Burundisch


Burundisch
République du Burundi (frz.)
Republika y'Uburundi
(Kirundi)

Republik Burundi

Flagge Burundis
Wappen Burundis
Flagge Wappen
Wahlspruch: Unité, Travail, Progrès
(frz., „Einigkeit, Arbeit, Fortschritt“)
Amtssprache Französisch, Kirundi
Hauptstadt Bujumbura
Staatsform Republik
Regierungsform Präsidiale Demokratie
Staatsoberhaupt und Regierungschef Pierre Nkurunziza
Fläche 27.834 km²
Einwohnerzahl 8.691.005 (Quelle: CIA July 2008)
Bevölkerungsdichte 280 Einwohner pro km²
BIP nominal (2007)[1] 1.001 Mio. US$ (162.)
BIP/Einwohner 128 US$ (179.)
HDI 0,413 (167.)
Währung Burundi-Franc
Unabhängigkeit von Belgien am 1. Juli 1962
Nationalhymne Burundi bwacu
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen RU
Internet-TLD .bi
Telefonvorwahl +257

Burundi (dt.: [buˈrʊndi]) ist ein für afrikanische Verhältnisse dicht bevölkerter Staat in Ostafrika. Er grenzt im Norden an Ruanda, im Osten an Tansania und im Westen an die Demokratische Republik Kongo. Der größte Teil der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo liegt im Tanganjika-See.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Burundi ist einer der kleinsten Staaten Afrikas, aber – ebenso wie der Nachbarstaat Ruanda – sehr dicht besiedelt. Zwischen dem Viktoriasee und dem Tanganjikasee gelegen, wird das Land von einem Hochplateau (1.400–1.800 Meter) durchzogen, das allmählich auf über 2.700 Meter ansteigt. Dieses Randgebirge des markanten Ostafrikanischen Grabens fällt schließlich zum Innern der vom Tanganjikasee gefüllten Grabensenke steil ab.

Das Klima ist tropisch-wechselfeucht mit zwei Regenzeiten. Die Temperaturen werden durch die Höhenlage gemildert. Niederschlag fällt durchschnittlich 1.000 mm im Jahr. Zur artenreichen Tierwelt zählen Leoparden, Löwen, Paviane, Zebras und Antilopenarten, in den Flüssen leben Krokodile und Flusspferde.

Siehe auch: Liste der Städte in Burundi
  • Burundis Waldfläche weist weltweit den größten prozentualen Rückgang auf: minus 9 % zwischen 1990 und 2000.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung x1000

Demographie

46% der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre, das Durchschnittsalter beträgt 16,7 Jahre. Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 62 von 1000 Geburten (2007), die durchschnittliche Lebenserwartung bei 51,3 Jahren. Die (geschätzte) Geburtenrate lag im Jahr 2007 bei 6,48 Kindern/Frau. Ca. 6% der Bevölkerung ist an AIDS erkrankt (siehe auch: HIV/AIDS in Afrika).[2]

Ethnien

In Burundi gibt es entgegen gängigen Vorstellungen keine verschiedenen Stämme oder Ethnien. Sie teilen die gleichen Sitten und gehören dem gleichen sozialen und politischen Gefüge an. 84 Prozent zählen sich zu den Hutu, die hauptsächlich die „einfache“, vorwiegend bäuerliche Bevölkerung stellen. Zirka 15 Prozent der Bevölkerung bezeichnen sich als Tutsi, den Rest bilden die Twa (1 %).

Sprache

Die Menschen sprechen Französisch (Amtssprache) oder die Bantusprache Kirundi. Entlang des Tanganyika-Sees und in der Region der Hauptstadt Bujumbura wird auch Swahili gesprochen.

Religion

Rund 62 % der Burundier sind Katholiken, 5 % Protestanten (v.a. Anglikaner), 10 % Muslime und 23 % Anhänger afrikanischer Religionen.[3]

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Burundis

Burundi hat eine jahrhundertealte Geschichte als eine Art Monarchie. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde es im Rahmen der Aufteilung Afrikas unter den europäischen Großmächten Deutschland zugeschlagen und zusammen mit „Ruanda“ als „Urundi“ der Kolonie Deutsch-Ostafrika unterstellt. Die Deutschen beschränkten sich auf die indirekte Herrschaft in Gestalt einer Residentur; der deutsche Resident stand ähnlich wie in englischen Protektoraten dem einheimischen Fürsten kontrollierend und beratend gegenüber. Parallel begann die Missionierung, bei der die Katholiken sich durchsetzten. Im 1. Weltkrieg wurde das Land von belgischen Streitkräften erobert und danach vom Völkerbund Belgien als Teil des Mandatsgebietes Ruanda-Urundi zugesprochen.

