Calung


Calung
Angklung-Gruppe Nusantara auf dem Frankfurter Museumsuferfest 2008

Das Angklung ist ein traditionelles sundanesisches Musikinstrument aus West-Java in Indonesien, es ist das Symbol der sundanesischen Kultur.

Das Instrument zeichnet sich durch Eigenschaften aus, die sich im indonesischen mit den „Fünf M“ ausdrücken lassen: „Murah, Mudah, Menarik, Massal dan Mendidik“. Übersetzt bedeutet das so viel wie: „Preiswert, einfach zu spielen, attraktiv (Klang, Form), Wir-Gefühl in der Gruppe und Lehrreich. Das "Gotong Royong", zu Deutsch Gemeinschaftsgeist, spielt in der indonesischen Bevölkerung eine große Rolle und spiegelt sich im Musizieren mit dem Angklung wider.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Zwei Angklung-Instrumente, links ein tiefes E, rechts ein hohes G. Das tiefe E ist fast 70 cm hoch. Die Instrumenten sind mit den Noten nach der Chevé'schen Ziffernnotation bei Do=C beschriftet.
Modernes Angklung: Die großen Angklung sind die Noten C bis C', vorne die kleinen C' bis C", jeweils von links nach rechts, für den Größenvergleich ist ein Din-A4-Blatt auf dem Bild.
Ein Junge im Saung Angklung Udjo spielt ein Akkord-Angklung aus drei Klangkörpern, welches fast so groß ist, wie er selbst.
Ein Baduy-Bass. Der Bogen am oberen Ende dient nur der Verzierung.

Es wird davon ausgegangen, dass die Geschichte des Angklung bis in die Jungsteinzeit (Neolithikum) zurückreicht. Ursprünglich war es wohl ein einfaches, an einem Ende offenes Bambusrohr, welches mit einem Stock geschlagen wurde und zum Aufschrecken von Wildtieren bei der Jagd verwendet wurde. Über die Jahrhunderte entwickelte es sich weiter, vor allem in der Gegend von Garut, Tasikmalaya, Ciamis, Sukabumi und Bandung, alle in West-Java, welches das Gebiet der Sundavölker bildet. Das Angklung fand 1938 auf Java seine heutige Form. Schriftlich überliefert ist die Benutzung des Angklung bis zurück in das 13. Jahrhundert durch das Sundavolk der Badui, die damit ihre Soldaten vor der Schlacht einstimmten, oder bei königlichen Zeremonien. Es wurde aber auch in Banten, Sukabumi, Cirebon und anderen Gegenden West-Javas bei religiösen und rituellen Zeremonien eingesetzt. Angklung wurde vor allem zu Ehren der hinduistischen Göttin Dewi Sri, die für Reis, Fruchtbarkeit, Natur und Ernte 'zuständig' ist, gespielt. Das Angklung wurde auch bei weltlicheren Anlässen zur Unterhaltung gespielt, zum Beispiel zur Begleitung von traditionellen Tänzen. Während der holländischen Kolonialzeit Indonesiens im 18. Jahrhundert erlaubte die Kolonialmacht das Spielen des Angklungs nur den Bettlern und Kindern, da sie befürchteten, das Angklung spielen würde das Volk vereinen und ihre Widerstandskraft gegen die Besatzung verstärken, da man zum Spielen komplexerer Lieder eine größere Gruppe Spieler braucht. Dieses Verbot wurde erst am Anfang des 20. Jahrhunderts gelockert. Im Kontext der Unabhängigkeitsbewegung Indonesiens nach 1945 entstanden einige Revolutions-Lieder wie das in Indonesien sehr bekannte "Halo Halo Bandung", welche typischerweise mit dem Angklung gespielt werden. Heute ist Angklung auf allen Inseln in Indonesien verbreitet, auch die Badui spielen es noch, zum Beispiel während des Aussähens der Reis-Setzlinge in die Felder und bei der Reis-Ernte um die Reisgöttin zu ehren. Für die Inneren Badui ist das Angklung sogar neben anderen Bambus-Instrumenten eines der wichtigsten Musikinstrumente, da sie laut Tradition keine Musikinstrumente aus Metall spielen dürfen. Aber auch auf dem bis heute hinduistisch gebliebenen Bali war es als lange Zeit Teil der Instrumente eines Gamelan-Orchesters verbreitet, heute findet man es aber nur noch selten auf der Insel der Götter, da man dort inzwischen die Gamelan-Instrumente aus Metall bevorzugt. Ein legendäres Angklung-Konzert war der Auftritt der Kartini-Schule aus Bandung auf der Asia-Afrika-Konferenz im Jahr 1955 in Bandung unter der Leitung von Daeng Soetigna und seinem Schüler Udjo Ngalagena. Regelmäßig finden in Indonesien große Angklung-Festivals statt, auf denen, wie zum Beispiel am 22. August 2007 in Bandung insgesamt 10.000 Angklung-Spieler in verschiedenen Gruppen auftraten.

