ACURA-Rheumazentrum Baden-Baden

ACURA-Rheumazentrum Baden-Baden
ACURA-Rheumazentrum Baden-Baden
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Trägerschaft ACURA Kliniken Holding GmbH [1]
Ort Baden-Baden
Koordinaten 48° 45′ 51,9″ N, 8° 14′ 49,7″ O48.7644111111118.24715Koordinaten: 48° 45′ 51,9″ N, 8° 14′ 49,7″ O
Leitung * Christoph Fiehn (Ärztlicher Direktor)
  • Bernd Metzler und Elmar Willebrand (Geschäftsführer)
Versorgungsstufe Schwerpunktversorgung
Betten 132
Mitarbeiter 220
davon Ärzte 20
Fachgebiete Innere Medizin/Rheumatologie
Gründung 1890
Website www.acura-kliniken.com

Das ACURA-Rheumazentrum Baden-Baden gehört zu den ACURA-Kliniken GmbH und ist ein Akutkrankenhaus für Innere Medizin/Rheumatologie im Verband rheumatologischer Akutkliniken (VRA) [2]. Die Klinik ist akademisches Lehrkrankenhaus und seit 2004 Kooperationsklinik der Universitätsklinik Heidelberg.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Im Jahre 1890 wurde das Landesbad Baden-Baden als Vorläufer des heutigen ACURA-Rheumazentrum Baden-Baden gegründet. Am Standort des ersten Klinikgebäudes im Bäderviertel der Stadt Baden-Baden und in unmittelbarer Nähe der römischen Badruinen befand sich seit dem Mittelalter das sogenannte Armenbad. Die Klinik wurde mit mehreren Erweiterungsbauten im Jahre 1910 und 1938 vergrößert und war –mit Ausnahme der Nutzung als Lazarett während der Kriege- ein Zentrum für Balneologie (Bäderheilkunde) (Abb.1).

Abb.1: Behandlung von Patienten im Landesbad Baden ca. 1915

In den 1960er-Jahren richtete sich die Klinik immer mehr auf die Behandlung von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen aus (Manz et al. 1990).

Im Jahre 1979 erfolgte ein moderner Neubau mit 2-Bettzimmern sowie Abteilungen für Diagnostik sowie Ergotherapie. Unter Führung des damaligen ärztlichen Direktors Martin  Franke und seinem Nachfolger Ernst-Martin Lemmel wurde die Klinik, welche seither auch akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg ist, zu einem der führenden deutschen Akutrheumakrankenhäuser für internistischen Rheumatologie und physikalische Therapie („Staatliches Rheumakrankenhaus Baden-Baden“). Das Land Baden-Württemberg verkaufte die Klinik im Jahre 1997 an den Krankenhausunternehmer Rüdiger Hurrle, die Klinik firmierte seither als Rheumazentrum Baden-Baden GmbH.

Im Jahre 2003 erfolgte der erste Kooperationsvertrag mit der Universitätsklinik Heidelberg und die Gründung der Psychosomatischen Klinik im Rheumazentrum Baden-Baden mit dem Ärztlichen Direktor Wolfgang Eich. In einem zweiten Kooperationsvertrag erfolgte 2004 die Berufung von Christoph Fiehn zum Chefarzt des Rheumazentrums und mit Unterstützung des Rheumazentrums Baden-Baden die Gründung einer Sektion Rheumatologie an der Universitätsklinik Heidelberg. Dessen Leiter Hanns-Martin Lorenz wurde gleichzeitig zum medizinisch-wissenschaftlichen Leiter des Rheumazentrums Baden-Baden berufen. Eine fächerübergreifende Station der Rheumatologie und der Psychosomatischen Klinik („Interdisziplinäre Schmerzstation“), überwiegend für Patienten mit Fibromyalgie, wurde gegründet. Die Klinik wurde zu einem ambulanten Zentrum mit Integration von bis zu sechs Facharztpraxen im Gebäude und 2006 der Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) mit der Aufnahme von weiteren vier Praxen erweitert.

