Baumwollspinnerei Ermen & Engels


Baumwollspinnerei Ermen & Engels
LVR-Industriemuseum Schauplatz Baumwollspinnerei Ermen und Engels

Die Baumwollspinnerei Ermen & Engels ist ein Schauplatz des LVR-Industriemuseums in Engelskirchen. Betreiber ist der Landschaftsverband Rheinland.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Friedrich Engels sen. aus Barmen (er war der Vater von Friedrich Engels, der gemeinsam mit Karl Marx die heute als Marxismus bezeichnete soziale Gesellschafts- und Wirtschaftstheorie entwickelte) gründete Anfang 1837 auf einer Englandreise in Manchester zusammen mit dem Fabrikanten Peter Albertus Ermen die Firma Ermen & Co. Zunächst beabsichtigten sie, die ehemalige Unterbarmer Kirche, ein zweistöckiges Fachwerkgebäude, zu übernehmen und an dieser Stelle eine Textilfabrik in Form einer Spinnerei zu errichten. Andere Überlegungen gingen dahin, ein Objekt zur Weiterverarbeitung von Garnen in Manchester zu erwerben.[1]

Am 17. April 1837 erwarb Engels nach eingehender Erkundung des Geländes das ehemalige Schnabelsche Hammerwerk in Engelskirchen zusammen mit der anhaftetenden Wassergerechtsame. aus der sich das Recht ergab, das Wasser der Agger zu gewerblichen Zwecken zu nutzen. Dieses Gelände war deutlich preiswerter als das Grundstück im Barmer Bruch und hatte obendrein ein lukratives Wassergefälle von 20 Fuß. Zudem hatte man hier Erweiterungsmöglichkeiten. Schließlich stand in der ärmlichen Umgebung von Engelskirchen ein billiges Arbeitskräftepotential zur Verfügung. Diese Vorteile überzeugten auch den Partner in Manchester. Am 1. Juli 1837 kam es zur Gründung der Baumwollspinnerei Ermen & Engels in Manchester und Engelskirchen. Nun begann man den Bau der Textilfabrik in Engelskirchen und konnte bereits um 1844 mit der Produktion starten. Der Firmensitz blieb allerdings noch bis 1885 in Barmen.[2]

Der seit den 1950er Jahren schleichend einsetzende Rückgang an Arbeitsplätzen in der Textil- und Bekleidungsindustrie erreichte seinen Höhepunkt mit dem Beginn der 1970er Jahre. Auch das Unternehmen Ermen & Engels blieb davon nicht verschont und musste seine Produktion im Jahr 1979 für immer einstellen.[3]

Energieversorgung

Der Maschinenantrieb über ein Wasserrad wurde schon von Beginn an durch eine Dampfmaschine unterstützt. Im Jahr 1856 verfügte man bereits über insgesamt fünf Dampfkessel mit zusammen 130 PS Leistung. Zudem vergrößerte und verbesserte man die Ausstattung der Antriebsmaschinerie im Laufe der Jahre ständig. Um 1900 führte man stromerzeugende Generatoren ein, die mit Wasserkraft betrieben wurden.[3] Schon 1903 profitierten auch das Wohnhaus des Fabrikanten und eine elektrische Straßenbeleuchtung im Ort Engelskirchen von der neuen lokalen Stromerzeugung.[4] Im Jahr 1909 hatte die neue Turbinengeneration eine Gesamtleistung von 640 PS. Bis 1924 versorgte man unter der Bezeichnung Elektrizitätswerk Engelskirchen auch den gesamten Ort Engelskirchen mit Licht- und Motorenstrom. Danach ging das Elektrizitätswerk an das Kreiselektrizitätswerk in Dieringhausen über, das 1935 vom Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk übernommen wurde.[3]

Das Museum

Nach der Schließung der Textilfabrik und einer ersten Bestandsaufnahme begann man sogleich mit der Verwertung des Objekts. Man verkaufte oder verschrottete Maschinen und Einrichtungen, verkaufte oder vermietete einzelne Gebäude und Gebäudeteile und veränderte so komplett die Nutzung des ehemaligen Anwesens. Auf diese Weise konnte das denkmalwürdige Ensemble vor dem Abriss bewahrt werden. Auch das alte Wasserkraftwerk mit Turbinen, Reglern und Schalttafel blieb erhalten.[3]

1987 richtete das damalige Rheinische Industriemuseum seine zweite Außenstelle in einem Teil der alten Textilfabrik ein. Gezeigt wurde eine Dauerausstellung zur Firmengeschichte eines Pionierunternehmens der Industrialisierung im Bergischen Land in Verbindung mit einer Wechselausstellung zur Kinder- und Frauenarbeit.[2]

In der Zeit zwischen 1993 und 1996 war das Museum geschlossen und wurde umgebaut und erweitert. Mit der Neueröffnung 1996 änderte sich das Konzept. Unter dem neuen Titel Unter Spannung - bei Ermen & Engels dem Strom auf der Spur geriet das ehemalige Wasserkraftwerk in den Mittelpunkt der Ausstellung. Daneben besteht eine Abteilung mit elektrisch betriebenen Gegenständen des Alltags. Die frühere Ausstellung zum Thema Wollspinnerei Ermen & Engels wurde überarbeitet und gehört auch weiterhin zum Museumskonzept.[3]

Einzelnachweise

  1. Thomas Schleper, Mit Engels ins Industriezeitalter, Von Wasserkraft, Fabrikarbeit und Baukunst, 2. unveränderte Auflage, Rheinland-Verlag, Köln 1993, ISBN 3-7927-1254-7
  2. a b Thomas Schleper, Ermen & Engels in Engelskirchen, Industrialisierunge einer ländlichen Region, Rheinland-Verlag, Köln 1989, ISBN 3-7927-0977-5
  3. a b c d e Thomas Schleper, Unter Spannung, Bei Ermen & Engels dem Strom auf der Spur, Rheinland-Verlag, Köln 1996, ISBN 3-7927-1572-4
  4. Unter Spannung – LVR-Industriemuseum Schauplatz Engelskirchen abgerufen am 24. Oktober 2011

Weblinks


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