Ernestinum Gotha


Ernestinum Gotha
Gymnasium Ernestinum Gotha
Bild des Gymnasium Ernestinum in Gotha.
Schulform Gymnasium
Gründung 1524
Ort Gotha
Land Thüringen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 56′ 44,4″ N, 10° 42′ 1,7″ O50.94566810.700484Koordinaten: 50° 56′ 44,4″ N, 10° 42′ 1,7″ O
Schüler 438
Lehrer 49
Website http://www.ernestinum-gotha.de/

Das Gymnasium Ernestinum Gotha ist ein humanistisch-naturwissenschaftlich orientiertes Gymnasium in Gotha.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung des Gymnasiums

Von den Anfängen bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts

Der älteste Vorläufer ist die 1291 erwähnte Lateinschule an der Pfarrkirche St. Marien. Am 21. Dezember 1524 wurde das Gymnasium durch den Reformator Friedrich Myconius im Kreuzgang des Augustinerklosters gegründet. Durch den Einfluss der Reformation wurde Inhalt und Form des Unterrichts schon Mitte des 16. Jahrhunderts unter Leitung von Cyriacus Lindemann (1562-1568) neu ausgerichtet. Er legte dabei vor allem Wert auf die Beherrschung grammatischer Regeln und die Interpretation lateinischer Autoren. Dabei führte er das neue Unterrichtsfach Deklamation ein. Großen Wert legte er auf sorgfältige schriftliche Arbeiten der Schüler. Neben diesen Aspekten der Gelehrsamkeit machte er sich durch seinen humanen Umgang mit Schülern einen Namen, da er stets um ein Vertrauensverhältnis zu seinen Schülern bemüht war. Dieses unterschied ihn von seinem Amtsvorgänger Pankratius Sussenbach (1540-1562).

Um 1600 erhielt das Gymnasium den Zusatz „illustre“ (vortrefflich, glänzend, berühmt) durch Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg verliehen. Zu diesem Zeitraum nahm Andreas Wilke (1592-1631) die Rektoratstätigkeit wahr. Er war an der Weiterentwicklung der Schule nicht unerheblich beteiligt. Wilke sorgte für mehr Lehrer an der Schule, erhöhte die Anzahl der Klassen und erweiterte das Schulgebäude in dem er sich für dessen Umbau einsetzte. Zugleich unterhielt er Verbindungen zu namhaften Professoren und Wissenschaftlern in ganz Deutschland.

Blütezeit des Gymnasiums

Im 17. Jahrhundert wurde das Gymnasium durch Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg weiterhin gefördert. Er bot Söhnen verfolgter Lutheraner aus Ungarn, Schlesien, Polen, Russland und Skandinavien Asyl, die am hiesigen Gymnasium lernten. Mit der Ernennung von Andreas Reyher (1641–1673) zum Rektor wurde die allgemeine Schulpflicht für alle Fünf- bis Zwölfjährigen im Herzogtum Gotha eingeführt. Er reformierte das Gothaer Schulwesen im Sinne von Wolfgang Ratke. Sein Rektorat begann Reyher mit dem Entwurf einer neuen Schulordnung unter dem Titel „Special- und sonderbahrer Bericht, Wie (...) Knaben und Mägdlein (...) unterrichtet werden können und sollen" (1642). Reyher setzte eine inhaltliche Reform des Schulwesens durch, die über die Landesgrenzen hinaus berühmt werden sollte. Durch die Einführung der Selecta kam es zur Aufstockung der Klassen und zur Erhöhung des Fächerkanons. Erstmals wurde der Unterricht in der Muttersprache erteilt. Mathematik, Poetik und Geschichte wurden als neue Fächer eingeführt. Zur Vorbereitung auf das Studium wurden in der Abschlussklasse Selecta die Fächer Rhetorik, Logik, Ethik, Mathematik, Metaphysik und Sphärik gelehrt.

