Lammfell


Lammfell
Die Kennzeichen Johannes des Täufers sind das Lamm und das Schaffellgewand; 19. Jh.

Der Artikel behandelt das behaarte Lammfell beziehungsweise Schaffell in seiner Eigenschaft als Handelsware, sowie die daraus hergestellten Produkte.

Seit etwa 10.000 Jahren werden Hausschafe zur Lammfleisch-, Schafsmilch- und Fellgewinnung gehalten, damit sind sie wahrscheinlich die ältesten Nutztiere. Die Nutzung der Schafswolle begann vor etwa 3000 Jahren. Mit Millionen jährlich anfallender Felle sind sie die wichtigsten domestizierten Pelzlieferanten. Der Weltbestand an Schafen wird von der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen auf etwa 1,8 Milliarden geschätzt.[1] Die meisten Felle werden jedoch nicht für Pelzzwecke genutzt sondern gehen in die Lederindustrie. Die Felle von Wildschafen werden praktisch nicht verwendet.[2]

Das Schaffell war immer vor allem die wärmende Bekleidung für die einfachen Bevölkerungsschichten. Bereits im frühen Mittelalter galt es, trotz oder vielleicht sogar wegen der großen Haltbarkeit des Haares, als weniger wertvoller Pelz „nur für die niedrige Geistlichkeit und den Bauernstand“. Überhaupt war der Lammpelz besonders bei der Landbevölkerung verbreitet.[3] Wegen der großen Strapazierfähigkeit und den vielfältigen Möglichkeiten der Fellveredlung (scheren, färben, bedrucken, veloutieren, nappieren) gehören Lammfelle heute zu den begehrtesten Fellarten für Konfektion überhaupt.

Inhaltsverzeichnis

Allgemein

Schaffell in den Trachten der Völker
alphabetisch nach Landschaften
Bulgarien; 2009
Georgien; ohne Datum
Griechenland; 1831
Kaukasus; Jude mit Schaffellmütze, 1898?
Polen; 1863
Rumänien, Bergbewohner; vor 1906
Russland; 1860
Bunda aus Siebenbürgen; 1900
Türkei; 1820er Jahre
Ungarischer Schafhirte, 1870
Ukraine; vor 2000
Ramallah im Westjordanland; 1919
USA; 1910

Es werden vorrangig zwei große Gruppen unterschieden, die Haarschafe und die Wollschafe.

  • Haarschafe haben ein kurzes Wollkleid mit grobem Grannenhaar. Sie wechseln ihr Haar im Frühjahr und im Herbst.
  • Die Wollschafe haben einen größeren Anteil von Flaumhaaren, es findet kein jahreszeitlicher Haarwechsel statt.[2]

Von den Wollschafen wird ein kleiner Teil der Fellerzeugung zugeführt, die sogenannten Pelzschafe. Felle aller Altersstufen, so sie sich für Pelzzwecke eignen, werden traditionell in der Rauchwarenbranche ziemlich ausnahmslos als Lamm bezeichnet, besonders auch in verarbeitetem Zustand gegenüber dem Endverbraucher. Zeitweilig wurden tatsächlich in vielfach größerem Umfang wirkliche Lammfelle,[2] also die Felle sehr junger, oft nur wenige Tage oder Stunden alter Jungschafe zu Pelzen verarbeitet, der Anteil schwankt je nach Modeentwicklung. Den heutigen Ansprüchen bequemer Kleidung entsprechend haben neue Veredlungsmethoden die Felle ausgewachsener Schafe inzwischen dünnledrig, leicht und geschmeidig gemacht. Zur Zeit nehmen großflächige Felle älterer Tiere einen höheren Anteil an der Lammfellbekleidung ein als noch bis etwa um 1990.

Bei den Fellen echter Lämmer unterscheidet der Handel zwischen gelockten, moirierten, geflammten und glatthaarigen Haarstrukturen, die jedoch nicht immer eindeutig gegeneinander abzugrenzen sind.[4]

1. Gelockte Fellarten sind Karakul (Persianer), Halbpersianer, Salzfelle, Bagdads (gelegentlich ebenfalls als Salzfelle bezeichnet), Indische und Pakistanische Lammfelle, ostasiatische, besonders chinesische Lammfelle. Als leichtgelockte Ware bezeichnet der Handel italienische, spanische und griechische Lammfelle sowie Caloyos (Spanien, Südamerika).[2]
Der Begriff der Gelockten Ware war vor dem 1. Weltkrieg vor allem auf Persianer, Halbpersianer und Salzfelle begrenzt. Da das meiste davon schwarz gefärbt wurde, hieß die gelockte Ware auch Schwarze Ware. Alle Schaf- und Lammfellsorten wurden damals auch als Schafkram zusammengefasst.[2]
Zur leichtgelockten Ware werden die italienischen, spanischen und griechischen Lammfelle sowie die Caloyos (Spanien, Südamerika) gerechnet.[2]
2. Moirierte Felle gehören eigentlich auch zur gelockten Ware, doch betrachtet der Handel sie meist als Spezialsorte. Sie haben ein flaches Muster ähnlich dem Breitschwanzfell des russischen Karakullamms. Es sind dies ostasiatische, indische und pakistanische Moirés, chinesischer Breitschwanz, Chekiangs und andere. Auf die eigentlichen Breitschwanzfelle findet der Begriff keine Anwendung; auch nicht auf Breitschwanz-Buenos und Embros, bei denen das Muster durch die Tiefschur der Lincoln-Schmaschen (Bueno) und der Römer-Lammfelle (Embros) entstanden ist.
Nicht nur Schafslammfelle werden als Moirés bezeichnet, sondern auch die besten Felle der Ziegenlämmer, wie moirierte Kid aus China, Asmara-Zickel aus Abessinien und Hodeida aus dem Yemen.[2]
3. Hochschur-Lammfelle und Schaffelle verschiedener Lamm- und Schafarten werden durch Scheren und anschließendes Färben für Pelzzwecke nutzbar gemacht. Die großflächigeren Häute werden teilweise dafür im Rohzustand vorgeschoren, um das Zurichten der langhaarigen und teils zottigen Felle zu erleichtern. Für Hochschuren sind besonders die feinwolligen, dichthaarigen, leichtledrigen, merinoartigen Sorten geeignet.
4. Tiefschur-Lammfelle weisen einige Millimeter über dem Leder eine reliefartige Zeichnung (Moiré) auf, die erst nach dem Scheren sichtbar wird. Hierfür eignen sich Römer-Lammfelle, besonders schön werden Lincoln- oder Montevideo-Schmaschen (Fellbezeichnung Bueno-Lamm), ausgewachsenere Felle waren zumindest vor 2000 noch als Borrego und Borrequito im Handel.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging man dazu über, für Besatzzwecke Lincolnfelle nicht mehr ausschließlich tief zu scheren, um ihnen mit einer halbhohen Schur ein persianerähnliches Aussehen zu geben.
5. Oberhaar-Lammfelle sind mehr grannig oder mehr wollig, wobei die grannigeren die wertvolleren sind. Soweit das Haar gelockt ist, wird es durch Bügeln und fixieren gestrafft. Sie eignen sich gut für Edelpelz-Imitationen wie Marder, Zobel, Iltis, Luchs, Blau- oder Silberfuchs und Waschbär, vor allem die so genannten Toscana-Lammfelle und spanische Ware mit ihrer seidigen Qualität. Toskana-Lamm ist eine bestimmte italienische Lammfellsorte, die Felle müssen nicht aus der Toscana stammen.

Die meisten Rohfelle werden aufgeschnitten angeliefert, mit Kopf, Klauen (Beinen) ohne Hufe und dem Schwanz. Einzelne Herkommen kleiner Lammfelle, unter anderem aus Südfrankreich, Korsika, Sardinien werden manchmal auch rund abgezogen; sie werden meist nach Gewicht gehandelt.[4]

Schaffell als Militärkleidung
alphabetisch nach Ländern
Aserbaidschan; 2010
Finnland; 1939
Kreta; 1912
Deutschland; 1942
Polen; 1863
Russland; 1944
Tibet; 1938
Bezeichnungen nach dem Zeitpunkt der Schlachtung bzw. des Todes[2][4]
Felle von Früh- und Totgeburten
vom ungemusterten Karakullamm Galjak
vom gemusterten Karakullamm Breitschwanz
von sonstigen Pelzlämmern Galjak
von Wollschaflämmern Schmaschen
Felle ein bis wenige Tage alter Lämmer
vom Karakullamm Karakul oder Persianer
von sonstigen Lämmern Lammfell, z. B. Bagdadlammfell
von Wollschafen, etwa 1 Tag alt Schmasche
von Wollschafen, 2 bis 4 Tage alt Forsche
von Wollschafen, 3 bis 6 Tage alt Lamm(fell)
Felle von bis mehrere Monate alter Tiere
werden bezeichnet als Lamm(fell), z. B. Tibet, Slink, Merino usw.
Felle ausgewachsener Schafe
werden bezeichnet als Schaf(fell)
Felle geschorener Schafe werden bezeichnet
ohne Bewollung, nur Lederware Blöße
wenig bewollt,
zum weitaus größten Teil auch Lederware
Scherling oder Shearling
mit stärkerer Bewollung Angewachsene
mit dichterem Wollkleid Kurzwollige

Die Begriffe Forsche, Blöße, Scherling, Angewachsene und Kurzwollige finden nur im Rauchwarenhandel Verwendung.

Strapazierfähigkeit[5]

In etlichen europäischen Gegenden kostümieren sich die Teilnehmer bei traditionellen Umzügen mit Schaffellen. Hier beim Kurent, ein Fühhjahrsfest in Ptuj; Slowenien 2004

Die nachfolgend angegebenen, vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung aller wichtigen Fellarten, also nicht nur der Schaf- und Lammfelle, durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Gerbung und Veredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.

Haltbarkeitskoeffizienten:
Buenos und Embros (geschorene Lammfelle) 50 bis 60 %
Caloyos 60 bis 70 %
Lammfelle (Oberhaarware) 40 bis 50 %
Moirés: östliches China, Inder, Bagdads und Astrachan 40 bis 50 %
Schaffelle (Oberhaarware) 70 bis 80 %
Schmaschen 50 bis 60 %
Tibets 40 bis 50 %

Beschreibung der Lammfellarten nach Handelsbegriffen

Skulptur in Leinefelde, Fellanlieferung bei einem Händler. Die Leinefelder Bürger wurden wegen der dortigen Schafzucht als „Lämmerschwänze“ verspottet.

