Cagefight


Cagefight
Mac Danzig gegen Takumi Nakayana, MMA-Liga King of the Cage 2005

Mixed Martial Arts (dt.: Gemischte Kampfkünste) oder kurz MMA ist eine eigenständige, relativ moderne Art des Vollkontaktwettkampfes. Die Wurzeln dieses Sportes sind das Pankration im Griechenland zur Zeit der ersten Olympischen Spiele. Aber populär geworden ist MMA durch die Vergleichskämpfe im Ultimate Fighting Championship (UFC) der frühen 90er, bei dem Techniken aus den verschiedensten Kampfsportarten angewendet werden.

Die Kämpfer bedienen sich sowohl der Schlag- und Tritttechniken des Boxens, Kickboxens sowie des Muay Thai, als auch der Bodenkampftechniken des Brazilian Jiu-Jitsus, Ringens und Judos. Aber auch Techniken aus anderen Kampfkünsten werden benutzt.

Dass im Bodenkampf geschlagen und zum Teil getreten werden darf, ist das Hauptunterscheidungsmerkmal zu anderen Vollkontaktsportarten.

Inhaltsverzeichnis

Prinzip und Technik

Bodenkampf

Bei diesem in Europa noch sehr jungen Sport werden alle Kampfdistanzen, das Treten, Schlagen, Clinchen, Werfen und der Bodenkampf in einem Vollkontaktsport mit möglichst wenig Beschränkungen durch Regeln vereint.

Ziel des MMA ist es, den Gegner in einem Kampf zu besiegen, bis er durch Abklopfen aufgibt, k.o. geht (ohnmächtig wird) oder der Schiedsrichter den Kampf abbricht. Beim MMA kommt es im Gegensatz zum klassischen Ringkampf nicht darauf an, den Gegner mit beiden Schultern aufs Kreuz zu legen. Selbst aus der Rückenlage heraus kann man den Gegner noch besiegen.

Das Training ist sehr umfangreich und fordert vom Trainierenden ein hohes Engagement. Bei Wettkämpfen sind die Kämpfer in unterschiedliche Gewichtsklassen eingeteilt.[1]

Anders als z.B. viele Kungfu- oder Karate-Richtungen beinhalten die Mixed Martial Arts keine Formen oder Techniken, die nicht in einem Kampf einsetzbar sind.

Geschichte

Geschichtliche Vorläufer

Triangle

Unter MMA-Sport (Mixed Martial Art) versteht man einen eigenständigen Kampfsportstil der seine Wurzeln im griechischen Pankration hat. Von 776 bis 720 vor Christus zählten zu den olympischen Disziplinen hauptsächlich verschiedene Laufsportarten, bis 708 v.Chr. Ringen eingeführt wurde. 688 vor Christus wurde den olympischen Disziplinen noch Boxen hinzugefügt. Boxen war ein sehr populärer Sport bei den olympischen Spielen und es kam sehr schnell die Frage auf: Wer ist der beste Kämpfer? Der Boxer oder der Ringer? [2]

Diese Fragestellung ist die eigentliche Geburtsstunde des MMA-Sportes. Aber bis zu diesen drei Buchstaben sollte noch viel Zeit vergehen. Zuerst nannte man diesen Sport Pankration. Im Jahre 648 v. Chr. wurde dieser Sport olympisch (33. Olympische Spiele). Pankration sollte endlich die Frage nach dem Besten aller Kämpfer, den besten Kampfstilen beantworten. Pankration bedeutet soviel wie „die ganze Kraft“ oder „die ganze Stärke“.

Die griechische Mythologie besagt, dass Herkules und Theseus verantwortlich dafür waren, dass dieser Sport bei den olympischen Spielen eingeführt wurde. Einige Geschichtsforscher meinen jedoch, dass Soldaten das Pankration als eine Art Training für den Krieg entwickelt haben. Andere Quellen behaupten wieder, dass die Ägypter schon 2600 vor Christus als Väter des Pankration ausübten. Zusammenfassend kann man nur sagen, dass das Wissen um die genauen ursprünglichen Wurzeln dieses Sportes verloren ging.