Das 18. Jahrhundert ist im Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg durch die Aufklärung geprägt. Besondere Förderung erhielt das Gymnasium unter der Herrschaft Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, der sich für die Entwicklung guter Schulen einsetzte. Dabei ließ er sich von dem Grundsatz leiten, dass gebildete Untertanen auf allen Gebieten eine wichtige Voraussetzung für die ökonomische und politische Stabilität des Landes waren. Während seiner Regierungszeit amtierte Johann Gottfried Geißler (1768–1779) als Rektor am Gymnasium illustre. Unter ihm wurde das Konzept entwickelt, welches den Anteil der alten Sprachen zugunsten der naturwissenschaftlichen Disziplinen Deutsch, Literatur, Englisch und Französisch verringerte. Um den Freiraum der Schüler für häusliche und selbständige Arbeiten zu erhöhen, wurde die Anzahl der Stunden auf 4 am Vormittag und 3 am Nachmittag beschränkt. Er führte das Fachlehrerprinzip ein und sorgte für feste verbindliche Lehrpläne. Ausgangspunkt dieser Veränderungen bildete Geisslers Schrift „Unvorgreifliche Gedanken, wie die Einrichtung des gymnasii illustris Gothani einigermaßen könnte verbessert werden“ vom 1. November 1768. Unter Friedrich Andreas Stroth (1779–1785) und Dr. Friedrich Wilhelm Döring (1786–1833) wurden diese Entwicklungen kontinuierlich fortgesetzt. Die unter ihnen tätigen Lehrkräfte Johann Georg August Galetti, Johann Friedrich Salomon Kaltwasser, Johann Heinrich Friedrich Schlichtegroll, Johann Caspar Friedrich Manso und Friedrich Jacobs zeichneten sich durch ein hohes Maß an Kompetenz und Pflichtbewusstsein aus. Ihre Namen sind als Gelehrte und Schriftsteller in die Geschichte eingegangen.

Gründung und Entwicklung des Gymnasiums Ernestinum bis 1945

Bild des Gymnasium Ernestinum im 19. Jahrhundert.

In den Jahren 1837/38 wurde für das Gymnasium in der Bergallee ein modernes Schulgebäude im klassizistischen Stil errichtet, das den Erfordernissen der Zeit entsprach. Nach einem kurzen Interregnum zwischen 1833 und 1841 unter dem Oberhofprediger Dr. Eduard Adolf Jacobi und Dr. Joachim Dietrich Gottfried Seebode sorgte Dr. Valentin Christian Rost (1841-1859) für das Wiedererstarken des Gymnasiums. Er musste sich der Herausforderung eines durch das Gothaer Bürgertum begründeten Konkurrenten, des Herzoglichen Realgymnasiums, stellen. Dieses Realgymnasium orientierte sich den Bedürfnissen der Zeit entsprechend an einem naturwissenschaftlich-mathematischen Lehrprogramm. Chemie, Physik und Mineralogie wurden als eigenständige Fächer unterrichtet. Die modernen Fremdsprachen Französisch und Englisch gewannen gegenüber Latein an Bedeutung.

Am 12. April 1859 wurden das Gymnasium illustre und das Herzogliche Realgymnasium vereinigt. Die Bildungseinrichtung erhielt anlässlich dessen den Namen Gymnasium Ernestinum Gothae - zu Ehren Herzog Ernsts I. von Sachsen-Coburg und Gotha.

