Carl August Böttiger

Carl August Böttiger
Karl August Böttiger

Karl August Böttiger (* 8. Juni 1760 in Reichenbach im Vogtland; † 17. November 1835 in Dresden) war ein deutscher Philologe, Archäologe, Pädagoge und Schriftsteller, der zu den einflussreichen Persönlichkeiten in Weimar gehörte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Karl August Böttiger wurde am 8. Juni 1760 in Reichenbach im Vogtland geboren und starb am 17. November 1835 in Dresden. Seine Ausbildung erhielt er seit 1772 in Schulpforta. 1778 begann er, in Leipzig bei August Wilhelm Ernesti Philologie zu studieren. Schon 1781 musste er jedoch sein Studium beenden, weil die Familie durch den Brand einer Fabrik in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Er bekleidete verschiedene Hofmeisterstellen und legte im August 1784 an der Wittenberger Universität seine Magisterprüfung ab. Schon im September erhielt er die Berufung als Rektor des Gubener Lyzeums. 1786 heiratete er Karoline Eleonore Adler, die Tochter eines Logenbruders; ihr Sohn Carl Wilhelm wurde 1790 geboren. 1791 kam er auf Vermittlung von Johann Gottfried Herder nach Weimar als Direktor des dortigen Gymnasiums. In Weimar fand er schnell Zugang zu allen maßgeblichen Kreisen. Besonders zu Christoph Martin Wieland bestand zeitlebens eine enge Freundschaft, aber auch über Goethes Duzfreund Karl Ludwig von Knebel, Goethes Hausgenossen Johann Heinrich Meyer und Frau von Schardt blieb er mit Weimar, auch nach seinem Weggang 1804, verbunden. Gemeinsam mit Johann Heinrich Meyer publizierte er mehrere Schriften zu archäologischen Themen.

Werk

Hatte Böttiger nach seinem Studium vorrangig kleinere Schriften zur Erziehung verfasst, so begann er in Weimar mehr und mehr philologische und archäologische Arbeiten zu veröffentlichen: Ueber den Raub der Cassandra auf einem alten Gefäße von gebrannter Erde (1794), Ueber Verzierungen gymnastischer Uebungsplätze durch Kunstwerke im antiken Geschmacke (1795) und Ueber die Ächtheit und das Vaterland der antiken Onyxkameen von außerordentlicher Größe. Eine archäologische Abhandlung (erschienen in Leipzig 1796). Die Abhandlungen über Griechische Vasengemälde. Mit archäologischen und artistischen Erläuterungen der Originalkupfer, die von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein stammten, erschienen zwischen 1797 und 1800 in Weimar. Sabina oder Morgenscenen im Putzzimmer einer reichen Römerin. Ein Beytrag zur richtigen Beurtheilung des Privatlebens der Römer und zum bessern Verständniß der römischen Schriftsteller wurden 1803 in Leipzig publiziert, 1805 gekürzt erneut herausgegeben und 1806 und 1811 in einer verbesserten Auflage neu gedruckt; eine französische Ausgabe wurde 1813 in Paris gedruckt, nachdem zuvor im „Magasin encyclopédique“ bereits umfangreiche Auszüge in Übersetzung erschienen waren.

Daneben entfaltete Böttiger auch eine umfangreiche journalistische Tätigkeit. Etwa ab 1794 gab er in Wielands Namen den „Neuen Teutschen Merkur“ heraus, ab 1797 redigierte er Friedrich Johann Justin Bertuchs „Journal des Luxus und der Moden“ und „London und Paris“.

