Bremer Kinos


Bremer Kinos

Die Bremer Kinos, auch Filmtheater oder Lichtspieltheater genannt, entstanden mit Beginn des 20. Jahrhunderts in Bremen. In den 1930er und 1960er Jahren erlebte die Kinobranche ihre Höhepunkte. Zurzeit (Stand 2010) bestehen acht Filmtheater mit 38 Kinosälen und insgesamt 10.215 Plätze in Bremen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Beginn des Kinozeitalters

Die erste öffentliche Filmvorführung fand am 5. Februar 1894 in Manhattan statt und in Frankreich im Dezember 1895 im Grand Café am Boulevard des Capucines in Paris. 1896 eröffnete an der Friedrichstraße das erste Berliner Kino.

Am 15. August 1896 begann in Bremen das Kinozeitalter. Auf einer Ausstellung der Deutschen Automatengesellschaft von Ludwig Stollwerck wurden „lebende Photographien“ mit dem Cinématographen der Brüder Lumière im Logenhaus am Herdentorsteinweg vorgeführt. Wie damals üblich konnten nur kurze Szenen und aktuelle Ereignisse gezeigt werden. Es folgten 1896 Vorführungen im Logenhaus von ersten Kurzfilmen mit reißerischen Untertiteln wie „nur für Erwachsene“. Verschieden Firmen zeigten Filme unter anderem auf Gewerkschaftsveranstaltungen sowie in einigen Bremer Konzertsälen. 1905 eröffnete Otto Frundt das erste „Ladenkino“ an der Hutfilterstraße in der Altstadt.

Kinounternehmer Hagen

Der Hamburger Kaufmann Johannes Hagen richtete ab 1908 verschiedene Kinos ein. Der Bremer Architekt Joseph Ostwald (1879–1950) plante und baute in Bremen viele Filmtheater, vor allem für den Kinounternehmer Hagen. 1908 wandelte er Ahlborns Wintergarten in der Ansgariistraße zum Metropoltheater um. Es wurden Filme gezeigt, Konzerteinlagen geboten und Gäste im Restaurant bedient. Rauchverbote gab es noch nicht. 1909 siedelte Hagen nach Bremen über und leitete selbst das Kino. Er gründet 1909 das Hansa-Theater in der Tannenstraße und die Firma Hagen & Sander GmbH. Das Metropol konnte ausgebaut werden. Die Firma plante weitere Kinos: 1910 eröffnete das Apollo-Theater und das von Ostwald geplante neue Opera-Theater (später Kaiser-Theater, dann Liberty-Palasttheater, 1965 Einkaufszentrum). 1911 folgte das Palast-Theater an der Landwehrstraße in Utbremen. 1913 kaufte die Firma das Bremer Lichtspieltheater in der Obernstraße. 1917 schloss sich das Unternehmen der UFA (Universum Film AG) an und die Kinos führten seit 1926 den Namen Ufa-Vereinigte Theater. Im Metropol wurde 1929 der erste große Tonfilm The Singing Fool aufgeführt. 1926 wurde nach Ostwalds Entwurf der Neubau für das Kino Europa-Palast am Herdentorsteinweg durchgeführt. Auch dieses Haus gehörte seit 1937 der Ufa.

Weitere Kinos entstanden

1919 gründete sich – aus dem Rheinland kommend – das Lichtspielunternehmen Luetge & Heiligers. Sie erwarben das Moderne Theater, ein Ostwalds-Umbau der Neustädter Tonhallen am Neustadtswall. 1924 lief hier die ersten kurzen Tonfilme. Die Firma erwarb weiterhin 1921 das Decla in Walle, 1927 das Tivoli am Hauptbahnhof und 1929 die von Ostwald gebaute Schauburg im Steintorviertel.

Das Decla

Das Decla an der Waller Heerstraße Nr. 44 stand auf dem Grundstück von Dreyers Volksgarten, der sich dann St. Pauli Festsäle nannte. 1911 entstand hier das Schiller-Theater, in dem Schauspiele und Lustspiele gezeigt wurden. 1920/21 erfolgte die Umrüstung zu einem Kino. Das im Krieg beschädigte Gebäude war auch nach 1945 Kino, aber auch Veranstaltungssaal. Es wurde 1969 geschlossen.

Das Tivoli
Das Tivoli im Jahr 1908

Das Tivoli entstand auf dem Grundstück An der Weide Nr. 10. 1849 hatte der Kaufmann H.W. Wilcke auf dem Gelände des ehemaligen Sommersitzes des Kaufmanns von Post einen „Volksgarten“ mit einem Sommertheater errichtet. Das Sommertheater zog 1852 zum Osterdeich um. Das An der Weide verbleibende Theater nannte sich nun Tivoli und nach einem Umbau Tivoli-Theater. 1890 brannte der Theaterbau ab und ein Neubau entstand bis 1892 mit einem Saal mit 3000 Plätzen sowie einem Konzertsaal und weiteren Räumen. 1911 kaufte Bremen das Theater und verpachtete es an den Kaufmann Leopold Gross und (bis 1916) den Komponisten und Dirigenten Jean Gilbert. Zuerst wurden in dem nun 1800 Plätze umfassenden Saal Varietéprogramme dann Operetten gezeigt. 1920 wurde daraus das Stadttheater An der Weide. 1924 übernahm Gross wieder das Haus und wandelte es 1925 zu einem Kino um. 1927 pachteten Luetge & Heiligers das Kino bis 1940. Auch im Tivoli spielte 1929 der amerikanische Tonfilm The Singing Fool. 1932 wurde auch der Theatersaal des Tivolis zu einem Kino umgebaut. Im Krieg wurde es zerstört, 1948 wieder aufgebaut und als UT am Bahnhof geführt.

