Adolf Gärtner

Adolf Gärtner

Adolf Gärtner (* 24. Juli 1870 in Berlin; † unbekannt[1]) war ein deutscher Filmregisseur.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gärtner hatte nach seinem Abitur seit Beginn der 1890er Jahre ohne größeren Erfolg zunächst als Schauspieler, später auch als Regisseur am Theater gearbeitet, ehe er 1910 zur bis dahin kaum entwickelten Kinoindustrie stieß. Der Filmpionier und Produzent Oskar Messter verpflichtete den 40-Jährigen als einen seiner Hausregisseure. Bis 1913 inszenierte Adolf Gärtner eine Fülle von Dramen und Melodramen, oftmals nach Manuskripten der ehemaligen Operettensängerin Luise del Zopp. In den Hauptrollen konnte man die frühen Messter-Stars Henny Porten, Hugo Flink, Friedrich Zelnik, Robert Garrison und Erich Kaiser-Titz sehen. An der Kamera dieser meist noch recht kurzen Inszenierungen stand häufig der nachmals bekannte Filmregisseur Carl Froelich.

Im Frühjahr 1913 lief sein Vertrag mit Messter aus, und Gärtner fand erst im Laufe des Ersten Weltkriegs wieder Arbeit hinter der Kamera, als Angestellter der Produktionsfirma von Ernst Reicher, dem Darsteller des Privatdetektivs Stuart Webbs in der gleichnamigen Kriminalfilm-Reihe (Der gestreifte Domino, Die Toten erwachen, Das Mitternachtsschiff, Der Brieföffner, Der Hilferuf, Die Reise ins Jenseits, Die Peitsche, Gräfin de Castro).

1917 und 1919/20 drehte Gärtner einige Filme mit dem Bühnenstar Albert Bassermann, in der Zwischenzeit brachte er die 16-jährige Nachwuchskünstlerin Eva May in seiner Inszenierung Erträumtes groß heraus. 1920/21 stellte er im Auftrag der Schauspielerin/Produzentin Ellen Richter einige Melodramen (Fahrendes Volk), Dramen (Sizilianische Blutrache), Sensations- (Zehn Milliarden Volt, Die Abenteurerin von Monte Carlo) und Historienfilme (Maria Tudor, Napoleon und die kleine Wäscherin) her. Nachdem Ellen Richter seit 1922 ihren Ehemann Willi Wolff mit der Regie zu ihren Filmen betraut hatte, fand Adolf Gärtner keine Beschäftigung mehr als Regisseur. Seine Abschiedsvorstellung gab er 1925 mit Die Zirkusprinzessin, einem Film, mit dem die 16-jährige Zirkuskunstreiterin Cilly Feindt dem Kinopublikum vorgestellt wurde. Danach verliert sich seine Spur.

Der seit 1907 verheiratete Gärtner war einer der produktivsten Regisseure seiner Zeit, des frühen Stummfilms. Zu zwanzig seiner Inszenierungen soll er auch das Drehbuch (mit)geschrieben haben. In einer 1925/26 für das Lexikon des Films abgegebenen Stellungnahme erklärte er: „Im ganzen habe ich wohl ca. 100 Filme inszeniert, denn ich bin seit 15 Jahren Filmregisseur. Es hat wohl kein einziger auch nur annähernd diese hohe Zahl erreicht.“

Filme als Regisseur

  • 1910: Friedel, der Geiger
  • 1911: Das gefährliche Alter
  • 1911: Künstlerliebe
  • 1911: Ein Duell ohne Zeugen
  • 1911: Im Scheunenviertel
  • 1911: Tragödie eines Verräters
  • 1911: Renate
  • 1911: Das Glöckchen des Glücks
  • 1911: Des Künstlers Untergang
  • 1911: Edelmut unter Feinden
  • 1911: Das Adoptivkind
  • 1911: Das Barmädel
  • 1911: Tragödie eines Streiks
  • 1911: Der Müller und sein Kind
  • 1911: Ein Fehltritt
  • 1911: Die schlechte Zensur
  • 1911: Maskierte Liebe
  • 1911: Adressatin verstorben
  • 1911: Im Glück vergessen
  • 1912: Des Lebens Würfelspiel
  • 1912: Quälendes Dasein
  • 1912: Schatten des Lebens
  • 1912: Ein Ehrenwort
  • 1912: Komtesse Seerose
  • 1912: Ein Maskenscherz
  • 1912: Eines Mutters Opfer
  • 1912: Die Toten schweigen
  • 1912: Königin der Nacht
  • 1912: Der weiße Schleier
  • 1912: Des Pfarrers Töchterlein
  • 1913: List gegen List
  • 1913: Des Meeres Sühne
  • 1915: Der gestreifte Domino
  • 1915: Die Toten erwachen
  • 1915: Das Mitternachtsschiff
  • 1916: Der Brieföffner
  • 1916: Der Hilferuf
  • 1916: Die Reise ins Jenseits
  • 1916: Die Peitsche
  • 1916: Gräfin de Castro
  • 1917: Der eiserne Wille
  • 1917: Du sollst keine anderen Götter haben
  • 1917: Herr und Diener
  • 1917: Die Glocken der Katharinenkirche
  • 1918: Erträumtes
  • 1918: Zwischen zwei Welten
  • 1919: Der Gattestellvertreter
  • 1919: Der letzte Zeuge
  • 1919: Eine schwache Stunde
  • 1920: Die Stimme
  • 1920: Die Söhne des Grafen Dossy
  • 1920: Maria Tudor
  • 1920: Mitternachtsbesuch
  • 1920: Der Funkenruf der Riobamba
  • 1920: Sizilianische Blutrache
  • 1920: Die Fürstin Woronzoff
  • 1920: Napoleon und die kleine Wäscherin, 2 Teile
  • 1920: Zehn Milliarden Volt
  • 1921: Fahrendes Volk
  • 1921: Das Rätsel der Sphinx
  • 1921: Die Abenteurerin von Monte Carlo, 3 Teile
  • 1925: Die Zirkusprinzessin