Wirken

In Weimar geriet Böttiger immer mehr in Konflikt mit Goethe, den er zuvor häufig beraten hatte. (Goethe hatte Böttiger sein Versepos Hermann und Dorothea vor der Veröffentlichung zur Durchsicht gegeben). Anlässlich der Aufführung von August Wilhelm Schlegels „Ion“ auf dem Weimarer Hoftheater im Jahre 1803 bricht der Konflikt offen aus. Böttiger verfasste eine ironische Rezension, deren Abdruck im „Journal des Luxus und der Moden“ Goethe verhinderte. Daraufhin erschien die Rezension in August von Kotzebues Zeitung „Der Freimüthige“. 1804 verließ Böttiger Weimar und ging als Direktor der Silberpagen nach Dresden, wo er einflussreiche Freunde hatte. 1814 wurde er Studiendirektor der Ritterakademie und Oberinspektor über das Museum der Antiken sowie über die Sammlung der Mengsschen Gipsabgüsse. In Dresden hielt Böttiger seit 1806 in seiner Wohnung im Coselschen Palais öffentliche Vorlesungen über die Antike. In der Dresdner Abendzeitung schrieb B. die Theaterkritiken für das Dresdner Theater, bis diese Rubrik Johann Ludwig Tieck übernahm. Böttiger gehörte dem Dresdner Liederkreis an und gilt als eine der Hauptfiguren des Dresdner Biedermeiers. Von Ludwig Tieck, einem Gegenspieler Böttigers, wird Böttigers Wirken besonders in der Novelle „Die Vogelscheuche“ thematisiert. Böttiger war Mitglied verschiedener nationaler und internationaler Akademien. 1831 wurde er Correspondant und 1833 Associé étranger des „Institut de France“.

Böttiger gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Goethezeit. Er publizierte sowohl zu philologischen, archäologischen, literarischen als auch politischen Themen und provozierte dabei häufig Kontroversen und Skandale. Ein literarisches Denkmal setzte ihm Ludwig Tieck in seiner 1797 verfassten Komödie Der gestiefelte Kater; in diesem Stück bildet Böttiger die Vorlage für die Figur "Bötticher", einen Theaterkritiker.

Böttiger Schüler Julius von Sillig gab dessen wichtigsten Schriften heraus unter den Titeln C. A. Böttiger's kleine Schriften archäologischen und antiquarischen Inhalts (3 Bde., Dresden 1837f.) und Ideen zur Kunst-Mythologie, aus den für seine Zuhörer bestimmten Blättern von C. A. Boettiger (2 Bde., Dresden 1826, 1836). Die von Böttigers Sohn aus dem Nachlass erstmals herausgegebene Textsammlung „Literarische Zustände und Zeitgenossen“ (Dresden 1838) gelten als ein wichtiger Quellentext der Weimarer Zeit von 1772 bis 1804. Zu seinen engsten Freunden außerhalb Weimars zählen der Göttinger Philologe Christian Gottlob Heyne, die Pariser Philologen bzw. Archäologen Louis-Aubin Millin und Désiré Raoul-Rochette, die Verleger Georg Joachim Göschen und Johann Daniel Sander. Böttiger gilt als wichtiger Vermittler im deutsch/französischen Kulturtransfer. Böttigers archäologische Arbeiten wurden im „Magasin encyclopédique“ (1792/95-1817) bekannt gemacht. In dieser Zeitschrift berichtete er auch über die deutsche Literatur. Böttiger hatte ein dichtes Netzwerk zu bedeutenden Gelehrten, Schriftstellern, Staatsbeamten und Verlegern geknüpft. Sein umfangreicher Briefwechsel, von welchem große Teile vor allem in der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg überliefert sind, spiegelt dies eindrucksvoll wider. Die "Literarischen Zustände..." wurden 1998 erstmals ungekürzt und ungeschönt veröffentlicht.

Schriften

Editionen

  • Carl August Böttiger. Reise nach Wörlitz 1797. Aus der Handschrift ediert und erläutert. Hg. von Erhard Hirsch, Wörlitz 1988.
  • Karl August Böttiger: Literarische Zustände und Zeitgenossen. Begegnungen und Gespräche im klassischen Weimar. Hg. von Klaus Gerlach und René Sternke. Berlin 1998 u. ö.

