Franz Wilhelm Beidler


Franz Wilhelm Beidler

Franz Wilhelm Beidler (* 16. Oktober 1901 in Bayreuth; † 3. August 1981 in Zürich) war ein Schweizer Publizist. Bekannt wurde er als „erster Enkel“ Richard Wagners.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Beidler war der Sohn des Schweizer Dirigenten Franz Beidler (1872–1930) und seiner Ehefrau Isolde von Bülow (1865–1919), der ersten Tochter von Cosima und Richard Wagner.

Cosima hat ihre Tochter Isolde (bei deren Geburt sie noch mit Hans von Bülow verheiratet war) nicht als legitime Wagner-Erbin anerkannt und dies in einem Gerichtsprozess (Beidler-Prozess, 1913 in München) durchgesetzt, so dass ihr Sohn Franz Wilhelm von der Bayreuther „Thronfolge“ ausgeschlossen wurde, obwohl er der erste Enkel Richard Wagners war. Der „juristisch“ erste Enkel Wieland Wagner wurde erst 1917 geboren (siehe Richard Wagner (Familie)).

Beidler studierte zunächst Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin. 1929 wurde er zum Dr. phil. promoviert. Anschließend war er Mitarbeiter des Musikpädagogen und Kulturpolitikers Leo Kestenberg im Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Nach der Machtergreifung Hitlers emigrierte er – wie sein Großvater – nach Zürich und gehörte dort zu dem Freundeskreis um Thomas Mann. Beidler wurde Sekretär des Schweizer Schriftstellerverbandes und publizierte zahlreiche Aufsätze (u.a. in der Neuen Zürcher Zeitung) zum Werk Richard Wagners, den er immer als sozialrevolutionären Dichterkomponisten sah. Er arbeitete Jahrzehnte an seinem Hauptwerk, einer Biographie seiner Großmutter Cosima Wagner, der er eine „Tendenzverschiebung“ der Werke Richard Wagners vorwarf. Die Biographie mit dem Titel: Cosima Wagner-Liszt, Der Weg zum Wagner-Mythos. Ausgewählte Schriften des ersten Wagner-Enkels und sein unveröffentlichter Briefwechsel mit Thomas Mann wurde 1997 durch Dieter Borchmeyer herausgegeben.

Bayreuth-Kritik

Nach dem Krieg sprach Beidler offen über die „Mitverantwortung“ Bayreuths für das Aufkommen des Nationalsozialismus: „Wenn im Nationalsozialismus überhaupt eine Ideologie, eine Gesinnung enthalten ist, so ist es zu einem erschreckend großen Teil Bayreuths Gesinnung.“ Nachdem er kurzzeitig als Leiter der Bayreuther Festspiele vorgesehen war, entwickelte er 1947 „Richtlinien" für deren Neugestaltung und schlug eine Stiftung vor, für die er als Ehrenpräsident Thomas Mann gewinnen wollte. Seine Ideen scheiterten an dem Widerstand der Wagner-Familie. Franz W. Beidler hat nach dem Krieg nie die Bayreuther Festspiele besucht (er weigerte sich „zu vergessen“) und starb 1981 in Zürich.

Schriften

  • Der Kampf um den Zolltarif im Reichstag 1902. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Parlamentarismus. Frankenstein & Wagner, Leipzig 1929 (Diss. Berlin).
  • Wagner als Idee. In: Melos. Bd. 12 (1933, 2), S. 39-43.
  • Cosima Wagner-Liszt, Der Weg zum Wagner-Mythos. Ausgewählte Schriften des ersten Wagner-Enkels und sein unveröffentlichter Briefwechsel mit Thomas Mann. Hrsg. von Dieter Borchmeyer. Pendragon, Bielefeld 1997, ISBN 3-923306-86-5.

Literatur

Weblinks


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