Das Wort Angklung hat seine Herkunft aus der hinduistisch-balinesischen Sprache, wonach es aus den Einzelworten angka, was "Ton" bedeutet, und lung, was sich mit gebrochen, unvollständig oder weg sein übersetzen lässt, besteht. Das Angklung ist also wörtlich übersetzt ein gebrochener Ton.

Beschreibung des Angklung

Das Angklung in seiner heutigen Form besteht als Melodie-Instrument aus zwei oder drei seitlich beweglichen Klangkörpern aus Bambus, welche in einem hölzernen Gestell oben aufgehängt sind. Die Angklungs mit drei Klangkörpern ergeben einen noch etwas volleren Klang, was insbesondere bei kleineren Angklung-Gruppen ein Vorteil sein kann, dafür sind sie etwas schwerer zu tragen. Am weitesten verbreitet sind allerdings die Instrumente mit zwei Klangkörpern. Unten werden die Klangkörper in Langlöchern eines Bambusrohrs des Gestells geführt. Um einen Ton zu erzeugen, muss das Angklung seitlich geschüttelt werden, wodurch die Zapfen der Klangkörper in den Langlöchern anschlagen und der Ton entsteht, womit es durch seine selbstklingende Tonerzeugung als Idiophon klassifiziert werden kann. Das Angklung erzeugt bei entsprechend beherzter Spielweise recht kräftige Töne, vor allem die tiefen Töne können überraschend laut sein, so dass in der Regel selbst bei Konzerten im Freien oder in größeren Hallen auf eine elektrische Verstärkung verzichtet werden kann, sofern die Begleitinstrumente auch ohne übertönende elektrische Verstärkung auskommen. Angklungs aus drei Klangkörpern können auch als Akkord eingesetzt werden, zusätzlich gibt es auch spezielle Akkord-Angklungs aus vier Klangkörpern. Hierbei wird der Effekt der Schwebung genutzt, um aus den Basistönen der Angklungs mit zwei Klangkörpern, neue, vollere Töne zu erzeugen, man kann den Ton eines Akkords durch die Wahl zweier einfacher Angklungs nachbilden. Die Klangkörper sind einzelne Abschnitte aus einem Bambusrohr, welche unten geschlossen sind, und im oberen Bereich zur Hälfte aufgeschnitten sind, so dass sich die für die Tonerzeugung benötigte stehende Welle ausbreiten kann. Aus der Größe der Klangkörper und der Breite und Länge des halbierten Bereichs ergibt sich ähnlich wie bei einer Orgelpfeife die Tonhöhe. Jedes Angklung ist wie diese in der Lage, exakt einen Ton zu erzeugen.