Literatur

  • Kurt Mühsam / Egon Jacobsohn: Lexikon des Films. Verlag der Lichtbildbühne, Berlin 1926
  • Hans Richter (Hrg.): Filmstern 1922. Hans Hermann Richter Verlag, Berlin-Wilmersdorf 1921/22

Einzelnachweise

  1. In anderen Quellen kursierende Lebensdaten (z. B. in der IMDb: * 24. März 1879 in Berlin; † 9. Januar 1958 in Los Angeles) sind unzutreffend und beziehen sich auf einen amerikanischen Filmverleiher und Gelegenheitsproduzenten namens Adolph Gartner.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужна курсовая?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Gärtner (Begriffsklärung) — Gärtner bezeichnet: einen Beruf bzw. historisch den mitteldeutschen Kleinbauern, siehe Gärtner Gärtner ist der Familienname folgender Personen: Adolf Gärtner (1870–??), deutscher Filmregisseur Andreas Gärtner (sorbisch Handrij Zahrodnik;… …   Deutsch Wikipedia

  • Adolf Schröter — (* 9. Januar 1904 in Frankfurt (Oder); † 18. Oktober 1997 in Marburg) war ein deutscher Porträt und Landschaftsmaler, Druckgrafiker und Kunsterzieher. Leben Am Beginn des Berufswegs Adolf Schröters stand eine vierjährige Ausbildung in Lithografie …   Deutsch Wikipedia

  • Adolf Ahrens (Bremen) — Adolf Ahrens (* 17. September 1879 in Geestemünde; † 21. Januar 1957 in Bremen) war Kapitän und Kommodore sowie ein deutscher Politiker. Inhaltsverzeichnis 1 Biografie 2 Literatur 3 …   Deutsch Wikipedia

  • Adolf Kleimann — (* 1825; † 1911) war Gärtnereibesitzer, Stadtrat und Ehrenbürger der Stadt Münster. Kleimann war langjährig unter anderem als Stadtrat und in weiteren Ehrenämtern für die Stadt Münster tätig. Nach Plänen, die Kleimann um 1900 entworfen hatte,… …   Deutsch Wikipedia

  • Adolf Kowallek — Kowalleks Grabplatte auf dem von ihm mitgestalteten Kölner Südfriedhof Adolf Kowallek (* 27. Dezember 1852 in Wongrowitz/Posen; † 16. Mai 1902 in Köln) war ein deutscher Gartenarchitekt. Adolf Kowallek, Sohn eines Landgerichtsrates, erhielt seine …   Deutsch Wikipedia

  • 1e division SS Adolf Hitler — Waffen SS Waffen SS Emblème de la SS Période 1939 – 1945 Pays Allemagne et autres pays d Europe Allégeance …   Wikipédia en Français

  • Gustav Adolf Wayss — (* 16. Oktober 1851 in Mühlhausen an der Enz, Württemberg; † 19. August 1917 in Waidhofen an der Ybbs, Niederösterreich) war ein Bauingenieur, ein Pionier des Eisen und Stahlbetonbaus und Mitbegründer der Bauunternehmen Beton und… …   Deutsch Wikipedia

  • Carl Adolf Terscheck — Carl Adolph Terscheck Carl Adolph Terscheck (* 2. April 1782 in Elsterwerda; † 22. Juni 1869 in Dresden) war ein sächsischer Botaniker und Mitbegründer des Botanisch …   Deutsch Wikipedia

  • Carl Adolf Terschek — Carl Adolph Terscheck Carl Adolph Terscheck (* 2. April 1782 in Elsterwerda; † 22. Juni 1869 in Dresden) war ein sächsischer Botaniker und Mitbegründer des Botanisch …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Regisseure des deutschsprachigen Films — Die meisten der hier aufgeführten Filmregisseure waren in mehr als einem Zeitabschnitt in den verschiedenen deutschen Staaten aktiv. Eingeordnet sind sie dort, wie sie ihren ersten langen deutschen Kinofilm in eigener Regie gedreht haben. Die… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”