Nachfolgend die Beschreibung der Lamm- und Schaffellsorten unter ihren Handelsbegriffen.

  • Velours(oder Nappalan-)lamm- oder -schaffelle stellen eine besondere Veredlungsart dar, nur ein kleiner Prozentsatz unbeschädigter Felle eignet sich für die Verarbeitung mit der veredelten Fleischseite nach außen. Die Haarqualität spielt für die Eignung eine untergeordnete Rolle. Für Velourslamm wird die, in der Regel gefärbte, Lederseite samtartig geschliffen und gegen Wasseraufnahme imprägniert. Im Gegensatz zum Nappaleder, bei dem die ehemalige Haarseite beschichtet wird, trägt man bei der eventuell nachfolgenden, nappalederähnlichen Nappalanveredlung die Farbe auf die Fleischseite des Velourlammfelles auf. Die Beschichtung kann farblos oder in einer, eventuell vom Haar abweichenden Farbe erfolgen.
  • Biberlamm, auch Mouton doré, beide Begriffe sind, seitdem die Veredlungsart fast nur noch für Velours- und Nappaveredlung angewandt wird, im Sprachgebrauch rückläufig. Offenbar wird das Produkt meist nur als Merino-Lamm angeboten. Für diese Veredlungsart muss die Wollfeinheit mindestens 58° betragen. Biberlammfelle sind auf 12 bis 16 mm Haarlänge geschorene Schaffelle, bei denen die natürliche Kräuselung dauerhaft durch mehrfaches Bügeln und Fixieren entfernt wurde, so dass auch Schnee und Regen keine Rückkräuselung bewirken. Als erste hat bereits vor dem 2. Weltkrieg die Firma Pannonia aus Budapest das sogenannte Fixierverfahren für Schaffelle angewendet.[4]

Im zweiten Weltkrieg leistete Kleidung aus Biberlamm auch den deutschen, amerikanischen und englischen Soldaten gute Dienste, beispielsweise trugen Teile englischer Piloten der Royal Air Force kurze Biberlammjacken, die später als so genannte Bomberjacken Eingang in die Alltagsmode fanden. Elisabeth Ewing rechnet das Material sogar zu den wenigen guten Dingen, die aus diesem Krieg hervorgegangen sind. Nachdem es als Gebrauchspelz überflüssig geworden war, wurde es bis über die 1980er Jahre hinweg zum attraktiven Modeteil, das in seinen besten Zeiten den vierfachen Preis erzielte. Veloutiert oder nappiert, mit dem Haar nach innen getragen, ist es inzwischen aus der Mode nicht mehr wegzudenken.[6]

  • Langhaarige Lamm- und Schaffelle wurden, mit dem Haar nach innen, auf der Lederseite kunstvoll bestickt, für die traditionellen Fellmäntel und -jacken der osteuropäischen Länder verwendet. Sie waren einfach geschnitten und wurden meist mit Husarenverschlüssen geschlossen. In dieser Ausführung dienten die Nacktpelze als Hirtenmäntel, hier auch oft mit dem Haar nach außen getragen, und mit dem Leder nach außen als Dienstkleidung der Eisenbahner. Das langhaarige Felle wurde oft gleichzeitig als schmückende Verbrämung und Besatz genutzt, das Leder war entweder naturbelassen, gebleicht oder gefärbt. Da die Felle häufig in großer Stückzahl aus Afghanistan kommen, nennt sie der Großhandel auch Afghans. Mit durch die Veredlung gestrafftem Haar finden sie immer noch als Besatz und Verbrämung insbesondere jugendlicher Kleidung Verwendung.[2][7]

Am Leipziger Brühl, dem Platz, in dem nahezu alle Pelzarten universell zugerichtet und veredelt wurden, erkannte man erst zu spät die künftige Bedeutung der als geringwertig angesehenen Sorten der Lamm- und Schafware, stellt ein Pelzveredler 1974 fest.[8]

  • Spanische Entrefinos (Haarschafe) zählen zur Spitzenware. Sie liefern Schaffelle mittlerer Größe, die für warme Herren- und Damen-Oberbekleidung verwendet werden. Entrefinos sind Wollschafe mit geringen Fetteinlagerungen mit der besten Lederstruktur. Neben den weichen Wollhaaren weisen die Felle, vergleichbar mit Ziegenfellen, durch ihre glatte Struktur und die hellen Haarspitzen auffällige, verstärkt vorhandene Grannenhaare auf. Der Haarstrich geht markant vom Grotzen, der Fellmitte, in alle Richtungen (zum Kopf, nach hinten und zu den Seiten), allerdings nicht bei allen Tieren gleich ausgeprägt. Spanische Entrefinos wechseln die Granne im Sommer und im Winter, nicht das Wollhaar. Das feine Leder hat einen guten Stand und eine gewisse Festigkeit. Die bei Schafen ausgeprägte Doppelhäutigkeit ist nur sehr gering vorhanden. Das Leder ergibt einen schönen feinen Veloursschliff. Die Trageeigenschaften des langlebigen Fells sind insgesamt sehr gut.[9]
  • Spanische Merinos, auch als Seidenlamm gehandelt, werden ebenfalls für sehr hochwertige, leichte und warme Bekleidungen, aber auch für Besätze, verwendet. Sie haben verglichen mit anderen, für Pelzvelours genutzten Lammarten, das geringste spezifische Gewicht. Die weiche, feinste Wolle nimmt beim Aufbügeln sehr gut den Glanz an. Sie ist gleichmäßig glatt mit sehr leichten Wirbeln, die Strichrichtung ist uneinheitlich. Der feine Velourschliff ist nicht so gleichmäßig wie beim Entrefino. Das sehr weiche und leichte Leder neigt etwas zur Doppelhäutigkeit.[9]

Die Verwendung der Lamm- und Schaffelle erfolgt insgesamt zu Bekleidung jeglicher Art, der Schaffelle außerdem zu (Auto-)Sitzbezügen, Teppichen und anderem.

Geschorene Schaffelle finden in der Krankenbehandlung gegen das Wundliegen Anwendung. Sie wirken druckentlastend, reduzieren Scherkräfte und haben eine sehr gute Feuchteableitung, die der Hautmazeration vorbeugen kann. Klinische Studien sollen einen Rückgang der Dekubitusfälle belegen, wenn die Schaffelle gemäß dem australischen Standard 4480-1,1998 verwendet werden. Da diese Felle bei bis zu 95° waschbar sind, ist die Hygiene kein Problem mehr.

Asiatisches Lamm

Indisch Lamm und Pakistanisch Lamm

Indisch Lamm
Indisch Lammfell
Sarok (dunkle Fellmitte) gefärbte Indisch Lamm-Tasche, aus einem getragenen Pelz gearbeitet (2011)
Sourire (helle Fellmitte) gefärbtes Indisch Lammfell
Indisch Breitschwanz-Jacke, gefärbt; vor 1990
Indisch-Breitschwanz-Top und Tasche, gefärbt, Reliefarbeit; 1999
 Commons: Indisch Lammfelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bekleidung aus Indisch Lammfellen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Über das Pelzhandelszentrum Leipzig kamen die ersten Indischen und Pakistanischen Lammfelle, anfangs noch als Himalaja-Felle, später fachsprachlich einfach „Inder“ genannt, erst seit Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts in den Handel.[2][10] Herkunftsgebiet sind das nordwestliche Indien und der Norden Pakistans.

Die Felle sind kleiner als Persianerfelle, so groß wie Schirasfelle und größer als Syrische oder Shantafoo-Lammfelle. Das persianerähnliche Fell ist moiriert oder rundlockig, teils wellig (geflammt). Gute Felle sind seidig glänzend, andere manchmal auch drahtig (strohig).

Die Geschlossenheit der Locke erreicht zwar nicht die des Karakuls, hat aber ihre eigene Qualität. Hervorzuheben ist das geringe Gewicht, selbst die gröberen, schwereren Sorten sind in der Regel leichter als Persianer. Die Felle stammen von ein bis drei Tage alten Lämmern, die Felle ausgewachsener Tiere sind wegen der bereits aufgelösten Locke nicht für Pelzzwecke geeignet.

Naturfarbene Felle sind überwiegend weiß, die Köpfe, häufig bis zum Nacken, schwarz oder braun. Reicht die Farbe weiter in das Fell hinein, werden sie als „Deepheads“ (tiefe Köpfe) bezeichnet. Etwa 5 Prozent der Felle sind scheckig (spotted).

Während die indischen und pakistanischen Lammfellsorten, anfangs in Grauweiß-Färbungen, trotz ihrer guten Trageeigenschaften nur als ein preiswerter Persianerersatz angesehen wurden, wurden sie später ein eigenständiger Artikel. Durch die Ausgangsfarbe Weiß eignen sie sich ohne Bleichen zum Färben auf alle Modefarben. Braun-Färbungen machten dem Veredler bis in die 1950er Jahre erhebliche Schwierigkeiten, der Ausfall war wegen der unterschiedlichen Farbaufnahmefähigkeit der Felle so ungleich, dass sich kaum Kürschnersortimente erstellen ließen. Beliebt waren später auch zweifarbig eingefärbte Felle mit Farbbezeichnungen wie sarok (braun mit dunklem Grotzen) oder sourire (mit heller Fellmitte, beide von der Veredlungsfirma Marco in Fürth).[10]

Als die edelsten Vertreter der Indisch Lammfelle galten die flachen Indisch Breitschwänze (Indisch Moirés). Sie wurden meist in hellere Farbtöne, wie Noisette, Beige, Violett oder Platin eingefärbt, aber auch weiß gebleicht.[10]

Indische und Pakistanische Lammfelle werden luftgetrocknet und ausgespannt, in Ballen verpackt angeliefert. Der Verkauf erfolgt nicht über Auktionen sondern ausschließlich freihändig. Handelsplätze waren Hamburg, Frankfurt am Main und London.[2]

Sortimente:

