Abdrift (Pflanzenschutz)


Abdrift (Pflanzenschutz)
Spritze um 1958 mit sehr hoher Abdrift

Abdrift bedeutet im Pflanzenschutz das Abtreiben vom Zielbereich und somit das Verlorengehen von Teilen der Pflanzenschutzbrühe während der Ausbringung.

Inhaltsverzeichnis

Mögliche Ursachen

Für Abdrift von Pflanzenschutzbrühe gibt es diverse, vor allem technische und meteorologische Ursachen:

  • Tropfengröße: Die Tropfengröße ist der relevanteste Einflussfaktor. Wird eine Flüssigkeit mithilfe einer Düse verteilt, entstehen verschiedene Tropfengrößen. Insbesondere die kleineren Tropfen sind diejenigen mit der höchsten Abdriftgefahr. Je kleiner die Düse gewählt wird und je höher der Spritzdruck und somit der Ausstoß je Sekunde ist, desto kleiner fallen die Tropfen in der Regel aus.
  • Spritzhöhe: Der optimale Abstand der Düse zur Zielfläche wird vor allem durch den Austrittswinkel der Düse bestimmt. In der Regel besitzen heutige Düsen einen Spritzkegel von 120 Grad. Bei solchen Düsen wird ein Abstand von etwa 50 cm zur Zielfläche empfohlen, bei 80-Grad-Düsen sind es 75 cm Abstand.
  • Fahrgeschwindigkeit: In der Regel sollten Fahrgeschwindigkeiten von 6 bis 8 km/h nicht überschritten werden. Ansonsten gehen vor allem die kleineren Tropfen nicht mehr sicher zu Boden, sondern verwirbeln sich hinter der Spritze.
  • Windgeschwindigkeit: Bei Windgeschwindigkeiten über 3m/s sollte Pflanzenschutz nach Möglichkeit unterbleiben, bei Windgeschwindigkeiten über 5 m/s ist eine Behandlung nicht mehr vertretbar.
  • Temperatur: Bei Temperaturen über 20° C und niedriger Luftfeuchtigkeit ist die Gefahr der Verdunstung besonders groß. Pflanzenschäden treten ebenfalls auf, da die kalte Spritzbrühe von den in der Sonne befindlichen Blättern nicht vertragen wird. Zudem wirken die Tropfen als Brennglas für die Sonnenstrahlen, wodurch es zu punktuellen Schäden kommen kann[1].
  • Wasseraufwandmenge: Bei den Wasseraufwandmengen geben Pflanzenschutzmittelhersteller Hinweise auf die optimale Wasseraufwandmenge. Wird diese Menge unterschritten, wird auch der Anteil Pflanzenschutzmittel, der von Abdrift betroffen ist, höher. Zudem müssen wegen der geringeren Aufwandmenge kleinere Düsen verwendet werden, was ebenfalls die Abdrift erhöhen kann.

Folgen der Abdrift

Das Herbizid welches auf dem linken Acker angewendet wurde ist teils auf das Getreidefeld rechts abgedriftet und hat dort Pflanzen zerstört
  • Schäden an empfindlichen Nachbarkulturen können auftreten. So werden Zuckerrüben regelmäßig durch den Wirkstoff MCPA geschädigt oder vollständig zerstört, wenn es bei der Distelbekämpfung in benachbartem Getreide eingesetzt wird. Insbesondere wenn biologisch bewirtschaftete Flächen getroffen werden, ist das Schadensausmaß groß, falls die Partie nicht als biologisch erzeugt anerkannt wird.
  • Gewässer können kontaminiert werden.
  • Tiere und Menschen können durch Abdrift belästigt oder geschädigt werden.
  • Durch die Zufallsverteilung kommt es zu kleinflächigen Über- und Unterdosierungen. Bei Herbizidausbringung kann es durch Überdosierung zu Schäden an der Kultur selbst kommen. Resistenzen von nicht ausreichend getroffenen Schadorganismen können die Folge von Unterdosierungen sein.

Möglichkeiten der Abdriftminimierung

Luftinjektordüsen

Abdriftminderungsklassen Feldbau

Pflanzenschutzdüsen werden nach Abdriftminderungsklassen eingeteilt: Je nach Düsenbauart, Druck, Wasseraufwandmenge und Fahrgeschwindigkeit können Düsen mit 50 %, 75 % oder mit 90 % Abdriftminderung eingesetzt werden.[2] Abstandsauflagen zu z.B. Gewässern sind teils abhängig von der Abdriftminderungsklassen; je höher die Abdriftminderung, desto geringer kann der nicht behandelte Streifen ausfallen. Nachteilig kann es je nach Düse sein, dass das Tropfenspektrum sehr groß wird und damit die Benetzung der Zielpflanzen leidet.[3]. Insbesondere Luftinjektordüsen haben teils Probleme mit der biologischen Wirksamkeit [4].

Zeitpunkt der Applikation

In den Morgen- und Abendstunden sind die Temperaturen gemäßigt, und teils legt sich auch der Wind ein wenig. Moderne Techniken wie GPS-gesteuerte Teilbreitenschaltung und Einzeldüsenbeleuchtung machen Behandlungen in der Dunkelheit einfacher. In der Bevölkerung hört man öfters die These Die Bauern spritzen nachts, weil sie dann die verbotenen Mittel verteilen. Es ist jedoch genau umgekehrt: Gerade diejenigen Landwirte spritzen in der Dunkelheit, welche die positiven Effekte wie Windstille während der Dämmerung ausnutzen.

Verzicht auf Flugzeugbehandlungen

Behandlung von Weinreben in den 1950er Jahren

Durch die enorme Flughöhe und Geschwindigkeit sind Sprühflugzeuge äußerst kritisch zu sehen und werden in der deutschen Praxis regulär nur noch für Behandlungen von Waldflächen eingesetzt.[5]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. blumen-garten-pflanzen.de
  2. LWK NRW Abdriftminderungsklassen
  3. Lanuv NRW Tropfenspektrum verschiedener Düsen (Tabelle 16)
  4. Hardi GmbH, Graphik auf Seite 2 sowie Seite 5 zur biologischen Wirksamkeit verschiedener Düsenarten
  5. JKI, Seite 56

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