch Burgas blieben jedoch weiter unter der kirchlichen Obrigkeit des griechisch geprägten Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. Erst 1900 übergab das ökumenische Patriarchat nach langen Protesten auch die letzten Kirchen und Klöster der bulgarischen Kirche. Die Übergabe erfolgte nicht überall friedlich, so versuchte der griechische Hegumen des Klosters auf der vorgelagerten Insel Sweta Anastasia noch vor der Übergabe den Kirchenschatz zu verkaufen. Dieser Versuch führte zu Unruhen in der Stadt und nur mit dem Eingreifen der bulgarischen Regierung konnten Pogrome auf der griechischen Bevölkerung, seitens makedonische Bulgaren[57] verhindert werden.[56]

Die Konzentration von Flüchtlinge und die Nähe der osmanische Grenze führte dazu, dass im Vorfeld des Ilinden-Preobraschenie-Aufstandes (1903) in Ostthrakien Burgas eine wichtige logistische Basis der BMARK wurde. In Stadtnähe, bei dem heutigen Dorf Rosenowo wurden Ausbildungscamps, Waffen-, und Provisionslager angelegt. Der führende Ideologe der BMARK Goze Deltschew besuchte 1900 mehrmals Burgas und reorganisierte die Struktur der Organisation in der Region. Des Weiteren richtete er eine illegale Bombenfabrik ein in der auch die Sprengstoffe für die Attentate von Thessaloniki (1903) hergestellt wurden. Über Burgas setzten sich viele Kämpfer (Komitadschi) des Aufstands mit ihren Tschеtas (zu dt. Kompanien) in das Osmanische Reich über (→ Petrowa Niwa). Аm 2. September brannte beim Einlaufen in der Bucht von Burgas das ungarische Schiff Vaskapu, nach einem misslungenen Bombenatemtat der BMARK aus. Nach der blutige Niederschlagung des Ilinden-Preobraschenie-Aufstandes wurde Burgas zur Hauptflüchtlingsort und in der näheren Umgebung wurden weitere Flüchtlingscamps eingerichtet.[56][58]

1906 führte das Vorgehen der griechische Andarten in Makedonien zu Unruhen und Pogrome auf der griechischen Bevölkerung in der von Flüchtlinge überfüllte Stadt und Umgebung. In der folgenden Zeit wurden die griechische Kirche in Burgas und die griechische Schule enteignet. In der Stadt funktionierten jedoch weiter eine armenische, ein türkische und eine französische Privatschule. Die griechische Bevölkerung wanderte in den folgenden Jahren vornehmlich nach Konstantinopel und aus. Im selben Jahr zog die 1905 gegründete Handelsschule, heute Handelsgymnasium in den Räumlichkeiten der ehemaligen griechischen Schule[16][47][56]

Balkankriege, Erster Weltkrieg, Zwischenkriegszeit

Rathaus, erbaut 1927

Am 18. Oktober 1912 wurde Burgas im Zuge des Ersten Balkankriegs von der osmanischen Flotte beschossen, als diese eine Seeblockade in der Bucht vor Burgas errichtete. Die Seeblockade wurde am 8. November des gleichen Jahres aufgehoben.[59] Nach der Niederlage Bulgariens im Zweiten Balkankrieg war die Stadt mit Flüchtlingen überfüllt und mit dem Ende des Ersten Weltkrieges erhöte sich ihre Zahl erneut. 1918 gründete der Zisterzienserorden, der sich in Burgas um die Flüchtlinge sorgte ein Mädcheninternat. 1920 wurde die Stadt erneut zum wichtigsten Getreideexporthafen Bulgariens und hatte bereits mehr als 21.000 Einwohner. 1921 wurde die Deutsche Schule eröffnet, ein Jahr später bekam die Schweizer AG für Handel und Industriewerte in Glarus eine 25-jährige Konzession für den industriellen Ausbaus des Atanasowsees mittels Meerwassersalinen zur Gewinnung von Salz.[60] Die rasante Entwicklung der Stadt wurde zusätzlich vorangetrieben durch größere Flüchtlingswellen von vertriebenen ethnischen Bulgaren aus Makedonien und Thrakien im heutigen Norden von Griechenland und der Türkei nach dem Ilinden-Preobraschenie-Aufstand, nach den Verträgen von Sèvres, Neuilly-sur-Seine und Lausanne sowie nach den Balkan- und Weltkriegen. Nach den gleichen Verträgen verließen 1929 die letzten Griechen die Stadt. Nach thrakischen Vertriebenenverbänden wurden in dieser Zeit im Bezirk Burgas mehr als 60.000 thrakische Bulgaren, vorwiegend aus Ostthrakien aufgenommen.[16][61]

1924 wurde in Burgas mit Deweko (bulg. Девеко, heute HemusМark AD) die erste Fabrik für Bleistifte in Südosteuropa gegründet, die 1937 offizieller Lieferant des bulgarischen Zarenhofs wurde.[62] 1925 eröffnete eine spezialisierte höhere Schule für Mechanik und Technologien ihre Tore. Im darauffolgenden Jahr wurde eine große Markthalle eröffnet.[16] 1934 hatte Burgas bereits 34.260 Einwohner.[42]

Burgas ab der Mitte des 20. Jahrhunderts

Entwicklung der Einwohner
ab 1946
Jahr Einwohner
1946 44.440[16][42]
1965 106.115[16][42][63]
1975 148.662[42]
1985 182.338[64]
1992 190.057[42]
1999 238.685[65]
2008 229.740[66]
2009 231.059[67]
2011 232.264[68]

Während des Zweiten Weltkrieges besetzten am 9. September 1944 Truppen der Roten Armee die Stadt und kurz darauf das ganze Land.[69] Nach der Machtübernahme der Kommunisten 1945 wurden Fabriken und privater Besitz verstaatlicht. Nach dem Ende des Krieges organisierte die Hagana mehrere Schiffskonvois für die europäischen Überlebenden des Holocausts, die von Burgas aus in Richtung Palästina ausliefen. Mit diesen Konvois wanderte auch die jüdische Bevölkerung der Stadt aus.[70] In der Stadt wurden zu diesem Zeitpunkt neben den Bädern des alten Thermopolis noch sechs öffentliche Badehäuser und ein Seebad betrieben.[16]

Seit den 1950er und 1960er Jahren wurden im Zuge der staatlich verordneten Planwirtschaft mehrere Konzerne der Öl- und Chemiebranche in Burgas angesiedelt. Durch die Industrialisierung trat ein zusätzliches Bevölkerungswachstum ein. Zwischen 1970 und 1973 wurde ein neuer Bebauungsplan verabschiedet. Die Stadt wurde nach dem Projekt des Architekturstudios IPP Glawproekt nach sozialistischem Muster erweitert und umgebaut. In der Folgezeit entstanden die Bezirke Isgrew, Slawejkow und Meden Rudnik in denen noch heute Bauten aus dieser Zeit das Stadtbild prägen. Im Viertel Slawejkow wurde bis in die 1980-er Jahre der längste Häuserblock Bulgariens mit 25 Stiegenhäusern erbaut, der mit dem Titel Sozialistischen Stolz ausgezeichnet war. Die Markthalle wurde durch einen neuen, zweistöckigen Bau ersetzt. Sie trägt seit diesen Zeitpunkt den Namen Krasnodar. 1976 wurde das Dorf Kara Bair als Stadtteil Meden Rudnik in die Stadt integriert. Heute ist es das größte Viertel der Stadt und durch eine vierspurige Straße, die auf einem Damm am Ufer des Burgassees entlangführt, mit dem Stadtzentrum verbunden. Aus den ehemaligen Flüchtlingslagern entstanden die heutige Bezirke Kraimorie, Sarafowo, Banewo, Marinka sowie die umliegenden Gemeindedörfer Twardiza und Isworischte.[3]

Ein Problem stellten die Abwässer der Öl- und Chemiebranche, sowie der neuen Industriezone neben dem Hafen dar. Die Abwässer führten Ende der 1980-er, noch verstärkt durch Abwässer der ehemaligen Flüchtlingslager, im Burgassee zu einer ökologischen Katastrophe.[3] Die Reinigungsanlagen für Abwässer wurden in der kommunistischen Zeit nicht ausgebaut, die Vorhandenen gerieten zunehmend durch das rasche Einwohnerwachstum unter Druck und wurden schließlich vernachlässigt. Das Leben im ehemals fischreichsten See Bulgariens erlösch beinahe. Noch 1996 gab es Proteste wegen der ökologischen Lage.[71]

Mit dem Ende des Kommunismus wurde mehrere Projekt zur Verbesserung der Ökologie der Stadt durchgeführt.[72] Zuletzt wurden seit 2005 über 200 Millionen Lewa (ca. 100 Millionen Euro) in Projekten zur Verbesserung der Kanalisation, Wasserversorgung und Wasserverarbeitung in der Stadt investiert. Darunter wurde 2010 ein zusätzlichen Klärwerk im größten Viertel der Stadt, Meden Rudnik gebaut. Weitere kleinere Viertel wurden direkt mit dem Stadtsystem verbunden. Diese Maßnahmen verbesserten die ökologischer Lage enorm und weitere Maßnahmen befinden sich in Planung.[73]