  • Galjak (= nacktes Fell)
Felle frühgeborener oder noch nicht vollentwickelter, totgeborener Lämmer. Klein; so gut wie keine oder extrem flache Behaarung (aalglatt, selbst mit dem Finger nicht aufkratzbar).
  • Moirés
Kurzes, noch flaches Haar. Intensiver gemustert als Galjaks, auch raucher, meist glanzreich. Bereits erste Pfauenaugen-, Öl- oder Wassertropfenzeichnung.
  • Navalghar (Novalghar)
Navalghar kommen nur aus Indien, die im Einzelhandel übliche Bezeichnung ist Indisch Breitschwanz. Im Rohsortiment sind vom Galjak über Moiré alle flachen Sorten enthalten. Der eigentliche Navalghar hat die sogenannte Christbaumzeichnung, die laut Franke/Kroll dem Fell noch im nassen Rohzustand mit einem stumpfen Messer gegeben wird und die sich bis zum veredelten Fell erhält.
  • Nazuktcha (= das Ausgesuchte)
Der Lockendurchmesser der Nazuktcha beträgt 4 bis 12 mm, die Lockenbündel sind meist röhrenförmig und haben eine mäßige Lockenhöhe. Das Haar ist sehr seidig, glänzend und teilweise fedrig. Die Kopfbehaarung um die im Fell nicht abgeschnittenen, langen Ohren herum reicht bis zu einem Drittel niggerlockig in das Haarkleid hinein.
  • Guldar (das Blumenmuster)
Die kräftigen Locken sind mittellockigen Persianern ähnlich. Die Rohsortimente sind sehr uneinheitlich.
  • Broadspread
Broadspreads ist der hauptsächlich anfallende Rohwarentyp. Die Zeichnung ist, wie beim Breitschwanzpersianer, breitgezogen.
  • Small Curl (kleine Locke)
Der horizontale Durchmesser der Locken beträgt 2 bis 5 mm; das Haar ist grob und drahtig.
  • Nigger Curl (Negerlocke)
Die Felle haben eine noch kleinere Locke als die Small Curls. Das grobe Haar ist glanzlos und stumpf. Die Felle fielen nur in geringer Menge an, teils waren sie ganz wertlos, meist wurden sie in den Ursprungsländern verbraucht. Soweit sie in den Handel kamen waren die Bezeichnungen Lowgrades oder Rejects.
  • Wollige; ziegenartige; Heavies
Die Locke steht bereits hoch, sie ist grob und dick; das Fell ist schwer.

Vorkommen:

  • Multan (Pakistan)
Der Hauptsammel- und Handelsplatz für Multans ist Pakistan. Die roh angelieferten Felle werden hier erst gewaschen, luftgetrocknet und sortiert. Die Felle sind größer als die aus Indien; das Seitenhaar ist öfter strähnig. Sie werden mit den Köpfen angeliefert, die Nazutchka auch mit Ohren und mit Beinteilen fast bis an die Hufe.
  • Delhi (Indien)
Der Haupthandelsplatz ist Indien, der Hauptmarkt in Delhi „im Zentrum des Handels („Sadar Bazar“)“. Die Rohfelle sind in der Körperfläche etwas kleiner als pakistanische. Außerdem sind die stummelartigen Schwänze meist etwas länger und die Köpfe etwas breiter. Die Anlieferung der meist luftgetrockneten Felle erfolgt mit Köpfen und ohne den unteren Teil der Beine.
  • Bombay (Indien)
Der Anfall beträgt etwa 90 Prozent schwarze und 10 Prozent naturbraune Felle, häufig mit einer schwarzen Fellmitte, oder aber naturcremefarbig. Ungefähr ein Zehntel der Felle ist breitschwanzartig, der Rest, der meist im Land selbst verwendet wird, ist groblockig und harthaarig.[2]
1978 zählten Exportschätzungen 600 Tausend Felle (davon 80 Tausend Navalghar)
1980 noch 450 bis 500 Tausend (davon 30 bis 35 Tausend Navalghar)
1987 nur noch 40 bis 50 Tausend (davon 15 bis 18 Tausend Navalghar)

Aufgrund der zurückgegangenen Nachfrage werden die meisten Lämmer für die Fleischaufzucht verwendet. Es wird vermerkt, dass sich die Ausfallquote, der sogenannte Schuss (= Ausschuss), zwischen 1984 und 1988 von ursprünglich 4 bis 8 Prozent auf 40 bis 45 Prozent erhöht hatte. [2]

Karakul oder Persianer

Ergänzende Artikel: Karakulschaf und Persianer

Russische Breitschwanzfelle

Uralte Statuen aus der Hethiterzeit zeigen Könige mit Kopfbedeckungen, die nach der Art der Darstellung auf Persianer deuten. Rauchwarenhändler Francis Weiss schreibt, dass Gebiete nördlich des Oxus (Amu Darja) schon immer für die Edellämmer von großer Bedeutung waren. Er deutet den Begriff budge, den die englischen Kürschner im 15. Jahrhundert für feine Lammfelle benutzten, als ein von Boghery abgeleitetes Wort, was wahrscheinlich Bukhara ist.[11]

Heute kommen die auch als Karakul bezeichneten Felle nicht nur aus der wahrscheinlichen Urheimat Buchara beziehungsweise aus Arabien, sondern vor allem aus Namibia, dem Gebiet der ehemaligen UdSSR und Afghanistan. Namibia liefert hauptsächlich die flachen moirierten, breitschwanzähnlichen Felle, Russland die klassische, gelocktere Ware und Afghanistan die meist etwas geringer bewerteten, im Haarbild etwas offeneren Karakul.

Die Felle stammen von wenige Stunden bis zu einige Tagen alten Tieren, ehe die Locken sich auflösen und Strähnen bilden. Das Felle von Früh- oder Totgeburten werden als Breitschwanz oder genauer als Persianer-Breitschwanz oder Karakul-Breitschwanz bezeichnet, ein Breitschwanzfell mit noch sehr wenig ausgebildeter Zeichnung und dünnem Leder nennt man Galjak. Die flachen Felle normal geborener namibischer Karakuls werden entweder als Swakara gehandelt, manchmal auch noch mit der alten Bezeichnung Breitschwanz-Persianer.

Persianer-Breitschwanz-Mantel, um 1990

Es gibt eine Vielfalt von Lockenformen. Die einmal so beliebten größeren Lockenvarianten sind heute deutlich weniger gefragt, die Mode bevorzugt jetzt die flachen moirierten Swakara aus Namibia.

Die wichtigsten Lockentypen sind die Rippe, die Röhrenlocke, die Zigarettenlocke, die Pfeifenrohrlocke, die Raupenlocke, die Runde oder Bohnenlocke, die Breite Locke, die Korkenzieherlocke und die Pfefferkornlocke. Im Handel waren für bestimmte, vom Kunden besonders gefragte Lockenformen noch weitere Bezeichnungen üblich, wie Berliner Locke, Pariser Locke, Wiener Locke usw.[2]

Jury Fränkel`s Rauchwarenhandbuch meint dazu, „Insgesamt kann gesagt werden, dass nur Experten - Züchter, Sortierer in Auktionsgesellschaften, Zurichter, Rauchwarengroßhändler - sich bis ins Einzelne in diesen Fellen auskennen. Dem Kürschner werden reine Sortimente - Mantel- und Jackenbunde - vom Rauchwarengroßhandel unter der Bezeichnung der Herkunftsgebiete angeboten“.

Die Rohfelle kommen immer offen abgezogen und gespannt in den Handel, gesalzen und luftgetrocknet (Südafrika) oder schrotgebeizt (Sowjetunion, Afghanistan).

Obwohl Karakul in der Regel naturschwarz sind, werden die Felle meist zusätzlich schwarz gefärbt. Das erhöht den Glanz und verstärkt den Schwarzton. Zumindest bis vor noch nicht so vielen Jahren erfolgte diese Veredlung wenigstens teilweise noch mit den ursprünglichen Holzfarbstoffen aus Blauholz und Campecheholz, die gleichzeitig eine gerbende Eigenschaft haben. Das Blauholz verlieh dem Persianer den damals für das Fell typischen aber bei Kennern beliebten Persianergeruch. Die Historie besagt, dass es bei Versuchen in den 1870er Jahren dem Leipziger Markthelfer Mandel erstmals gelang, Persianerfelle mit Holzfarbstoffen auf glänzend tiefschwarz zu veredeln.[12]

Fast schwarze Felle mit, vor allem in den Köpfen, „weißen“ Partien werden als Schneepersianer gehandelt. Daneben gibt es naturgraue, naturbraune und naturweiße Felle. Seit vielen Jahren kann man die Persianerfelle bleichen und anschließend färben, so dass sie in allen Fantasie- und Modefarben angeboten werden.

Nachdem es gelungen war, durch moderne Veredlung das Fell und das bisher durchscheinende weiße Leder tiefschwarz zu färben, gehörte der Persianer zu den begehrtesten Fellarten seiner Zeit. Dies traf vor allem auf die Bundesrepublik zu, so dass er als klassischer „deutscher“ Pelz galt, bis er in den 1970er Jahren vom Nerz abgelöst wurde.[13] Seit etwa 2000 erfreut er sich, auch bei uns, aber vor allem in den neuen östlichen Märkten zunehmender Beliebtheit, was sich in einem erheblich gestiegenen Fellpreis ausdrückt.

Teil der Mode lockiger und moirierter Fellarten war auch der Pelzbesatz, insbesondere aus Persianer, bis er dann durch langhaarige Felle abgelöst wurde. Hierfür wurden die Felle auch in Modefarben eingefärbt, was ein vorheriges Bleichen der naturbraunschwarzen Felle bedingt. Dies war zufriedenstellend möglich, nachdem im Jahr 1925 in Amerika die katalytisch geführte Pelzbleiche gelungen war. Die zuvor bereits mit Ferrosalzen behandelten Felle entfärbten sich in oxydativen Bleichbädern, je nach angewandter Konzentration in mehr oder weniger deutlicher Weise. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg waren so die ersten kleineren Partien braungefärbter Persianer auf den Markt gekommen. Mit dem Ende der lockigen Kragenmode verwendeten die Kürschner die hellgefärbten Felle zunehmend auch für Jacken und Mäntel. Spielte die geringere Haltbarkeit der aufgehellten Felle solange man sie hauptsächlich zu Kragen verarbeitete keine wesentliche Rolle, gelang es den Pelzveredlern etwa in den 1960er Jahren, die Abriebfestigkeit der Haare auf ein vertretbares Maß zu erhöhen. Es wurde möglich, die Farbe bis hin zu beige zu decolorieren, darauf aufbauend entstanden zusätzlich zahlreiche, natürlich wirkende Bicolor-Farben - eine davon imitierte täuschend echt den goldbraunen Surpersianer - sowie zahlreiche Weiterentwicklungen, wie die auch bei Indisch Lamm angewandte „Ombré“-Ausführung.[12]

Persianer, Breitschwanz sowie die besseren Qualitäten der Halbpersianer, zum Beispiel Schiras und Bagdads, werden wegen des höheren Wertes auch als Edellammfelle bezeichnet.[4] Der Sammelbegriff für alle feineren schwarzen Lammsorten, die über Russland gehandelt wurden, war einmal Baranken, auch Baranjen. Darunter fielen Persianer, Astrachan, Krimmer und die feineren Ukrainersorten.[14]

Die Verarbeitung erfolgt zu Konfektion aller Art, in den letzten Jahren verstärkt auch zu Wendeteilen mit veloutierter oder nappierter Lederseite. Wie beim Nerz werden alle bei der Fellverarbeitung abfallenden Teile verwendet; auch in der Bundesrepublik wurden in den Nachkriegsjahrzehnten Persianerklauenmäntel und Persianerstückenmäntel als preiswerte Pelze in großer Zahl gehandelt.

