Burgunder (Wein)


Burgunder (Wein)

Die Bezeichnung Burgunderwein kann zwei Kategorien von Weinen bezeichnen: Entweder sind damit Weine aus Burgunder-Rebsorten gemeint, oder aber Weine aus der Region Burgund in Frankreich.

Inhaltsverzeichnis

Weine aus Burgunder-Rebsorten

Im deutschsprachigen Raum ist Burgunder die Sammelbezeichnung für die Weine aus den verwandten Pinot-Rebsorten, da diese alle in der französischen Region Burgund ihren Ursprung haben. Echte Burgundersorten der Pinot-Familie, die wohl alle aus Spätburgunder oder Schwarzriesling mutierten, sind:

Rote Rebsorten:

  • Spätburgunder, auch Pinot Noir, Blauer Burgunder, Blauburgunder, Blauer Spätburgunder, altdeutsch: Malterdinger
  • Schwarzriesling, auch Müllerrebe, Pinot Meunier, nach neuesten Forschungen wohl der Stammvater der Pinot-Familie
  • Frühburgunder, Blauer Frühburgunder
  • Sankt Laurent, auch Saint Laurent, Pinot Saint Laurent.
  • Pinot Liébault, dem Spätburgunder eng verwandt
  • Samtrot, eine Mutation des Schwarzriesling

Weiße Rebsorten:

Burgundertypen (phänotypisch ähnlich bzw. Kreuzungen mit Burgundersorten):

Weine aus der Region Burgund

Typische Burgunderflasche

Als Burgunder werden alle Weine aus dem französischen Weinbaugebiet Burgund bezeichnet, nicht jedoch die des Beaujolais, das nur verwaltungstechnisch, jedoch nicht historisch und weinbaulich gesehen zum Burgund gehört. Diese werden alle aus den oben genannten Rebsorten gekeltert, jedoch findet man (wie bei fast allen französischen AOC-Weinen) keine Rebsortenbezeichnung auf dem Etikett, sondern eine Gebietsbezeichnung. Durch die Gebietsbezeichnung werden mittelbar auch die Rebsorten festgelegt, weil in diesem Gebiet Qualitätswein nur aus jeweils gesetzlich festgelegten bestimmten Rebsorten (dies können mehrere sein, die dann auch gemischt werden) erzeugt werden darf (siehe auch Appellation d’Origine Contrôlée, Qualitätswein).

Roter Burgunder

Die Rotweine aus dem Burgund werden mit Ausnahme der Bourgogne Passetoutgrains und Bourgogne Grand Ordinaire, für die auch Gamay zugelassen ist, ausschließlich aus Pinot Noir gekeltert. Das Rotweingebiet von Burgund liegt an der Côte-d’Or, südlich von Dijon. Dort sind die Weinberge der Côte de Nuits und Côte de Beaune, wo die teuersten Burgunder und mit die teuersten Rotweine der Welt wachsen. Erschwinglicher sind die Gewächse der sich südlich anschließenden Côte Chalonnaise.

An einen einfachen Wein Appellation Bourgogne Contrôlée werden bereits hohe qualitative Anforderungen gestellt, insbesondere Ertragsbeschränkungen sind zu beachten. Die Gebiete werden dann über einzelne Dorflagen (Villages), zum Teil in bis zu nur einige Hektar große Parzellen eingeteilt, die als gekennzeichnete Lagen (Premier Cru, Grand Cru) auf den Markt kommen. Diese Lagen werden nach ihrem Potenzial ausgezeichnet, d.h. nach ihrer Möglichkeit, auf ihnen sehr guten Wein zu erzeugen. Da diese meist kleinen Lagen, anders als z.B. ein großes Château bei Bordeaux, nur sehr wenig Wein produzieren, sind die Burgunderweine nicht zu solchem Bekanntheitsgrad wie Bordeaux-Weine gekommen. Auch sind Burgunder im Anbau wesentlich fragiler als Bordeaux-Weine und auch nicht über lange Jahre lagerfähig wie diese, so dass Burgunder-Weine überwiegend nur von Liebhabern in ihrer Größe erkannt werden können. Eben die Fragilität der Rebsorte Pinot Noir und der damit verbundene hohe Aufwand im Anbau und der Vinifikation lässt die Burgunder-Weine fern der heute gültigen Bewertungssysteme (Parker u.a.) eine eigene Dynamik entwickeln die von einer kleinen Gemeinde von Liebhabern sehr hoch geschätzt wird.

Kenner aber geben für einen Grands-Echezeaux, einen Richebourg, einen Chambertin , einen Musigny oder gar für einen Wein der Domaine Romanée-Conti die gleichen Summen aus wie für die berühmtesten Grand Cru Classé-Weine aus Bordeaux.

Weiße Burgunder

Die bekannten weißen Burgunderweine bestehen zumeist aus Chardonnay, nur noch selten wird auch die Rebsorte Aligoté angebaut. Es gibt drei große Anbaugebiete: das Stammgebiet der Rebe, die Côte de Beaune, das Mâconnais im Süden des Burgund sowie die Region von Chablis. Die Weine von der Côte de Beaune sind volle, nicht so säurebetonte Weißweine. Die Gebietseinteilung erfolgt hier ähnlich wie schon bei den Rotweinen beschrieben. Der berühmteste und teuerste weiße Burgunder ist der Montrachet. Bekannte Orte sind Meursault, Chassagne-Montrachet und Puligny-Montrachet an der Côte de Beaune sowie Pouilly-Fuissé im Mâconnais.

Auf den Kalksteinböden des Chablis, welches selbst lange im Schatten der Côte de Beaune lag, erhalten die Weine einen mineralischen Ton und sind meist nicht ganz so voll wie die südlicheren Chardonnays. Auch hier gibt es zahlreiche Dorf- und Kleinstlagen, welche je nach ihrer Qualitätseinstufung (Premier Cru, Grand Cru) ebenfalls hohe Preise erzielen können.

Literatur

  • Michel Mastrojanni: Le Grand Livre du Bourgogne. Éditions Solar, Paris 1995, ISBN 2-263-02181-7

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