Notation

Angklung
Nummer
Note
G G
G G
A A
A A
B B
c c
c c#
d d
d d#
e e
f f
0 f#
1 g
2 g#
3 a
4 a#
5 b
6 c1
7 c#1
8 d1
9 d#1
10 e1
11 f1
12 f#1
13 g1
14 g#1
15 a1
16 a#1
17 b1
18 c2
19 c#2
20 d2
21 d#2
22 e2
23 f2
24 f#2
25 g2
26 g#2
27 a2
28 a#2
29 b2
30 c3
Ein Lehrer zeigt den Schülern die Noten des indonesischen Volksliedes Burung Kakatua, welches sie spielen sollen. Das Stück wird in Do=C gespielt. Die Schüler sind in diesem Falle Touristen, welche zu Besuch im Saung Angklung Udjo sind. Sie spielen alle Noten der jeweiligen Zeile/Spalte, wodurch die Gruppe schon vier Stimmen spielt.
Der Ziffernnotation entsprechend gibt es auch Handzeichen, mit der man eine Angklunggruppe sogar zweistimmig dirigieren kann.

Das Angklung gibt es heute hauptsächlich in zwei Ausführungen mit Unterarten, Sonderformen siehe unten:

  • Das traditionelle sundanesische Angklung (Angklung Baduy, Angklung Buncis, Angklung Gubrag, Angklung Bungko, welche sich in der Klangfarbe unterscheiden und nach verschiedenen Sundavölkern benannt sind), und auf der Pentatonik-Tonleiter mit fünf Tönen (da - mi - na - ti - la oder ji - ro - lu - mo - nem) basiert. Auch javanische, sundanesische und balinesische Gamelan-Orchester spielen in dieser Tonleiter, die nochmal in zwei Tonsysteme mit verschiedenen Basisfrequenzen aufgeteilt ist:
  • Tonsystem Slendro: Ji (268 Hz) Ro (305 Hz) Lu (350 Hz) Mo (410 Hz) Nem (468 Hz)
  • Tonsystem Pelog: Ji (276 Hz) Ro (298 Hz) Lu (319 Hz) Mo (410 Hz) Nem (436 Hz)
  • Das moderne Angklung, sogenanntes Angklung Padaeng, wie es von Daeng Soetigna um 1938 weiter entwickelt wurde und nach ihm benannt wurde (Pa = "Vater", auch eine Form der Wertschätzung gegenüber einer hoch angesehenen Person in Java), und das Angklung Udjo, wie es von Daeng Soetignas Schüler Udjo Ngalagena weiter entwickelt wurde. Der Hauptunterschied zum traditionellen Angklung ist die Verwendung der internationalen Tonleiter mit 7 Grundtönen (Diatonisches Tonsystem des Barock nach J.S.Bach, GF.Händel uva.: Do (246 Hz) Re (277 Hz) Mi (311 Hz) Fa (329 Hz) Sol (369 Hz) La (415 Hz) Si (466 Hz) Do (493 Hz)). Ein großes Set besteht aus 42 Instrumenten, die von G bis 30 durchnummeriert sind, siehe nebenstehende Tabelle. Die Instrumente mit den Nummern G bis f ordnet man als Bässe und 0 bis 30 als Melodieinstrument ein. Darüber hinaus gibt es noch weitere tiefere und höhere Töne, die aber nur sehr selten benötigt werden. Auf dieser Basis kann man mit dem Angklung neben traditionellen javanischen Stücken auch internationale Lieder spielen. Hierdurch verbreitete sich das moderne Angklung von seiner sundanesischen Heimatstadt Bandung über ganz Java und bis nach Malaysien, Thailand und in jüngster Zeit auch nach Europa und anderswo.