Nachtleben am Stadtstrand von Burgas

Im Gegensatz zu anderen bulgarischen Großstädten wie Plowdiw oder Warna gab es in Burgas nach der Wende keinen drastischen Bevölkerungsrückgang. Burgas ist auch heute eine der am stärksten wachsenden Städte in Bulgarien. 1992 hatte die Stadt noch 190.057 Einwohner, 2007 waren es 229.250 Einwohner. 2009 wurden die ehemaligen Gemeindedörfer Banewo und Wetren in der Stadt eingliedert bilden heute zwei der Bezirke von Burgas. Im September des gleichen Jahres wurde im Viertel Meden Rudnik die Sporthalle Nikola Stantschew eingeweiht.[74] Im Dezember 2009 fand im Verwaltungsgericht Burgas der erste virtuelle Gerichtsprozess in Bulgarien statt.[75] Im Frühjahr 2010 führte Hochwasser, verursacht durch Schneeschmelze und tagelangen Regen, zu Überschwemmungen der Stadtteile Podeba, Dolno Ezerowo und Akazijte und der Straße zum Meden Rudnik[76] Im selben Jahr erhielt die Stadtverwaltung bei einem Projekt zum integrierten Ausbau des öffentlichen Verkehrs eine EU-Unterstützung in Höhe von 70 Mio. Euro. In diesem Zusammenhang werden bis zu 20 km Fahrradwege errichtet, was Burgas eine Vorreiterrolle auch diesem Gebiet bescherte. Im Mai des gleichen Jahres wurde die Sportstätte Isgrew im gleichnamigen Viertel eingeweiht.[77]

Weitere Entwicklung

Auch die weitere Entwicklung der Stadt wird von ihrer Lage zwischen dem Schwarzen Meer im Osten und den Burgas-Seen und dem Industriegebiet beeinflusst. Im Oktober 2010 startete der Aus- und Neubau des Flughafens Burgas.[78] Im selben Jahr wurde die Erweiterung der Stadt in östlicher Richtung zwischen den Seen beschlossen. Dabei sollen Brücken zur Entlastung des Verkehrs in der Innenstadt über die Seen führen. Auch ein Fährbetrieb zwischen den Stadtteilen und eine Ringautobahn sind im Gespräch. Zum Sommer 2011 wurde die Grundsanierung der Innenstadt und des alten Casinos abgeschlossen. In diesem Zusammenhang wird auch der Plan „Super Burgas“ diskutiert.[79] Er soll nach dem Vorbild Barcelonas die Stadt Richtung Hafen und nach dem Vorbild Hamburgs in Richtung der Seen öffnen, sowie ein Teil der Hafenanlagen für Touristen und Einwohner zugänglich machen. Erste Arbeiten begannen im September 2011.[80] Wegen der Öffnung der Stadt zu den Gewässern wurde im Juli 2011 ein neuer Bebauungs-, und Entwicklungsplan der Stadt vom Gemeinderat verabschiedet.

Im November 2011 gab die Stadtregierung ihre Ziele innerhalb des Covenant of Mayors zur Steigerung der Energieeffizienz und Nutzung nachhaltiger Energiequellen verpflichten bekannt. Burgas will demnach bis 2020 den Energieverbrauch um 27% und die CO2-Emissionen um 25% reduzieren und die Nutzung erneuerbarer Energie um 26% steigern.[81]

Stadtbild

Modernes Gebäude nähe Zentrum

Seit dem Ende des Kommunismus 1989 änderten sich auch Architektur und Aussehen der Stadt. So wurde das neue Gebäude der Freien Universität von Burgas mit der Architekturauszeichnung „Gebäude des Jahres 2004“ geehrt. Trotzdem ist das heutige Stadtbild von Burgas, besonders in der Peripherie, vom Ausbau der Stadt während des Kommunismus geprägt, als die ehemaligen Flüchtlingslager zu modernen Wohnvierteln umgebaut wurden.

Einzige Ausnahme bildet das Stadtzentrum, der älteste Teil der Stadt in dem Gebäuden aus der Gründungszeit zu sehen sind. Das Zentrum ist geprägt durch die zwei Fußgängerzonen: Die Straßen Alexandrowska und Aleko Bogoridi, die sich beim Rathaus kreuzen. Der südlicher Verlauf der ul. Aleko Bogoridi vom Rathaus aus trägt den Namen Ferdinandova, in Andenken an Zar Ferdinand I.. Gemeinsam bilden sie die längste Fußgängerzone Bulgariens. Rechts und links und in unmittelbarer Nähe der Straßen sind neben zahlreichen Geschäfte, Cafés, Restaurants und Bars auch der Großteil der Sehenswürdigkeiten der Stadt konzentriert. So fängt die ul. Alexandrowska am Bahnhofsvorplatz an, führt über das Rathaus mit der Stadtuhr, den Besistan, das Denkmal der russischen Soldaten, das Amtsgericht und die Kirche Iwan Rilski vorbei, um beim neuen Gebäude der Freien Universität von Burgas zu enden. In den letzten Jahren wurden viele der Sehenswürdigkeiten restauriert. Über die ul. Aleko Bogoridi gelangt man zur Küste und Meerespromenade.

Politik

Verwaltung

Bei den Kommunalwahlen von m 23. Oktober 2011 wurde Dimitar Nikolow in seinem Amt bestätigt. Der GERB-Politiker konnte mit 70,86 Prozent der Stimmer die Wahlen im ersten Wahlgang für sich entscheiden und wurde erneut von den anderen demokratischen Kräften in der Stadt unterstützt. Der Zweitplatztiere Waleri Simeonow, der als Kandidat der nationalistischen NFSB antrat, überzeugte nur 11,25 Prozent der Wähler.[82]

Dimitar Nikolow, amtierender Bürgermeister
Zusammensetzung des Stadtrats (2011–)
Partei Wahlergebnis 2011[82] Wählerstimmen Sitze
GERB 46,90 % 44.255 28
NFSB 11,64 % 10.979 7
Bulgarische Sozialistische Partei 10,12 % 9.552 6
Union der Demokratischen Kräfte 4,16 % 3.922 2
Sredna ewropejska klasa 2,91 % 2.748 2
Bewegung für Rechte und Freiheiten 2,54 % 2.401 2
LIDER 2,52 % 2.376 2
Dwischenie za sozialen humanisam 2,04 % 1,925 1
Ataka 2,00 % 1.888 1

Bürgermeister der Stadt seit 1990

Nach den demokratischen Änderungen im November 1989 wurde Nikola Aleksandrow im Dezember des gleichen Jahres zum ersten demokratischen Bürgermeister der Stadt erklärt. Er hatte diesen Posten bis September 1990 inne, als er vom Atanas Demirew abgelöst wurde. Demiriew führte die Angelegenheiten der Stadt provisorisch bis zu seinem Tod im Mai 1991. Die ersten demokratischen Kommunalwahlen der Neuzeit wurden jedoch planmäßig im Oktober abhalten. Die Wahlen wurden vom Oppositionsführer der Union der Demokratischen Kräfte Prodan Prodanow gewonnen. Sein Mandat endete im November 1995 und war von politischer Konfrontation mit den ehemaligen Machthabern und finanziellen Probleme geprägt. Prodanow wurde bei den Kommunalwahlen 1995 vom Kandidaten der Ex-Kommunisten Joan Kostadinow, die auch die Zentralregierung stellen, bei den Wahlen geschlagen.[83]

Kostadinow wurde 1999 und 2003 in seinem Amt bestätigt und galt in Bulgarien lange Zeit als „längst regierender Bürgermeister der Neuzeit“. 2007 kandidierte er als Kandidat der Union der Thrakischen Verbände erneut für das Bürgermeisteramt, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Die Stichwahl von 4. November gewann der Kandidat der Partei GERB, Dimitar Nikolow[84][85] Nikolow gewann mit 63,55 Prozent vor dem Kandidaten der nationalistischen Koalition und Besitzer des größten Kabelfernsehbetreibers Bulgariens Skat TV, Waleri Simeonow, mit 36,45 Prozent der Stimmen.[86] Die Wahlbeteiligung in der Gemeinde Burgas lag bei 42,30 Prozent.[83] Dimitar Nikolow wurde als Kandidat der dazu von allen demokratischen Kräften (u. a. die Union der Demokratischen Kräfte) in Burgas unterstützt.

