American Relief Administration Food Remittance Package


American Relief Administration Food Remittance Package

Ein American Relief Administration Food Remittance Package (Lebensmittelüberweisungspaket der Verwaltung des Amerikanischen Hilfswerks) war in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg die Bezeichnung für ein Lebensmittelpaket der American Relief Administration (A.R.A.). In der Republik Österreich wurde auch die Bezeichnung „Dollarpaket“ verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Die Rahmenbedingungen

Drei bis vier Millionen Familien in den Vereinigten Staten hatten 1919 verwandtschaftliche Bindungen an Europa, das von einer Lebensmittelknappheit betroffen war. Direkte persönliche Unterstützung war oft der erste Gedanke, doch waren die Währungen besonders in den besiegten Ländern zerrüttet, Nahrungsmittel gegen harte Währungen nur zu stark überhöhten Preisen erhältlich und die Verschiffung von amerikanischem Gut nur zu Frachtkosten, die dem Wert des Paketinhalts gleich kamen, möglich. Zudem konnte das Paket kurz vor dem Ziel geplündert werden. Herbert Hoover, damals Präsident der A.R.A., schlug seinen Mitarbeitern vor, ein System von Lieferungen mit Lebensmittelanweisungen auszuarbeiten, das den Verhältnissen gerecht würde. Drei Monate arbeiteten die Oberen des Hilfswerks an dem Konzept, das eine einfache und narrensichere Verfahrensweise zur Ausgabe von Lebensmitteln aus den Beständen der ARA-Lagerhäuser gegen Übergabe eines Lebensmittelwechsels beschrieb.[1] Obwohl fünf Länder in Frage kamen, musste es ein einheitliches Paket werden, dessen Inhalt höchsten Ansprüchen gerecht zu werden hatte. Lebensmittelexperten normten den Inhalt derart, dass im Verhältnis zu Preis und Paketvolumen der größtmögliche Nährwert geliefert wurde.

Das Paket selbst

Gestartet wurde mit vier verschiedenen Ausführungen:

Paket „A“ zu 10 Dollar mit

11,1 kg Mehl
4,5 kg Bohnen
3,6 kg Speck
8 Dosen Milch

Paket „B“ zu 50 Dollar mit

63,5 kg Mehl
22,6 kg Bohnen
7,3 kg Speck
6,8 kg Schweineschmalz
5,4 kg Corned Beef
48 Dosen Milch

Die Pakete „C“ und „D“ entsprachen den Ansprüchen an eine koschere Ernährung und hatten statt der Fleischprodukte eine gleichwertige Menge Baumwollsamenöl zum Inhalt. Ab November 1920 sinkende Lebensmittelpreise erlaubten die Beifügung von Zucker und Kakao. Während der großen russischen Hungersnot von 1921 kam nur eine 10 Dollar kostende Ausführung zum Einsatz, mit folgendem Inhalt:

22,2 kg Mehl
11,3 kg Reis
1,4 kg Tee
4,5 kg Fett
4,5 kg Zucker
10 Dosen Milch

Ein Verkaufsschlager

Eine Zeitungsmeldung anlässlich der Eröffnung der Berliner ARA Warehouse-Zweigstelle Anfang September 1920 berichtete von 800.000 verkauften 10-$-Paketen und 50.000 Exemplaren zu 50 Dollar.[2] Für Russland bestimmte Überweisungen ergaben nochmals fast eine Million Pakete. Die Lebensmittelwechsel waren mit dem Namen des Empfängers versehen und nicht übertragbar. Wer ohne eine bestimmte Zielperson wohltätig sein wollte, konnte einen Wechsel für „General Relief“ (Allgemeinhilfe) ausstellen, der von der A.R.A. zugunsten bedürftiger Personen verwendet wurde − Vorwegnahme des Prinzips der Care-Pakete nach dem Zweiten Weltkrieg.

Nachweise

  • Frank M. Surface / Raymond L. Bland: American Food in the World War and Reconstruction Period. Operations of the Organizations Under the Direction of Herbert Hoover 1914 to 1924, Stanford University Press, Stanford 1931, S. 91−93 u. 257
  • Hermann Stöhr: So half Amerika. Die Auslandshilfe der Vereinigten Staaten 1812−1930, Ökumenischer Verlag, Stettin 1936, S. 164
  • Herbert Hoover: Memoiren (Bd. 2). Das Kabinett und die Präsidentschaft 1920–1933, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1952, S. 22

Einzelnachweise

  1. BANKERS TO HANDLE 'FOOD DRAFT' SALES, The New York Times, 22. Januar 1920, S. 27
  2. $8,000,000 Distributed In Food Drafts for Germany, The New York Times, 7. September 1920, S. 1

Weblinks


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