Der Stand der Dinge


Der Stand der Dinge
Filmdaten
Deutscher Titel Der Stand der Dinge
Originaltitel The State of Things
Produktionsland Portugal, Deutschland, USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1982
Länge 124 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Wim Wenders
Drehbuch Robert Kramer, Wim Wenders
Produktion Chris Sievernich
Musik Jürgen Knieper, Jim Jarmusch
Kamera Henri Alekan, Fred Murphy, Martin Schäfer
Schnitt Peter Przygodda, Barbara Von Weitershausen
Besetzung

Der Stand der Dinge ist ein Film von Wim Wenders, der 1981 entstand und 1982 uraufgeführt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Eine Filmcrew um den Regisseur Friedrich Munro dreht in Portugal den fiktiven Film The Survivors, ein Remake eines Science-Fiction-Klassikers. Als ihnen das Geld ausgeht und Friedrich den Produzenten Gordon nicht erreichen kann, macht er sich auf die Suche nach ihm. Er findet Gordon in Los Angeles. Dort stellt sich heraus, dass der Film von der Mafia finanziert wurde, die mit dem Ergebnis unzufrieden ist, und nun ihr Geld zurückverlangt. Friedrich erkennt, dass Gordon keineswegs sein Gegner ist, sondern genau wie er von Hollywood im Stich gelassen wurde. Auf der Flucht vor der Mafia werden beide erschossen.

Hintergrund

Der Film entstand im Frühjahr 1981, als der Produzent Francis Ford Coppola die Arbeit an Wenders Filmprojekt Hammett unterbrochen hatte, um das Drehbuch durch Ross Thomas zum dritten Mal umschreiben zu lassen, und sich selber zunächst auf den Film Einer mit Herz zu konzentrieren. Während dieser Unterbrechung hielt Wenders sich in Europa auf, wo er zunächst für eine Verfilmung von Max Frischs Roman Stiller recherchierte. Die Idee zu Der Stand der Dinge kam ihm erst im Januar 1981, als er die befreundete Filmcrew von Raúl Ruiz besuchte, die in Portugal gerade an dem Film O Território arbeitete. Wenders engagierte Robert Kramer als Drehbuchautor und übernahm einen großen Teil des in finanziellen Nöten steckenden Teams von Ruiz. Bereits im Mai waren die Dreharbeiten, die in Sintra, Lissabon und Los Angeles stattfanden, abgeschlossen.

Der Film weist autobiographische Züge und Parallelen sowohl zu den Arbeiten an Hammett als auch zu denen an O Território auf. Die Firma Orion Pictures Corporation, die Hammett finanzierte, hatte ähnliche Kritikpunkte wie die Geldgeber von Friedrich Munros fiktivem Film. So war Wenders zunächst davon ausgegangen, Hammett in Schwarzweiß und mit europäischen Schauspielern drehen zu können. Beides wird auch von den Geldgebern von The Survivors bemängelt. Wenders betonte jedoch, dass Der Stand der Dinge keine Rache an Coppola sein sollte, sondern eine Kritik an Hollywood im allgemeinen.

Probleme, die sowohl im Film als auch bei den Arbeiten an O Território (und auch bei der Produktion von Der Stand der Dinge selbst) auftraten, waren das Fehlen von ausreichenden Mengen an schwarzweißem 35-mm-Filmmaterial und finanzielle Schwierigkeiten.

Der in schwarzweiß gedrehte Film enthält einige Anspielungen auf von Wenders verehrte Filmschaffende, so ist etwa der Name Friedrich Munro eine Hommage an den Stummfilmregisseur Friedrich Murnau, und der Name des Kameramanns Joe Corby ist ein Anagramm von Joe Biroc.

Wenders' 1994 erschienener Film Lisbon Story ist eine lose Fortsetzung von Der Stand der Dinge. Die Hauptrolle spielt erneut Patrick Bauchau.

Rezeption

Der Stand der Dinge wurde 1983 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet und konnte sich gegen Filme wie Blade Runner oder Fassbinders Querelle durchsetzen. Im folgenden Jahr gewann er den Deutschen Filmpreis in Gold für die Kameraarbeit und in Silber für die Produktion.

Das Lexikon des internationalen Films schreibt, Der Stand der Dinge sei ein „vielschichtiger Film über die Bedeutung von Kinogeschichten als Realitätserfahrung - von Wim Wenders zu einer überzeugenden filmischen Darstellung menschlicher Verhaltensweisen geformt.“[1]

In den deutschen Kinos war der Film trotz guter Kritiken und bedeutender Preise wenig erfolgreich. Wenders machte später den deutschen Verleih, den Filmverlag der Autoren, den er 1971 selber mitbegründet hatte, dafür verantwortlich. Diese Erfahrungen trugen später dazu bei, dass sich um Wenders' Film Paris, Texas ein Rechtsstreit entwickelte, der den Kinostart um mehrere Monate verzögerte.[2]

Literatur

  • Reinhold Rauh: Wim Wenders und seine Filme. Wilhelm Heyne Verlag, München, 1990
  • Veronika Vieler: Filmregie als Verstehensprozess dargestellt an Wim Wenders' Der Stand der Dinge. Königshausen & Neumann, Würzburg, 2009

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Der Stand der Dinge im Lexikon des Internationalen Films
  2. Im Palmenrausch. Der Spiegel 33/1984

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