Die Männer durften beim Pankration schlagen, treten und alle Teile ihres Körpers verwenden, außerdem durften sie ringen und den Kampf auch am Boden fortsetzen. Es gab von Anfang an sportliche Regeln, minimale, aber es gab sie. Dieses Regelwerk kannte folgende Verbote:

  • In die Augen Stechen
  • Beißen

Das eigentliche Ziel war es, den Gegner mit allen möglichen Mitteln zum Aufgeben zu bewegen. Die Kämpfe dauerten solange, bis einer durch Handheben aufgab oder die Sonne unterging.

Pankration-Kämpfer genossen ein hohes Ansehen, da die Sportler Boxen und Ringen beherrschen mussten.

Die ersten olympischen Sportler waren keine Amateure, sie waren professionelle Kämpfer. Ein Pankration-Champion wurde sehr gut bezahlt, musste keine Steuern zahlen und wurde von der Stadt ernährt. Im Jahre 393 nach Christus beendete Theodosius die olympischen Spiele, da sie mit dem Christlichen Glauben nicht kompatibel wären. [3]

In der einen oder anderen Form überlebten die Pankrationkämpfe jedoch. Zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Namen, lebte die Idee „den besten aller Kämpfer zu finden“ weiter. In der Provence in Frankreich zum Beispiel gibt es eine spezielle Art des Ringens namens Brancaille, bei der Schläge erlaubt sind. Man kennt solche Kämpfe auch aus dem alten Japan (bei verschiedenen Jiu-Jitsu Stilen), ebenso wie in Brasilien das Luta Livre und Vale tudo.

Anfänge

Die neuere MMA-Geschichte ist eng mit der Geschichte der Familie Gracie verknüpft.

Dieser lange Weg führte vom alten Griechenland über Brasilien und den USA bis nach Europa (um 1980). Eines der ersten europäischen Länder, in denen dieser Sport auftauchte, war Holland, (unter dem Namen Free Fight) zehn Jahre später begann sich der MMA-Sport auch in Deutschland so langsam, ebenfalls unter dem Namen Free Fight, zu etablieren.

Moderner MMA

Vale Tudo
Muay Thai

Die Entwicklung der MMA ist eng mit einer Serie von Vale tudo- Kampfsportveranstaltungen in Brasilien und den USA Ende des 20. Jahrhunderts verbunden. Dort wurden Wettkämpfe ausgetragen, um „die beste“ Kampfsportart und „die besten“ Kämpfer zu finden. Dabei traten Kämpfer aus den verschiedensten Kampfstilen gegeneinander an, z.B. Jiu Jitsu, Karate, Taekwondo, Brazilian Jiu-Jitsu, Luta Livre oder Muay Thai. Bei diesem klassischen Vale-Tudo-Veranstaltungen wurde ohne Schutzausrüstung und Handschuhe gekämpft (Bare-knuckle). Es gab bei diesen Kämpfen weder eine Zeitbegrenzung noch eine Punktwertung oder Gewichtsklassen. Erlaubt waren und sind in MMA-/Vale-Tudo-/Free-Fight-Kämpfen neben Schlag- und Tritttechniken auch Knie- und oft auch Ellenbogentechniken bis hin zu Kopfstößen. Selbst Stampftritte zum Kopf eines am Boden liegenden Gegners sind beim Vale Tudo zumeist nicht verboten. Lediglich das Töten, das Angreifen der Augen und/oder der Genitalien, das Beißen und das Reißen an den Ohren oder der Nase ist bei nahezu allen Vale Tudo-Kämpfen untersagt. Charakteristisch ist, dass der Kampf sich sowohl im Stehen als auch auf dem Boden abspielt. Die modernen MMA-Kämpfe ähneln dem antiken Pankration-Kampf. Wie beim Pankration ist auch beim traditionellen Vale Tudo die einzige Möglichkeit, den Kampf zu gewinnen, den Gegner durch Hebel- oder Würgetechniken zur Aufgabe zu zwingen oder ihn per k.o. kampfunfähig zu machen.

