Bienenzüchtungskunde


Bienenzüchtungskunde

In seiner Bienenzüchtungskunde setzte Ludwig Armbruster (1886–1973) als erster Wissenschaftler die Erkenntnisse von Gregor Mendel (1822–1884) über die Gesetze der Vererbung auf die Vererbung bei der in Europa verbreiteten Westlichen Honigbiene (apis mellifera) um, die wesentlich komplizierter ist.

Inhaltsverzeichnis

Werk

Anhand von zahlreichen Beispielen wurden die Mechanismen der Vererbung und die Voraussetzungen der Zuchtauslese verständlich dargestellt. Armbruster erwähnte in seiner Bienenzüchtungskunde 1919 drei Zuchtziele:

  • ein sportliches
  • ein wissenschaftliches
  • ein wirtschaftliches

Diese Zuchtziele wurden zunächst beschrieben, dann der merkwürdige Stammbaum der Honigbiene erläutert.

"Von den Haustieren hat jedes Tier zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern, sechzehn Ururgroßeltern. Bei der Biene hat das Männchen, die Drohne, keinen Vater, also nur einen “Elter“, nur zwei Großeltern, nur drei Urgroßeltern, nur fünf Ururgroßeltern. Das Weibchen (Arbeiterin, Königin) hat zwar zwei Eltern, aber nur drei Großeltern, nur fünf Urgroßeltern und nur acht Ururgroßeltern, nur halb soviel als das gewöhnliche Haustier." [1]

Besondere Ahnentafeln (Pedigrees) der Honigbiene und ihre Zahlengesetze wurden erläutert. Chromosomenlehre, Reduktionsteilung und Erbformeln führten zu Züchterideen im Lichte der neuen Gesetze. Die Blutauffrischung nach Inzucht durch Import von Zuchttieren wurde ebenso diskutiert wie unzertrennbare Eigenschaften.[2]

Der Autor verfasste die Bienenzüchtungskunde von 1919, deren praktische Grundlagen im Edelzuchtgebiet „Platte“ bei St. Peter (Hochschwarzwald) zuvor erforscht worden waren,[3] bevor die Mehrfachpaarung beim Hochzeitsflug der Bienenkönigin bekannt war. Sie wurde von Hans Ruttner und M. Alber erst 1954 auf der Insel Vulcano mit 100 Königinnen unterschiedlicher Rassen nachgewiesen. [4] Ludwig Armbruster hat dann diese neuen Erkenntnisse in die Züchtung der Honigbiene eingearbeitet und in seiner wissenschaftlichen Zeitung "Archiv für Bienenkunde" veröffentlicht. Erst jetzt war die Erklärung vieler Phänomene bei Kreuzungsexperimenten möglich.

Anwendung

Hauptartikel: Buckfastbiene

Die Überschrift des 55. Kapitel der 150 Seiten "Bienenzüchtungskunde" lautet: Der Züchter als Künstler und „Schöpfer“.[5] Der Künstler und Schöpfer war dann der Berufsimker Bruder Adam, Leiter der Imkerei im englischen Kloster Buckfast. Er züchtete nach Armbrusters „Bienenzüchtungskunde“ in siebzig Jahren Zuchtarbeit die Kunstrasse Buckfastbiene,[6] die weltweit verbreitet ist und großen Anklang findet.

Würdigung des Lebenswerkes von Prof. Armbruster durch APIMONDIA-Präsident Jörgensen in Bronnbach 2007

Bedeutung

Mittels Kreuzungs - und Kombinationszucht können Neukombination geschaffen werden, welche milbentolerant bei der gefährlichsten aller Bienenkrankheiten, der Varrose sind, oder die wirtschaftlich wertvollen Eigenschaften verschiedener Naturrassen vereinigen. Heute erfreut sich diese Zuchtweise weltweit vor allem bei Erwerbsimkern einer großen Beliebtheit.

In einer groß angelegten Untersuchung der Ludwig-Maximilians-Universität München wurden DNA-Untersuchungen zur Biodiversität von 2440 Buckfasteinzelbienen verschiedener Züchter mit Carnica- und Ligusticabienen verglichen. Prof. Martin Förster hatte 62 DNA-Marker benutzt und stellt abschließend fest: "Einfach zusammengefasst heißt dies: Bienen sind zu schade um in Reinzucht zu verarmen, weil eine erhöhte genetische Vielfalt die Bienen und unsere gemeinsame Umwelt schützt." [7]

Der Autor Alison Benjamin warnt in seinem Buch Welt ohne Bienen - Wie das Sterben einer Art unsere Zivilisation bedroht:

„Genetisch vielfältige Völker zeigten stabilere Reaktionen auf veränderte Umwelteinflüsse. Die Hypothese, dass dieselben besser mit Krankheiten fertig werden, wurde noch durch weitere Studien bestätigt. [8]

Die Imkerzeitschriften Allgemeine Deutsche Imkerzeitung, Imkerfreund und Die Biene veröffentlichten 2010 eine Buchbesprechung der „Bienenzüchtungskunde“. Der Autor kommt abschließend zu folgendem Urteil:

"Es ist ihm (Ludwig Armbruster) gelungen, anschaulich und anhand zahlreicher Beispiele die Mechanismen der Vererbung und die Möglichkeiten und Voraussetzungen zur Zuchtauslese für den Laien verständlich darzustellen. Auch wenn die heutigen Erkenntnisse bereits etwas weiter fortgeschritten sind, gebührt Armbruster großes Lob für dieses Werk. Möge es auch heute noch vielen Bienenzüchtern zur Erweiterung ihrer Kenntnisse dienen!" [9]

Schriften

  • “Archiv für Bienenkunde. Zeitschrift für Bienenwissen und Bienenwirtschaft“ (AfB) 1919 bis 1966, insgesamt 41 Bände,
  • Bienenzucht ob und wie. Berlin 1932, 58 Seiten (2. Auflage Lindau 1952)
  • Bienenzüchtungskunde, Theodor Fischer Berlin 1919 (Nachdruck Ertl & Ertl, Wien 2003)
  • Die Chromosomenverhältnisse bei der Spermatogenese solitärer Apiden In: Archiv für Zellforschung 11 (1913), S.242-328 (Dissertation)
  • Grenzen der Rassezucht?, AfB 27.Jahrgang 1950
  • Imkereibetriebsformen, Berlin 1936, 256 Seiten
  • Imkerbetriebslehre der Erzeugung 1. Aufl. 1937, 124 Seiten (2. Aufl. 1952)
  • Nutzzüchtungsfragen, Lindau 1952, 36 Seiten
  • Rückschau, Archiv für Bienenkunde, Jahrgang 1958
  • Verbessert die Biene, Zeitschrift für angewandte Entomologie 5/1917
  • Zucht auf Leistung, Lindau 1953, 64 Seiten
  • Armbruster, Nachtsheim, Römer: Die Hymenopteren als Studienobjekt azygoter Vererbungserscheinungen, Zeitschrift f. induktive Vererbungslehre 1917- 253

Die vollständige Bibliographie der 419 Veröffentlichungen Ludwig Armbrusters ergibt sich aus der Aufstellung in „Archiv für Bienenkunde“ „Rückschau. Lebenserinnerungen“ Lindau 1958

Literatur

  1. Bruder Adam: Auf der Suche …, C. Koch Verlag 1983, ISBN 3-9800797-0-8
  2. Bruder Adam: Züchtung der Honigbiene, Delta-Verlag 1982, ISBN 3-922898-02-5
  3. Irmgard Jung–Hoffmann: Ludwig Armbruster und das Institut für Bienenkunde in Dahlem, Gebr. Mann Verlag, Band 2, 1996, ISBN 3-7861-2255-5
  4. Norbert Graf: Festschrift und Chronik des Imkervereins St. Peter von 1903–1978
  5. Steffen Rückl: Ludwig Armbruster – von den Nationalsozialisten 1934 zwangspensionierter Bienenkundler der Berliner Universität. Eine Dokumentation. Nr. 78/2007 Humboldt – Universität Berlin ISBN 978-3-86004-207-6
  6. Erich Schwärzel: Durch Sie wurden wir - Biographie der Großmeister und Förderer der Bienenzucht im deutschsprachigen Raum, Verlag Die Biene 1985

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Bienenzüchtungskunde Seite 31-33
  2. Bienenzüchtungskunde Seite 82-93
  3. Chronik IV St. Peter
  4. Jung-Hoffmann Seite 132-157
  5. Bienenzüchtungskunde Seite 148-149
  6. Züchtung der Honigbiene Seite 9-139
  7. DNA-Untersuchungen zur Biodiversität bei Buckfastbienen, Prof. Martin Förster, LM Universität München, Der Buckfastimker 02/2011
  8. Alison Benjamin, Brian Mc Callum, Welt ohne Bienen - Wie das Sterben einer Art unsere Zivilisation bedroht, Fackelträgerverlag Köln 2009
  9. Zeitschriften Imkerfreund, ADIZ, Die Biene online 12. Februar 2011

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