Russische Karakul (Persianer)

Der Schriftsteller Michail Arzybaschew mit Mütze und Besatz aus russischem Persianer, etwa 1905

Typisch für die Fellform des Russischen Karakuls ist der spitze, langgezogene, schmale Kopf, die in voller Länge anhängenden Läufe und der lange Schwanz (im Gegensatz zum namibischen Persianer mit kurzem viereckigen Kopf, abgeschnittenen Extremitäten und kurzem Schwanz).

Der wertvollste und auch führende Lockentyp unter den schwarzen Karakuls ist seit jeher „Jaketny“, neben „Kirpuk“, „Kaukasus“ und anderen.

Nicht nur eine Farb- sondern auch eine Qualitätsvariante sind die braunen Surpersianer, die die strapazierfähigste Wolle haben (auch bei Teppichen). Verschiedene Naturfarben verleihen dem Fell einen besonderen Farbeffekt, wobei der Haargrund dunkler als die Haarspitzen ist. Bei Silber-Sur zum Beispiel sind die Haarspitzen cremefarben, hellgelb oder weiß; bei Golden-Sur tiefgelb. Diese Felle wurden bis zum zehnfachen Preis bester schwarzer Karakulfelle bewertet.

Weitere Farbvarianten sind Braun (Hauptnuancen rot- und hellbraun, braun und dunkelbraun), Halali (zweifarbig, braun mit schwarzen Seiten), Kambar (gleichmäßig grau-blau-bräunlich), Sedinoi (dunkel bis schwarzgrau mit schmalem, grauen Grotzen), Gulgas oder Guligas - der Name bedeutet „Blumen“, (Kombination von braunen und weißen Härchen verschiedener Nuancen), Schnee (dunkelgrau mit weiß besonders im Grotzen, zum Kopf hin zunehmend).

Die Provenienzbezeichnungen sind Bucharen, Usbeken, Turkmenen und Kasachstaner.

Auffallendes Merkmal der russischen Persianer ist die runde Locke. Der Prozentsatz an rippigen Fellen ist kleiner als bei den afghanischen und bedeutend kleiner gegenüber denen aus dem südwestlichen Afrika. Doch bemühte man sich schon vor Jahren um eine Vermehrung der flachen Lockentypen.

Nach Kroll/Franke betrug das Auktionsangebot 1987 etwa 850.000 Felle, wobei der tatsächliche Anfall stets ein Mehrfaches betrug.[2]S. 271 Das Auktionshaus Sojuzpushnina schreibt etwa 1985 in einer Selbstdarstellung: „Obwohl annähernd 6,5 Millionen Karakul-Felle jährlich in der Sowjetunion geerntet werden, sind nur 2 Millionen davon für den internationalen Markt verfügbar. Der Hauptteil der Ernte, etwa 65 bis 70 Prozent, ist schwarzer Bukhara. Grauer Bukhara erreicht etwa 12 Prozent der Gesamtproduktion. Die verbleibenden 20 Prozent der Bukhara-Ernte sind von anderen außergewöhnlichen Farben. Davon ist Sur die bedeutendste und der Stolz der sowjetischen Karakul-Zucht. Außer vielen Braun-Schattierungen gibt es noch die Rosa-Variationen, die fremde schöne usbekische Namen tragen, wie Guligas, Kombar, Khalili.[15]

Afghanische Karakul

Afghanische Persianer geringster Qualität (Ausschuss) auf einem Markt in Kabul; 2010

Die Beschaffenheit und Größe der Locken der afghanischen Karakul ist etwa wie bei der russischen Provenienz der turkmenischen Persianer, doch ist die Form öfter unregelmäßiger. Die Locke ist von kleinen Haarspitzen bedeckt oder überwachsen, was meist die Wirkung des Glanzes beeinträchtigt, die Seiten sind meist weniger gelockt. Der Kopf endet in zwei von den Backen gebildeten Zipfeln, die Felle sind leichtledriger als die Turkmenen.

In Afghanistan werden schwarze und graue Karakul gezüchtet; schon 1966 kamen erste Neuzüchtungen (hellbeige, fawn) in den Handel, wesentliche Mengen sind jedoch nicht bekannt geworden.

Hauptsächliche Sorten schwarzer Karakul auf den Londoner Auktionen sind Nazutchka, Arghul, Chaqmaci, Karakulcha, teilweise mit weiteren Untersorten.

Aus Afghanistan kamen 1987 etwa 750.000 Felle auf den Weltmarkt.[2] Modebedingt und durch die Unruhen im Land war der Export zwischenzeitlich praktisch zusammengebrochen. Neuere Zahlen liegen nicht vor; 2007 schreibt Kopenhagen Fur im Auktionsbericht, …großes Angebot in Karakul aus Afghanistan und Usbekistan.[16]

Im übrigen siehe auch die Einführung oben, „Karakul oder Persianer“.

Swakara Karakul

Swakara-Persianermantel; 2007

1907 wurden die ersten russischen Karakulschafe von Deutschland nach damals Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, gebracht. 1924 kamen die ersten Felle zu den Leipziger Rauchwarenhändlern. Insbesondere die flachen Qualitäten werden in der Branche als Breitschwanzpersianer bezeichnet, weil sie den in der Struktur dem wesentlich flacheren und dünnlederigen russischen Breitschwanzfellen ähneln; tatsächliche Breitschwänze fallen in Namibia kaum an. Die geschützte Handelsbezeichnung S.W.A.-Persianer (Süd-West-Afrika) wurde 1969 durch den ursprünglich nur für den amerikanischen Markt vorgesehenen Namen Swakara (South West African Karakul) ersetzt.

In strikten Zuchtversuchen entwickelte der Züchter Thompson die Lockentypen „Watered Silk“ (WS) und „Shallow Curl“ (VL). Die Entwicklung zum heutigen Felltyp erfolgte in drei Stufen:

  1. Lockiger Persianer, auch als „klassischer Persianer“ bezeichnet
  2. Rippiger Persianer
  3. Der flache Breitschwanz-Persianer mit der „eleganten“ Moirézeichnung.[2]

Auch der Name „Persianer“ wird seit 1924 als geschützt angesehen, nachdem die Industrie- und Handelskammer Leipzig in einem Gutachten entschied, „dass als Persianer im Sinne des Handels das Persianerfell russisch-bucharischer, afghanischer und südwestafrikanischer Herkunft zu gelten habe“.[2]

Swakara Auktionen in London im Jahr 1966
Hudson's Bay Company, Persianerfelle, zugerichtet und gefärbt von Thorer Fur Processing Co. of South Africa Ltd. (Stammfirma Thorer & Co, Offenbach)[17]
Anning Chadwick & River
Rohfelle bei Eastwood & Holt

Eine Besonderheit im Handel war, dass immer die gesamte anfallende Ernte auf die fünf Auktionen der Hudson's Bay Company, Anning sowie Eastwood & Holt nach London ging, ohne dass es, wie sonst üblich, einen Preisvorbehalt oder einen Rückzug der Ware gab. Zwischenzeitlich führte das dazu, dass bei dem Wechsel der Mode hin zum Nerzfell auch sehr schnell auf die Fleischproduktion umgestellt wurde. Verstärkt wurde dies dadurch, dass der Fleischverbrauch mit zunehmenden Einkommen der schwarzen Bevölkerung stieg. 1986 wich man zum ersten Mal für weiße und braune Swakara von diesem System ab, da die Gebote nicht mehr den Gestehungspreis deckte, man verkaufte sie nach verdeckten Angeboten zu einem vorher festgelegten Mindestpreis.[18] Anfangs reisten Aufkäufer der Fellhändler durch das damalige Südwestafrika, später wurden die Felle in Windhoek gesammelt und dort nach dem besten Gebot verkauft, bis es in den 1930er Jahren zu der jetzigen Lösung kam, bei der die Züchtergenossenschaften die Felle sammeln und nach London geben.[19]

1986 betrug der Jahresanfall knapp eine Million Felle, 2007 wird er auf der Internetseite der namibischen landwirtschaftlichen Organisation Agra mit 140.000 angegeben.[20] Bis zum Beginn der achtziger Jahre war die Produktion noch einmal wesentlich höher. Derzeit wird die Menge wieder gesteigert um der erstarkten Nachfrage gerecht zu werden. Die verbliebenen Züchter behielten in der Zeit des Absatzrückgangs nur die besten Tiere, so dass die durchschnittliche Fellqualität heute wesentlich besser ist als zur Hauptzeit der Persianermode. (Stand 2011)

Persianer-Breitschwanz siehe unter Karakul.

Halbpersianer sind gelockte Lammfelle von Fettsteißschafen und von Kreuzungen anderer Provenienzen. Sie haben je nach Herkunft Bezeichnungen wie Krimmer, Schiras oder Bessarabische Lammfelle. Indisch Lammfelle bilden eine eigene Kategorie und werden nicht als Halbpersianer bezeichnet.

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Merinolamm und Schmaschen

Die Felle der Jungschafe sind unter den verschiedensten Bezeichnungen im Handel, dieses Kapitel behandelt die Felle der so genannten Wollschafrassen.

A: Schmaschen

Schmaschen sind die Lämmer ein bis zwei Tage alter, auch früh- oder totgeborener Lämmer. Sie sind klein bis mittelgroß; die Behaarung je nach Rasse unterschiedlich, doch meist kurz und flach, niederlockig und dünn. Felle einiger Tage alter Tiere haben eine den Caloyos ähnliche Zeichnung, sie werden als Forsche bezeichnet.