Wappen

Wappen von Burgas

Das Wappen von Burgas gibt auf ein blaues Schild mehrere historisch Fakten wieder. Der Löwe symbolisiert die Tapferkeit der Bewohner der Stadt. Sein Fischschwanz symbolisiert den Fischreichtum in den Gewässer um Burgas. Dieser Löwe trägt in seinen Händen einen Turm. Der Turm symbolisiert die alte Festung von Burgas, aus der nur ein Turm oder Burg übrig blieb und welcher den heutigen Namen der Stadt gab. Über dem blauen Schild thronen zwei Karavellen, als Symbol für den Hafen.[87]

Konsulate und Vertretungen sowie Mitgliedschaften in internationalen Vereinigungen

In Burgas hat die Türkei ihr Generalkonsulat. Weitere diplomatische Vertretungen haben folgender Länder: Rumänien, Russland, Tschechien, Ukraine, Ungarn und Weißrussland. 2004 wurde in Burgas das Black Sea Border Coordination and Information Centre eröffnet. Das Zentrum entstand im Verbindung mit der regionalen Zusammenarbeit der Schwarzmeer-Anrainerstaaten (BSEC). Das Zentrum sammelt Informationen über illegale Machenschaften im Schwarzmeerraum und fördert den Informationsaustausch der Küstenwache der einzelnen Anrainerstaaten.[88]

Außerdem ist die Gemeinde Burgas Mitglied in 12 internationalen Organisationen, darunter Eurocities, ICLEI sowie BALCINET, einem Netzwerk von über 30 Balkanstädten.[89] Die Gemeinde ist auch durch ein Büro in Brüssel präsent.[90]

Städtepartnerschaften

Burgas arbeitet weltweit mit Städten vor allem auf dem Gebieten der Ökologie, Städteplanung und Bildung zusammen[91]:

Wirtschaft und Infrastruktur

LUKOIL Neftochim Burgas - größte Raffinerie auf dem Balkan
Mögliche Route der Ölpipeline Burgas-Alexandroupolis

Im 21. Jahrhundert zählt Burgas zu den wichtigsten Wirtschafts- und Industriestandorten Bulgariens. Die Region Burgas ist hochindustrialisiert.[3] Nach dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt die Region Burgas an dritter Stelle hinter Sofia-Stadt und hinter Stara Sagora und damit deutlich über dem gesamtbulgarischen Durchschnitt. Die Arbeitslosigkeit ist mit 4,3 Prozent die niedrigste im ganzen Land, so dass in den Sommermonaten eine Vollbeschäftigung erreicht wird.[92] In der Stadt sind ca. 16.700 Unternehmen ihren Sitz. Wichtige Wirtschaftszweige sind der Handel, die Industrie (Lebensmittelherstellung, Elektrotechnik, Maschinenbau, und Chemiewirtschaft)[3] und die Dienstleistungen.[89]

Burgas ist Zentrum der bulgarischen Fischfang-, und Fischverarbeitungsindustrie. Hier werden bis zu 80 % des bulgarischen Fischfangs umgeschlagen.[93] Im Areal des Hafen Burgas befindet sich zum diesen Zweck auch die größte Kühlhalle des Landes[94] einzige bulgarische Fischverarbeitungsfabrik Slawjanka. Zu den größten Unternehmen der Lebensmittelindustrie gehören der Süßwarenhersteller Pobeda, die Brauerei Burgasko Piwo, die Großbäckereien Burgas hljab und Hlebozavoda, Festa Holding, Tschernomorski Ribolow und weitere.[3]

Der Export wird überwiegend von der Chemie- und Ölbranche, Holz-, Fischerei-, Textil- und Kabelindustrie sowie von den Wein- und Spirituosenherstellern getragen. Zu der Chemie- und Ölbranche gehören die LUKoil-Neftochim und HemusMark AD.[3] Mit ihren Verarbeitungskapazität von 176.800 Fass Rohöl am Tag ist die 1964 erbaute LUKOIL Neftochim Burgas-Raffinerie die Größte in Südosteuropa.[95]

Hier befindet sich mit Promet Steel der einzige bulgarische Hersteller von Bewehrungselementen aus Rippenstahl. Zu den große Unternehmen der Maschinenbauindustrie gehören die Werft von Burgas, das Schiffsreparaturwerk Burgas, der Güterwagenbauer Transvagon[96], sowie Elkabel und Marie Bentz. Zu den Holzverarbeitungsindustrie gehören die Unternehmen Kronospan, Detelina und Dograma, die vor allem Holz aus dem Strandscha-, und Balkangebirge verarbeiten.[3]

Die Landwirtschaft umfasst u. a. den Wein- und Getreideanbau. Tourismus und Transportwesen ergänzen die Ökonomie. 2010 wurde mit einer Fläche von 1,6 ha der modernste Obst- und Gemüsemarkt Bulgariens eröffnet. Er verfügt über 3.500 m² überdachte Fläche und ist nach EU-Standards gebaut.[97] In Planung sind mehrere großangelegte Industriezonen, in der internationale Unternehmen und Unternehmen der Green Economy angesiedelt werden sollen.[98] Investitionspläne von Voestalpine mit einem Volumen bis zu fünf Milliarden Euro,[99] liegen seit der Wirtschaftskrise 2009 auf Eis. Als Ergänzung zu den Industriezonen wird der erste intermodale Terminal Bulgariens errichtet.[100][101]

Die Bauwirtschaft zählt nicht zu den wichtigsten Wirtschaftssektoren in Burgas, dennoch haben hier drei der größten bulgarischen Bauunternehmen ihren Sitz: Pons Holding AD[102], Transstroy[103] und Eurobuilding Engineering.[104]

In der Nähe der Stadt gibt es seit der Antike die größten Weinanbaugebiete des Landes, außerdem große Salz-, Eisen-, Kupfer-, Braunkohle-, und Goldminen. Die Region ist seit der Vorgeschichte für Salzgewinnung bekannt. Heute ist sie die einzige bulgarische Region, in der Salz aus Meereswasser gewonnen wird.[3]

Eine umwälzende Veränderung in der Entwicklung des Stadtbilds und der Stadtnutzung mit weitreichenden Konsequenzen für die städtische Lebensqualität bewirkt die Ausdehnung der Stadt in östlicher Richtung, sowie die Entstehung zweier Großeinkaufszentren, Burgas Plaza[105] und Galleria Burgas[106]. Dazu sind alle großen bulgarischen Handelsketten in der Stadt präsent. Die Freihandelszone in Burgas ist die einzige an der bulgarischen Schwarzmeerküste.[3][107]

Häfen

Die Innenstadt mit den Hafen Ost im Vordergrund. Im Hintergrund der Ölhafen (r.) und der Marinestützpunkt (l.)

Das Hafenareal der Stadt Burgas ist in drei Häfen gegliedert: der Hafen Burgas (Hafen Ost, Hafen West, Containerterminal und Yachthafen), der Fischereihafen und der Ölhafen (der südlich der Stadt, nahe Kraimorie liegt). Kleinere Häfen befinden sich in den Viertel Kraimorie und Sarafowo. Der Hafen von Burgas ist der größte Übersee- und Fischereihafen des Landes und schlägt 60 Prozent des bulgarischen Warenim- und -exports um, der über den Seeweg abgewickelt wird.[3]

Im Areal des Hafens befinden sich auch ein Containerterminal, die Burgas-Werft (bulg. Бургаски Корабостоителници) und das Schiffsreparaturwerft (bulg. Кораборемонтен завод). Die Häfen der letzten zwei, wie der Hafen des Unternehmens Transstroy verfügen über ein spezielles Arbeitsregime.[3] Der Hafen von Burgas wird mit einem großen Yachthafen und einem zusätzlichen Containerterminal erweitert, der den steigenden Export bewältigen soll.[108]

Der Ölhafen wird angesichts des Baus der Burgas-Alexandroupolis-Ölpipeline und der AMBO-Ölpipeline ausgebaut. Südlich des Ölhafens in einer weiteren Bucht befindet sich der Marinestützpunkt von Burgas. Burgas ist der Heimathafen der bulgarischen Übersee-Fischfangflotte sowie der Schwarzmeerkriegsmarine.[3]

Verkehr

Burgas besitzt eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur, den größten Hafen des Landes sowie den zweitwichtigsten Flughafen Bulgariens. Die Stadt liegt am Beginn des paneuropäischen Korridor Nr. 8 und an der Europastraße 87. Burgas ist Ausgangspunkt der sich im Bau befindlichen A 1 und A 4, die die Stadt mit Sofia und Warna verbinden sollen. In ferner Zukunft soll eine weitere Autobahn die Stadt mit Istanbul verbinden. Über das Schwarze Meer ist Burgas durch regelmäßigen Fährverkehr mit Poti, Noworossijsk und Port Kawkaz verbunden. Die Personenfährverbindungen zu den Touristenzentren und nach Istanbul wurden jedoch eingestellt. Burgas ist heute neben Sofia, die Stadt mit der geringsten Arbeitslosigkeit im Lande.[3]