Wie in Asien öfters anzutreffen wird Musik nicht mit den bei uns verbreiteten Notensymbolen ("Common Western Notification", CWN), sondern einem einfachen Zahlensystem notiert, welches auf der Ziffernnotation von Emilé Cheve basiert, und von holländischen Missionaren in der Kolonie Niederländisch Indien eingeführt wurde. Dabei entspricht bei der Tonart Do=C das Instrument Nr. 6 'c1' der '1' und die Nr. 11 'f1' der '7', die '0' symbolisiert eine Pause und der Punkt '.' das Weiterklingen eines Tones. Die Oktave wird mit Punkten über (hohe Oktaven) oder unter (tief) der Zahl ausgedrückt, eine 1 mit zwei Punkten darüber ist demnach ein C". Durchgestrichene Zahlen symbolisieren Halbnoten. Befindet sich über zwei Noten ein Strich, so werden diese nur kurz nacheinander angeschlagen, ein Apostroph hinter einer Note symbolisiert eine Fermate. Neben der Tonart Do=C werden Stücke auch in den Tonarten Do=G, Do=G#, Do=A, Do=A#, Do=B, Do=C#, Do=D, Do=D#, Do=E, Do=F und Do=F# geschrieben, wobei der Spieler während des Spiels ständig die Noten von der einen Tonart in die andere Tonart übersetzen muss, da Do jeweils die Note "1" repräsentiert. Beispielsweise, wenn eine Passage mit Do=F gespielt wird, muss der Spieler jedes Mal, wenn die Note '1' auf dem Notenblatt steht, das Instrument '4' (Angklung-Nummer 12 statt 6, siehe Tabelle) spielen. Nebenstehend auf dem Bild ist das Lied Burung-Kakatua als Beispiel abgebildet.

Durch die Anpassung an die internationale Tonleiter mit 7 Tönen kann das Angklung auch mit beliebigen anderen Instrumenten kombiniert werden, beliebt ist zum Beispiel die Begleitung durch eine Gitarre, welche die Akkorde spielt, zum Beispiel auch ein Schlagzeug wäre denkbar. Aber am authentischsten hört es sich noch an, wenn rein auf Bambus-Instrumenten gespielt wird: Angklung mit Akkorden und Bässen, vier oder mehr Stimmen, dem Bambus-Xylophon genannt Kolintang bzw. Arumba, dem tragbaren Xylophon Calung, der Flöte Suling und der indonesischen Variante der Zither, genannt Kecapi.

Angklung spielen

Die Frankfurter Grup Angklung MKIF bei einem Auftritt
Angklung lässt sich mit entsprechender Fingerfertigkeit und Schnelligkeit auch alleine spielen.

Ein Angklung erzeugt nur einen Ton. Um eine Melodie zu spielen, benötigt man je nach Zahl der Töne des Stücks 7, 14, 21 oder gar mehr Angklung-Instrumente. Es ist klar, dass ein Musiker allein keine Melodie spielen kann, wenn er es auf die traditionelle Weise tun will, da er so viele Instrumente allein nicht halten kann. Deshalb besteht ein normales Angklung-Orchester aus mindestens sechs Personen, idealerweise mindestens 15. Je kleiner die Gruppe ist, um so einfacher müssen auch die zu spielenden Lieder sein. Alle Noten sind mindestens doppelt besetzt. Das Spielen des Angklung erfordert hohe Konzentration, da der einzelne Spieler nicht eine komplette Melodie, sondern nur einzelne Töne spielt. So muss er genau wissen, wann er sein Angklung spielen muss. Dazu muss er sich auf sein Taktgefühl, das Gehör und die Mitspieler verlassen. Schwierig wird es, wenn ein Spieler direkt hintereinander zwei verschiedene Noten spielen soll - hier hilft die mindestens doppelte Besetzung der Noten, da es so unwahrscheinlicher wird, dass eine Lücke zwischen den beiden Tönen entsteht, während ein Spieler von einem Angklung zu einem anderen greift. Sehr erfahrene Spieler schaffen aber auch das ohne eine Lücke zu erzeugen, sie greifen die einzelnen Instrumente mit jeweils nur zwei Fingern und können so sehr schnell wechseln. Verpasst ein Spieler seinen Einsatz, so kann man das bei kleinen Gruppen sofort hören, das ganze Stück kann misslingen, da auch andere Spieler, die auf diese Note warteten, aus dem Rhythmus kommen können. Daher ist es empfehlenswert, sich so oft wie möglich zu treffen, um gemeinsam zu proben. Große Angklung-Orchester in Indonesien bestehen je nach Anlass aus über 100 Personen. Das Schweizer Angklung Duo besteht dagegen aus nur zwei Personen. Der Trick dieser Musiker ist es, dass sie die Angklungs in einem Holzrahmen verschnürt haben und sie von oben anschlagen. Man kann Angklung auch allein spielen, wenn man die Instrumente in der Tonleiter-Folge in einem Gestell aufhängt und dann mit beiden Händen die Instrumente schüttelt. In dieser Spielweise werden oft auch die Akkord- und Bass-Angklungs gespielt.