  1. Hauptsächlich kommen die Felle aus Südamerika.
    Die zum Tiefscheren verwendeten Felle haben eine Felllänge von etwa 40 bis 60 cm, das weiße Haar hat eine knöpfchenartige Locke. Am Haargrund weisen sie ein besonderes Moiré auf, das an die Zeichnung besonders ausgeprägt gezeichneter Breitschwanzfelle oder Swakara-Persianer erinnert. Indem man sie tiefschert kommt dieses attraktive Haarbild zum Vorschein.
    Im Handel waren sie unter Namen wie Bueno- oder Bueno-Aires-Breitschwanz-Schmaschen, gut gezeichnete als Amerikanischer Breitschwanz oder Bueno-Breitschwanz, heute meist einfach als Bueno oder Bueno-Lamm gehandelt. Noch tiefer geschorene Felle älterer Tiere werden als Borrequito (Medianito) bezeichnet, die noch älterer Tiere als Borrego (Mediano). Je ausgewachsener das Fell ist, um so dicker ist das Leder und desto verschwommener ist die Zeichnung.
    • Große Mengen liefert Argentinien. Die sehr scharf gelockten, breit gezeichneten, grobhaarigen Lammfelle werden als Lincoln-Schmaschen gehandelt. Cordoba-Schmaschen sind mehr ziegenartig grob im Haar und werden hauptsächlich zu Innenfuttern verarbeitet.
    • Felle aus Uruguay sind als Montevideo-Schmaschen im Handel. Sie sind sehr feinwollig; engrippiger gezeichnet als die Montevideo-Schmaschen; das Leder ist dünner als bei anderen Provenienzen. Weniger dünnledrige Sorten können entlockt werden, sie wurden braun gefärbt und waren dann als Nutriette-Schmaschen im Handel. Sie werden als Futter für Stoffmäntel, für Handschuhe und andere Kleidungsstücke verarbeitet.
    Auch von diesen wurden die besten Sorten als Bueno-Breitschwanz bezeichnet
    Von hier kommen feinseidige Schmaschen, insbesondere die aus Peru sind wegen ihres flammigen Charakters gut für Mäntel geeignet, jedoch gelangen nur geringe Mengen in den Handel (1988).
    Nachdem die Anlieferungen aus Spanien aufhörten waren nur noch peruanische Caloyos im Handel (1988). Spanische Caloyos sind im Körper etwa zehn Prozent größer, stärker im Leder und haben eine kräftigere Unterwolle. Die Haarlänge eines typischen Caloyo beträgt etwa 10 mm. Das Gewicht spanischer Ware soll nach Angaben eines damals führenden Caloyoshändlers pro 100 Felle 11,5 kg, das von südamerikanischen Fellen 6,2 kg nicht übersteigen. Nach seinen Angaben beginnt die Wirtschaftlichkeit eines einzigen Manipulationsgangs für diesen Artikel wegen der Differenziertheit in der Struktur und Farbe der Felle bei 20 Tausend Stück.[21]
  2. Europa
    • Aus Spanien kamen kleinere und im Leder dünnere Felle, 1988 heißt es bereits, die Lieferungen seien inzwischen fast ganz ausgeblieben.
Um 1900 wurden Schmaschen außer zu Innenfutter viel für Fuß- und Handwärmer aller Art verarbeitet. Eine Sorte, die nur aus Spanien kam, war auch schwarz. Diese waren unter dem Namen spanische Socken oder Bearner Socken im Handel.[22] Handelsnamen weiterer Sorten sind:
  1. Calayos (Caloyos). Sie sind teils sehr seidig, teils grobwollig und meist geflammt.
    Die raucheren Sorten mit mehr Lammfellcharakter werden als Pellicones gehandelt. Die besten kommen aus Aragonien und sind als Aragon-Calayos im Handel.
    Geringere Qualitäten kommen auch aus Italien und Griechenland.
    • Gute, seidig glänzende Calayos werden für Jacken und Mäntel verwendet; die feinwolligen, im Leder stärkeren Sorten, die als Innenfutter Verwendung finden, werden als Merinillas gehandelt (auch die italienischen und deutschen Schmaschen).
  2. Italien, Sardinien, Korsika
    Die Qualität ist wegen der vielen Schafrassen sehr unterschiedlich, der Anfall ist erheblich. Um 1925 kamen jährlich etwa eine Million der kleinen, glatthaarigen Kalabreser in den Handel.[23] Verwendung für Innenfutter, Handschuhe und ähnliches.
  3. Belgien, Schottland, Island
    Die lincolnähnlichen Felle sind infolge der mit Teerfarbe aufgemalten Nummern nur bedingt brauchbar.
  4. Türkei –– Syrien
    Die oft seidigen und rauchen Aleppo-Schmaschen sind für Pelzzwecke gut geeignet, sofern sie nicht scheckig sind.

Insgesamt unterscheidet man bei Schmaschen zwischen Tanners = Gerberfelle (für Handschuhfutter und Lederproduktion) und Furriers = Pelzfelle.

Geschorene Lamm- und Schaffelle
alphabetisch nach Handelsnamen
Biberlammjacke (leopardgefärbt); 1955
Borregos-Mantel; 1965
Jacke aus beige gefärbten, ungeschorenen Buenolammfellen mit Nerzkragen; ca. 1970
Muff aus einem geschorenem und schwarz gefärbten „Bueno-Breitschwanz“-Fell mit breiter Zeichnung; ca. zwischen 1915 bis 1940
Gotlandlamm-Herrenmantel, veloutiert; 2009
B: Merinos

sind die Felle von bis zu einem Jahr alten Lämmern. Sie müssen nicht unbedingt von reinrassigen Merinoschafen stammen, teilweise werden auch Felle von Kreuzungen oder von anderen Wollschafen unter dem Namen gehandelt.

  • Die Felle aus Frankreich und Spanien sind teils seidig und gut im Leder, teils glatt, manchmal gröber. Lechales sind sehr kleine Felle spanischer Lämmern die noch nicht geweidet haben.
  • Italien unterscheidet drei Hauptsorten, die langhaarigen Lammfelle (Italienisch Lamm, Oberhaarware), Bastards (Crossbredschaf, aus Kreuzzuchten; merinoartig; für Scherzwecke oder als Futterware) und Merinos (meist zum Scheren).
Die besten Felle sind die Toskaner; die Abruzzen sind wolliger; die Römer sind am Fellboden moiriert und werden nach dem Scheren als Embros gehandelt.
Weitere Handelsnamen sind Triestiner (meist für Leder), Abruzzen (wolliger, auch gut langhaarig), Manfredonier (sehr seidig, gut geeignet für Biber oder Nutriaimitationen (Biberlamm, Nutrialamm)); Sizilien, Sardinien (mehr gewellt, teils schöner Glanz).
Siebenbürgerfelle aus dem heutigen Rumänien zeichnen sich durch eminente Dauerhaftigkeit aus. Sie haben ein dickes Leder und eine nach der Spitze zu in Löckchen zusammengedrehte, außerordentlich dichte und warme Wolle.[22]
Die seidigen Merinos waren 1891 noch nur für die Wollproduktion begehrt, denn sie repräsentieren nicht genug als Fell, als Pelzwerk weil das Fell vollständig wollig, grannenlos und ohne jede Zeichnung keinen Charakter hat.[22] Gerade diese Eigenschaften machen das Material heute für die Velours- und Nappalammbekleidung so geeignet.
  • Felle aus Nordeuropa werden geschoren, naturell oder gefärbt verarbeitet.
Felle aus Schweden waren bald nach dem Zweiten Weltkrieg unter der Bezeichnung Gotlandlamm, später auch unter dem Handelsnamen Viking-Lamm, als strapazierfähige Pelzkonfektion mit dem Haar nach außen, gut zwei Jahrzehnte lang sehr beliebt. Der Artikel „Heidschnucke“ erwähnt das Gotlandpelzschaf als eine „Spezialität der ehemaligen DDR: Umzüchtung des Gotlandschafes mit Karakulschafen“.
Die Amerikaner bezeichnen die zugerichteten Schaffelle aus Mitteleuropa als Alpine Lamb, ehemals mit dem Phantasie-Handelsnamen Mandel Lamb.[24][25]
  • Deutsche Schaffelle waren früher wegen des strohigen Haars und einer stärkeren Fetthaltigkeit des Leders für die Hochschur-Veredlung nicht zu verwenden. In der Nachkriegszeit gelang auch hier die Veredlung für einen Großteil der anfallenden Ware in eine einwandfreie Qualität.[4]
Deutsche Schaffellanlieferungen werden gewichtsmäßig übernommen. Gesalzene Ware eignet sich für Pelzzwecke besser als getrocknete. Seidige Felle ergeben eine bessere Qualität als wollige. Dickledrige und stark natur-fetthaltige Ware ist geringer im Preis. Weitere Wertminderungen sind Farbstempel und Blutflecken, da bei letzteren an den Stellen oft Haarlässigkeit auftritt.[26]
Dort wo man Schafzucht betreibt, fallen Lamm- und Schaffelle an. Teils werden sie als Fell verwendet, teils als Leder. Sie stammen von den verschiedensten Rassen, die zunächst für die Woll-, Fleisch- und Milchgewinnung gehalten werden.
  • Aus Übersee - außer Südamerika, siehe am Anfang des Artikels - kommen Felle, die je nach Veredlung andere Handelsnamen haben, aus denen man die Herkunft nicht ohne weiteres erkennen kann.
  • Aus Island kamen früher großlockige Felle unter dem Handelsnamen Clondyke, später kleinlockige Felle die meist schon im Land zu Konfektion verarbeitet wurde (Stand 1988). Um 1925 waren sie ein beliebtes Material für Kinderjacken und -garnituren (Muff, Mütze, Schal, Handschuhe). Der Export betrug zu dieser Zeit selten mehr als 20 Tausend Felle.[23]
  • Vor dem Ersten Weltkrieg waren Felle der so genannten Angoraschafe für Bettvorleger und Decken sehr beliebt. Sie hatten eine etwa 20 cm lange Wolle, die meist in Fantasiefarben eingefärbt wurde. Die Felle stammten von englischen Lincoln- und Leicesterschafen. Kurzgeschorene Angoraschafe hießen in England Kavalleriefelle, weil sie für Schabracken der Reiterei verwendet wurden.[22]

Zugerichtete Felle werden nach Quadratfuß gehandelt (Rohfelle meist, nach Gewichtsklassen). Sie werden geschoren, gefärbt, bedruckt, zu Velourslamm veredelt oder nappiert zu Konfektion aller Art verarbeitet.