Flughafen

Der Flughafen Burgas wurde für die zivile Luftfahrt im Jahre 1947 eröffnet. Zwischen 1962 und 1963 wurde eine Stahlbetonrollbahn von einer Länge von 2600 Meter errichtet, die zwischen 1977 und 1979 bis 3200 Meter verlängert wurde. Der Flughafen nahm vor der 2010 eingetretenen Konzessionierung eine Fläche von 2600 da ein. Die Gebäude des Terminals für inländische Flüge und des Terminals für den Abflug wurden 1974 fertiggestellt, das Terminal für die Ankunftsflüge 1992. 2006 vergab die bulgarische Regierung eine 35-jährige Konzession für den Flughafen von Burgas an die deutsche Fraport AG, welche ihn weiter ausbauen will. Linienflüge von Burgas aus gibt es national zwei mal täglich nach Sofia und Warna, und international mehrmals wöchentlich nach London, Moskau, Budapest und Tel Aviv. Im Weiteren wird der Flughafen Burgas als Reserveflughafen für die Flughäfen von Plowdiw und Sofia, für Privat-, und in den Sommermonaten für Charterflüge genutzt.[109][3]

Bahnhof und Bahnhofvorplatz, Anfang des 20. Jahrhunderts

Schiene

Im Jahr 1903 wurde in Burgas die Eisenbahnlinie nach Sofia[38] in Betrieb genommen. Während des Zweiten Weltkriegs betrieb die deutsche Wehrmacht den Bau einer weiteren Eisenbahnlinie von Burgas nach Warna. 1939 wurde die Teilstrecke nach Pomorie feierlich durch den bulgarischen König eröffnet. Der Linienverkehr nach Pomorie wurde in den 1980-er aufgegeben. Heute ist Pomorie zwar über Burgas an das bulgarische Eisenbahnnetz angeschlossen, jedoch verkehren nur Güterzüge aus den nah gelegenen Salz- und Kohlemienen in Richtung Burgas.[3] In den 1980-er wurde die Eisenbahnstrecke nach Sredez eröffnet.[110]

Heute verfügt Burgas über drei Personenbahnhöfe, die Zentralna gara (zu dt. Hauptbahnhof), der Bahnhof Wladimir Pawlow und der Bahnhof Gorno Eserowo im gleichnamigen Viertel, sowie vier Rangeierbahnhöfe.[110] Tägliche Zugverbindungen vom Hauptbahnhof Burgas in alle großen Städte Bulgariens werden durch internationale Verbindungen bis nach Moskau, Prag, Budapest oder Krakau ergänzt. 2011 begann die Modernisierung und der Ausbau der Eisenbahnstrecke Burgas-Sofia zur Hochgeschwindigkeitsstrecke, welche 2013 fertiggestellt werden soll.[111] In Burgas befindet sich einer der sieben Eisenbahn-Güterumschlagsplätze Bulgariens.[110]

Öffentlicher Personennahverkehr

Das Öffentlicher Personennahverkehr ist in Burgas gut ausgebaut: so existieren neben zwei Oberleitungsbuslinien (T1 und T2) noch 28 Bus-, und 6 Marschrutkalinien. Die Streckenlänge beträgt 510 km.[89] Der regionale Fernverkehr wird ebenfalls durch Buslinien von den zwei Busbahnhöfen unterhalten. Von Busbahnhof Jug (bulg. Юг, dt. Süd), der sich neben den Hauptbahnhof befindet, führen Verbindungen zu allen Küstenorten in der Provinz Burgas, zum Flughafen Burgas (Linie 15) und nach Warna. Der Busbahnhof Zapad (bulg. Запад/West), der sich neben dem Alten Bahnhof befindet, ist der Knotenpunkt für Transitverbindungen und Verbindungen ins Landesinnere. Buslinien nach Sofia und im Sommer Istanbul verkehren stündlich von beiden Busbahnhöfen. Die Innenstadt wird durch ein feinmaschiges Busliniennetz erschlossen. Der Verkehrsbetrieb der Stadt trägt den Namen Burgasbus. Weitere Verkehrsunternehmen sind Komfort OOD und Burgasvolan 95, die Linien innerhalb der Stadt betreuen, sowie M-Bus und Enturstrans, die vor allem außerhalb der Stadt verkehren.[3][112]

Medien

Neben den im Land erscheinenden nationalen Printmedien wird in Burgas eine Reihe von lokalen Zeitungen und Zeitschriften publiziert. Unter ihnen sind die Tageszeitungen Tschernomorski Far[113], Burgas Dnes i Utre und Faktor, die Wochenzeitungen Kompas und Soleno Morsko, der Wochenanzeiger Alo Burgas und die Zeitschriften More und Virginia zu nennen.

Weiter gibt es eine Reihe lokaler Radio- und TV-Sender. So hat der größte Kabelfernsehbetreiber Bulgariens Skat TV seinen Sitz in Burgas.[114] Weitere Kabelfernsehbetreiber sind TV Mix und RN-TV. Mit Radio Glarus, Radio Juschen Brjag, Radio Maja und Power FM senden auch einige Radiostationen aus der Stadt.

Bildung und Forschung

Universitäten

Burgas verfügt mit der Asen-Slatarow, gegründet 1963 und der Freien Universität, gegründet 1990 über zwei Hochschulen. Als autonomen Strukturen nach britischen College-Vorbild funktionieren das Technisches College, das Medizinisches College und das Tourismus-College der Asen-Slatarow-Universität. Weiterhin hat die Amerikanische Universität in Bulgarien einen Campus in Burgas.

Bibliotheken

Neben den Universitätsbibliotheken existiert in Burgas die 1888 gegründete Stadtbibliothek.[115] Sie trägt heute den Namen des bulgarischen Dichter-Revolutionär Pejo Jaworow und zählt zu den ältesten des Landes. In den Bezirken arbeiten ebenfalls einige kleine Lesesäle und mehrere Tschitalischte (Kulturhäuser) die über kleinere Bibliotheken verfügen.[116]

Schulen und Einrichtungen

In Burgas existieren alle Schultypen Bulgariens. Zu den wichtigsten Bildungseinrichtungen zählen: Das Gymnasium für Naturwissenschaften und Mathematik „Akademik Nikola Obreschkow“, das Gymnasium Die Heiligen Brüder Kyrill und Methodi, das Goethe-Gymnasium (ein deutschsprachiges Gymnasium, das mit Lehrern aus Deutschland - wie Werner Heiduczek - unterhalten wurde und wird), das englischsprachige Gymnasium Geo Milew, das Gymnasium für fremde Sprachen Wasil Lewski, das Wirtschaftsgymnasium, das Gymnasium für Technikum für Architektur, das Musikgymnasium „Pantscho Wladigerow“; Technische Berufskolleges für Mechanik, für Transport, für Wirtschaft und für Schiffbau, sowie eine Seemannsschule. Die Schüler des naturwissenschaftlich-mathematisches Gymnasiums Nikola Obreschkow zählen zu den besten der Welt. Sie gewinnen regelmäßig internationale Schulwettbewerbe und andere Auszeichnungen.[117]

Kultur und Freizeit

Die ehemalige Synagoge und heutige Stadtgalerie

Theater, Opern-, und Kulturhäuser und Kunstgalerien

Burgas besitzt ein Schauspielhaus, ein Kinder- und Puppentheater, ein Opernhaus, eine Philharmonie, sowie mehreren Kunstgalerien. Burgas verfügt als einer der wenigen Städte Bulgarien über ein Opern- und Balletttheaterhaus, welches sich im unmittelbare Nähe zur Fußgängerzone befindet. 2000 wurden die staatlichen Oper und Philharmonie von Burgas zur einer Institution vereinigt. Die Philharmonie zu Burgas wurde 1947 zur staatlichen Institution, ihre Anfänge wurden jedoch 1910 mit der Gründung des Musikvereins Rodni swuzi gelegt. Die Philharmonie von Burgas nutzt sowohl ihre eigene Bühne, als auch das Opernhaus. Im Opernhaus ist ebenfalls das Staatliche Kinder-, und Puppentheater von Burgas untergebracht, welches 1954 gegründet wurde. Das Schauspielhaus befindet sich neben dem alten Gerichtsgebäudes, im alten Stadtkern von Burgas. Es wurde 1882 mit der Aufführung Malakowa des Schriftstellers Petko Slawejkow eröffnet und trägt seit 1953 den Namen der Schauspielerin Andriana Budewska.[49][118][119][120]

Burgas verfügt als einer der wenigen bulgarischen Städte über ein funktionierendes Jugendkulturzentrum.[121] Das Jugendkulturzentrum wird auch vom Folkloreensemble Strandscha genutzt. Das Ensemble wurde 1965 gegründet und besteht aus einem Chor, Orchester und Tanzformation.[122] 2011 wurde das ehemalige Seebad-Casino renoviert und in ein Kulturzentrum umgebaut. Im Offiziersklub finden Ausstellungen zur Militärgeschichte und -thematik statt. Als kleine Kulturhäuser mit Raum für Veranstaltungen, Ausstellungen und Vereinsarbeit funktionieren die mehrere Tschitalischte und das Haus des Petrochemikers.