Der neue Rektor Dr. Karl Joachim Marquardt (1859-1882) sorgte für strenge Einhaltung der neuen Schulordnung ohne besondere Härte einzusetzen. Gegenüber seinen Lehrerkollegen vertrat er eine ebensolche strenge aber zugleich freundschaftliche Haltung. Er engagierte sich für eine bessere Einrichtung des Schulplans. Unter seiner Leitung wurde ein Erweiterungsbau der Schule vorgenommen, eine Aula eingerichtet, neue Bibliotheksräume und eine Turnhalle geschaffen. Unterrichtet wurde nach einem einheitlichen Fächerkanon. Ab der Untertertia erfolgte die Untergliederung in humanistische und realgymnasiale Klassen. Nachfolger Marquardts war Dr. Eduard Heinrich Albert von Bamberg (1883-1910), der ebenso neben der humanistischen Bildung die realen Wissenschaften förderte. Unter dem neuen Rektor Ludwig Mackensen (1910-1914) sollten erstmals auch Mädchen das Ernestinum besuchen. Prof. Dr. Heinrich Anz (1914-1935) musste sich bei seiner Amtsübernahme mit den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auseinandersetzen. Auch in den darauf folgenden Jahren der Weimarer Republik ist es Anz zu verdanken, dass das humanistische Gymnasium weiter fortbestehen konnte. Während der Naziherrschaft wirkten sich das Eingreifen der Hitlerjugend, die Beurlaubung von Lehrkräften, Staatsfeierlichkeiten , die Einberufung von Schülern zum Militärdienst negativ auf den Schulbetrieb aus. Dr. Otto Küttler (1938-1945) war als Rektor bestrebt, den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Unter ihm wurden Theateraufführungen, Vorträge und Sportveranstaltungen organisiert. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gymnasialbibliothek auf Schloss Friedenstein überführt. Heute ist sie Bestandteil der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha.

Das Gymnasium in der DDR

Blick auf das Schulhaus

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren mit der Auflösung des Kollegiums des Gymnasiums Ernestinum und dem Einführen einer neuen Bildungskonzeption die Grundlagen entzogen, weiterhin ein humanistisch geprägtes Gymnasium zu führen. 1965 erhielt die nunmehrige POS den Namen Albert Schweitzer.

Das Gymnasium von 1991 bis zur Gegenwart

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Gymnasium Ernestinum am 1. November 1991 wiedergegründet, 1993 wurden die ersten Abiturprüfungen nach 48 Jahren abgelegt. Seit diesem Zeitpunkt wird es von Dr. Lutz Wagner geführt. Heute lernen 438 Schülerinnen und Schüler an dieser Einrichtung. Sie werden von 49 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. [Stand September 2009]

Außerschulische Aktivitäten

  • Teilnahme an der Mathematik-, Chemie- und Physikolympiade
  • Teilnahme an „Jugend trainiert für Olympia
  • Schüleraustausch mit Benevento und einer Partnerschule in der Ukraine
  • Beteiligung am Gothaer Kinderchor
  • Ausstellung künstlerischer Leistungen im Schloss Friedenstein sowie in der Stadt Gotha

Kooperation mit anderen Einrichtungen

  • „Schnupperwoche“ für Grundschüler der 4. Klassen
  • Gemeinsame Leistungskurse in Klasse 11/12 mit dem Arnoldi-Gymnasium
  • Praktikum für Studierende der Fachrichtung Lehramt unterschiedlicher Universitäten
  • Ausbildungsschule für Referendare in Kooperation mit der Universität Erfurt

Rektoren, Lehrer und Schüler des Gymnasiums

Bekannte Persönlichkeiten, die im Ernestinum bzw. dessen Vorgänger-Einrichtungen (Gymnasium Illustre und Realgymnasium) lehrten oder lernten, waren:

Literatur

  • Gymnasium Ernestinum : Jahresheft ...
  • Köhler, Christoph, u.a. [Red.]: Festschrift zum 475-jährigen Schuljubiläum des Gymnasium Ernestinum Gotha 1524-1999, Gotha, 1999
  • Köhler, Christoph: Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772-1804) zum 200. Todestag, Gotha, Ernestinum, N.F. 137.2004, S. 1061-1066
  • Vogel, Jekaterina: Andreas Reyher 1601-1673, Gotha [1990]
  • Anz, Heinrich (Hrsg.): Gotha und sein Gymnasium. Bausteine zur Geistesgeschichte einer deutschen Residenz. Zur 400 - Jahrfeier des Gymnasium Ernestinum, Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G., Gotha/Stuttgart 1924
  • Mitteldeutscher Kulturrat Bonn (Hrsg.): Gymnasien Thüringens Band 3, Kammwegverlag, Troisdorf 1972

Weblinks


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