In diese Jahre fällt eine Stärkung der wissenschaftlichen Ausrichtung der Klinik mit Gründung einer Ambulanz für klinische Studien und Publikation einer Vielzahl von wissenschaftlichen Arbeiten in internationalen Fachzeitschriften und Buchbeiträgen vor allem zum Thema der Therapie der rheumatoiden Arthritis mit Biologika sowie Methotrexat (Fiehn et al. 2008 und 2009).

Im Jahre 2008 wurde die Klinik an die ACURA Kliniken Holding GmbH verkauft.

2009 wurden ein Magnetresonanztomograph (MRT) und ein Computertomograph (CT) in der an die Klinik angeschlossenen Radiologiepraxis aufgestellt. Darüber hinaus erfolgte 2010 die Gründung einer Belegarztambulanz für Rheumatologie als Ergänzung der vorher bestehenden konsiliarischen Ermächtigungsambulanz für gesetzlich-versicherte Patienten. Durch diese infrastrukturellen Verbesserungen, den wachsenden wissenschaftlichen Ruf und die Umstellung auf die neue fallpauschalisierte Krankenhausfinanzierung (Roeder et al. 2002) (DRG) 2004–2006 wurde die Bedeutung des Rheumazentrum Baden-Baden als rheumatologisches Akutkrankenhaus in Deutschland gefestigt.

Architektur

Abb.2: Postkartenansicht des Landesbades Baden ca. 1900

Die Klinik wurde in drei größeren Bauabschnitten im Herzen von Baden-Baden errichtet. Der 1890 von Josef Durm im Gründerstil errichtete Bau (Abb.2) steht im Zentrum des Komplexes. Im Osten, in Nachbarschaft zur Caracalla Therme, steht der Anbau von 1938, welcher heute die Psychosomatische Klinik beherbergt. Westlich in das Rotenbachtal wurde 1979 der Hauptbettentrakt des Rheumazentrums errichtet (Abb.3).

Abb.3: Der Bettentrakt des ACURA Rheumazentrums Baden-Baden im Jahre 2009

Medizinische Ausrichtung

Multimodale rheumatologische Komplexbehandlung

Die fächerübergreifende Therapie von Patienten mit schweren rheumatologischen Erkrankungen, insbesondere der rheumatoiden Arthritis, ist seit Gründung des Akutrheumakrankenhauses im Jahre 1979 der wichtigste medizinische Schwerpunkt der Klinik und wurde in Baden-Baden wesentlich mitentwickelt (Lakomek et al. 2002). Diese beinhaltet neben medikamentöser Therapie außerdem Physiotherapie und physikalische Medizin, Ergotherapie und klinische Psychologie sowie die enge Kooperation mit anderen medizinischen Fachgebieten wie z. B. Orthopädie, Handchirurgie, Angiologie u.v.m. als Teil eines stationären Behandlungskonzepts.

Diese multidisziplinäre Therapie ist inzwischen in den Leitlinien zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis (Schneider et al. 2005), der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankung wie auch der ankylosierenden Spondylitis fest verankert. Als „multimodale rheumatologische Komplexbehandlung“ hat diese Behandlungsform auch im Fallpauschalenvergütungskatalog (DRG) der stationären Behandlung Eingang gefunden (Lakomek et al. 2005). Das ACURA-Rheumazentrum Baden-Baden führte seit Einführung der DRG im Jahre 2006 jeweils bei >50% der stationären Patienten diese multimodale rheumatologische Komplexbehandlung durch.