Die Stadt ist in der bulgarischen Kunstszene für seine zahlreichen Galerien bekannt. Die städtische Kunstsammlungen sind in der Stadtgalerie Petko Sadgorski unterbracht. Sie befindet sich im Gebäude, der zwischen 1905 und 1910 vom österreichischen Architekten Friedrich Grünanger errichtete, ehemalige Synagoge der Stadt. Nach der Machtergreifung der Kommunisten und der Auswanderung der jüdische Bevölkerung Burgas nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde der Bau nationalisiert und am 7. April 1947 als Stadtgalerie neu eröffnet.[123] Weitere bekannten Galerien sind die Galerie des Kunstvereins der Burgasser Maler, die Galerie Nesi, die Galerie Burgas und Galerie Eti.

Museen

Das Brakalow-Haus, heute Ethnographisches Museum

Das historische Museum befindet sich im Stadtzentrum in der Lermontov Straße 31, gegenüber dem 1en Polizeirevier. Das Museum wurde 1925 gegründet und beherbergt heute neben den Ausstellungen zur neueren Geschichte der Stadt, eine reiche Sammlung antiker Münzen und eine in Form einer Krypta ausgebaute Ikonengalerie mit Werken aus dem Süden Bulgariens dem heutigen Norden der Türkei.[124]

Das Ethnographische Museum befindet sich im Haus des ehemaligen Bürgermeister der Stadt Dimitar Brakalow. Das Gebäude wurde in der typischen Architektur der bulgarischen Wiedergeburtszeit um 1873 erbaut. Hier befindet sich eine ständige Ausstellung zur bulgarischen Trachten und Schmuck die von den Bewohner der Stadt getragen wurden. Der Großteil der Ausstellung entstammt aus den Heimatregionen im heutigen Griechenland und der Türkei der zahlreiche Flüchtlinge in Burgas.[125]

Im Archäologischen Museum finden Ausstellungen zur älteren Geschichte der Stadt, der Region und Meeresthematik aus der thrakischen und römischen Zeit bis zum Fall der Stadt unter osmanischer Herrschaft statt. Auch die Ergebnisse der in den letzten Jahren intensivierten archäologischen Ausgrabungen in der näheren Umgebung finden sich hier. Die zentrale Ausstellungsfläche und die Museumsverwaltung befinden sich in der Fußgängerzone in der Aleko Bogoridi Straße. Das Museum wurde 1912 als Archäologische Gesellschaft Debelt gegründet.[126]

Die Vielfalt der Flora und Fauna von Burgas und der Region wurden in drei ständige Ausstellungen des naturwissenschaftliches Museum der Stadt zusammengetragen.[127] Das jüngste Museum in Burgas, ist das Hausmuseum der Dichterin Petja Dubarowa. Es wurde 1995 ins Leben gerufen und ist Veranstalter des jährlichen gleichnamigen Literaturwettbewerb.[128]

Musik

Die Stadt ist bekannt für ihre Musiker und Musikfestivals. So kommen aus Burgas die populärste bulgarische Gruppe Familia Tonika, der Dirigent Emil Tschakarow und die weltberühmte Operndiva Rajna Kabaiwanska. Das Publikum in Burgas gilt als eines der anspruchsvollsten in Bulgarien. In der alternativen Szene ist die Stadt als die Heimat des bulgarischen Melodic Death Metal, der von Bands wie The Revenge Project, Dark Inversion, Necromanncer oder Vrani Volosa auch international vertreten wird, bekannt.[129]

Regelmäßige Veranstaltungen

Burgas Stadtstrand
Besucher des Spirit of Burgas-Festivals

Neben dem Stadtfest am 6. Dezember, dem kirchlichen Festtag des Heiligen Heilige Nikolai, finden in Burgas vor allem im Sommer mehrere Festivals und Veranstaltungen in verschiedenen Genres statt. Einige Festivals (das Sofia Film Fest an der Küste[130], das Internationale Folklorefestival Burgas, sowie die Musikfestivals Burgas und das Meer, Burgas Blues & Jazz Festival und Spirit of Burgas), die Dichtertage Petja Dubarowa, das Biker-Treffen - eines der größten bulgarischen Motorradtreffen, oder die traditionellen Feierlichkeiten während der Ehrung des Schutzpatrons der Stadt, finden hier alljährlich statt. Im Folgenden ist eine kleine Auswahl nach Monaten dargestellt:

Im Mai werden der Nationaler Literaturwettbewerb Petja Dubarowa, der internationale Theaterfestival Erata na Wodoleja und in der 3en Woche des Monats die Internationale Segelregatta Port Burgas Sailing Week organisiert. Am 24. Mai finden wie im ganzen Land Umzüge der Schulen zur Ehrung des bulgarischen (kyrillischen) Alphabets und der Slawenapostel Kyrill und Methodius statt.

Der Monat Juni startet mit der Eröffnung des Sandskulpturen-Festival am Stadtstrand, das bis Ende September andauert.[131] Ebenfalls in Juni werden die Sommer-Kulturtage Burgas - Sommer, Meer und das Festival der klassischen und Opernmusik Emil Tschkarow organisiert. Am Abend des 30. Juni sammeln sich die Menschen an der Küste des Schwarzen Meeres, um den Sonnenaufgang am Morgen des ersten Juli zu erleben. Dieses Überbleibsel aus der Zeit der Hippies der 70er-Jahre wird auch July Morning genannt und wird am Burgassser Stadtstrand praktiziert.

Im Sommermonat Juli werden die Pejo-Jaworow-Dichtertage und am letzten Wochenende des Monats der Burgas Schwimmmarathon organisiert.

Anfang August finden der nationaler Musikwettbewerb Burgas und das Meer[132] und das Burgas Blues & Jazz Festival statt. Am zweiten Wochenende des Monats werden die Szenen des Festivals für zeitgenössischer Musik Spirit of Burgas am Stadtstrand aufgebaut. Ab August bis Oktober findet in der Stadtgalerie Petko Zadgorski die Kunstausstellung Freunde des Meeres statt. Von 19. bis 20. August wird der Jahrestag des Ilinden-Preobraschenie-Aufstands begangen, die Hauptgedenkfeier werden jedoch in der südlich von Burgas gelegenen Region Petrowa Niwa durchgeführt. Ebenfalls Ende August finden das Internationales Folklorefestival[133], sowie die Nationale Woche des Meeres statt. Im September wird das internationales Theaterfestival Auf dem Strand durchgeführt.

Am letzten Wochenende im November findet das Metalfestival Haunted Shores statt.[134] Das Stadtfest von Burgas wird am 6. Dezember gefeiert. An diesem Tag wird den Beschützer der Stadt, des Meeres und der Seemänner der Heilige Nikolai geehrt und die Preisträger des Titels „Ehrenbürger der Stadt Burgas“ bekannt gegebenen.[135]

Sport

Die Bulgarien-Rundfahrt in Burgas (2010)

Die Stadt verfügt über eine große Anzahl von Sportstätten. Die wichtigsten Sporthallen sind Zala Izgrew, Zala Bogoridi, BZ Lukoil Neftochimic und Zala Mladost, wobei die letztere eine multifunktionale Halle ist. 2009 wurde eine neue Mehrzweckhalle mit einer Größe von 2.585 m² im Stadtteil Meden Rudnik eröffnet und nach dem ersten bulgarischen Olympia-Goldmedaillisten Nikola Stantschew benannt. Im Januar 2011 gab die Stadtverwaltung bekannt eine weiter Sporthalle zu bauen. Diese soll im Areal des ehemaligen Heerstützpunktes der 1t. Schwarzmeer Brigade errichtet werden und Veranstaltungen von europäischer und internationaler Bedeutung anlocken. Sie soll eine Kapazität ca. 3000 Sitzplätze haben und den Namen Arena Burgas tragen.[136]

Des Weiteren gibt es die großen Fußballstadien Lazur und Tschernomorez, eine Radrennbahn und eine Kartbahn. Der Radclub Burgas, gegründet im Jahre 1905, ist nicht nur der stärkste in Bulgarien, sondern auch einer der besten in ganz Südosteuropa. Dabei kann er internationale Erfolge nicht nur auf der Rennbahn sondern auch auf der Straße vorweisen.[137] Der Radclub ist der Organisator des internationalen Radrennens Grand Prix Bourgas. Burgas ist dazu regelmäßiger Etappenziel der Bulgarien-Rundfahrt.

Ballsport

Die Fußballbegeisterung ist in der Stadt wie auch im ganzen Land groß. Zu den erfolgreichsten Fußballvereinen zählen der FC Neftochimic und der FC Tschernomorez Burgas. Der FC Tschernomorez spielt in der ersten bulgarischen Liga, der Gruppe A, in seinem gleichnamigen Stadion. Der FC Neftochimic, der Vizemeister von 1997 und dreifacher Pokalsieger ist, spielt derzeit in der zweiten bulgarischen Liga und trägt seine Heimspiele im Lasur-Stadion aus.

