Gymnich (Adelsgeschlecht)


Gymnich (Adelsgeschlecht)
Stammwappen derer von Gymnich
Wappen der Beissel von Gymnich

Gymnich, auch Gymmnich oder Gimnich, ist der Name eines der ältesten rheinländischen Adelsgeschlechter. Die Familie, deren jüngere Linie Beissel von Gymnich bis heute besteht, gehört ursprünglich zum niederrheinischen Uradel.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Herkunft

Erstmals urkundlich erwähnt wird das Geschlecht im Jahre 1150 mit Reinhardus et Giso de Gimnich. Nikolaus von Siegburg, Abt des Klosters Siegburg, beurkundet darin, wie die Ansprüche der Kinder des Azelin von Gimnich auf dem zur Abtei gehörenden Fronhof abgefunden wurden. Die beurkundete Handlung fand aber bereits, nach Angabe der Zeugen, um 1135 statt.[1]

Gymnich, das gleichnamige Stammhaus der Familie, ist heute ein Stadtteil von Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Die Ortschaft erscheint erstmals 1121 (1120)[2] als Gimnich urkundlich. Seit 1139 ist eine Grundherrschaft der Benediktinerabtei Siegburg in Gymnich bekannt. Der 1150 in der Urkunde genannte Azelin von Gimnich, er war erzbischöflich kölner Ministerialer, wurde mit der Vogtei der Güter des Klosters belehnt.[3] Das halbe Dorf Gymnich gehörte als Unterherrschaft des Kurfürstentum Kölns den Herren von Gymnich.[2]

Eine erste Burg in Gymnich wurde 1354 von Heinrich I. von Gymnich als befestigtes Haus errichtet. Bereits 1399 ließ der Erzbischof Friedrich von Saarwerden die Burg abreißen, da Heinrichs Enkel Heinrich II., Lehnsmann des Kölner Erzbischofs, andere Lehnsleute des Erzbischofs gefangen hielt. Die Burg, das heutige Schloss Gymnich, wurde später neu errichtet und ständig erweitert und ausgebaut. Die Herren von Gymnich sahen zwar Schloss Gymnich als ihren Stammsitz an, bewohnten aber häufig ihre Stadtquartiere, so unter anderem den Gymnicher Hof in Köln am Neumarkt. 1825 erbten die Grafen von Wolff-Metternich das Schloss Gymnich.[4]

Ausbreitung und Linien

Schon früh teilte sich die Familie in zwei Linien, eine ältere und eine jüngere. Die ältere Linie, deren Wappen in Silber ein rotes, den gesamten Schild überziehendes ausgekerbtes Kreuz zeigt, erlosch im 18. Jahrhundert. Sie nannten sich nur von Gymnich. Die jüngere bis heute bestehende Linie der Beissel von Gymnich führt das gleiche Wappen, jedoch das Kreuz oben mit einem schwarzen Turnierkragen belegt.[5]

Schloss Gymnich, der ursprüngliche Stammsitz der Familie

Ältere Linie zu Gymnich

Nach dem Historiker und Genealogen Anton Fahne beginnt die Stammreihe der älteren Linie mit dem Ritter Heinrich von Gymnich, der von Erzbischof Adolf von Köln mit einem Burglehn zu Are (Burg Are) belehnt wurde. Sein Enkel Edmund, Sohn von Johann von Gymnich, lebte um 1344. Von Edmunds Nachkommen in der 8. Generation wurde Johann von Gymnich Herr zu Vischel. Er starb 1625. Dessen Sohn Johann Otto von Gymnich, Herr zu Vischel, Neurath und Wald, war kurtrierer Rat und Amtmann zu Münstereifel.[5]

Johann Ottos Enkelsohn Johann Otto Ludwig von Gymnich, Herr zu Vischl, Neurath, Wald und Laurenzberg, wurde kurpfälzischer Geheimrat und Hofmarschall. Er heiratete eine Freiin Raitz von Frentz, starb aber im September 1719 ohne Nachkommenschaft zu hinterlassen. Sein Bruder Carl Casper Wilhelm von Gymnich war Domherr zu Mainz und 1690 zu Trier. Er vererbte 1730, mit Einwilligung des Herzogs von Jülich, die gymnichschen Stammgüter und Stockgüter seinem Vetter Carl Otto Theodat von Gymnich (* 1715). Mit dessen Tod 1785 erlosch die ältere Linie zu Gymnich im Mannesstamm[5] und 1824, mit dem Tod seiner Tochter Johanna von Gymnich, Stiftsdame zu Neuss, starb die Linie vollständig aus.

Jüngere Linie Beissel von Gymnich

Das Genealogische Handbuch des Adels beginnt die Stammreihe der jüngeren Linie 1320 mit Eduard von Gymnich. Wilhelm von Gymnich führt demnach um 1380 als erster Angehöriger den Namen Beissel von Gymnich.[6] Nach Kneschke soll bereits 1359 ein Walramus Beissel als Vasall von Johann und Dietrich von Limburg-Styrum erscheinen. Arnold Robens erwähnt, dass der Knappe Wilhelm von Gymnich den Namen Beissel wegen seiner Kriegstaten erworben hat.[5]