Entwicklung als Profisport

Ultimate Fighting Championship und Pride FC

Im Laufe der letzten 30 Jahre haben sich professionelle MMA-Veranstaltungen als feste Größe im Kampfsport etablieren können. Als die bekanntesten und professionellsten Veranstaltungen setzten sich das „Pride FC“ in Japan und das UFC (Ultimate Fighting Championship) in den USA durch. 2007 wurde PRIDE FC durch die UFC-Besitzer aufgekauft und in der Folge eingestellt. In Japan sind die führenden Veranstaltungen nun DREAM[4] und Sengoku. Während in den japanischen Veranstaltungen im Box-Ring gekämpft wird ist die Kämpffläche des UFC ein Oktagon (Achteck). Anstelle von Ringseilen wird die Kampffläche beim UFC durch einen Maschendrahtzaun begrenzt. Diese Art der Kampffläche hat sich in der Mehrzahl der amerikanischen MMA-Veranstaltungen durchgesetzt. Es wird mit dünnen, an den Fingern offenen Handschuhen gekämpft.

In der Regel wird im UFC 3 mal 5 Minuten gekämpft (5 mal 5 Minuten in Titelkämpfen). Bei Pride war die erste Runde 10 Minuten, die folgenden Runden jeweils 5 Minuten lang. Es gibt bei diesen Veranstaltung Gewichtsklassen und Punktrichter. Viele Kämpfe werden jedoch vor Ablauf der gesamten Kampfzeit durch Hebel- oder Würgegriffe oder durch Knockout bzw. technischen k.o. entschieden.

Die Sportler, die heute in den großen MMA-Veranstaltungen antreten, sind durchweg auf Vale Tudo- bzw. auf MMA-Kämpfe professionalisiert. Sie trainieren gleichermaßen den Kampf im Stehen (zumeist Thaiboxen bzw. Muay Thai) wie den Kampf auf dem Boden (zumeist Brazilian Jiu-Jitsu, Luta Livre, Ringen). Profikämpfer verdienen ähnlich wie Profiboxer durch Sponsoren und Werbeverträge. In den letzten Jahren hat sich insbesondere der Verkauf von T-Shirts, Pullovern und Sportbekleidung zu einem sehr ergiebigen Nebenverdienst für die Sportler entwickelt, manche der prominenteren Athleten betreiben auch eigene Sportmodemarken.

Die UFC ist inzwischen in Amerika und Großbritannien zu einem Publikumsmagneten geworden. In Japan kamen zu den Pride-FC-Veranstaltungen regelmäßig mehr als 60.000 Zuschauer, sowohl PRIDE als auch die heute vorherrschenden japanischen Veranstaltungen kämpfen jedoch mit rückläufigen Besucherzahlen.

Entwicklung des Shooto

Eine etwas restriktivere Variante der Mixed-Martial-Arts-Kämpfe ist das aus Japan stammende Shooto. Beim Shooto tragen die Kämpfer dickere Faustschützer als z.B. in der UFC – besonders verletzungsgefährliche Angriffe sind untersagt. Das Shooto erfreut sich in Europa (insbesondere in Skandinavien und den Niederlanden) seit einigen Jahren rasant wachsender Beliebtheit, nicht zuletzt auch weil der TV-Sender Eurosport seit Sommer 2005 einige Shooto-Veranstaltungen überträgt.

Shooto ist eine moderne Kampfsportart, die Mitte der 80er Jahre von Satoru Sayama in Japan ins Leben gerufen wurde. Satoru Sayama, vielen bekannt unter dem Namen „Tiger Mask“ aus dem Japanischen Pro-Wrestling, hat die meiste Zeit seines Lebens damit verbracht, Kampfsportarten wie Muay Thai, Sambo, Judo, Karate und das so genannte Catch-As-Catch-Can-Wrestling (Catch-Wrestling) zu trainieren und zu studieren und kam zu dem Entschluss, eine globale Kampfsportart zu entwickeln, welche die jeweils effizientesten Techniken aus den verschiedenen Bereichen verbindet. Er nannte diese Kampfsportart Shooto. 1986 fand in Japan die erste Amateur-Shooto-Veranstaltung statt und im Jahre 1989 konnte Saturo Sayama einem interessierten Publikum die ersten professionellen Kämpfe präsentieren.