Neben den beiden großen Fußballclubs mit ihren Stadien existieren noch weitere kleinere Clubs mit Stadien in den Vierteln Kraimorie, Banewo, Dolno Eserowo und Sarafowo. Darunter sind der FC Master der FC Olimpik, FC Wetren, FC Spartak und PFC Sweti Nikola. Weitere ehemalige Clubs, die in die dritten bulgarischen Fußballliga gespielt haben, sind der FC Morska Fauna, der FC Port Burgas und der PFC Kosmos[138][139]

BK LUKoil Neftomchimic Burgas ist eine der stärksten Mannschaften in der bulgarischen Basketballliga der Frauen und mehrfacher bulgarischer Meister und Pokalsieger.

Wassersport

Windsurfing in der Bucht von Burgas

Jährlich findet in der Bucht von Burgas eine international ausgerichtete Regatta statt, die vom Yacht Club Port Bourgas veranstaltet wird. Am 30. Juli 2011 fand nach 15 Jahren Unterbrechung erneut der internationaler Schwimmmarathon Burgas statt.[140]

Von 10. bis 19. September 2011 fanden vor Burgas Wettkämpfe der internationalen RS:X Windsurfregatten statt. Die Starts sind Teil der europäischen Meisterschaft in der olympischen Klasse und Qualifikation für die Weltmeisterschaft im australischen Perth im Dezember 2011.[141][142] Im Nordabschnitt des Stadtstrandes von Burgas befindet sich der Windsurfklub Windsurf Burgas.[138]

In Burgas fand 1924 zum ersten Mal in Bulgarien ein Ruderwettbewerb statt. Fast zehn Jahren später, erneut in Burgas dürften Frauen zu ersten mal beim Wettbewerb teilnehmen.[143] Heute sind zwei der wenigen Rudermannschaften in Bulgarien, der RC Lukoil Burgas und der Ruder Club Tschernomorez Burgas in Burgas beheimatet. Die Sportler vom RC Tschernomorez absolvieren ihre Trainingseinheiten meistens in den Gewässern des Burgassees.[138]

Des Weiteren existieren in Burgas zwei Wasserballmannschaften: Der WBK Tschernomorez und der WBK Neptun.[138]

Weitere Sportarten

Gleitschirmfliegen über den Meeresgarten

Burgas bietet als einer der wenigen Städten Bulgariens eine hervorragende Thermik für Gleitschirmfliegen. Einer der Startmöglichkeiten befindet sich im Meeresgarten, direkt über dem zentralen Bereich des Stadtstrandes. Eine weitere findet sich am Fuße des Berges Warli Brjag in der Gegend Schiloto im Bezirk Meden Rudnik. Der Start erfolgt dort bei 200 m über dem Meeresspiegel.[144]

In der Stadt befinden sich auch zwei Moto-Cross-Anlagen: Eine im Stadtviertel Meden Rudnik, wo jährlich Teile der bulgarischen Moto-Cross-Meisterschaft ausgetragen werden und die weitere in der Gegend Poroi unweit des Viertels Sarafowo.

Alljährlich wird in der Sporthalle Mladost der internationale Tanzwettbewerb Burgas Cup, als WDSF-Turnier ausgetragen.[145]

Sehenswürdigkeiten und bemerkenswerte Bauwerke

Die Kathedrale Heiligen Brüder Kiril und Methodius und das Naturschutzgebiet Poda sind zwei der 100 nationalen touristischen Objekte in Bulgarien.

Festungen und Grenzwall

Das archäologische Reservat Develtum wurde vom bulgarischen Staat mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet.

Die Erkesija stellt einen mittelalterlichen Grenzwall an der bulgarisch-byzantinischen Grenze dar. Er wurde im Auftrag des bulgarischen Herrscher Krum im 9. Jahrhundert errichtet und reichte vom heutigen Burgas bis Simeonowgrad am Fluss Mariza inmitten der Thrakien-Ebene. Seine Länge betrug 140 km. Der Grenzwall teilte sich kurz vor Pirgos und seine Teilstücke erreichten das Ufer der heutigen Burgas-, und Mandrasee. Ein gut erhaltenes Stück befindet heute neben dem archäologischen Reservat Develtum.[24]

Zur Sicherung des Hafens von Develtum wurde in der Antike die Doppelfestung Poros errichtet. Die Überreste der ehemalige Festung befinden sich heute auf der gleichnamigen Halbinsel im Stadtviertel Kraimorie. Bis in den 1990er wurde die Halbinsel von der bulgarischen Marine genutzt. Aus diesem Grund gilt sie als nicht gut erforscht. Teile der südwestlichen und nordwestlichen Mauer aus dem vierten Jahrhundert wurden 2008 in der Gegend Poda bei Ausgrabungen freigelegt. Das Mauerwerk weist eine Dicke von 2,10  m bis 4,20  m auf. Am höchsten Punkt des Festungsareals wurden die Überreste einer Klosteranlage aus dem 13. Jahrhundert freigelegt. Unter den gefundenen Artefakten, die im Archäologischen Museum von Burgas ausgestellt sind, befindet sich auch eine Inschrift auf Altgriechisch des römischen Kaisers Gordian III..[146]

Die Reste der antiken und mittelalterlichen Festung Aqua Calidae, beziehungsweise Thermopolis befinden sich im Areal der heutigen Mineralbäder von Burgas (siehe weiter unten), im Stadtteil Banewo am Fuße des Balkangebirges. 1206 wurde die Stadt von den Kreuzrittern des Vierten Kreuzzugs unter Heinrich VI. geplündert und zerstört. Der kaiserliche Schreiber hielt fest: „das war eine sehr schöne Stadt, in guter Lage, mit vielen warmen Quellen - die besten der Welt. Aus ihr haben wir gute Beute mitgenommen“. Erst 350 Jahre später wurden die Quellen erneut bebaut, jedoch im 13. Jahrhundert von der Katalanischen Kompanie verwüstet. Die ersten Ausgrabungen führte 1910 Bogdan Filow durch.[147] Seit 2008 finden groß angelegte Ausgrabungen statt, die bis 2010 ein Areal von über 3.800 m² freigelegt haben, darunter die antiken Thermen, das Nordtor und Teile der Festungsmauern mit einer Dicke von 5 m, die besichtigt werden können.[148] Im Juli 2011 wurde ein Areal von 36.000 m² zum archäologischen Reservat Thermopolis erklärt.[149]

Sakrale Bauten

Westseite der „Hl. Brüder Kiril und Methodius“-Kathedrale

Die Kathedrale Heilige Brüder Kiril und Methodius[150] ist den Slawenaposteln Kiril und Methodius gewidmet und befindet sich mitten im Stadtzentrum gegenüber der gleichnamigen Schule. Sie zwischen 1897 und 1907 vom italienischen Architekten Ricardo Toscani erbaut.[151] Sie unterscheidet sich von allen während der Bulgarischen Wiedergeburt erbauten Kirchen. Die Kirche ist eine dreischiffige Kreuzkuppelkirche in Ost-West-Ausrichtung. Die zentrale Apsis mit dem Altar und die reichlich geschmückte Altarwand befinden sich im östlichen Teil der Kirche. Der Naos teilt die Kirche in drei Schiffe, die jeweils von zwei Reihen mit fünf Marmorsäulen getragen werden. Über dem Hauptschiff befindet sich die zentrale und größte Kuppel, wobei sich über den zwei Seitenschiffen weitere vier kleine Kuppeln befinden. An der Westseite befindet sich der Narthex, der breiter und höher als der Zentralbau ist. Neben dem Haupteingang im Westen befinden sich weitere kleinere Ein- und Ausgänge an der Nord- und Südseite, sie werden aber nur bei speziellen Zeremonien geöffnet. An dem Bau waren auch Meister Mitjo Tzanew aus Drjanowo und Meister Kuzman Dimitrow aus Makedonien beteiligt. Die Wandmalereien wurden von den Maler Gjudschenow und Koschuharow, die auch beim Ausmalen der Alexander-Newski-Kathedrale in Sofia beteiligt waren, vollbracht.[152] Seit 2009 wird ein Teil des Kreuzes Christi in der Kathedrale aufbewahrt.[153][154]