  • Durchschnittliches Gewicht europäischer, für Pelzzwecke am besten geeigneter Schaffelle per 100 Stück (1936):[25]
Schafrassen in Deutschland
alphabetisch
Bretonisches Zwergschaf, Detailaufname
Deutsches Gotlandlammfell
Kamerunschaf-Fell
Rhönschaf-Fell
Waldschaf-Wolle
Walliser Schwarznasenschaf, Detailaufnahme
Italien:
Toskana = 48 bis 50 Kilo
Abruzzen = 70 bis 72 Kilo
Merino Bastarde = 40 bis 45 Kilo
Bulgarien = 55 bis 60 Kilo
Griechenland = 55 bis 60 Kilo
Spanien:
Navarra = 45 Kilo
Katalonien
Erste = 65 bis 70 Kilo
Mittlere = 85 bis 90 Kilo
Zweite = 100 bis 110 Kilo (bis zu 120 Kilo)
Rumänien und Südrussland
Südrussland = 100 bis 110 Kilo
Zigaya-Schaf usw. = 100 bis 110 Kilo
Nordafrika
Früher Anfall = 60 bis 75 Kilo
Hauptsaison = 100 bis 110 Kilo

Diese Gewichtsangaben sind mit Vorbehalt zu betrachten. Nicht nur kamen die Felle unterschiedlich verschmutzt in den Handel, sie können neben anderen Faktoren in unterschiedlicher Höhe angeschoren sein. Während die Felle aus den Abruzzen mit den Kopffellen angeliefert wurden, waren sie bei anderen Herkommen abgeschnitten.

Als Nacktpelz oder ungarisch Bunda bezeichnete man Lammfellmäntel (auch ebenso gearbeitete auch Ziegenfellmäntel), die ohne Stoffhülle mit der Lederseite nach außen getragen wurden. Insbesondere in Ungarn und den angrenzenden Ländern gehörten sie, oftmals reich bestickt, nicht nur zur Hirten- und Bauerntracht.

Drei Georgier mit Papachi; 1895

König Matthias bestellte sich, bevor er die Feste Sabác belagerte, bei den Kürschnern für 8000 Soldaten Ködmöns, das sind hüftlange Jacken, und Pelzhandschuhe.[7] Vor dem Ersten Weltkrieg fand man Nacktpelze noch im Osten des damaligen Deutschlands, in Oberschlesien, Posen usw. Während des Kriege dürften wohl zwei Millionen Stück von deutschen Kürschnern für den Winterfeldzug gefertigt worden sein.[23] Als Weste, Wachpelz und später als Fliegerjacke nahmen sie in beiden Weltkriegen eine besondere Stellung ein.[27]

Im europäischen Russland gab es Farbvorlieben, an denen bestimmte Stände strikt festhielten. Russische Bauern trugen nur weiße, Kalmücken nur kaffeebraune (Kalmützki Tulubi), Tataren nur silbergraue und Russinen nur schwarze Lammfelle (1841).[28]

Die Papacha ist eine auffällige, traditionelle kaukasische Kopfbedeckung für Männer, die meist aus Schaf- oder Lammfell gefertigt wird.

 Commons: Bekleidung aus Gotlandlamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bekleidung aus Toskanalamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Halbpersianer und Orientlammfelle

Halbpersianer und Orientlamm
alphabetisch nach Handelsnamen
Astrachan-Jacke mit Zobelbesatz; 1908
Bagdad-Breitschwanz-Lamm-Mantel, nerzgefüttert; etwa 1977
Bessarabisch-Lamm-Mantel; etwa 1977
Chekiang-Lammfell, gebleicht
Chekiang-Lamm-Jacke mit Blaufuchskragen; 2010
Iran-Breitschwanz-Pullover (vorn), gefärbt, Intarsien-Näharbeit; Mantel (hinten), gefärbt, Reliefarbeit; 1977
Kalgan-Lamm, biton gefärbt, 2010
Teddy aus gefärbtem Kalgan-Lamm (2011)
Tibetlamm-Kragen

Felle aus Kreuzungen von Karakulschafen mit einheimischen Schafen sind mehr oder weniger persianerähnlich, deshalb wurden Sie als Karakul-Metis und Halb-Karakul gehandelt.

Die RAL-Bestimmungen sagen, dass Felle aus der Sowjetunion nur als Metispersianer, aus Afghanistan als Dubar und aus Bessarabien nur als Bessaraber oder rumänische Halbpersianer gehandelt werden dürfen.

  1. Russische Metis-Persianer sind kleiner als die Felle reinrassiger Karakulschafe; die offenere Locke ist seidig und glänzend.
  2. Die Bessaraber oder Rumänischen Halbpersianer sind feinste, persianerähnliche Felle; kleiner als die Buchara-Persianer. Meist schwarz, teils grau, braun und gescheckt.
  3. Die Dubar aus den Zuchtgebieten Heradj und Massar in Afghanistan sind gröber und schwächer als die Felle reinrassiger Tiere.

Weitere gelockte Felle von Fettschwanzschafen bzw. Fettsteißschafen, die nach den RAL-Vorschriften die Bezeichnung Persianer in keiner Form tragen dürfen sind:

  1. Sowjetische Provenienzen
    • Krimmer von der Krim (größte, beste) und aus der Ukraine (schwerer, langhaariger). Die große offene und hohe Locke ist weich und fedrig. Meist grau, grau-weiß, seltener braun; persianergroß, teils größer.[25]
    • Ukrainer aus dem Raum Poltawa sind dem Krimmer ähnlich mit einer offeneren Locke; grau und schwarz. Die bessere gelockte, graue Qualität heißt Post, die geringere, groß- und weichlockige Tesser (Tescher).
    • Schmuschka aus Südrussland sind pudelartig grob; schwarz und grau; kleinkörnig.
    • Merluschka aus der Kirgisensteppe, vom Ural bis nach China, haben eine offenere Locke, sind etwas grob, gekräuselt; teils schön im Muster; braun, teils weiß, schwarz und gescheckt.
    Rohfelle (Kreuzungen mit tatarischen Schafen) wurden in Deutschland als Treibel (Dreibel) gehandelt, veredelte Felle als Astrachan. Siehe → Hauptartikel: Astrachan.
  2. Orientlammfelle
    • Iran-Lammfelle weisen sehr unterschiedliche Lockentypen auf, oft sind sie persianerähnlich. Sie sind kleiner als Persianer, insgesamt seidiger als die irakischen.
      • Schiras aus dem südwestlichen Iran bis zum Persischen Golf sind dem Persianer sehr ähnlich, jedoch schwächer in der Qualität. Insgesamt sind sie seidiger als die irakischen.
      • Mesched vom nordöstlichen Iran bis zur Grenze von Turkmenistan haben eine etwas offenere Locke und sind qualitativ etwas geringer als Schiras.
      • Kum, auch Qum, aus dem nordwestlichen Zentral-Iran, liefern große, schwerere Felle mit teils sehr guter Locke, sind aber geringer im Glanz. Teils haben sie eine hervorragende, breitschwanzartige Zeichnung.
    • Irakische und andere kleinasiatische Lammfelle
    Die Qualitäten sind recht unterschiedlich, in der Hauptzeit der Mode gelockter und moirierter Pelze kamen jährlich 60 bis 70 Tausend Felle in den Handel.[2]
    • Bagdads, die besten sind die Mossul; große Felle mit großer offener Locke. Breitschwanzähnliche Felle werden als Bagdad-Moiré gehandelt. Meist sind sie schwarz, auch grau, braun oder gescheckt.
    • Syrer werden meist unterteilt in Syrische Lammfelle, die kleinlockigen auch als Bagdads und die geringeren Felle als Salzfelle. Etwa 60 % der Felle sind weiß.
    • Arabische, sie sind die geringsten Sorten und werden ebenfalls meist als Salzfelle gehandelt.
    • Salzfelle nennt man die kleiner gelockten Lammfelle, die in der Regel schwächer in der Qualität und noch weniger glänzend als Kum sind. Der Name „Salzfelle“ wurde in der damaligen Pelzhandelstadt Leipzig gebildet, weil die Felle im Gegensatz zu der Schrotbeize (Kleienbeize) mit Salz konserviert waren. Anlieferungen kommen aus dem Irak, die Qualitäten werden zur arabischen Grenze hin immer schlechter. Farbvarianten sind schwarz, braun, grau, weiß, teils gescheckt. Frühgeburten werden als Takir bezeichnet.

Die Verarbeitung erfolgt wie bei den übrgen Lammfellen.

Anfallzahlen waren 1988 nicht zu ermitteln, durch die Kriegsereignisse waren praktisch keine frischen Partien am Markt.[2]

Ostasiatische Lamm-und Schaffelle

Schaffell als Wasserbehälter (Belutschistan; 1895)

Die Anlieferungen erfolgen hauptsächlich aus dem östlichen und nordöstlichen Teil Chinas sowie der Mongolei.

A: China

Aus China kommen vor allem Felle junger Lämmer, je nach Herkommen moiriert oder etwas gelockt; seidig und hochglänzend. In der Regel als bereits zur Weiterverabeitung vorbereitete Tafeln (meist ca. 60 x 120 cm).

Chekiang Lamm

Chekiang stammen von Shanghai Mufflons. Sie sind weiß, ganz selten auch gefleckt; die Locke ist geflammt.

Shantafoo-Lamm

Shantafoo-Lamm kommt aus Hopeh (Tschilli), insbesondere aus dem Gebiet nördlich von Tientsin - Peking - Kalgan. Die etwas dem Astrachan ähnelnden Felle sind seidiger und feiner als Chekiang-Lammfelle.

Tsining-Moiré-Lamm

sind flach im Haar, zum Teil breitschwanz- bis galjakartig und weniger seidig. Das Leder ist manchmal sehr dünn. Ihr Wert ist geringer als Shantafoo-Lammfell.

Peking-Moiré-Lammfell

ist ähnlich dem Tsining-Moiré-Lamm, hat aber ein dickeres Leder. Wegen des kräftigeren, tragfähigen Leders verwendet man es lieber als Tsining-Moiré.

Tientsin (Tianjin-)-Lamm, Silklamm)

Silklamm, Moiré-Lamm, Washed Lamb, auch Chinesischer Breitschwanz, vor allem aus Tientsin; moirierte weiße oder gefleckte Lammfelle.

Shantung-Lamm

Shantung sind sehr flach, moiriert, teils breitschwanz- oder galjakartig (der Frühgeburt des Karakulschafs ähnlich), weniger seidig; mitunter sehr dünnledrig.

Kalgan-Lamm

Kalgan, weiß und gefleckt.

Sinkiang-Lamm

Sinkiang, weiß, braun, schwarz und gefleckt; jedoch selten im Angebot.

Persianer

in unbedeutender Menge, wenig schön.

Schwarzer Chinesischer Breitschwanz

Die kleinflächigen Felle aus dem Hailar-Distrikt haben ein breitschwanzähnliches Moiré, meist kommen sie als Tafeln in den Handel.