1959, während Ruanda-Urundi auf die Unabhängigkeit vorbereitet wurde, kam es zu einem Flüchtlingsstrom von vertriebenen Tutsi aus Ruanda, was in der Folge durch immer wiederkehrende Konflikte im Grenzgebiet auch innerhalb Burundis zu einem verstärkten Rassendenken (vor allem zwischen Tutsi und Hutu) führte. Die politische Geschichte Burundis ist aber auch von massiven Spannungen, Rivalitäten und Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Tutsi-Fraktionen geprägt. Im November 1959 kommt es zu schweren Unruhen zwischen Hutus und Tutsis, welche von den Belgiern unterdrückt werden.

Der UPRONA-Gründer und Ganwa-Prinz Louis Rwagasore wurde 1961 Regierungschef und sollte das Land in die Unabhängigkeit führen. Seine Ermordung wenige Wochen nach der Wahl war der Auftakt für jahrzehntelange Machtkämpfe, die auch die Unabhängigkeit 1962, die Burundi damals als konstitutionelle Monarchie unter König Mwambutsa IV. erhielt, nicht stoppte. Rwagasores Nachfolger, darunter sowohl Hutu wie auch Tutsi, wurden gestürzt oder ermordet. 1966 stürzte Ministerpräsident Hauptmann Michel Micombero (Tutsi) den erst kurz zuvor selbst durch einen Staatsstreich an die Macht gelangten König Ntare V. Ndizeye; damit war die Monarchie abgeschafft. Micombero vereinigte die Posten von Staats- und Regierungschef in den nächsten 10 Jahren in seiner Person. In diese Zeit fallen viele Unruhen und Kämpfe zwischen Hutu und Tutsi, wovon die schwerwiegensten sich 1972 ereignen, denen vermutlich zwischen 100.000 und 300.000 Hutu zum Opfer fielen. Dabei scheint die Armee unter anderem gezielt auf gut ausgebildete Hutu „Jagd“ gemacht zu haben.

Sehr viele Hutu flohen in Nachbarländer, vor allem nach Ruanda und Tansania, aber auch nach Zaire (heute DR Kongo). Sie gründeten dort politische Bewegungen, darunter TABARA, aus der 1980 die PALIPEHUTU hervorging. Diese interpretierte die politischen Konflikte in Burundi rein „ethnisch“, als Repression gegen Hutu und optierte für den bewaffneten Kampf. In den Flüchtlingslagern in West-Tansania wurde der bewaffnete Flügel von PALIPEHUTU ausgebildet. Im Zuge eines Militärputsches gelangte 1976 zunächst Oberst Jean-Baptiste Bagaza (Tutsi), später durch einen neuerlichen Militärputsch 1987 Major Pierre Buyoya (Tutsi) an die Macht. Letzterer ließ 1993 Wahlen zu, die den Hutu Melchior Ndadaye mit der Partei FRODEBU ins Präsidentenamt brachten. Nach dessen Ermordung im gleichen Jahr, die von Ausschreitungen gegen Tutsi wie Hutu und Flucht von 300.000 Hutu begleitet war, trat sein designierter Nachfolger Cyprien Ntaryamira (Hutu) die Präsidentschaft an.

Ntaryamira kam aber im April 1994 bei dem Attentat auf das Flugzeug des ruandischen Staatspräsidenten ums Leben, woraufhin Sylvestre Ntibantunganya (Hutu) Präsident wurde. 1994 kam es zwar zu keinen Ausschreitungen in der Bevölkerung, Ntibantunganya (FRODEBU) wurde aber bereits 1996 durch einen Militärputsch unter Buyoya (Tutsi) gestürzt. Durch internationale Proteste und Boykotte wurde die politische Führung unter Buyoya isoliert und das Land wirtschaftlich stark geschwächt. 1996 wurden schließlich Verhandlungen unter der Führung des tansanischen Präsidenten Julius Nyerere eingeleitet und später unter Vermittlung aus Südafrika (Nelson Mandela u.a.) fortgeführt.