Die heutige Kirche Heilige Mariä Himmelfahrt, auch als griechische Kirche bekannt ist die älteste orthodoxe Kirche in der Stadt. Ihr Vorgängerbau wurde während des russisch-osmanischen Krieg von 1828 bis 1829 zerstört und wird Anfang des 18. Jahrhundert datiert. Mit der Rückkehr der christlichen Bevölkerung wurde 1840 die heutige Kirche im griechischen Viertel errichtet. Neben der Kirche wurde eine griechische Schule erbaut. Die Westfassade der Kirche wurde 1853 fertiggestellt, ein Glockenturm dürfte laut damaligen osmanischen Recht nicht errichtet werden. 1906 wurde die bis Dato griechische Kirche von der bulgarischen Bevölkerung eingenommen, als Antwort auf ähnlichen Vorgänge in Griechenland. In der Folge wurde die Kirche enteignet, der Bulgarisch-Orthodoxe Kirche unterstellt und in Heilige Mutter Jesu umbenannt. 1952 wurde die Kirche restauriert und sie bekam ihr ursprünglichen Namen zurück.[155]

1673 errichtete die armenische Gemeinde in Burgas mit bulgarischer Unterstützung ihr Gotteshaus, die Kirche Surp Haç (bulg. Sweti Hadsch/Свети Хадж, zu dt. Kirche des Heiliges-Kreuzes). Sie wurde mehrmals umgebaut, zuletzt 1855, als der Glockenturm errichtet wurde. Die für die armenische Architektur typische einschiffige Saalkirche ist heute funktionierendes Gotteshaus und ein Kulturdenkmal. An der Westseite der Kirche befindet sich das 1990 errichtete Mahnmal für die im Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich getöteten Armeniern.[38][156]

Die Erbauung der Kirche des Heiligen Iwan Rilski ist eng mit der Erweiterung der Stadt nach der Befreiung vom osmanischer Herrschaft und den Flüchtlingsstrom nach den Balkankriegen (1912-13) verbunden. 1913 überließ Alexandar Kodschafalijata Ländereien für die bedürftige Flüchtlingen und Armen der Stadt, sowie für den Bau eines Gotteshauses im Gebiet des heutigen Viertels Bratja Miladinowi.[157] Ein Jahr später wurden die Bauarbeiten aufgenommen. Weitere Spenden kamen vom Verband der Reserveoffiziere und von der Bevölkerung der Stadt. 1934 wurde der Bau fertiggestellt und eingeweiht. Die Ikonostase ist 3 Meter hoch und 11,5 Meter breit. Die Wandmalereien wurden vom Meister Nikolaj Koschucharow gefertigt. 1951 wurde der ehemalige Holzglockenturm durch einen neuen ersetzt, der sich heute links vom Eingang der Kirche befindet. In Ihr hängen heute vier Glocken, die größte davon wiegt ca. 100 kg. Am 1. November 1971 wurden Reliqien des Heiligen Märtyrer Vakch in der Kirche feierlich beigesetzt.[158]

Weitere Kirchengebäude im Stadtzentrum sind die bulgarisch-orthodoxen Kirchen der Heiligen Dreifaltigkeit, der Mariä Geburt und des Heiligen Pimen Sografski; sowie die römisch-katholischen Kirchen Mariä Himmelfahrt und Hl. Mutter Gottes. Das Kloster Heilige Mutter Jesu befindet sich zwischen den Vierteln Meden Rudnik und Gorno Eserowo.

Die Mineralbäder von Burgas

Rund 10 km vom Stadtkern im gleichnamigen Stadtviertel befinden sich die Mineralbäder von Burgas (bulgarisch Бургаски Минерални Бани/Burgaski Mineralni Bani). Die warmen Heilbäder waren schon in der Antike unter den Namen Aqua Calidae und später unter Thermopolis (von gr. θερμός/thermos = warm und πόλις/polis = Stadt) bei den Thrakern, Griechen und Römern bekannt. Im 16. Jahrhundert wurden auf den römischen Grundmauern die Bäder (Hamam) vom osmanischen Sultan Süleyman I. der Prächtige errichtet, die bis heute funktionieren.[148][159]

Die heutigen Bäder befinden sich inmitten eines großangelegten Parks und sind ein balneologischer und schlammheilender Kurort von nationaler Bedeutung. Das Mineralwasser hat eine Temperatur von 41 °C. Es fließt mit einer Ergiebigkeit von 36 Litern pro Sekunde und hat ausgezeichnete Trink- und Geschmacksqualitäten. Das Wasser eignet sich für die Behandlung des Stütz-Bewegungs-Apparates und für die Behandlung des Nervensystems, von gynäkologischen Erkrankungen, bei Therapien nach Knochenbrüchen und Traumata und anderen. Dazu dienen die Klinik für Physiotherapie, die Kurortklinik, Trinkwasserquellen, ein Freibad mit hydrothermalem Bassin, Sanatorien und Erholungsheime.

Burgas Meeresgarten - Puschkin Allee
Das Pantheon von Burgas im Meeresgarten
Die Meeresbrücke und die Bucht von Burgas

Der Meeresgarten und andere Grünanlagen

Die Stadt verfügt über viele Parkanlagen und Grünflächen, der Meeresgarten ist jedoch die grüne Lunge der Stadt und Denkmal von nationaler Bedeutung. Der größte Park der Stadt wurde im ersten Bebauungsplan von 1891 festgelegt und erstreckt sich ca. 5 Kilometer am Stadtstrand entlang. Das steile Ufer, auf dem sich der Meeresgarten entlang windet, eröffnet einen weiten Blick auf die ganze Küste und der Bucht von Burgas. Ein wesentlicher Beitrag zur Entwicklung der Parkanlage im Zentrum von Burgas erfolgte 1910 mit der Übernahme der Parkleitung durch Georgi Duchtew, der zuvor die Königlichen Gärten in Sofia gestaltete. Von der Terrasse kann man die ganze Bucht sehen: Im Norden bis zum schönen Städtchen Pomorie, im Süden bis zur Stadt der Künstler – Sozopol und den östlichen Ausläufern des Strandscha-Gebirges.

Im Park befinden sich das ehemalige Kasino und die im Volksmund als Sommertheater bekannte Freilichtbühne mit 2000 Plätzen, die über ein bewegliches Dach verfügt. In der Freilichtbühne finden im Sommer viele Veranstaltungen statt, zum Beispiel das internationale Folklorefestival und das Burgas Summer Jazz Festival. Hier finden auch Opern- und Theatervorstellungen, Schlagerabende und Rockkonzerte statt.

Der Park beherbergt viele Werke von bulgarischen und internationalen Künstlern. Hier findet auch jährlich im Frühling und im Herbst die internationale Blumenausstellung Flora statt. In der Nähe des Ausstellungsgeländes befindet sich das Pantheon von Burgas, eine Gedenkstätte der in den Kriegen gefallenen bulgarischen Soldaten und Freiwilligen. Das Festival der Sandskulpturen findet seit 2008 jährlich in den Monaten Juni bis Oktober im nördlichen Meerespark statt. Das Festivalgelände befindet sich in der Nähe des Stadtstrandes und beherbergt mehrere Sandskulpturen von bekannten internationalen Künstlern.[160]

Der südlichen Teil des Meeresgartens ist Veranstaltungsort für das MTV-Musikfestival Spirit of Burgas, das jährlich in der zweiten Augustwoche stattfindet.

Im Stadtzentrum befindet sich der Park Borisowa gradina (zu deutsch etwa Borisgarten), auch Knjas-Borisowa gradina genannt. Er ist nach dem bulgarischen Zaren Boris I. benannt. Der Park ist im Karree zwischen der Straßen William Gladstone, Aleksandar Stambolijski, Knjaz Boris I. und Zar Kalojan eingeschlossen und seine Parkalleen wurden in Form eines Schiffsankers angelegt. Während sich am nördlichen Teil des Parks das städtische Jugendzentrum befindet, befinden sich im Südteil ein Tennis-, und ein Fußballspielplatz.