Biologika und disease modifying antirheumatic drugs (DMARD)

Im letzten Jahrzehnt ist darüber hinaus noch die Erforschung und Etablierung moderner Therapiestrategien vor allem mit Biologika (z. B. TNF-alpha-Hemmer u. a.) zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis und anderer entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, wie dem systemischen Lupus erythematodes (SLE) dazugekommen. Meilensteine waren die Gründung einer Ambulanz für klinische Studien am ACURA Rheumazentrum Baden-Baden im Jahre 2005 an der z.B. Zulassungsstudien für das Biologikum Tocilizumab durchgeführt wurden (Smolen et al. 2008), sowie verschiedene wissenschaftliche Publikationen z. B. zu Rituximab (Fiehn 2010) oder albumin-gekoppeltem Methotrexat (Fiehn et al. 2008 und 2009) als Weiterentwicklung des wichtigsten Basismedikaments (disease modifying antirheumatic drug= DMARD) zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis.

Schwerpunkte des ACURA-Rheumazentrums Baden-Baden

Qualitätsprojekte, Auszeichnungen und externe Förderung

Das ACURA-Rheumazentrum Baden-Baden nimmt seit 2004 an dem benchmarking-Qualitätsprojekt obra (outcome benchmarking rheumatologischer Akutkliniken)teil (Siehe: Projektbericht obra) des Verbandes der rheumatologischen Akutkliniken (VRA) teil. Dabei werden neben regelmäßigen Patientenbefragungen auch Messungen der Ergebnisqualität der Behandlung der rheumatoiden Arthritis durchgeführt, ausgewertet und in einem benchmarking-Prozess mit anderen teilnehmenden Kliniken bearbeitet. Das Ziel ist es eine kontinuierlichen Qualitätsverbesserung der teilnehmenden Kliniken zu erreichen.

Im Jahre 2009 wurde am ACURA-Rheumazentrum Baden-Baden erstmals in Deutschland der von der Rheumaakademie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie zertifizierte Fortbildungsgang „Rheumatologische Fachassistenz –stationäre Pflege“ durchgeführt. Diese Ausbildung zur „Rheumakrankenschwester“ kann seither wechselnd in Deutschland an verschiedenen Orten absolviert werden [3].

Im Jahre 2009 wählte ein vom Axel-Springer-Verlag eingesetztes Gremium das ACURA-Rheumazentrum Baden-Baden zu den 50 besten Kliniken Deutschlands (Geraedts & Stötzner). Darüber hinaus wurde es 2009 in die Auswahlliste für den Qualitätsförderpreis Gesundheit des Landes Baden-Württemberg [4] aufgenommen. Seit 2010 wird das ACURA-Rheumazentrum Baden-Baden durch das Interreg-Programm der Europäischen Kommission gefördert (Projekt „Lupusregister Oberrhein“).

Zahlen, Daten, Fakten

Ärztliche Direktoren seit 1945

  • W.H. Fähndrich 1946–1967
  • Martin Franke 1967–1986
  • Ernst-Martin Lemmel 1986–1997
  • Bernhard Lang 1997–2003
  • Christoph Fiehn seit 2004

Mitarbeiter

ca. 220, davon 20 Ärzte, ca. 60 Pflegekräfte, ca. 20 Physiotherapeuten, 4 Röntgen-technische Assistenten (RTA), 3 medizinisch-technische Assistenten (MTA), 10 Psychologen, 2 Ergotherapeuten, 1 Sozialarbeiterin

Stationäre Behandlung

Bettenanzahl (nach Landesbettenplan): 132 (+44 ACURA-Psychosomatische Klinik)

Stationäre Fälle 2010: 2185 (+ ca. 920 ACURA-Psychosomatische Klinik)

Multimodale Komplexbehandlungen 2010 (DRG I97Z): ca. 1200

Häufigste Diagnose: rheumatoide Arthritis

Einzugsgebiet: Region Baden-Baden und Karlsruhe (ca. 30%) sonstiges Baden-Württemberg (ca. 60%) und andere Bundesländer (ca. 10%)

Zuweiser: Internistische Rheumatologen (ca. 40%), Allgemeinärzte und Internisten (ca. 35%), Orthopäden (ca. 20%)