Bei der traditionellen Spielweise spielt jeder Spieler je nach Können bis zu sieben Töne, bei den großen javanischen Orchestern liegt die Einstiegshürde bei mindestens fünf Instrumenten. Die Instrumente werden dazu am oberen Querbalken über die Hand oder den horizontal gehaltenen Unterarm gehängt und mit der anderen Hand unten am Querbalken seitlich schnell geschüttelt, sobald der entsprechende Ton zu spielen ist. Neben dem Schütteln ist eine weitere Spielweise, das Angklung am unteren Balken nur kurz anzuticken, so das kein kontinuierlicher Schüttelton entsteht, sondern nur ein kurzes 'Tick' dem Instrument entlockt wird. Diese Spielweise wird besonders für rhytmusbetonte Melodien oder für Staccato verwendet, und hat einen höheren Schwierigkeitsgrad. Auch Akkord-Angklungs werden so ähnlich gespielt, sie hängen nebeneinander in einem Rahmen, der Musiker tickt das Instrument rhythmisch ein oder zwei mal zur Seite. Die Bässe werden dagegen über mehrere Takte kontinuierlich zumeist paarweise geschüttelt. Für den Zuhörer ergibt sich während eines Angklung-Konzertes ein besonderes Erlebnis, da die verschiedenen Töne eines Stückes aus verschiedenen Richtungen auf der Bühne kommen. Bei einer geschickten Aufstellung der Spieler einer größeren Gruppe auf der Bühne können hier interessante Effekte erzielt werden. Als Zuhörer kann man die Melodie durch den Raum wandern hören, ähnlich wie beim Canon-Gesang.

Der Einstieg in eine Angklung-Gruppe gelingt dank der einfachen Notation sogar Personen, die Notensymbole nicht lesen und auch sonst kein Instrument spielen können. Gefühl für den Takt ist allerdings notwendig. Man fängt mit einem Angklung an und steigert sich über die Zeit. Anfangs wird man seine Note öfters verpassen, aber mit Geduld und Übung findet man sich in das Orchester und kann nach und nach auch mehrere Instrumente in einem Lied spielen. Wenn sich eine neue Angklung-Gruppe zusammenfindet, hat es sich bewährt, das zu spielende Stück mit großen Zahlen (bei Kindern können es auch Symbole wie verschiedene Früchte oder geometrische Figuren oder farbige Punkte sein, die den jeweiligen Noten entsprechen) an eine Tafel oder auf ein Plakat zu schreiben und mit einem Zeigestock im Takt auf die Noten zu deuten. Bei Saung Angklung Udjo (siehe unten) werden Besucher auch animiert, mitzuspielen. Dazu zeigt der Dirigent verschiedene Handzeichen, die den Noten entsprechen. So spielen anwesende Touristen recht schnell eine zweistimmige Melodie und wollen nicht mehr aufhören!

Angklung in der Schule, in Indonesien und weltweit

Angklung-Unterricht bei Angklung-Web-Institute in Braga City Walk, Bandung. Hier kann jeder Interessierte Mittwochs und Samstags Nachmittags vorbeikommen, und mitspielen.