Tibet-Lamm (die Felle des erwachsenen Chekiang-Lamms)

Sie stammen - entgegen dem Namen - nicht aus Tibet sondern aus den Provinzen Shansi, Shensi und Hopeh (Tschilli). Es gibt sie in den langhaarigen Sorten (7 bis 8 cm), den kurzhaarigen (3 bis 4 cm) mit einer sehr schönen, korkenzieherartigen Locke. Je feiner die Kräuselung, desto wertvoller gilt das Fell. Außerdem kommt eine weniger ausdrucksvolle Sorte mit offener, mehr ausgewachsener Korkenzieherocke in den Handel

Eine Auflistung aus dem Jahr 1958 unterscheidet folgende Herkommen:[29]

a) Chowching (Shao Shings, Shia Shing)

Etwas kleine Locke, nicht sehr fein gekräuselt, sehr dichtes, seidiges, der Korkenzieherlocke ähnliches Haar. Dichte Unterwolle, sie gelten als die edelsten.

b) Dahtung (Nord-Shansi)

Etwas länger und breiter als Chowchings mit teils gut ausgeprägter und fein gekräuselter, sehr seidiger Wolle. Das Unterhaar ist manchmal etwas strähnig und dünn, die Qualität ist sehr gut.

c) Tung-Chow (Rischilli = Hopeh, südlich von Peking)

Die größte Sorte, ganz besonders große Felle werden als „Elephants“ gehandelt. Die gute, kräftige Locke hat wenig Glanz. Das Unterhaar ist dicht, die Qualität ist gut. Das Herkommen mit der größten Stückzahl.

d) Shantafoo

Die flache, offene und sehr dünne Locke ist noch seidig, glänzt jedoch weniger als die Chowchings und Dahtungs. Bis auf das kräftigere Leder ähneln sie den Tung-Chows.

e) Sikaos

Grobe Locke, dünnhaarig und wollig, dickes Leder. Erheblich kleinflächiger als die vorhergehenden Sorten.

f) Kalgans

Ebenfalls eine grobe Locke, kurzhaarig und wollig. Etwa halb so groß wie die Tung-Chows.

Das Tibetlamm mit seinem aus dem Rahmen der übrigen Pelze fallenden Aussehens, langhaarig mit Locken, ist seit jeher ganz außergewöhnlich von der Mode abhängig. Abgesehen von der unterschiedlich nachgefragten Menge verlangte man mal Chowchings und Dahtungs mit ihrer feinen Wolle und dem seidigen Haar, zu anderer Zeit Tung-Chows. Dieser Wechsel entstand dadurch, dass man eine Zeitlang die Tibets entlockte, um Mufflonfell zu imitieren. Die größeren Tung-Chows mit ihrer dichten Unterwolle sind dafür besser als die seidigen Sorten geeignet. Ursprünglich wurden Tibetfelle nur in China verbraucht, wo sie der gehobene Mittelstand als Winterbekleidung trug. Für die vielfältige Verarbeitung werden Pelz-Coats („mit Ärmeln versehene Röcke“ bzw. lange Jacken aus 14 Fellen), Pelz-Maquas (Reitjacken), Fellkreuze und seltener Fell-Robes (beides Halbfertigprodukte, Robes sind eigentlich längere Kreuze) genannt.[23][2]

In China bestanden große Gerbereifabriken. Die Lieferungen erfolgten in Kisten mit je 200 oder 300 Stück. Von China gingen die Exporte vor allem nach London und Hamburg, aber auch nach telegraphischen Bestellungen direkt nach Berlin, Leipzig und New York. Erstmals wurden Tibets, als Kreuze vorgefertigt, um 1880 über Irbit und Nischni-Nowgorod exportiert; 1891 kamen die ersten, nicht zu Kreuzen zusammengenähten Felle, direkt nach Europa. Im Jahr 1930 betrug der Verkauf nach Europa etwa 600 Tausend Felle, 15 bis 20 Tausend Kreuze (aus je 6 bis 8 Fellen) und 10 Tausend Robes (je 14 Felle), wobei der Verbrauch im Land natürlich viel größer war. Danach ging die Nachfrage stark zurück und man nutzte die Felle im Lande in größerem Umfang zur Wollverwertung.[23]

Ein großer Teil der Felle wurde schwarz gefärbt, doch kamen in den 1920er Jahren auch zunehmend Modefarben auf. Die beste Farbe lieferte London, ebenso färbte Frankreich in guter Qualität. Das Färben in Modefarben hat sich bis heute gehalten, etwa seit 2000 wurden in erheblicher Menge Tibet-Boas in allen Farben angeboten, auch als Verbrämung wurde Tibet wieder verarbeitet. Bereits in den 1920er Jahren färbte man die Felle, wie auch heute wieder, zum Teil mehrfarbig bunt, doch bürgerte sich diese Methode nicht ein.[23] Tibet wurde immer dann stark nachgefragt, insbesondere für Besatzzwecke, wenn Langhaarpelze in Mode waren. Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts erfreute es sich zusätzlich als Kinderwagendecke einiger Beliebtheit.[29]

Slink-Lammfell, Tseo-Ko (chinesisch) und Schaffell
Stiefel, sogenannte Ugg Boots, aus australischem Schaffell (2011)

Die Felle kommen aus den Provinzen Shansi, Shensi und Hopeh (Tschilli). Sie sind kurzhaarig und haben eine glänzende, weiß bis elfenbeinfarben, fein gekräuselte Locke (Perllocke).

Man unterscheidet nach den Provinzen zwischen
Hsinchecs (Hsinchis), sehr dickwollig mit guter Unterwolle und
Linchis (Lienshengs), etwas schütteres Haar, breitlockiger und raucher.[29]

Diese Arten kommen als Tafeln in den Großhandel, und zwar sowohl die Felle wie auch Klauen, Kopf-, Ohren-, Nacken- und andere Stückentafeln. Sie stammen aus den Provinzen Kalgan, Shantung und einigen südlichen Provinzen.

Die Felle ausgewachsener Tiere wurden einmal mit dem für ein Hausschaf zoologisch falschen Namen Shanghai-Mufflon (Mufflin, Tibetine) gehandelt, auch mongolische und nordchinesische Ziegenfelle waren unkorrekt als Mufflon im Handel. Die Schaffelle wurden in größeren Menge nach Amerika exportiert (bis etwa 1931), in Europa war die etwas offenere, lockige, strähnige Ware weniger gefragt, überhaupt wurde sie von der Mode zeitweise stark vernachlässigt.[29]

Sitz- und Gurtbezug aus Lammfell (2009)

Slinkfelle kamen ebenfalls früher als Kreuze mit je drei Fellen in den Handel. Auch Schaffelltafeln sind seit einigen Jahrzehnten im Angebot, weiß oder gefärbt, geschoren, ausgekämmt und gebügelt, die Haarlänge beträgt 15 bis 20 mm. Als die Felle vor 1914 besonders niedrig im Preis waren, wurden sie in größeren Mengen zu Schuh- und Handschuhfutter verarbeitet, teils exportierte man sie nach Polen und Galizien zur Verwendung für Innenfutter.[29]

In Leipzig gelang es sehr bald, Slinks in schöne Farben zu veredeln (persianergrau, braun-weiß, sowie Unifarben schwarz, braun, taubengrau usw.). Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das Interesse an der Fellart außerordentlich stark ab, nur noch gelegentlich kamen Slink-Schaffelle in den Welthandel. Diese und auch Slink-Lammfelle wurden ungefärbt leicht geschoren, um gleichmäßige Flächen zu bekommen. Eine Zeitlang kam auch deshalb wenig Ware auf den Weltmarkt, weil man die Felle für militärische Winterkleidung verarbeitete.[29] Heute werden die Schaffelle insbesondere für Autositzbezüge verwendet (1988).[2]

Die Fellreste werden verarbeitet zu

  • Chinesische Lammklauen-Tafeln (Lamb Leg Plates), zum einen Karakulklauen-Platten und seltener, Lammbein-Tafeln (vor 1958). Sie entstehen aus den Klauen (Beinfellen) der Shantafoo-, Chekiang- und Tsining-Lammfelle. Je größer die Klauen sind, desto langhaariger sind die Tafeln. Als die beste gilt eine flache, seidige und leichte Ware, die von den Moirés stammen und deshalb eine besonders schöne Zeichnung aufweisen. Das meiste ging nach Nordamerika, von Anfang 1939 bis 1941 betrug der Export nach dort 130 Tausend Tafeln.
  • Chinesische Lammstücken-Platten
a) Lammkopf-Tafeln (auch Stirnteil), Lamb Head Plates
b) Lammnacken-Tafeln, Lamb Neck Plates
c) Lammohren-Tafel, Lamb Ear Plates

Auch diese Halbfabrikate gingen hauptsächlich nach Amerika, von Anfang 1939 bis Mai 1941 waren dies 21 Tausend Lammkopf-Tafeln und 10 Tausend Stück Lammohr-Tafeln.

Als Jehol-Lammfell sind Tafeln im Handel, die nicht vom Schaf sondern von der Ziege stammen (noch in den 1980er Jahren). Dies sind stark gelockte Kid-Tafeln. Mit weniger ausgeprägter Lockung bezeichnete man die Fabrikate meist als Chinesische Astrachan, Kid-Astrachan oder Tapanchang (eine Stadt in der Provinz Jehol (= Tangshan?)]).[29]

B: Mongolei

Die meisten aus der Inneren Mongolei stammenden Lammfelle sind als Mongolische Lammfelle im Handel. Die Lockung ist astrachanähnlich (krimmerartig, Kräusellocke), spiralförmig, doch offener; meist weiß; klein in der Fläche. Auch diese sind meist als vorgefertigte Tafeln im Großhandel, unter anderem unter Bezeichnungen wie Mongolin-Tafeln oder als Kalgan-Tafeln.[29]

Die Verarbeitung der zumeist besonders leichten ostasiatischen Lammfelle erfolgt zu Jacken, Mänteln, Innenfuttern und Decken. Da sie in der Regel in weiß anfallen, eignen sie sich besonders gut zum Färben in alle Modefarben. Daneben kommen Schaffelle in den Handel, die vor allem für Autositze Verwendung finden.

