Datenunabhängigkeit


Datenunabhängigkeit

Datenunabhängigkeit (engl.: data independence) ist ein Begriff aus der Informatik, der beschreibt, zu welchem Grad ein Benutzer oder ein Anwendungsprogramm auf die Daten eines Datenbanksystems zugreifen kann, ohne Details der systemtechnischen Realisierung der Datenspeicherung und des Datenzugriffs zu kennen. Datenunabhängigkeit kann vom Datenbankmanagementsystem (DBMS) durch das Bereitstellen einer wohldefinierten, unveränderlichen Schnittstelle erreicht werden, welche die Implementierung der Datenspeicherung und des Datenzugriffs vor dem Benutzer der Schnittstelle verbirgt, so dass man diese Implementierung verändern kann und für Benutzer der Schnittstelle solche Änderungen transparent bleiben. Dies ist dem Prinzip der Abstrakten Datentypen analog. Man unterscheidet bei Datenbanksystemen zwischen physischer und logischer Datenunabhängigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Physische Datenunabhängigkeit

Physische Datenunabhängigkeit weisen Datenbanksysteme auf, bei denen Änderungen an der physischen Speicher- oder der Zugriffsstruktur (beispielsweise das Anlegen oder Entfernen einer Indexstruktur) keine Auswirkungen auf die logische Struktur der Datenbasis, das Datenbankschema, haben. Netzwerkartige und hierarchische Datenbanksysteme können aufgrund starker Bindung an Zugriffspfade keine physische Datenunabhängigkeit bieten, die heute vorherrschenden relationalen Datenbanksysteme dagegen erfüllen physische Datenunabhängigkeit. Edgar F. Codd, der die Grundlagen der relationalen Datenbanksysteme schuf, formulierte über 300 Anforderungen, die relationale Datenbanksysteme erfüllen müssen; physische Datenunabhängigkeit ist eine davon. Codd formulierte physische Datenunabhängigkeit folgendermaßen:[1]

“Physical Data Independence: The DBMS permits a suitably authorized user to make changes in storage representation, in access method or in both – for example, for performance reasons. Application programs remain logically unimpaired whenever any such changes are made” (deutsch: „Das DBMS erlaubt es einem angemessen autorisierten Benutzer, Änderungen an der Speicher- oder der Zugriffsstruktur oder bei beidem zu machen – beispielsweise aus Performancegründen. Anwendungsprogramme bleiben logisch unbeeinträchtigt, wenn solche Änderungen vorgenommen werden“).

Logische Datenunabhängigkeit

Logische Datenunabhängigkeit bedeutet, dass Anwendungen gegen Änderungen, die am Datenbankschema vorgenommen werden, immun sind. Logische Datenunabhängigkeit kann nur für einfache Modifikationen des Datenbankschemas realisiert werden; beispielsweise lässt sich die Änderung eines Attributs mithilfe einer Sichtdefinition vor dem Anwendungsprogramm verbergen.

Siehe auch

Literatur

  • Alfons Kemper, André Eickler: Datenbanksysteme. Oldenbourg Verlag 2004, ISBN 3-486-25706-4, Seite 20

Einzelnachweise

  1. Edgar F. Codd: The Relational Model for Database Management: Version 2. Addison Wesley, 1990

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Datenunabhängigkeit —   [engl. data independence], in Datenbanksystemen die Trennung der Daten von den Programmen, mit denen die Daten manipuliert werden. Man unterscheidet die physische Datenunabhängigkeit, also die Unabhängigkeit zwischen den Programmen und der… …   Universal-Lexikon

  • Datenunabhängigkeit — Zielsetzung bei der ⇡ Datenorganisation. Arten: (1) Logische D.: Die globale logische Struktur der ⇡ Daten (Beziehungen zwischen den Daten) soll unabhängig von den ⇡ Anwendungsprogrammen organisiert werden, so dass logische Änderungen der Daten… …   Lexikon der Economics

  • Online Analytical Processing — (OLAP) wird neben dem Data Mining zu den Methoden der analytischen Informationssysteme gezählt. OLAP wird weiterhin den hypothesengestützten Analysemethoden zugeordnet. Der Analyst muss vor der eigentlichen Untersuchung wissen, welche Anfragen er …   Deutsch Wikipedia

  • ANSI-SPARC-Architektur — Drei Ebenen Schema Architektur Die ANSI SPARC Architektur, auch Drei Schema Architektur, beschreibt die grundlegende Trennung verschiedener Beschreibungsebenen für Datenbankschemata. Die Architektur wurde 1975 vom Standards Planning and… …   Deutsch Wikipedia

  • Drei-Ebenen-Architektur — Drei Ebenen Schema Architektur Die ANSI SPARC Architektur, auch Drei Schema Architektur, beschreibt die grundlegende Trennung verschiedener Beschreibungsebenen für Datenbankschemata. Die Architektur wurde 1975 vom Standards Planning and… …   Deutsch Wikipedia

  • Drei-Schema-Architektur — Drei Ebenen Schema Architektur Die ANSI SPARC Architektur, auch Drei Schema Architektur, beschreibt die grundlegende Trennung verschiedener Beschreibungsebenen für Datenbankschemata. Die Architektur wurde 1975 vom Standards Planning and… …   Deutsch Wikipedia

  • COPICS — Das Communications Oriented Production Information and Control System (Abkürzung: COPICS), war eine 1972 von IBM veröffentlichte Sammlung von Konzepten für integrierte Datenverarbeitungssysteme in der Fertigung. COPICS umfasste 12 Kapitel in 8… …   Deutsch Wikipedia

  • Citespace — Die Zitatenanalyse ist ein Gebiet der Bibliometrie, das sich mit dem Studium von Zitationen, das heißt den Beziehungen zwischen zitierten und zitierenden Arbeiten, und ihrer Anwendung als bibliometrische Untersuchungsmethode beschäftigt. Als… …   Deutsch Wikipedia

  • Communications Oriented Information and Control System — Das Communications Oriented Production Information and Control System (Abkürzung: COPICS), war eine 1972 von IBM veröffentlichte Sammlung von Konzepten für integrierte Datenverarbeitungssysteme in der Fertigung. COPICS umfasste 12 Kapitel in 8… …   Deutsch Wikipedia

  • Zitatenanalyse — Die Zitatenanalyse ist ein Gebiet der Bibliometrie, das sich mit dem Studium von Zitationen, das heißt den Beziehungen zwischen zitierten und zitierenden Arbeiten, und ihrer Anwendung als bibliometrische Untersuchungsmethode beschäftigt. Als… …   Deutsch Wikipedia


We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.