In Indonesien, speziell in West-Java, wo der Ursprung des Angklung liegt, findet an allen Grundschulen der Musikunterricht mit dem Angklung statt, einige Schulen treten im Rahmen von im Abstand von mehreren Jahren stattfindenden Tourneen auch in Europa auf, so kam die Schule KPA3 aus Bandung im Jahr 2002 nach Kiel und Leimen bei Heidelberg, und Saung Angklung Udjo wird 2008 auf dem Museumsuferfest in Frankfurt/M und in Bonn auftreten. Udjo kommt außerdem fast jedes Jahr mit einer Angklung-Gruppe im Juni nach Den Haag, wenn dort die indonesisch Kulturveranstaltung "Pasar Malam" stattfindet. Das Angklung Spielen wurde 1968 vom Bildungsministerium Indonesiens als fester Bestandteil der Ausbildung der Schüler in den Lehrplan aufgenommen, da es wie Eingangs erwähnt Teamfähigkeit und Harmonie fördert. Diesem Beispiel folgte auch die Stadt Hiroshima in Japan, welche sich inzwischen die "(Japanische) Stadt des Angklungs" nennt, und integrierte das Angklung Spielen in den Musikunterricht an den Schulen. In Singapur, wo das Instrument seit 1960 bekannt ist, veranstaltet das Bildungsministerium jedes Jahr ein Angklung-Festival für die Grund- und weiterführenden Schulen und in Malaysien wird es stark gefördert und inzwischen auch genutzt, um den Tourismus zu fördern, und eine Universität forscht an einem Angklung-Synthesizer. Zum Missgefallen der Indonesier versucht allerdings Malaysia für das Design des Angklungs ein Patent zu registrieren, obwohl man scheinbar alle Instrumente aus Java importiert. In Thailand ist das Angklung seit etwa dem Jahr 1900, als König Rama V die niederländisch-indische Kolonie, heute Indonesien, besuchte, und es von dort in seine Heimat mitbrachte. Auch als Schulungsinstrument in Teamarbeits-Seminaren für Manager und Firmen in Indonesien hat sich das Angklung schon bewährt. Auch z.B. in Frankfurt am Main, Hamburg und München haben sich einige Angklung-Gruppen gebildet, die auf verschiedenen lokalen Veranstaltungen in der Umgebung spielen.

Saung Angklung Udjo

Eine Mädchengruppe tritt im Saung Angklung Udjo auf. Sie spielen klassische Melodien, zum Beispiel den Donauwalzer, auf Angklungs mit drei Klangkörpern.
Herstellung der Klangkörper in einer Werkstatt bei Udjo
Abstimmung der Klangkörper in einer Werkstatt bei Udjo

Ein sehr interessantes Projekt in Bandung ist Saung Angklung Udjo, welches 1967 von Udjo Ngalagena, den schon weiter oben erwähnten Schüler des Musikers Daeng Sutisna, gegründet wurde. Das Projekt holt Kinder und Jugendliche von der Straße, und lässt sie mit Angklung und anderen javanischen Instrumenten wie Gamelan und Arumba musizieren, es wird das traditionelle Schattenspiel Wayang und klassischer javanischer Tanz eingeübt, und jeden Nachmittag finden Vorführungen für Einheimische und Touristen statt. Im Saung Angklung Udjo befindet sich auch eine bedeutende Produktionsstätte zur Herstellung der Instrumente, die einzige, die den wohlklingenderen dunkelbraunen Bambus verarbeitet. Die Werkstatt hat inzwischen auch eine Methode gefunden, die Angklungs für den weltweiten Vertrieb zu präparieren, da das Grundmaterial Bambus sehr Temperatur- und Luftfeuchtigkeits-empfindlich ist, wodurch nicht nur der Klang der Instrumente beeinflusst werden kann, sondern die Instrumente durch Verformung des Bambus zerbrechen können. Udjo betreibt für die Produktion eine eigene Bambusplantage, um eine gleichbleibende Materialqualität zu gewährleisten. Dadurch ist allerdings die Produktionskapazität auf etwa 4000 einzelne Instrumente pro Woche beschränkt, weswegen Udjo etwa 30% der Bestellungen derzeit ablehnen oder verschieben muss. Die Herstellung eines großen Sets mit allen Noten auf allen Oktaven kann bis zu sechs Monate dauern, da erst der passende Bambus für jedes einzelne Instrument ausgewählt werden muss, und die Abstimmung der Instrumente eine Kunst ist, die sehr viel Zeit und Erfahrung braucht. Die Instrumente werden bei Saung Angklung Udjo von Familienbetrieben hergestellt, die dieses Handwerk seit Generationen pflegen und auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen können.

