Bürgerhaus Spremberg


Bürgerhaus Spremberg
Bürgerhaus Spremberg

Das Bürgerhaus Spremberg ist ein aus dem Umbau eines DDR-Plattenbau entstandenes modernes Gebäude direkt am Marktplatz der Stadt Spremberg. Es zeichnet sich durch moderne, innovative Architektur und effiziente Bewirtschaftung aus. Besonders auffällig und so in Deutschland noch nicht umgesetzt ist, dass Wand- und Dachflächen ineinander übergehen, im selben Material ausgeführt und farblich gleich behandelt sind. [1] Am Umbau des ehemaligen Arbeiterwohnheimes (AWH) zum „Bürgerhaus“ nahm die Bevölkerung auf Grund des sensiblen Standortes in bisher nicht gekannten Ausmaß Anteil.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Arbeiterwohnheim (AWH) 2002

Durch Kriegseinwirkungen und Zerstörung während und nach dem Zweiten Weltkrieg waren 70 Prozent der Bebauung der zur Festung erklärten Stadt Spremberg in Mitleidenschaft gezogen worden. Besonders schwer betroffen davon war der Marktplatz der Stadt. Lediglich die Westseite mit dem dort befindlichen Rathaus und einzelne Gebäude auf der Ostseite des Marktplatzes blieben erhalten. Alle sechs Geschäfts-, und Wohnhäusern, die an der Marktplatz-Südseite, dem jetzigem Standort des Bürgerhauses, standen, fielen dem Krieg zum Opfer. Die meisten anderen Gebäude wurden, bis auf wenige Ausnahmen, abgerissen und vorerst durch großflächige Grünflächen ersetzt.

Durch den Status als Bergbauschutzgebiet, den Spremberg bis etwa 1968 innehatte, waren größer Bauvorhaben eher die Ausnahme als die Regel. Anfang der 1970er Jahre wurde beschlossen, ein neues Verwaltungsgebäude des Kreises Spremberg zu errichten. Da Spremberg zu dieser Zeit Kreisstadt war, fiel die Wahl für die zu bebauende Fläche auf die noch immer unbebaute Südseite des Marktplatzes der Stadt.

Es entstand ein dreigeschossiger rechteckiger Skelettbau mit Fensterbändern und vorgehängter Betonplattenbekleidung, der die gesamte Südseite des Marktplatzes einnahm. 1972 wurde Richtfest gefeiert. Noch vor der endgültigen Fertigstellung des Gebäudes entschied man sich, dieses nicht wie geplant für die Kreisverwaltung zu nutzen, sondern als Arbeiterwohnheim (AWH) für Fachkräfte für die in unmittelbarer Nähe angesiedelten Großbetriebe wie das Gaskombinat Schwarze Pumpe oder dem Bau-, und Montagekombinat Welzow (BMK Welzow). Am 29. April 1974 fand die offizielle Übergabe des AWH statt. In den folgenden Jahren bis in das Jahr 2006 wurde das Gebäude dann auf die unterschiedlichste Weise genutzt. Zuletzt zum Beispiel als Örtliche Zentrale einer großen Volkspartei, als Sportstudio aber auch in Teilen als Fremdenverkehrsbüro der Stadt.

Planung und Bau

Umbau zum Bürgerhaus

Im Jahr 2002 wurde entschieden, die Marktplatz Südseite völlig neu zu gestalten. Ein zunächst erwogener Abriss des bestehenden Gebäudes wurde aus zwei wichtige Gründen dann jedoch nicht weiter verfolgt: Erstens, unter dem Gebäude befanden sich, durch die erste vorgesehene Nutzung, Kellerräume die als Bunker konzipiert und in Teilen so ausgeführt worden sind. Ein Abriss dieser würde nicht nur äußerst zeitintensiv, sondern vor allem kostspielig sein. Zweitens, würde laut der gültigen Förderrichtlinie des Landes Brandenburg lediglich ein Umbau, nicht aber ein Neubau an dieser Stelle gefördert. Im März 2003 wurde die Altstadtsanierungsgesellschaft (ASG) damit beauftragt, eine Quartiersplanung (Umbau AWH, Anlage für einen Bürgergarten, Umgestaltung angrenzende Töpferstraße, Neugestaltung der entstehenden Freiflächen) zu erstellen.

Im Jahr 2004 schrieb die Stadt Spremberg einen bundesweiten Architektenwettbewerb zum Umbau des AWH aus. Die dabei durch eine eigens einberufene Fachjury gekürten Siegerentwürfe stießen dabei jedoch in der Bevölkerung der Stadt auf massive Ablehnung, so dass man sich seitens der Stadt gezwungen sah, den Wettbewerb im November 2005 erneut auszuschreiben. Auch der zweite Wettbewerb war von ähnlichen Problemen wie die vorangegangene Ausschreibung begleitet. Von den letztendlichen drei Siegerentwürfen entsprach keines den gemachten Vorgaben des Auftraggebers, der Stadt Spremberg. Da aber eine erneute Ablehnung auch die Gefahr barg, die Förderung des Landes Brandenburg zu verlieren, entschied die Stadtverordnetenversammlung am 4. Juli 2006, den Entwurf eines regionalen Architektenbüros umzusetzen. Der angesetzte Kostenrahmen sollte ohne nutzungsspezifische Ausbaukosten des Gebäudes und ohne angedachte Freiflächengestaltung 1,65 Millionen Euro betragen.