1930er Jahre

Anfang der 1930er Jahre wurden bedeutsame Filme auch in Bremen gezeigt. Das Kino erreichte in den 1930er Jahren seine höchsten Besucherzahlen. Andererseits konnte es sich nicht der politischen Propaganda der Zeit des Nationalsozialismus entziehen. Viele Kinobauten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Nach 1945

1945 erfolgte durch Ostwald der Umbau der Gaststätte Concordia in der Schwachhauser Heerstraße in das gleichnamige Bremer Künstlertheater, das später zum Kino wurde. 1948 wurden in das zerbombte Tivoli die U.T.-Lichtspielkinos am Bahnhofsplatz wieder eingerichtet. Das Kino erlebte einen neuen, großem Aufschwung.

Statistik

1950 gab es in der Stadt Bremen 28 Kinos mit 15.337 Plätzen, die von 5,27 Mio. Gästen besucht wurden. In Bremerhaven waren es 8 Kinos mit 4221 Plätzen und 1,66 Mio. Besucher. 1957 erreichte die Besucherzahl ihren Höhepunkt in Bremen mit 10,53 Mio. und in Bremerhaven mit 2,72 Mio. Besucher. 1960 hatte Bremen 53 Kinos mit rund 28.000 Plätzen und 7 Mio. Besucher und Bremerhaven hatte 16 Kinos mit 9678 Plätzen und rund 2 Mio. Besucher. Mit dem Fernsehen kam dann der erste große Einbruch und viele Kinos mussten schließen. 1969 waren in Bremen noch 25 Kinos mit 12.744 Plätzen und 1,77 Mio Besucher und Bremerhaven hatte 8 Kinos mit 4574 Plätzen und 0,6 Mio. Besucher.

2000 waren im Land Bremen 15 Kinos mit 9757 Plätzen vorhanden bei 2,1 Mio. Besucher. Die Besucherzahl nahm weiterhin leicht ab.

Filmkunstkino

Ein Arthouse, auch Art House, Filmkunstkino oder Programmkino, ist ein kleineres Kino, das künstlerisch anspruchsvolle Autorenfilme zeigt. Art House Cinemas entstanden gegen Ende der 1920er Jahre an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Als erstes Programmkino Deutschlands gilt das Cinema Ostertor in Bremen, das 1969 gegründet wurde. Dieses Haus bestand schon seit 1934 als Kammer-Lichtspiele. 2005 erfolgte eine innere Renovierung des Hauses.
1982 stellte die Schauburg sich um und wurde Programmkino für die Filmkunst. Die Gondel und das Atlantis folgten später . Die Bremer Filmkunstkinos zeigen deutsche und internationale künstlerische Filme aber auch Filmfestivals, Kunst- und Dokumentarfilme und Uraufführungen. Auch andere Veranstaltungen finden statt.

Kommunalkino

1974 gründeten engagierte Bürger das Kommunalkino, das einen Bildungsauftrag erfüllen wollte. Es war zunächst im Cinema Ostertor angesiedelt. Anfang der 1980er Jahre zeigte es als Kommunales Kino Filme an acht Spielstätten und hatte damals rund 30.000 Besucher im Jahr. Daraus entwickelte sich das Kino 46 in Walle. Dieses Haus finanziert sich aus Eintrittsgeldern, Zuschüssen des Senators für Kultur und aus Drittmitteln. 2011 erfolgte der Umzug ins ehemalige City-Kino in der Bahnhofsvorstadt, wo es nun als City 46 firmiert.

Neuere Entwicklungen

In den 1990er Jahren sollten wiederum die Filmtheater einen dramatischen Rückgang verzeichnen. Viele kleinere Häuser verschwanden. 1999 schloss das City-Film-Theater in der Birkenstraße am Hillmannplatz und das Europa in der Bahnhofstraße. 2001 musste auch das UT am Bahnhof schließen.

Seit 1998 entstanden drei neue Großkinos als so genannte Multiplex-Kinos (Vielfach-Großkinos).

Vorhandene Filmtheater

CinemaxX mit dem Schaumagazin Übermaxx am Überseemuseum

In Bremen gibt es (Stand 2010) acht Filmtheater mit 38 Kinosälen und insgesamt 10.215 Plätzen. Drei Filmtheater sind davon Multiplex Kinos mit zusammen 32 Sälen. Der größte Kinosaal im Raum Bremen mit 674 Sitzplätzen befindet sich im Cinespace. Dieses Kino war in Norddeutschland das erste Kino mit digitaler Projektion und digitaler 3D-Projektion. Auch die beiden weiteren Großkinos haben auf 3D-Technik umgerüstet.

Fünf kleinere Häuser überstanden das Kinosterben. Die Schauburg, die Gondel und Atlantis sind als Bremer Filmkunsttheater im Besitz von Manfred Brocki. Zurzeit bestehen:

Literatur

Weblink


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