Strandcasino und Seebrücke

Strandcasino und Seebrücke sind Teil des Meeresgartens. Die erste Brücke wurde 1936 neben den neuerbauten öffentlichen Strandbädern erbaut. Es handelte sich um eine Stahl-Fachwerkkonstruktion. Die Brücke war durch eine Steintreppe mit der Strandpromenade und mit dem Casino verbunden. Das Strandcasino wurde nach den Plänen des deutsch-bulgarischen Architekten Dimitar Fingow erbaut[161] und 1938 feierlich eingeweiht. Die Eröffnung war eines der wichtigsten Ereignisse im damaligen Königreich Bulgarien. Im Winter 2010/11 wurde das Casino komplett saniert.[162] In den 1980er Jahren wurde die alte Brücke abgerissen und die bisherige Stahl-Holz-Konstruktion durch eine Stahlbetonkonstruktion ersetzt, an dessen Ende ein Kai für kleinere touristische Boote und Fischkutter errichtet wurde. Im Winter 2010 wurde das Casino grundsaniert und in ein Kultur- und Veranstaltungszentrum in drei Ebenen umgewandelt. Eine Ebene wird als Ausstellungsfläche der Museen von Burgas genutzt. Am alten Casino endet eine der Hauptfußgängerstraßen in Burgas, die Aleko Bogoridi-Straße. Heute ist die Brücke eines der Wahrzeichen der Stadt.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Das regionale Zollamtsgebäude wurde 1911 als letztes administratives Gebäude am Bahnhofsvorplatz erbaut. Das Projekt wurde vom österreichischen Architekten Weinstein erarbeitet und der Bau wurde vom bulgarisch-österreichischen Architekten Georgi Fingow geleitet. Stilistisch stellt das Gebäude einer Mischung des späteren Neoklassizismus und des Eklektizismus. Das Zollamtsgebäude wurde 2005 restauriert.[163] 1927 wurde ebenso im Stille des Neoklassizismus das Rathaus von Burgas erbaut. Der Bau wurde auf der Stelle der ersten Stadtbibliothek errichte, welche Anfang der 1900-er ein Feuer zum Opfer fiel.[164]

Das Denkmal des russischen Soldaten (Detail)

Das heutige Amtsgerichtsgebäude wurde gemeinsam mit dem Denkmal des russischen Soldaten und das Haus des Petrochemikers in den 1950-er im Stadtzentrum am zentralen Platz Trojkata gebaut. Zuvor trug der Platzt den Namen Baba Ganka, benannt nach der Kaufmannsehefrau aus Burgas Ganka Chadschipetrowa die sich in den 1900-er für die Flüchtlinge einsetzte. Das Amtsgerichtsgebäude wurde als Parteizentrale und Zentrum der Kommunistischen Partei Bulgariens mit mehrere Sitzungssälen erbaut. Nach der Demokratisierung Bulgariens wurde das Parteigebäude zunächst der gegründeten Freien Universität übergeben, welches 2004 in ihr neues Gebäude einzog. Das neue Gebäude der Freien Universität wurde im selben Jahr von der bulgarische Architektenkammer zur Gebäude des Jahres gewählt. Heute wird das alte Parteigebäude vom Burgaser Amtsgericht genutzt. Das Denkmal des russischen Soldaten wurde zwischen 1952 und 1953 erbaut und ist im Volksmund als Aljoscha bekannt. Das Denkmal zeigt auf ein 18 Meter hohen Fundament einen sowjetischen Soldaten mit erhobenen linke Hand. Die Bronzereliefs am Fuße, aus beiden Seiten des Fundaments geben Kriegsszenen aus dem zweiten Weltkrieg wieder.[165][166]

In der Straße Dunav 1, neben den Technikum für Mechanik befindet sich der 1993 erbaute und 72 Metern hohe Radion-, und Fernsehturm von Burgas. Der Turm ähnelt dem Eiffelturm und wird auch als Eiffelturm auf Betonfüßen bezeichnet.[167]

Der Fundamentalpunkt der Stadt Burgas, ist ein Werk des Bildhauers Radostin Damaskow und gibt die exakten Koordinaten der Hafenstadt wieder. Auf der Kupferdisk sind ein Dreizack (Ψ) als Symbol Neptuns; drei Fische als Symbol Jesus Christi; das Schiff der Argonauten als Symbol für den Hafen und die Schifffahrt; und ein Lorbeerkranz als Symbol der reichen Geschichte von Burgas abgebildet. Das Werk wurde 2011 im Rahmen der Sanierung der Innenstadt in der zentralen Fußgängerzone in der Straße Aleksandrovska angebracht[168][169]

Mit der Stadt verbundene Personen

International bekannte Künstler aus Burgas sind die Operndiva Rajna Kabaiwanska (* 1934) und die Komponisten Georgi Schagunow (1873–1948), Lasar Nikolow (1922–2005), Anestis Logothetis (1921–1994) und Emil Tschakarow (1948–1991). Weitere Intellektuelle die mit Burgas verbunden sind die Schriftsteller Djado Blago (1866–1938), Petko Rossen (1880–1944), Anton Straschimirow (1872–1937), Anton Dontschew (* 1930) und Nedjalko Jordanow (* 1940); die Dichter Kostas Varnalis (1884–1974), Stefan Tinterow (1885–1912), Christo Fotew (1934–2002), Petja Dubarowa (1962–1979) und Recep Küpçü (1934–1976); und die Maler Georgi Baew (1924–2007) und Damjan Zaberski (1929–2006). In Bugras wurden die Schauspieler Apostol Karamitew (1923–1973), Georgi Kalojantschew (* 1925) und Tontscho Tokmaktschiew (* 1963) geboren.

Bekannte Politiker die in der Hafenstadt geboren wurden oder tätig waren sind Iwan Chadschipetrow (1834–1909), Dimitar Stefanow (1872–1940), Simeon von Warna und Preslaw (1872-1937) und aus neuere Zeit die Europaabgeordnete Stanimir Iltschew (* 1953) und Rumjana Schelewa (* 1969); sowie der Minister Rumen Owtscharow (* 1952) und der erste Ombudsmann Bulgariens Ginjo Ganew (* 1928). Unter den erfolgreichsten Sportler aus Burgas sind der Ringer und erster bulgarischer Olympiasieger Nikola Stantschew (1930–2004) und die Europameisterin im 100-Meter-Hürdenlauf Swetla Dimitrowa (* 1970). Weitere bekannte Sportler sind die Fußballer Slatko Jankow (* 1966), Ilija Gruew (* 1969) und Radostin Kischischew (* 1974); und der Trainer Dimitar Dimitrow (* 1959). Weitere Personen, die mit der Stadt verbunden sind, werden in der dazugehörigen Kategorie gesammelt.

Literatur

  • Iwan Karajotow, Stojan Rajtschewski, Mitko Iwanow: История на Бургас. От древността до средата на ХХ век (zu dt. etwa Geschichte der Stadt Burgas. Von der Antike bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts), Verlag Tafprint OOD, Plowdiw, 2011, ISBN 978-954-92689-1-1

Weblinks

 Commons: Burgas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  19. a b c d e f g h Iwan Karajotow, Stojan Rajtschewski, Mitko Iwanow: Geschichte der Stadt Burgas (bulg. История на Бургас), 2011, ISBN 978-954-92689-1-1; Zusammenfassung
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  27. Daniela Dimitrova: Un batiment public et un parc comme amorce à l’extension de la ville de Bourgas, BG. enoncé théorique pour le projet de master 07. abgerufen am 2. Oktober 2011 (französisch): „La première information détaillée sur la ville Bourgas de XVII siècle vient de l’épiscope Mardiros Krimeci qui dit seulement deux choses à propos de Bourgas“
  28. Vgl. Karajotow/Rajtschewski/Iwanow, S. 68, 274, 297 und André-Joseph Lafitte-Clavé, M. Duverne de Presle: Reconnoissance nautique et militaire du Golfe de Bourgas, au Nord-Est de Constantinople. In: Annales des sciences et des arts. Band 3. Colas, 1810, S. 58-59.
  29. Etudes historiques. A l'occasion du XIII Congrés international des sciences historiques - Moscou, août 1970. Acad. Bulg. des sciences, 1970, S. 243 und 252.
  30. Seine Eindrücke wurden jedoch in der Zeit zwischen 1753 und 1756 gesammelt; Vgl. Karajotow/Rajtschewski/Iwanow, S. 67, 280; und Claude Charles De Peyssonnel: Traité sur le commerce de la Mer Noire, Band 2, Cuchet, 1787, S. 151
  31. Karajotow/Rajtschewski/Iwanow, S. 301
  32. Karajotow/Rajtschewski/Iwanow, S. 69, 75, 90
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  46. Karajotow/Rajtschewski/Iwanow, S. 135-138
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  167. www.predavatel.com: Der Radion-, und Fernsehturm von Burgas. abgerufen am 9. November 2011 (bulgarisch): „Радиорелейната и телевизионна станция Бургас се намира на улица Дунав №1 в центъра на града. Кулата е изградена през 1993 г. Географски координати: 27°28'15"E / 42°30'30"N, надморска височина (кота терен): 30 м., височина на кулата: 72 м.“
  168. www.burgas-portal.com: Пъпа на Бургас. abgerufen am 9. Oktober 2011 (bulgarisch): „... „Пъпа на Бургас“... Става дума за произведението „Нулевия километър“ на скулптора Радостин Дамасков, което отбелязва точните координати на града и неговата 42°29'43,1" северна ширина и 27°28'18,2" източна дължина. Символите, които са изобразени на медния диск са жезълът на Нептун, рибите на Христос, корабът на аргонавтите и лавровият венец.“
  169. www.burgasnews.com: Р. Дамасков: Лавровият венец е задължителен за "Пъпа на Бургас". Interview mit Radostin Damaskow. abgerufen am 9. Oktober 2011 (bulgarisch): „Символите, естествено, са морски....Като започнем от аргото и хубавото черноморско корабоплаване от едно време, минем през Нептун - жезъла му.. лавров венец, с който е увенчан нашия град от древни времена. До ден днешен това е градът на творци, сериозни културни и спортни завоевания, заради интелигенцията.“

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