Bürgerhaus Spremberg 2008

Am 7. März 2007 erhielt die Stadt Spremberg die offizielle Um- und Ausbaugenehmigung für das ehemalige AWH. Am 25. April 2007 war offizieller Baubeginn [2]. Zuerst wurde das bestehende Gebäude vollständig entkernt und das obere Geschoss abgetragen. Bei der Entkernung wurde auf die vorhandene „Kunst am Bau“ nur begrenzt Rücksicht genommen. Während ein am Ostgiebel des Gebäudes angebrachtes großflächiges Emaille-Mosaik des regionalen Künstlers Georgios Wlachopulos geborgen und eingelagert wurde, zerstörte und beseitigte man ein am Ostgiebel angebrachtes Fliesen-Mosaik des regionalen Künstlers Horst Ring unwiederbringlich [3].

Durch den enormen Zeitdruck, gemachte Zugeständnissen, aber auch Planungsfehler kam es während der Bauphase immer wieder zu Kostenerhöhungen der im April 2007 ursprünglich veranschlagten Bausumme (für das Gesamtquartier Bürgerhaus, Bürgergarten und angrenzender Töpferstraße) von 4,4 Millionen Euro. Im November 2007 rechnete man mit 5,6 Millionen Euro, im April 2008 bereits mit 6,2 Millionen Euro[4]. Aber auch völlig unvorhergesehene Dinge brachten den gestellten Zeitplan durcheinander. So musste zum Beispiel die Ausschreibung der Fenster wiederholt werden, da auf die erste Ausschreibung kein Anbieter ein Los abgegebenen hatte.

Am 26. Oktober 2007 wurde Richtfest gefeiert. Am 5. Mai 2008 wurde durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass das ehemalige AWH nach seiner Fertigstellung, dem Willen der Einwohner folgend, Bürgerhaus heißen soll. Am 27. September 2008 wurde das Bürgerhaus mit der 40. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung feierlich eingeweiht. Im Bürgerhaus befinden sich jetzt unter anderem das Bau- und Planungsamt der Stadt, die Touristinformation sowie ein Café.

Sonstiges

Saebisch-Brunnen am Bürgerhaus
  • Um die Akzeptanz in der Bevölkerung zur erhöhen, lobte die Altstadtsanierungsgesellschaft (ASG) Ende 2007 eine Wettbewerb zur Namensfindung für das neu entstehende Gebäude aus. Die Sieger dieses Wettbewerbes sollten zur feierlichen Einweihung des Gebäudes eingeladen werden. Aber selbst dieser Wettbewerb war von Problemen und Kontroversen begleitet und geriet dabei fast zur Farce. Eingebrachte Vorschläge der Bevölkerung versuchten Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung durch eigene kurzfristig eingebrachte Vorlagen zu unterlaufen. Eine Ehrung der Sieger des Wettbewerbes zur Namensfindung fand niemals statt [5]
  • In das unmittelbare Umfeld des Bürgerhauses wurde durch den Architekten der so genannte Saebisch Brunnen (benannt nach seinem Stifter, dem Spremberger Verleger C.F.Saebisch) der um 1930 vom Marktplatz umgesetzt worden war, wieder in das Zentrum der Stadt integriert.
  • Vor ihrer 2. Sitzung im neuen Ratssaal wurden durch Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung Mängel an der technischen Ausstattung den technischen Möglichkeiten sowie an der Enge der Räumlichkeiten in dem von ihnen geforderten und dessen Vorgaben gebauten Ratssaal öffentlich gemacht. Die Sitzungen wurden daraufhin bis zur Beseitigung der Mängel an den alten Sitzungsort, dem Spremberger Bergschlösschen verlegt [6] Am 25. März 2009 kehrte die Spremberger Stadtverordnetenversammlung in den neuen Ratssaal zurück, nachdem für noch einmal 50 000 EUR Unzulänglichkeiten beseitigt und neue Kameratechnik zur Übertragung der Stadtverordnetenversammlungen im örtlichen Stadtkanal installiert wurde.

Einzelnachweise

  1. Mit Farbe Höhe gewinnen. In: LR-Online, 16. Juli 2008
  2. Baustart am AWH In: LR-Online, 26. April 2007
  3. Kunst am Bau In LR-Online, 19. Januar 2008
  4. Bürgerhaus, Kosten steigen weiter In: LR-Online, 4. April 2008
  5. Technisches Rathaus? Bauausschuss-Namenswahl. In: LR-Online, 23. April 2008
  6. Bürgerhaus Spremberg, Rückkehr ins Bergschlösschen. In: LR-Online, 15. Dezember 2008
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