Johann Beissel von Gymnich, ein Sohn von Edmund Beissel von Gymnich, lebte um 1480. Von ihm stammte Damian Beissel von Gymnich ab, der Eva von Schmidtheim, die Erbin von Schmidtheim, heiratete. Durch die Heirat gelangte das Gut an die Familie. Von Damians Nachkommen in der 5. Generation wurde Georg Anton Dominicus Beissel von Gymnich, Herr zu Schmidtheim, kurtrierer Geheimrat und Amtmann zu Prüm. Er heiratete 1722 Anna Maria Franzisca Freiin Raitz von Frentz, die Erbin zu Frentz, Quadrath, Ichendorf, Kenten und Kendenich. Ihr gemeinsamer Sohn Franz Hugo Beissel von Gymnich, Herr zu Schmidthelm und Frentz, wurde ebenfalls kurtrierer Geheimrat und Amtmann zu Prüm. Aus seiner Ehe mit Maria Anna von Warsberg-Blens stammte Franz Ludwig Carl Anton Beissel von Gymnich († 1836), Herr zu Schmidthelm, Boulai, Quadrath, Kenten, Ichendorf, Frentz, Blens und Kendenich. Er erhielt 1816 den preußischen Grafenstand.[5]

Franz Ludwig Graf Beissel von Gymnich war zweimal verheiratet. In erster Ehe war er dies mit Johanna Freiin von Freiberg-Hofferau und in zweiter Ehe mit Magdalena Freiin von Ritter. Aus erster Ehe kam Hugo Graf Beissel von Gymnich (* 1798; † 1863), königlich preußischer Kammerherr, Mitglied des Preußischen Herrenhauses und Herr der Fideikommissgüter Blens, Schmidtheim etc. Er heiratete 1829 Theresa Freiin von Fürstenberg-Neheim (* 1800; † 1850) und in zweiter Ehe 1850 Maria Franzisca Gräfin Borggraf d'Altena. Von seinen Geschwistern aus erster Ehe wurde Richard Graf Beissel von Gymnich (* 1802) königlich preußischer Kammerherr und Landrat im Landkreis Schleiden. Er heiratete 1831 Camilla Gräfin von Benesse-Breidbach. Von seinen drei Halbbrüdern aus der zweiten Ehe seines Vaters war Friedrich Graf Beissel von Gymnich (* 1812) königlich preußischer Hauptmann in der 3. Pionierabteilung und später Kommandeur der 7. Pionierabteilung. Er heiratete 1846 Charlotte Freiin Groß von Trockau und dessen Bruder Anton Graf Beissel von Gymnich (* 1813) wurde königlich preußischer Rittmeister. Der älteste der Brüder Friedrich Graf Beissel von Gymnich (* 1811) hinterließ Sohn Franz Ludwig und die Zwillinge Otto und Auguste.[5] Sohn Otto Graf Beissel von Gymnich (* 1851; † 1931) wurde Landrat, Polizeipräsident des Kreises Koblenz und Mitglied des Preußischen Herrenhauses.

Standeserhebungen

Franz Ludwig Beissel von Gymnich auf Frens, königlich preußischer Landrat des Landkreises Bergheim, wurde am 17. Januar 1816 zu Berlin in den preußischen Grafenstand erhoben.[6]

Wappen

Stammwappen der Gymnich

Das Stammwappen der Gymnich zeigt in Silber ein gekerbtes rotes Kreuz. Die Zier auf dem Helm mit rot-silbernen Helmdecken variiert in verschiedenen Abbildungen. Die ursprüngliche Helmzier war (auf einem roten Turnierhut mit silbernem Stulp) eine stehende natürliche (oder rotbewehrte silberne) Ente vor einem schwarzen Hahnenfederbusch (alternative Beschreibung: schwarze Schilfstaude).[7] Johann Siebmacher zeigt eine natürliche Ente vor einem Schilfhalm.[8] Auch wurde das Schildbild zwischen einem schwarzen offenen Flug[9] oder ein natürliches Schilfhuhn im grünen Schilf dargestellt.[6]

Stammwappen der Beissel von Gymnich

Das Stammwappen der Beissel von Gymnich zeigt in Silber ein gekerbtes rotes Kreuz, dessen oberer Kreuzarm mit einem dreilatzigen schwarzen Turnierkragen belegt ist. Auf dem Helm mit schwarz-rot-silbernen Helmdecken ein goldbewehrtes natürliches Schilfhuhn im grünen Schilf.[6]

Namensträger

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins., Band 1; Seite 253
  2. a b Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. 7. vollständig überarbeitete Auflage, Seite 240
  3. www.erftstadt-gymnich.de
  4. www.erftstadt-gymnich.de
  5. a b c d e f Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon Band 1, Seite 282-284
  6. a b c d Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band I, Band 53 der Gesamtreihe, Seite 290
  7. Mit dem zusätzlichen Turnierhut zum Beispiel bei der Darstellung des Ahnenwappens Gymnich auf der Grabplatte für Kuno zu Eltz (* vor 1475; † nach 5. Februar 1529) in der Pfarrkirche St. Martin und Severus in Münstermaifeld (vgl. Bernhard Peter: Pfarrkirche St. Martin und Severus in Münstermaifeld: Grabplatte für Kuno von Eltz; vgl. auch die dortige Blasonierung: „In Silber ein gedorntes rotes Kreuz. Helmzier ein roter Turnierhut mit silbernem Stulp, darauf eine stehende, rotbewehrte silberne Ente vor einem schwarzen Hahnenfederbusch (alternative Beschreibung als schwarze Schilfstaude). Helmdecken rot-silbern. Es gibt weitere Varianten der Helmzier“).
  8. Die Gymnich
  9. Otto Hupp: Münchener Kalender 1934. Verlagsanstalt München/Regensburg 1934, Seite 12

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