Ballhaus Watzke


Ballhaus Watzke
Das Ballhaus Watzke, von der Leipziger Straße aus gesehen

Das Ballhaus Watzke (Eigenbezeichnung: Ball- & Brauhaus Watzke) an der Leipziger Straße/Ecke Kötzschenbroder Straße in Dresden-Mickten ist ein Ende des 19. Jahrhunderts errichtetes Restaurant mit einem Ballsaal im Obergeschoss und einer hauseigenen Bierbrauerei, das heute unter Denkmalschutz steht.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ballhaus Watzke, von der Leipziger Straße aus gesehen

Um 1790 entstand im Dorf Pieschen bei Dresden als erstes Gebäude außerhalb des Dorfkernes eine Bauernschänke, welche 1804 aufgestockt und vergrößert wurde. In diesem Haus betrieb der Häusler Gottlob Dietzen eine Branntwein-Destillerie. Da dieser aber keine Schankgenehmigung erhielt, verkaufte er die Schänke an den Brauer Gottlob Wilhelm Hübner. Dieser erhielt 1821 die Konzession zum Bierausschank und richtete eine Gastwirtschaft ein.

Im Jahr 1838 erwarb der Branntweinbrenner Karl Joseph Watzke die Schankwirtschaft einschließlich der Konzession zum Ausschank von Bier, Branntwein und Wein. Er gab ihr den Namen Watzkes Bier- und Gartenrestaurant. Das Restaurant blieb im Familienbesitz und wurde mehrfach erweitert. Um im Jahr 1898, ein Jahr nach der Eingemeindung Pieschens nach Dresden, der stark wachsenden Bevölkerung in diesem Stadtteil Rechnung zu tragen, wurde die alte Wirtschaft abgerissen und durch Paul Watzke ein Ballhaus mit großem Ballsaal im Obergeschoss aufgebaut. Es steht an der Kötzschenbroder Straße 1, die in Nachbarschaft zum Dorfkern Altpieschen liegt, jedoch schon zu Mickten gehört. Das Haus im Neo-Empire-Stil[2] erhielt den Namen Watzke’s Concert- und Balletablissement. Architekt war Benno Hübel, die Deckenmalerei im Saal stammt von Emil Schulz. Mit 770 Plätzen verfügte das Haus über einen der größten Säle der Stadt Dresden.[3] Nachdem Paul Watzke 1914 zum Militär eingezogen worden war, diente das Haus zeitweise als Soldatenunterkunft.

Nach dem Tod Paul Watzkes im Jahr 1937 übernahm seine Frau Alma den Betrieb der Wirtschaft. Dieser musste mit Kriegsausbruch aber bereits wieder eingestellt werden, die Räume dienten erneut als Soldatenunterkunft. Da der Bereich am Pieschener Winkel zum großen Teilen von Kriegszerstörungen verschont geblieben war, zog es schon im Sommer 1945 wieder zahlreiche Dresdner in die neu eröffnete Watzke-Gaststätte. Im Ballsaal im Obergeschoss wurde außerdem ein tägliches Varieté-Programm geboten. Bereits fünf Jahre später musste die Gaststätte wieder schließen, da sie dem Wettbewerb mit staatlich subventionierten HO-Gaststätten nicht standhalten konnte. Bis zur Wende wurde das Haus nur als Lager für HO-Sportartikel genutzt.

Heute

Ballhaus Watzke mit Biergarten, von der anderen Elbseite aus gesehen

Nach einer denkmalsgerechten Sanierung in den Jahren 1993 bis 1996 wurde das Ballhaus Watzke durch Rudi Vogel aus Karlsruhe wiedereröffnet. Bestandteile sind dabei verschiedene Gasträume, eine Hausbrauerei im Erdgeschoss und der Ballsaal im Obergeschoss. Bei der Jahrhundertflut in Sachsen im August 2002 wurde das Ballhaus beschädigt und musste vorübergehend schließen, konnte aber nach sechs Monaten wieder öffnen. Zum Gasthaus gehört auch ein Biergarten direkt am Elbufer, von welchem man einen Blick auf die Dresdner Altstadt hat.

Im Januar 2011 sollte die Komödie Dresden vom World Trade Center in das Ballhaus Watzke umziehen. Dafür hätte die Bühne des Ballsaales erweitert werden müssen. Da aber eine Baugenehmigung hierfür nicht erteilt wurde, ruhen diese Pläne. [4]

Weblinks

 Commons: Ballhaus Watzke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Themenstadtplan Dresden
  2. Dietrich Höllhuber: Dresden. S. 84, Erlangen, 2008.
  3. Dieter Zumpe: Dresden - Stadt der Künste. S. 136, München, 2009.
  4. Artikel in der Sächsischen Zeitung vom 5. Januar 2011
51.07748113.715701

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