Börse München


Börse München
Logo der Börse München

Die 1830 gegründete Börse München (bis 2003 Bayerische Börse) hat seit 2009 ihren Sitz am Karolinenplatz in München. Gehandelt werden Aktien, Investmentfonds, Renten, Exchange Traded Funds und Exchange Traded Commodities. Die Börse München ist Heimatbörse u. a. für die DAX-Aktiengesellschaften BMW, Allianz, Münchener Rück, Infineon, MAN, Siemens und Linde.

Börse München am Karolinenplatz

Inhaltsverzeichnis

Struktur und Organisation der Börse München

Die Börse München ist eine öffentlich-rechtliche Institution, welche als Marktplatz für den Wertpapierhandel fungiert. Die Bayerische Börse AG dient seit 2001 als privatrechtlicher Träger und stellt den Betrieb der Börse sicher. Alleiniger Aktionär der Bayerischen Börse AG ist der Münchener Handelsverein. In diesem sind Emittenten, Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute sowie Skontroführer engagiert. Als Folge können sowohl Marktteilnehmer als auch Kunden Einfluss auf strategische Entscheidungen nehmen.

Organisationsstruktur der Börse München

Börse München in Zahlen

  • 132 Marktteilnehmer (66 Kreditinstitute, 8 Finanzdienstleistungsinstitute, 2 Skontroführer, 29 greenmarket-Teilnehmer, 27 Plus-Europe-Teilnehmer)
  • 11.700 notierte Wertpapiere, davon
    • 4.561 Aktien, davon 3898 aus 61 Ländern
    • 2.713 Renten
    • 3.462 Fonds
    • 450 ETFs / ETCs
    • 55 REITs
    • 754 Unternehmensanleihen

Ablauf des Handels

Durch die Orientierung am Heimatmarkt der Aktien (Referenzmarkt) bekommt der Käufer in München immer den besten am Markt verfügbaren Preis. Als Referenzmarkt dient der Börse München jener Markt im In- und Ausland, an dem der höchste Umsatz in einem Wert getätigt wird. Für die Aktien der Deutschen Bank zum Beispiel ist das Xetra, für Telefonica die Börse Madrid oder die NASDAQ für Dell. Dieser Markt gilt grundsätzlich als der liquideste Markt – mit den engsten Geld-Brief-Spannen. Der Kurs dieses Referenzmarktes ist maßgeblich für die Preisfeststellung in München. Welcher Referenzmarkt für welchen Wert gilt, wird auf den Kursseiten der Börse München veröffentlicht. Die Börse München stellt sicher, dass die Order mindestens so gut ausgeführt wird wie am Referenzmarkt selbst.

Handelssystem MAX-ONE

Der Handel an der Börse München läuft über das System MAX-ONE, welches 2003 eingeführt wurde. MAX-ONE ist ein vollelektronisches Handelssystem, welches alle Orderaufträge automatisch gegeneinander ausführt. Zugleich können sog. Spezialisten (auch Skontroführer) korrigierend in das vollelektronische Matching-Verfahren eingreifen, falls dies zum Vorteil des Anlegers ist. Die Verbindung von vollautomatischen System und klassisch-menschlichen Handel ist das Eigentümliche an MAX-ONE.

Bereits vor Einführung der EU-Richtlinie MiFID (2007) wurden das sog. „Best Execution“ (Bestausführungsprinzip) von MAX-ONE gewährleistet.

Im Einzelnen sind dies folgende Aspekte des Börsenhandels:

  • sofortige Preisfeststellung
  • umfassende Liquidität
  • beste Preise
  • vollständige und unverzügliche Ausführung

Hinzu kommen weitere Leistungen von MAX-ONE:

  • sofortige Preisfeststellung nach dem Referenzmarktprinzip.
  • Anlegerschutz durch Börsenpreise (gesetzlich festgelegt), sowie durch eine Handelsüberwachungsstelle (HÜSt).
  • Handelbare Quotes, welche permanent aktualisiert werden.

In München sind drei Arten von Wertpapierhandel möglich:

  • Continuous Trading: Bei hochliquiden Werten erfolgt die Preisfeststellung vollautomatisch und in Sekundenbruchteilen (automatisches Matching).
  • Continuous Auction: Bei weniger liquiden Werten wird eine elektronische Ausführungsüberwachung mit fortlaufenden Auktionen der Spezialisten kombiniert.
  • Single Auction: Bei illiquiden Werten führen die Spezialisten einmal täglich Auktionen durch. Die Spezialisten veröffentlichen vor Kursfeststellung Preisindikationen.

Spezialisten an der Börse München

Spezialisten sind Wertpapierhandelsbanken, welche nach dem Vorbild der New York Stock Exchange (NYSE) agieren. Sie stellen folgende Leistungen in Verbindung mit MAX-ONE sicher:

  • Vollausführungen der Orders
  • Umfassende Liquidität, auch bei schlechten Marktlagen.
  • Ermittlung des besten Preises anhand von weltweiten Börsenplatzvergleichen

Je weniger Umsatz eines Wertpapiers getätigt wird, also je weniger liquide es ist, desto mehr Bedeutung kommt den Spezialisten zu. Diese stellen verbindliche An- und Verkaufskurse und garantieren so die kontinuierliche und sofortige Handelbarkeit von Wertpapieren. Da sie immer als Gegenpartei eintreten, werden kurzfristige Marktungleichgewichte ausgeglichen.