Shooto – Im Japanischen bestehend aus „shu“ und „to“ bedeutet übersetzt „Lerne zu Kämpfen“. Shooto Kämpfe finden in einem Ring statt, mit zwei oder drei Runden à fünf Minuten. Die Anzahl der Runden hängt von der Klasse der Kämpfer ab. Shooto ist unterteilt in 3 Klassen:

  • Klasse A: Pro/3 Runden
  • Klasse B: Pro/2 Runden
  • Klasse C: Amateure/nur mit Schutz

1996 wurde die „International Shooto Federation“ gegründet, die weltweit zahlreiche Anhänger hat. In den USA werden Shooto-Kämpfe von den Labels (Veranstaltungsreihen) „Hook’n’Shoot“ und „Superbrawl“ (Icon Sport) veranstaltet.

Verbreitung

Deutschland

Da Free Fight als Name irreführend ist, denn es gab immer Regeln und da man international immer vom MMA-Sport redete, ging man auch in Deutschland dazu über, diesen Namen zu benutzen.

Der erste deutsche MMA-Kämpfer war Hubert Numrich.[5]

Die ersten MMA-Kämpfe wurden ca. 1990/91 von Andreas Stockmann in Deutschland als sogenannte Mix-Fight-Galas organisiert. Bei Mix-Fight-Galas treten verschiedene Kampfstile in einem Event an, z.B. drei Boxkämpfe gefolgt von drei Kickboxkämpfen und dazwischen drei MMA-Kämpfe.

Der erste MMA-Verband war die Free Fight Association, diese veranstaltete 1994 die erste reine MMA-Veranstaltung in Deutschland, gefolgt von Veranstaltungen in Österreich und der Schweiz. Das Jahr 2000 war nicht nur der Beginn eines neuen Jahrtausend, sondern auch ein Neubeginn in Sachen MMA. Die Angleichung des Regelwerkes an die Unified rules of MMA, die weltweit von allen großen Organisationen genutzt wurden, begann.[6]

Österreich

1999 organisierten die Ettl-Brüder und Gerhard Dexer (dem ersten Österreichischen MMA-Kämpfer) das erste öffentliche Event im MMA. Damals wie heute wird in Österreich das Wort „Free Fight“ dem Wort „MMA“ - bei kostenpflichtigen Veranstaltungen - vorgezogen. Diese Veranstaltung, im Grazer Messeschlössel, mit ca. 1.000 Zuschauern war eines der sogenannten „Old-School-Events“, das heißt die drei Hauptkämpfe wurden ohne Handschuhe und Schutzausrüstung ausgetragen. Diese wurden von Predrag Krsikapa, Gerhard Dexer und Michael Ettl bestritten.

In Österreich gibt es zur Zeit vier aktive Organisationen in Sachen MMA. Zum einen die Ettl Bros (Graz) die vor allem in der letzten Zeit als Veranstalter der Cage Fight Series bekannt wurden, Ismet Mandara (Trainer in einer Sportschule und Veranstalter), die ISKA (ein Kickbox Verband der - seit 2007 - auch MMA anbietet) und die FFA, die im MMA Amateursport tonangebend ist.

Kritik

Gewalt und Brutalität sind Schlüsselwörter in der allgemeinen Kritik. Die Kampfsportart Free Fight gilt auch bei Kampfsportverbänden als umstritten, wie die Rundschau des Schweizer Fernsehens berichtete. Roland Zolliker, der Zentralpräsident des Schweizerischen Karateverbandes, sagte dazu gegenüber der Rundschau: „Einen Gegner zu schlagen, der praktisch wehrlos ist, das gibt es nirgendwo. Ich kenne keinen Sport, der das erlaubt. Das überschreitet eine Grenze."

Bei einem Kampf am 18. März 1998 in Kiew erlag der Amerikaner Douglas Dedge seinen schweren Hirnverletzungen.[7]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Weight classes of unarmed combatants; weight loss after weigh-in. (englisch)
  2. Clyde Gentry: No Holds Barred: Ultimate Fighting and the Martial Arts Revolution. Milo Books, 2005, ISBN 978-1903854303. 
  3. Michael B. Poliakoff: Kampfsport in der Antike. Patmos Verlag GmbH + Co.Kg, 2004, ISBN 978-3491691100. 
  4. offizielle Homepage des DREAM (japanisch)
  5. Hubert Numrich
  6. Mixed Martial Arts Unified Rules of Conduct (englisch)
  7. MMA Douglas Dedge Death

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