 Commons: Bekleidung aus Mongolinlamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bekleidung aus Tibetlamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bekleidung aus Tientsinlamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Verarbeitung

Velours-, Nappa-Lamm- und andere Schaffellbekleidung

Ein rund abgezogenes Schaffell wird zum Trocknen vorbereitet, Bosnien etwa 1906
Lammfell-Schmaschen-Verarbeitung zu einem Innenfutter, 1895

Die Felle ausgewachsener Schaffelle stellen keine außergewöhnliche Anforderung an den Kürschner oder Lederverarbeiter, außer dass sie eine ganz besonders saubere und sorgfältige Arbeit erfordern. Für den abgefütterten, mit dem Haar nach außen zu tragenden Pelz wurden die Felle, wenn sie zu Biberlamm veredelt wurden, vor dem Scheren häufig zu einfach weiter zu verarbeitenden Tafeln zusammengesetzt, das heißt die Schadstellen der Felle wurden repariert und die schmaleren Kopfpartien und die unbehaarten Stellen an den Extremitäten, vom Kürschner Diechen genannt, wurden vorher ausgestückelt. Durch das Scheren und anschließende Bügeln waren die dabei entstehenden Nähte nahezu unsichtbar. Da Bekleidung aus Schaffellen derzeit kaum abgefüttert, mit dem Haar nach außen, getragen wird, wird dieses materialsparende Halbfertigprodukt seit etwa um 1990 nicht mehr hergestellt.

Veloutierte und nappierte Lammfelle können zum einen mit der einfädigen oder zweifädigen Pelznähmaschine oder mit der Ledersteppmaschine zusammengefügt werden. Die Pelznähmaschine oder ähnliche, eine überwendliche Naht erzeugende Maschinen, nähen das Fell in der Art einer Handnaht Kante an Kante zusammen. Das ergibt einen besonders weichen Fall, die Naht wird für besonders legere Kleidungsstücke angewendet. Eleganter ist die Naht der Steppmaschine, für die eine Nahtzugabe erforderlich ist. Um auch hier eine ebenfalls möglichst dünne und weiche Naht zu erzielen werden die Haare in den Nähten vorher mit der Handschermaschine entfernt.

Die Felle werden in der Regel mit einfachen geraden Nähten übereinander und nebeneinander gesetzt. Mit Spezialmaschinen lassen sich besondere Ziernähte herstellen. Der Kragen wird meist entweder mit dem gleichen Fell oder einer edleren Pelzart besetzt. Gängige Verschlussmöglichkeiten für Mäntel und Jacken sind Knöpfe, die entweder in Knopflöcher, in Knopfleisten mit Knopflöchern oder in Knopflaschen geknöpft werden. Eine spezielle Verschlussmöglichkeit sind geflochtene Posamentenverschlüsse, insbesondere für Trachten- und Militärkleidung.

Persianer und andere gelockte oder moirierte Lammfelle

Arbeiten eines Persianermantels
1. Bild:
Abstrecken eines Fells
2. Zacken- oder Bogenschnitte zum Einschneiden
3. Der eingeschnittene, ausgestückelte Fellstreifen. In der Mitte Demonstration eines Treppenschnitts.
4. Genähte Persianer-Aufsatzacke
5. Längszacken zum Nebeneinandersetzen und Versetzen der Fellstreifen (zur differenzierten Arbeitsbeschreibung Bild anklicken)
Der genähte Mantel wird feucht aufgespannt
6. Ein Naturpersianermantel im Jahr 1965

Sehr viel aufwändiger ist die Herstellung klassischer Pelzmäntel aus den kleinen, gelockten oder moirierten Fellen der Jungtiere wie Persianer (Karakullamm), Indisch Lamm, Bagdadlamm und alle anderen. Das Nähen erfolgt mit der vor 1900 erfundenen Pelznähmaschine, die einen der Handnaht ähnlichen, einfädigen Überwendlingsstich erzeugt.

Für einen Schaffellmantel werden in der Regel weniger als zehn Felle benötigt, bei Lammfellen sind es zwanzig, dreißig oder noch mehr Felle. Da sie mit der Haarseite nach außen getragen werden ist die Anforderung an das Sortieren sehr viel höher. Während die Konfektion oft große Partien für die Bekleidungsproduktion sortieren lässt, erhält der Kürschner vom Rauchwarenhandel die Felle vorsortiert in sogenannten Kürschnerbunden bzw. -sortimenten, jeweils etwa für eine Jacke oder Mantel ausreichend.

Die Lammfelle werden, auf das Modell abgestimmt, vom Kürschner noch einmal sortiert. Danach können sie zum einen in ihrer natürlichen Form belassen, neben- und übereinander zusammengesetzt werden. Bevorzugt die Mode jedoch möglichst verlaufende, gleichmäßige Oberflächen, werden die Felle zu einem Streifen in Jacken- oder Mantellänge ineinander geschnitten, das sogenannte Einschneiden. Ein spiegelgleich wirkendes Teil erzielt man durch Versetzen, wobei die entstandenen Streifen in der Fellmitte gespalten werden, eine Fellhälfte kommt in die rechte, die andere in die linke Hälfte des Bekleidungsstücks. Um möglichst nicht erkennbare Verbindungen zwischen den Fellen und Fellteilen zu erhalten, werden die Felle bei hochwertiger Kürschnerarbeit nicht mit geraden Nähten, sondern in Zacken- oder Wellenform zusammengefügt. In den letzten Jahrzehnten mit ihren gestiegenen Arbeitslöhnen spielen wirtschaftliche Aspekte bei der Wahl der Arbeitstechnik eine erheblicher gewordene Rolle.

Weblinks

 Commons: Schaf- und Lammfelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bekleidung aus Schaf- und Lammfellen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Verarbeitung von Schaf- und Lammfellen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rolf Minhorst: Was genau ist ein Haarschaf? Osnabrück April 2008
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v Christian Franke/Johanna Kroll: Jury Fränkel’s Rauchwaren-Handbuch 1988/89. 10. überarbeitete und ergänzte Neuauflage, Rifra-Verlag Murrhardt, S. 262-301
  3. Dr. Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen. F. C. Mayer Verlag, München 1970, S. 350-369
  4. a b c d e f Dr. Paul Schöps: Lammfelle und Schaffelle. In: Das Pelzgewerbe Nr. 4, Jahrgang VII/Neue Folge, Hermelin-Verlag Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main 1975, S. 129-135
  5. Dr. Paul Schöps; Dr. H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt/Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle. In: Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56-58
  6. Elisabeth Ewing: Fur in Dress. B. T. Batsford Ltd., London 1961, S. 132-133 (engl.), ISBN 0 7134 1741 2
  7. a b Mária Kresz: Volkstümliche ungarische Kürschnerarbeiten, Budapest 1979. ISBN 963-13-0419-1 I
  8. Ing. Anton Ginzel: Charakteristika der deutschen Pelzveredlung. In: Rund um den Pelz, Heft 4, Rhenania Verlag, Koblenz 1974, S. 142
  9. a b Ing. Sonja Langer-Korsch: Lederbekleidung im Verkauf. Nachschlagewerk für Lederbekleidung. Verband der Deutschen Lederbekleidungsindustrie, München November 1981, S. 109
  10. a b c Ing. A. Günzel: Die Farbveredlung von Indischlamm. In: Rund um den Pelz, Heft 6, Rhenania-Verlag, Koblenz 6. Juni 1976, S. 38: Nach Günzel Erstimport jedoch erst „im Jahre 1930“.
  11. Francis Weiss: Die Schaf-Aristokratie. In: Rund um den Pelz, Heft 9, Rhenania-Fachverlag, Koblenz September 1978, S. 74-77
  12. a b Anton Ginzel: Die Entwicklung der Persianer-Färberei. In: Rund um den Pelz, Heft 11, Rhenania Verlag, Koblenz November 1981, Seite 14-15
  13. Redaktion: Nerz-Konfektion - der Renner seit über zehn Jahren. In: Pelz International. Heft 4, Rhenania-Fachverlag, Koblenz, April 1984, S. 34
  14. Alexander Tuma: Pelzlexikon XVII. Band. Verlag Alexander Tuma, Wien 1949, Stichwort „Baranken“
  15. In: Bukhara Karakul USSR. V/O Sojuzpushnina, Moskau, Leningrad, ohne Datum (1981/82 lt. beigelegtem Faltblatt Bukhara-Karakul - der Pelz für Einsteiger), S. 9
  16. In: Winckelmann Pelzmarkt, Winckelmann Verlag KG, Frankfurt/Main, 21. Dezember 2007
  17. Auktionskatalog S. 3: Lamb, Persian, S. W. A., dressed & dyed. This collection is processed by Thorer Co. of South Africa (Pty.) Ltd.
  18. Redaktion: Neues Verkaufssystem für weiße und braune Persianer. In: Pelz-Internatinal Heft 7-8, Rhenania-Fachverlag, Koblenz August 1986, S. 50
  19. Hans Jürgen von Hase: Entwicklung und Zukunft der Swakara-Produktion. Referat vom 12./13. Februar 1976. In: Rund um den Pelz, Heft 4, Rhenania-Verlag, Koblenz April 1976
  20. AGRA, landwirtschaftliche Kooperative in Namibia (auch Karakulzüchter)
  21. Claus Debusmann: Gedanken über Caloyos. In: Pelz International, 1972, S. 41
  22. a b c d Paul Cubaeus, „praktischer Kürschner in Frankfurt am Main“: Das Ganze der Kürschnerei. Gründliches Lehrbuch alles Wissenswerthen über Waarenkunde, Zurichterei, Färberei und Verarbeitung der Pelzfelle. A. Hartleben’s Verlag, Wien, Pest, Leipzig 1911. S. 61-67
  23. a b c d e f Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze, Zweite verbesserte Auflage. Verlag der „Neuen Pelzwaren-Zeitung und Kürschner-Zeitung“, Berlin 1925, S. 821-834
  24. Dictionary of Furs (engl.)
  25. a b c Max Bachrach: Fur. A Practical Treatise. Verlag Prentice-Hall, Inc., New York 1936. S. 464-499 (engl.)
  26. Siegfried Beyer, Naunhof-Leipzig: Zur Beurteilung von Pelzfellen. In: Das Pelzgewerbe 1951 Heft 1, Hermelinverlag Paul Schöps, Berlin, Leipzig, S. 3
  27. Alexander Tuma: Pelzlexikon XX. Band. Verlag Alexander Tuma, Wien 1950, Stichwort „Nacktpelze“
  28. F. A. Brockhaus: Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste. Herausgegeben von J. S. Ersch und I. G. Gruber, Leipzig 1841. Dritte Section O-Z, Stichwort „Pelze“
  29. a b c d e f g h Dr. Paul Schöps: Ostasiatische Lammfelle und Schaffelle. In: Das Pelzgewerbe Nr. 1, Jahrgang IX/Neue Folge, Hermelin-Verlag Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main 1958, S. 9-14

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