Rheumaambulanz

Fallzahl 2010: insgesamt ca. 4000 Pat./Jahr

Spezialsprechstunden: Biologikasprechstunde und Infusionsambulanz, Systemischer Lupus erythematodes u.a. Kollagenosen, Spondyloarthritiden und chronische Schmerzstörungen

Ambulanzstrukturen

Privatambulanz

Rheumatologische Belegarztambulanz

Ermächtigungsambulanz

MVZ Physikalische Therapie

Diagnostik

Röntgen, Sonographie und Dopplersonographie, Echokardiographie, klinisches Labor und Autoimmunlabor, Knochendichtemessung (DXA), Lungenfunktion mit CO-Diffusionsmessung (Bodyplethysmographie), Endoskopie und Elektrophysiologie. Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) im Gebäude.

Quellen

  • C. Fiehn: The future of folic acid antagonist therapy in rheumatoid arthritis. In: Arthritis Rheumatism. 60, Nr. 1, 2009, S. 1-4
  • C. Fiehn, F. Kratz, G. Sass, U. Muller-Ladner, E. Neumann: Targeted drug delivery by in vivo coupling to endogenous albumin: an albumin-binding prodrug of methotrexate (MTX) is better than MTX in the treatment of murine collagen-induced arthritis. In: Annals of the Rheumatic Disease. 67, Nr. 8, 2008, S. 1188–1191, PMID 18408252.
  • C. Fiehn: Die schwierige Therapieentscheidung: Rituximab zur Behandlung von RA-Patienten mit hohem Infektionsrisiko.In: MedReview 11, Nr. 12, 2010, S. 10-11 [ISSN 1615-8496]
  • M. Geraedts & K. Stötzner: Die besten Krankenhäuser Deutschlands In: HÖRZU, Nr. 20, 2009, S. 7-11
  • H.-J. Lakomek, W. Fiori, K. Buscham, J. L. Hülsemann und N. Köneke: Die multimodale rheumatologische Komplexbehandlung (OPS 8-983). Herausforderungen, Lösungen und Perspektiven. In: Zeitschrift für Rheumatologie. 64, Nr. 8, 2005, S. 557–563, doi:10.1007/s00393-005-0783-8.
  • H.-J. Lakomek, G. Neeck, B. Lang und J. Jung: Strukturqualität akut-internistischer rheumatologischer Kliniken – Projektgruppenarbeit des VRA. In: Zeitschrift für Rheumatologie. 61, Nr. 4, 2002, S. 405–414, doi:10.1007/s00393-002-0429-z.
  • G. Manz (Hrsg.): Staatliches Rheumakrankenhaus Baden-Baden. Festschrift zum 100jährigen Jubiläum. Eigenverlag, Baden-Baden 1990
  • Projektbericht obra - Outcome benchmarking in der Rheumatologischen Akutversorgung. Schüling Verlag, Münster 2007, ISBN 978-3-86523-077-5.
  • N. Roeder, W. Fiori, J.L. Hülsemann, N. Könecke und H. Lehmann: Rheumatologie im G-DRG-Fallpauschalensystem. In: Zeitschrift für Rheumatologie. 63, Nr. 1, 2004, S. 43–56, doi:10.1007/s00393-004-0578-3.
  • M. Schneider M, M. Lelgemann, H.-H. Abholz: Interdisziplinäre Leitlinie-Management der frühen Arthritis. Steinkopff Verlag, Darmstadt 2005, ISBN 3-7985-1497-6
  • J.S. Smolen, A. Beaulieu, A. Rubbert-Roth et al.: Effect of interleukin-6 receptor inhibition with tocilizumab in patients with rheumatoid arthritis (OPTION study): a double-blind, placebo-controlled, randomised trial. In: Lancet. 22, Nr. 371, 2008, S. 987–997, PMID 18358926.

Einzelnachweise

  1. E-Bundesanzeiger
  2. Verband Rheumatologischer Akutkliniken: Baden-Württemberg
  3. www.rheumaakademie.de
  4. Qualitätsförderpreis

Weblinks


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