Im Laufe der Jahre hatten sich mehrere Parteien mit bewaffneten Flügeln gebildet (z. B. FRODEBU, PALIPEHUTU-FNL, CNDD-FDD), die die Interessen der Hutu zu vertreten beanspruchten. Sie wurden nach und nach in die Verhandlungen einbezogen, soweit sie dazu bereit waren. Aufspaltungen innerhalb der Rebellengruppen erschwerten den Verhandlungsprozess. In der PALIPEHUTU kam es 1990 nach Konflikten um die Leitung zu einer Abspaltung (FROLINA), sowie 1991 zu Spannungen zwischen der verhandlungsbereiten Führerschaft und einem militanten Flügel und einer Aufspaltung. Mitte der 1990er Jahre kooperierte PALIPEHUTU-FNL mit dem ruandischen Präsidenten Habyarimana im Kampf gegen die Ruandische Patriotische Front in Ruanda und wurde dadurch militärisch gestärkt. Seit 2001 wird PALIPEHUTU-FNL von Agathon Rwasa geführt. Im Dezember 1993 wurde mit Unterstützung der FRODEBU die FDD (Forces pour la Defense de la Democratie) gegründet. Im März 1994 trafen sich Vertreter aller politischen Hutu-Bewegungen in Cibitoke, um ein Gründungsdokument zu unterzeichnen. FRODEBU entschied sich gegen formale Mitgliedschaft, aber für finanzielle Unterstützung. Leonard Nyangoma, ein früherer Minister, gründete im Februar den Conseil National pour la Defense de la Democratie (CNDD), der zum politischen Flügel des FDD wurde und den bewaffneten Kampf als einzige Möglichkeit sah, Hutu an politischer Macht zu beteiligen. Regionalismus und ständige Kämpfe um Führerschaft schwächten den FDD jedoch in der Folge ständig. FDD hatte seine Basen vor allem im Ost-Kongo (Süd-Kivu) und wurde durch den ersten Kongo-Krieg (1996–97) massiv geschwächt.

2000 wurde in Arusha ein Friedensvertrag zunächst vor allem zwischen Vertretern von UPRONA und FRODEBU unterzeichnet. Unter anderem soll eine neue Armee unter Integration von Teilen der Rebellengruppen gebildet werden. Flüchtlinge und intern Vertriebene sollen zurückkehren; Ansprüche auf Besitz geregelt werden. Auf einem regionalen Treffen in Nairobi im November 2000 wurde allen weiter kämpfenden Rebellen (CNDD-FDD, PALIPEHUTU-FNL, u.a. Sanktionen angedroht.

Am 1. November 2001 wurde eine Übergangsregierung maßgeblich aus UPRONA und FRODEBU, aber auch VertreterInnen anderer politischer Parteien (Tutsi wie Hutu) gebildet. In mehreren Parteien sind inzwischen Vertreter aller drei Volksgruppen, wenngleich in unterschiedlichem Verhältnis, vertreten. Eine Friedenstruppe der Afrikanischen Union, später der UN, die vor allem von Südafrika gestellt und geführt wurde, sorgte für eine gewisse Stabilisierung.

Der Präsident von Gabun schaffte es schließlich in zwei Treffen im Jahr 2001 CNDD-FDD und die burundische Übergangsregierung an einen Tisch zu bringen. Nach einem Folgetreffen in Pretoria im gleichen Jahr kam es jedoch zu einer Abspaltung (FDD-CNP unter Nkurunziza) und weiteren Zersplitterungen der Rebellengruppen. Zudem blieb PALIPEHUTU-FNL all diesen Treffen von vornherein fern. Doch im November 2003 konnte nach schwierigen, oft entmutigenden, Verhandlungen sowie Treffen in Tansania und Südafrika endlich ein stabiler Waffenstillstand mit der CNDD-FDD, inklusive seiner wichtigsten Abspaltung CNP (unter Nkurunziza), geschlossen werden.

Der Konflikt in Burundi kostete seit 1993 schätzungsweise 250.000 Menschen das Leben und in den schlimmsten Krisenzeiten waren zirka 1,3 Millionen Menschen intern vertrieben oder ins Ausland geflohen. Das Land ist wirtschaftlich extrem heruntergekommen, so dass es inzwischen laut Welthungerindex das am stärksten von Hunger betroffene Land der Welt ist.

