Klaviertrio No. 4 (Dvořák)


Klaviertrio No. 4 (Dvořák)

Das Klaviertrio No. 4 in E-Moll ("Dumky"-Trio) ist ein kammermusikalisches Stück von Antonín Dvořák für Klavier, Violine und Cello. Mit seinem Untertitel Dumky gehört es als "Dumky"-Trio zu den bekanntesten Werken des Komponisten.

Das Stück weicht von der Sonatenform ab.

Inhaltsverzeichnis

Der Name

Dumky, die Mehrzahl des slavischen Wortes dumka, stammt aus dem Ukrainischen. Ursprünglich ist es die Verkleinerungsform (z. B. Haus → Häusle) des Wortes duma, plural dumy, das in etwa eine elegische Ballade in Gedichtform bedeutet, speziell einen Trauergesang Gefangener oder ähnliches[1]. Während des neunzehnten Jahrhunderts begannen Komponisten aus anderen slawischen Ländern damit, die duma als eine klassische Form für introvertierte, in sich versunkene Kompositionen (mit wenigen heiteren Zwischenabschnitten) zu benutzen. Dvořák verwendete die dumka-Form in verschiedenen anderen Kompositionen, z. B. in seiner "Dumka" für Soloklavier, Op. 35; beim Slawischen Tanz No. 2, bei seinem Streichsextett und seinem Klavierquintett No. 2, Op. 81.

Geschichte

Das "Dumky"-Trio wurde am 12. February 1891 vollendet. Es wurde in Prag am 11. April 1891 mit dem Geiger Ferdinand Lachner, dem Cellisten Hanuš Wihan und Dvořák selbst am Klavier uraufgeführt.[1] Am Abend der Uraufführung wurde der Komponist Ehrendoktor der Prager Karlsuniversität. Das Werk wurde so gut aufgenommen, dass es bei einer Konzert-Tournee mit 40 Auftritten, quer durch Böhmen und Mähren, immer wieder auf dem Programm stand, unmittelbar bevor der Komponist in die USA aufbrach, um in New York die Leitung des National Conservatory of Music zu übernehmen, wo er die amerikanischen Komponisten ermutigte, ihre eigene Volksmusik als Inspirationsquelle zu benutzen (siehe auch 9. Sinfonie (Dvořák)).

Das "Dumky"-Trio wurde gedruckt, während Dvořák in Amerika war, und die Probedrucke wurden von keinem Geringeren als Dvořáks Freund Johannes Brahms überprüft.[2]

Struktur

Das Stück ist in sechs Abschnitte aufgeteilt:

  • Lento Maestoso (E-moll und -dur)
  • Poco Adagio (Cis-moll)
  • Andante (A-Dur)
  • Andante Moderato (Quasi Tempo di Marcia) (D-moll und -dur)
  • Allegro (Es-dur und -moll)
  • Lento Maestoso (C-moll and -dur)

Die Komposition besteht aus insgesamt sechs dumky-Episoden. Die drei ersten sind zu einem Ganzen verknüpft, u. a. durch harmonisch komplementäre Tonarten, wie oben angegeben, sodass sie effektiv eine lange erste „Bewegung“ ergeben (Englisch: "movement"). Die abschließenden drei dumkys sind in unzusammenhängenden Tonarten gegeben, sodass man insgesamt den Eindruck einer Struktur mit vier Teilen erhält.[3]

Stil

Der Musikkritiker Daniel Felsenfeld beschreibt das Stück, frei übersetzt, wie folgt:

Die Form des Stückes hat eine einfache Struktur, ist aber emotional kompliziert, weil es sich um einen nicht enden wollenden böhmischen Klagegesang handelt. Auf den ersten Blick ist das Ganze im Wesentlichen ohne Form, wenigsten in konventionell-klassischer Hinsicht. Bei näherer Betrachtung hat man es aber mehr mit einem Stück schwarzer Phantasie in sechs Sätzen zu tun - vollkommen originell und erfolgreich, sozusagen ein „benchmark“-Stück für den Komponisten. Da Dvořák völlig frei von den starren Zwängen der Sonatenform ist, kann er die Bewegungen zu trüben, schweren, „slawischen“ Plätzen führen und ist so in der Lage, sowohl melancholisch als auch - gleichwohl - ein wenig heiter zu sein.[4]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b James Keller: Chamber Music: A Listener's Guide. Oxford University Press, New York 2011. (in Englisch)
  2. Sierra Chamber Society Program Notes: Antonin Dvorak (1841-1904).
  3. Homer Ulrich: Chamber Music. 2. Auflage. Columbia University Press, New York 1966.
  4. Daniel Felsenfeld: Dvorak Chamber Music. In: Dvorak Trios. Koch Records, New York 2006, S. 4 CD booklet.

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