Aktive Maßnahmen


Aktive Maßnahmen

Aktive Maßnahmen (englisch active measures, russisch Активные мероприятия, wiss. Transliteration aktivnye meroprijatija) ist in Begriff der Sprache der Geheimdienste aus der Zeit des Kalten Krieges. Der Begriff wurde vom sowjetischen KGB eingeführt für geheimdienstliche Aktionen, mit deren Hilfe das Weltgeschehen beeinflusst werden sollte.[1]

Es wurde unterschieden zwischen verdeckten und offenen aktiven Maßnahmen, sowie zwischen gewaltfreien Aktionen und solchen in denen auch Gewalt gegen einzelne Personen zur Anwendung kam. Letztere wurden auch als Spezialaktionen bezeichnet. Gewaltfreie aktive Maßnahmen wurden hauptsächlich dazu eingesetzt, um den Klassenfeind - insbesondere die USA - durch gezielte Aktionen vor der Weltöffentlichkeit in Misskredit zu bringen. Der KGB versuchte Agenten zu rekrutieren, die in den jeweiligen Ländern politischen oder journalistischen Einfluss ausüben konnten, um eine für die Sowjetunion günstige Berichterstattung in den Medien zu bewirken. Mittel von aktiven Maßnahmen waren Desinformation, Verschwörungstheorien, Propaganda und die Diskreditierung einzelner Personen.

Der Begriff aktive Maßnahmen bekam besonders in den 1960er Jahren Bedeutung, als die Sowjetunion versuchte durch subtilere Mittel als militärische Gewaltandrohung Einfluss auf das Ausland auszuüben. Dieser Richtungswechsel wurde vor allem durch die Absetzung von Wladimir Semitschastny und die Bestellung von Juri Andropow als neuen KGB-Chef im Mai 1967 eingeleitet. Zuständig für aktive Maßnahmen war die fünfte Hauptverwaltung des KGB.[2]

In der DDR war im Ministerium für Staatssicherheit die Hauptverwaltung A (HV A) für „aktive Maßnahmen“, besonders in Westdeutschland, zuständig.[3]

Bekannte Beispiele

  • Im Dezember 1963 streute der KGB Gerüchte, dass der Öltycoon H. L. Hunt hinter der Ermordung des Präsidenten John F. Kennedy im Monat davor gesteckt habe. Dieser soll mit zwei befreundeten rassistischen Unternehmern den Anschlag geplant und finanziert haben und über Jack Ruby den eigentlichen Attentäter Lee Harvey Oswald engagiert haben. Sowjetische Medien behaupteten über einen polnischen Informanten davon erfahren zu haben. Hunt war in den Jahren vor dem Anschlag in der amerikanischen Öffentlichkeit immer wieder durch harte Statements aufgefallen, weshalb dieser Theorie teilweise Glauben geschenkt wurde.[4]
  • Eine gegen die liberale kanadische Regierung gerichtete aktive Maßnahme löste 1966 die Munsinger-Affäre aus, die das kanadische Parlament über Wochen paralysierte.
  • Während des Vietnamkrieges benutzte der KGB das von ihm verdeckt finanzierte World Peace Council in Helsinki, um das Bild der Weltöffentlichkeit in seinem Sinne gegen die USA zu wenden.[5]
  • Im Jahr 1984 versuchte der KGB durch eine weltweite aktive Maßnahme den amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan zu diskreditieren, um so seine Wiederwahl zu verhindern, was jedoch scheiterte.
  • Im Zuge der Machtkämpfe in Polen in den 1980er Jahren zwischen Kommunisten und der Reformbewegung versuchte der KGB im Jahr 1985 den damaligen Papst Johannes Paul II. zu diskreditieren.
  • Im Jahr 1987 lancierte der KGB einen gefälschten Brief des damaligen CIA-Chefs William Casey, um den indischen Premierminister Rajiv Gandhi zu diskreditieren.

Einzelnachweise

  1. R. C. S. Trahair: Encyclopedia of Cold War espionage, spies, and secret operations, Greenwood Publishing Group, 2004, ISBN 978-0-313-31955-6 (Englisch, S. 391)
  2. Stefan Karner: Prager Frühling: Beiträge, Böhlau Verlag Köln Weimar, 2008, ISBN 978-3-412-20207-1 (Seite 58/59)
  3. Hubertus Knabe, Bernd Eisenfeld: West-Arbeit des MfS, Kapitel 5.1 Auslandsspionage und „aktive Maßnahmen“ in der Bundesrepublik - Hauptverwaltung A, Ch. Links Verlag, 1999, ISBN 978-3-86153-182-1 (S. 133ff)
  4. R. C. S. Trahair: Encyclopedia of Cold War espionage, spies, and secret operations, Greenwood Publishing Group, 2004, ISBN 978-0-313-31955-6 (Englisch, S. 148/149)
  5. R. C. S. Trahair: Encyclopedia of Cold War espionage, spies, and secret operations, Greenwood Publishing Group, 2004, ISBN 978-0-313-31955-6 (Englisch, S. 339)

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