Der Friedensprozess hingegen ermöglichte unter anderem erste Ansätze einer unabhängigen Zivilgesellschaft, die die Parteien und politischen Machthaber kritisch beobachtet und Belange der Bevölkerung voranbringt. Außerdem nährte er die Hoffnungen vieler Burundier, die im Exil lebten, sodass Flüchtlinge begannen, ins Land zurückzukehren. Deren Integration gestaltet sich jedoch schwierig, da Land und Arbeitsstellen sehr knapp sind, was zu erneuten Spannungen und Auseinandersetzungen führt.

Politik

Im August 2005 wurden in Burundi erstmals wieder Wahlen abgehalten, bei denen die CNDD die Mehrheit erhielt und Pierre Nkurunziza neuer Präsident wurde. Die beiden großen Parteien der Übergangsregierung (UPRONA und FRODEBU) wurden – unter anderem wegen Korruption und Vetternwirtschaft – damit von der wählenden Bevölkerung „abgestraft“.

Die neue Regierung bzw. ihre Armee und Palipehutu-FNL bekämpfen sich heftig, wobei die Bevölkerung stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Wiederholte Verhandlungsversuche, wiederum unter südafrikanischer Vermittlung, blieben bislang erfolglos. Innenpolitisch tritt die regierende Partei immer autoritärer auf und beginnt, Kritiker und Konkurrenten immer mehr einzuschüchtern und zu verfolgen.

Von Juni 2004 bis Dezember 2006 befand sich die UN-Mission UNOB in Burundi und wurde durch die BINUB in 2007 ersetzt. Das Mandat läuft bis Ende 2009.[4]

Verwaltungsgliederung

Provinzen von Burundi

Burundi gliedert sich in 17 Provinzen, die nach ihren Hauptstädten benannt wurden. Hauptstadt der Provinzen Bujumbura Mairie und Bujumbura Rural ist jeweils Bujumbura. Die Provinzen teilen sich in 129 Distrikte (communes), diese wiederum sind in Collines (Hügel) unterteilt. Die Provinzen sind:

Wirtschaft

In einem Welthungerindex der Welthungerhilfe steht Burundi auf allerletzter Stelle unter 119 Entwicklungsländern und osteuropäischen Transformationsstaaten. Gründe für den Hunger sind Kriegsfolgen, Übernutzung der Böden, hohe Bevölkerungsdichte und der damit verbundene Landmangel. Letzterer wird durch die Rückkehr von Flüchtlingen noch verschärft.[6]

Landwirtschaft

Irembo-Trommler aus Burundi
Fischer am Tanganjikasee

Burundi ist ein typisches Agrarland. Der Lebensunterhalt von etwa 85 % der Einwohner ist von der Landwirtschaft abhängig. Angebaut werden vor allem Bananen, Maniok, Mais, Süßkartoffeln, Reis und Gemüse, aber auch Hirse ist ein wichtiges Anbauprodukt. Für den Export werden insbesondere Kaffee und Tee angebaut. Kaffee als Cash Crop hatte 1997 mit 78,5% der Exporte den größten Anteil.

Burundi hat einen relativ hohen Viehbestand, doch ist die Produktivität und die Verwertbarkeit gering. Exportiert werden lediglich Häute und Felle von Rindern, Ziegen und Schafen. Fischerei ist möglich vor allem auf dem Tanganjikasee; dem Fischfang kommt angesichts des großen Mangels an eiweißhaltiger Nahrung große Bedeutung zu.

Bodenschätze

Bodenschätze sind vor allem Nickel, Cobalt, Uran, Kupfer, Platin, Vanadium, Gold, Zinn, Kaolin, Niob, Tantal, Wolfram und Kalk.

Staatsausgaben

Anteil der Staatsausgaben zwischen 1992 und 2000 für:

Einzelnachweise

  1. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  2. CIA- The World Fact Book 2008
  3. Botschaft Burundis
  4. UN Security Council 22.12.2008
  5. Welthungerindex der Welthungerhilfe 2007
  6. IRIN News: Burundi: Huge challenges in solving land crisis

Weblinks

-3.666666666666729.8166666666677Koordinaten: 4° S, 30° O


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