Briefe

  • Friedrich Gentz’ Briefe an Carl August Böttiger. In Friedrich Gentz. Gesammelte Schriften. Bd. 11,1, Hg. von Friedrich Carl Wittichen, München u. a. 1909.
  • Luise Gerhardt: Karl August Böttiger und Georg Joachim Göschen im Briefwechsel, Leipzig, 1911.
  • Aus dem Briefwechsel Friedrich Münters. Europäische Beziehungen eines Dänischen Gelehrten. 1780-1830. Herausgegeben von Øjvind Andreasen, 3 Bde., Kopenhagen u. a. 1944, Bd. 2.
  • Carl Otfried Müller, Briefe aus einem Gelehrtenleben, 1797-1840, herausgegeben und erläutert von Prof. Dr. Siegfried Reiter. Bd. 1 Die Texte der Briefe. Vorwort von Karl Svoboda; Bd. 2 Erläuterungen, Berlin, 1950.
  • Die Briefe Garlieb Helweg Merkels an Carl August Böttiger. Hg. von Bernd Maurach, Bern u. a. 1987.
  • Der Briefwechsel zwischen August von Kotzebue und Carl August Böttiger. Hg. von Bernd Maurach, Bern u. a. 1987.
  • Die Briefe Johann Daniel Sanders an Carl August Böttiger. Hg. von Bernd Maurach, Bern u. a., 4 Bände, 1990/93.
  • Der Briefwechsel zwischen Friedrich Nicolai und Carl August Böttiger. Hg. von Bernhard Maurach u. a., Bern u. a. 1996.
  • Karl August Böttiger. Briefwechsel mit Auguste Duvau. Mit einem Anhang der Briefe Auguste Duvaus an Karl Ludwig von Knebel. Hg. von Klaus Gerlach und René Sternke, Berlin 2005.
  • Lettres d’Aubin-Louis Millin à Karl August Böttiger. 1797-1817. Hg. von Bénédicte Savoy. In : Aubin-Louis Millin et l’Allemagne. Le Magasin encyclopédique. Hg. von Geneviève Espagne und Bénédicte Savoy. Hildesheim u. a. 2005, S. 287-592.
  • J. J. Mounier. Lettres à C. A. Böttiger, 1797-1802. Transkription R. Bourgeois. Bibliothèque d’Etude et de Recherche, Grenoble (SLUB Dresden, h 37, Bd. 84 und 134, 4o) [maschinenschriftlich in Dresden und Grenoble]

Literatur

  • Karl August Böttiger [...]. Eine Biographische Skizze von dessen Sohne, Dr. K[arl] W[ilhelm] Böttiger. Leipzig 1837.
  • Ernst Friedrich Sondermann: Karl August Böttiger. Literarischer Journalist der Goethezeit in Weimar. Bonn 1983.
  • Eckhard Richter: „Verehrtester Herr Hofrath“. Tieck und Böttiger. In: Walter Schmitz (Hg.): Ludwig Tieck. Literaturprogramm und Lebensinszenierung im Kontext seiner Zeit. Tübingen 1997.
  • Elena Agazzi: Carl August Böttiger und seine Rolle als Vermittler zwischen Bühne und Altertum. In: Euphorion 94 (2000), S. 423-434.
  • René Sternke: L’archéologue Millin – modèle de l’archéologue Böttiger. In : Aubin-Louis Millin et l’Allemagne. Le Magasin encyclopédique. Hg. von Geneviève Espagne und Bénédicte Savoy. Hildesheim u. a. 2005, S. 79-93.
  • Bénédicte Savoy: Savoir archéologique partagé. Les Lettres d’Aubin-Louis Millin à Karl August Böttiger. 1797-1817. Ebenda, S. 61-77.
  • Klaus Gerlach: Der Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller als Grundstein der deutschen Klassik [enthält Böttigers Rez. desselben]. In: Ibykus, Wiesbaden 2005, S. 20f.
  • Julia A. Schmidt-Funke: Karl August Böttiger (1760-1835). Weltmann und Gelehrter. Heidelberg 2006 (Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800: Ästhetische Forschungen Bd. 14).
  • René Sternke: Böttiger und der archäologische Diskurs. Mit einem Anhang der Schriften 'Goethe's Tod' und 'Nach Goethe's Tod' von Karl August Böttiger. Akademie Verlag Berlin. 2008. ISBN 978-3-05-004349-4
  • Stefan Lindinger: Karl August Böttiger. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 17, Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8, Sp. 143–151.

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