Andere Varianten des Angklung (Calung, Kolintang, Balinesisches Angklung)

In Ost-Java in der Gegend um Banyuwangi an der Meerenge zu Bali bezeichnet man ein Xylophon, welches aus 12-14 Klangkörpern des oben beschriebenen Angklung aufgebaut ist, als Angklung Banyuwangi. Diese Bauform ist z.B. auch in West-Java bekannt, wird dort aber als Kolintang bezeichnet. Genau wie ein Xylophon wird es mit zwei (Melodie) oder vier (Akkorde) heutzutage gummigedämpften Holzschlägeln von oben bespielt. Beim Angklung der Bauform in Banyuwangi unterscheidet man vier traditionelle Spielweisen:

  • Angklung Caruk: Caruk heißt Versammlung, es bilden sich zwei Gruppen von Spielern, die im Wettbewerb zueinander vor Publikum abwechselnd und zusammen spielen. Das Publikum ist in drei Gruppen aufgeteilt, die eine hält mehr zu der einen Angklung-Gruppe, die andere zur anderen, und die dritte Gruppe soll neutral sein. Bei dem Wettbewerb gilt es für die beiden Angklung-Gruppen durch ihr Spiel möglichst viele Publikumsgruppen für sich zu gewinnen.
  • Angklung Tetak: Tetak bedeutet Nachtwache, das Spielen in dieser Weise soll traditionell einem Nachtwächter helfen, bei seiner Aufgabe wach zu bleiben.
  • Angklung Paglak: Das Paglak ist in der Sprache Ost-Javas eine einfache Hütte im Reisfeld auf Stelzen mit einer Plattform. Dort sitzt tagsüber ein Bauer und bewacht sein Feld, damit ihm Vögel nicht die Ernte zunichte machen. Dabei spielt er Angklung als Zeitvertreib, auch um die Vögel mit den Tönen zu vertreiben.
  • Angklung Blambangan: Eine Weiterentwicklung des Angklung Caruk, es wird von einem Gong und einem Gandrung begleitet.

In West-Java ist auch eine tragbare Variante des Xylophons verbreitet. Es nennt sich Calung und besteht aus zwei bis 14 (2 Oktaven) einzelnen Angklung-Resonanzkörpern, die auf einem Stab nebeneinander aufgesteckt sind, mit einer Hand getragen werden, und mit einem Schlägel in der anderen Hand angeschlagen oder bei einer anderen Spielweise eher gestreichelt werden, wodurch es einen ganz anderen Klang als z.B. das Angklung Udjo hervorbringt, was zum Beispiel bei dem sundanesischen Musiker Asep Darso zu sehen und hören ist. Möglicherweise hat hiermit eine ältere Bauform des Angklungs überlebt.

Das Balinesische Angklung ist ein Gamelan-Instrument, welches ähnlich wie ein Xylophon aufgebaut ist. Auf der Oberseite liegen mehrere schwere Metallplatten, darunter stehen dazu passend verschieden große schräg angeschnittene Bambusröhren als Resonanzkörper. Das Balinesische Angklung wird in der pentatonischen Notenskala g a h d gespielt, die sich von Dorf zu Dorf in der Tonlage unterscheiden kann.

Weblinks


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