M:access

M:access ist das Marktsegment der Börse München für mittelständische Unternehmen. Es ist als segmentübergreifender, börsenregulierter Markt konzipiert.

Der Einstieg erfolgt per IPO, Listing oder Wechsel aus einem anderen Segment. Die Zulassungsvoraussetzungen und -folgepflichten sind dabei auf die Bedürfnisse des Mittelstandes abgestimmt.

Die in M:access notierten Unternehmen sorgen ihren Anlegern gegenüber für ein erhöhtes Maß an Transparenz und Sicherheit durch die Übernahme der von der Börse in diesem Segment vorgegebenen Folgepflichten.

Geschichte der Börse München

Die Ursprünge der Börse München reichen zurück ins Jahr 1830, als man im Rahmen der Münchener „Kaufmannsstube“ den geregelten Handel mit Wertpapieren aufnahm. Das anbrechende Industriezeitalter brachte Mobilität – neue Technologien öffnen neue Märkte. Bayern nahm dabei eine führende Rolle ein: Am 7. Dezember 1835 fuhr die erste deutsche Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth; das Bahnnetz wurde bald landesweit ausgebaut. Den Boom dieser Jahre ermöglichte auch die Münchener Börse. Die jungen Unternehmen benötigten Kapital für neue Investitionen und gründeten Aktiengesellschaften, die an der Börse notierten. Damals konnte jeder Anleger noch selbst Orders an der Börse platzieren. Ab 1840 verpflichtet man zunehmend Banken als „Intermediär” zwischen Börse und Anleger.

Im März 1869 gründeten unabhängige Kaufleute den Münchener Handelsverein e.V., der als selbst verwaltete Einrichtung Träger der Münchener Börse wurde. Er stellt den öffentlich-rechtlichen Betrieb der Börse sicher.

Im Jahr 1901 wurden die Räumlichkeiten in der Theatinerstraße/Ecke Maffeistraße zu klein, und die Börse zog in den eigens gebauten Jugendstil-Prachtbau am Maximiliansplatz um. Heute befindet sich dort die Industrie- und Handelskammer München. Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) blieb die Börse geschlossen.

Im Zuge der Gleichschaltung wurde die Münchener Börse 1935 mit der Augsburger Börse zur Bayerischen Börse zwangsfusioniert. In den Kriegsjahren 1939-1945 wurde der Börsenbetrieb nur vom 27. April bis 10. August 1945 unterbrochen. Die Bayerische Börse nahm nach dem Krieg als erste Börse den Handel wieder auf.

Ehemaliges Gebäude der Bayerischen Börse am Lenbachplatz

1963 zog die Börse in den 1898 errichteten Neurenaissance-Bau am Lenbachplatz um, der bis Oktober 2007 ihr Sitz war.

Im Jahr 2000 wurde die Börse neu organisiert und umstrukturiert. Träger der Bayerischen Börse wurde die Bayerische Börse AG, deren alleiniger Aktionär der Münchener Handelsverein bleibt.

Am 2. Mai 2003 startete MAX-ONE, das elektronische Handelssystem der Börse München, mit großem Erfolg. Der neue Slogan der Börse München lautet „Alles fordern. München ordern.“

Am 16. Dezember 2005 feierte die Börse München ihr 175-jähriges Bestehen. Am 2. Mai 2006 startete in MAX-ONE der Handel in 2600 gelisteten Fonds; Anleger können nun auch in München Investmentfonds ohne Ausgabeaufschlag kaufen.

Im Mai 2009 gründete die Bayerische Börse AG, der privatrechtliche Träger der öffentlich-rechtlichen Börse München, gemeinsam mit der FXdirekt Bank die Plattform CONTREX, für die CFDs, Contracts for Difference, gehandelt werden können. Die Transaktionen dieser Hebelprodukte (derivative Anlageprodukte) werden dabei von den Mitarbeitern der Handelsüberwachung (HÜSt) der Börse München überwacht. Im November 2009 startete die Börse München mit greenmarket ein weiteres Segment zum Handel mit Emissions-Zertifikaten (European Union Allowances (EUAs) und Certified Emission Reductions (CERs). In Kooperation mit den Börsen Hamburg und Hannover betreibt die Bayerische Börse AG außerdem noch mit zweitmarkt.de eine eigene Plattform für den Handel mit geschlossenen Fonds - quasi einen "Gebrauchtmarkt" für Fonds.

Zwischen November 2007 und Juni 2009 befand sich die Börse München vorübergehend in den Räumen der Alten Hopfenpost in der Hopfenstraße.

Börse München am Karolinenplatz

Seit Juni 2009 residiert die Börse München direkt am Karolinenplatz in der ehemaligen Hutschenreuther-Villa. Dieses Gebäude wurde 1894 vom Porzellanfabrikanten Viktor Hutschenreuther im Neurenaissance-Stil in Auftrag gegeben, Architekt war Ludwig Deiglmayr.

Die Villa mit der Adresse Karolinenplatz 6 hat eine wechselvolle Geschichte. Nach einem verheerenden Brand im Dezember 1944 wurde das Gebäude in den 1950er Jahren nach damaligem Vorstellungen renoviert. Dies machte vor dem Einzug der Börse München eine komplette Entkernung und völligen Umbau nötig. Das Architekturbüro DBLB aus München konzipierte den Umbau des Gebäudes nach den Bedürfnissen der Börse.

Parallel zum Umzug wurde ein neues Erscheinungsbild und Logo eingeführt.

Weblinks

 Commons: Börse München – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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