Evangelische Pauluskirche (Hamm)

Evangelische Pauluskirche (Hamm)
Pauluskirche Hamm
Pauluskirche von der Nordstraße aus gesehen, zentraler Kirchenbau in Hamm

Die evangelische Pauluskirche liegt im Zentrum der Stadt Hamm. Seit 1985 steht sie unter Denkmalschutz.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Baubeschreibung

Die evangelische Pauluskirche ist der in gotischem Stil errichtete zentrale Kirchenbau in Hamm. Sehr wahrscheinlich bestand vor dem eigentlichen Kirchenbau eine kleinere Kapelle o. ä. an der gleichen Stelle. Das genaue Alter des heutigen Bauwerks ist unbekannt, einige Quellen nennen das Jahr 1275 als das Jahr des Baubeginns. Die Errichtung der Kirche fand aber jedenfalls in der Zeit zwischen der Stadtgründung und der Abpfarrung statt. Der Sakralbau wurde früher St. Georg und Laurentius genannt - nach den Schutzpatronen der Stadt. Seine Pfarrgemeinde entstand durch Abpfarrung im Jahre 1337 von der Pankratiuskirche im Dorf Mark. Pauluskirche wird das Bauwerk erst seit 1912 genannt.

Die Pauluskirche ist weithin in alle Stadtteile sichtbar. Sie ist das älteste monumentale Bauwerk der Stadt Hamm. Die zahlreichen Brände im Mittelalter und im 18. Jahrhundert hat sie überstanden, allerdings wurde die originale Bausubstanz stark angegriffen. Beim Wiederaufbau 1746 - also nach dem großen Stadtbrand von 1741 - ist der spätgotische Spitzhelm durch eine barocke Haube ersetzt worden. Die heute in dieser Form nicht mehr erhaltene Haube kann man auf Vorkriegsfotos noch gut erkennen. Eine weitreichende Sanierung erfolgte in den Jahren 1893 bis 1895. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Pauluskirche schwer beschädigt. Ihre Wiederherstellung erfolgte in den Jahren 1952 bis 1954. 2006 wurden sowohl die Außenfassade als auch der Innenraum grundlegend saniert.

Der Turm der Pauluskirche hat eine Höhe von 79,30 Metern. Er gilt als eine der schönsten Turmlösungen in Westfalen und zudem als altes Wahrzeichen der Stadt. Aus der Zeit des Wiederaufbaus nach 1945 stammt der pyramidenförmige Turmhelm, der sich wieder dem ursprünglich gotischen der Jahre vor dem großen Stadtbrand von 1741 anlehnt. Der heutige Turmhelm, der 1961 entstand, orientiert sich an der ursprünglichen Form. Seit 2007 schmückt den Turm erstmalig seit langer Zeit wieder eine neue Turmuhr. Diese stellt ein neues Element des Kirchbaus da, das mit dem historischen Zustand der Kirche nicht in Einklang steht. Das Abendläuten um 21 Uhr durch die historische Glocke von 1743 erinnert noch heute an die verheerenden Stadtbrände.

Im Kern kann das Bauwerk auf eine Kirche zurückgeführt werden, die bald nach der Gründung der Stadt durch Graf Adolf I. von der Mark am Aschermittwoch des Jahres 1226 entstanden ist. Wesentliche Teile des Chores, das Querhaus und das Chorvorjoch dürften noch aus dem späten 13. Jahrhundert stammen. Der Turm und das dreischiffige Langhaus werden hingegen in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert.

Ausstattung

In der Pauluskirche sind drei Epitaphe (Gedenksteine) aus dem 17. und 18. Jahrhundert erhalten. Im Südschiff befindet sich der aus Baumberger Sandstein gefertigte Gedenkstein einer 1609 verstorbenen Tochter der Familie Pentlinck (Pentling) aus Münster (Westfalen). Ihr Name lautet vermutlich Elisabeth. Den Gedenkstein des Heinrich von Wrede († 1614) im Hauptschiff, der ebenfalls aus Baumberger Sandstein gefertigt wurde, zieren 16 Wappen. Im Hauptschiff ist nach dem Zweiten Weltkrieg auch der Gedenkstein des Johannes Du Buisson († 1726) platziert worden. Dieser war Generalmajor und Kurator des Akademischen Gymnasiums. An der Südwand des Chores wurde schließlich der Grabstein des Johann Diedrich von Lemgow (Johan Dietrich von Lemgow) († 1653) eingemauert, der bei der Tieferlegung des Fußbodens in den 1950er Jahren aufgefunden worden ist. Die Familie von Lemgow stellte vom 15. bis 17. Jahrhundert mehrere Hammer Bürgermeister.

Orgel

Seit 1967 befindet sich im nördlichen Querschiff die von der Hamburger Orgelbaufirma von Beckerath gebaute Orgel, die im Jahr 2009 durch die Firma Beckerath komplett restauriert und denkmalgerecht modernisiert wurde. Das Instrument hat 39 Register auf 3 Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.[1]

I Hauptwerk C–g3
1. Quintadena 16′
2. Prinzipal 8′
3. Spielflöte 8′
4. Oktave 4′
5. Koppelflöte 4′
6. Nasat 22/3
7. Flachflöte 2′
8. Mixtur V 11/3
9. Zimbel III 1/2
10. Trompete 8′
II Rückpositiv C–g3
11. Metallgedackt 8′
12. Prinzipal 4′
13. Rohrflöte 4′
14. Oktave 2′
15. Gemsquinte 11/3
16. Scharf IV 2/3
17. Sesquialtera II 22/3
18. Dulzian 16′
19. Bärpfeife 8′
Tremulant
III Schwellwerk C–g3
20. Rohrflöte 8′
21. Gemshorn 8′
22. Violflöte 4′
23. Blockflöte 4′
24. Nasat 22/3
25. Gemshorn 2′
26. Terz 13/5
27. Septime 11/7
28. Sifflöte 1′
29. Mixtur V 1′
30. Oboe 8′
Tremulant
Pedal C–f1
31. Prinzipal 16′
32. Oktave 8′
33. Rohrbass 8′
34. Metallflöte 4′
35. Nachthorn 2′
36. Mixtur V 2′
37. Posaune 16′
38. Trompete 8′
39. Schalmei 4′

Glocken

Der Turm beherbergt sechs Glocken. Die älteste Glocke wurde 1743 von Johann Schweys gegossen, Schlagton cis1. Im Jahre 1957 goss der Bochumer Verein fünf Gussstahlglocken hinzu, Schlagtöne a0, h0, d1, e1 und g1.[2]

Pfarrgemeinde

Die mit der Kirche im Mittelalter verbundene Pfarrei entstand durch Abpfarrung von der Kirche in Mark am 17. April 1337. Mit dem Wirken des Carolus Gallus setzt sich ab 1562 das reformierte Bekenntnis durch. (Gallus ließ die in der Kirche befindlichen Kunstgegenstände weitestgehend zerschlagen, was die Schlichtheit des heutigen Kirchbaus begründet.) Die reformierte Gemeinde unterhielt seit dem frühen 17. Jahrhundert am Marktplatz eine Elementarschule. Heute bildet die Gemeinde den Gemeindebezirk I der Kirchengemeinde Hamm.

Pfarrer

  • 1664 - 1690: Bernhard Erasmus Avermann, 1. Pfarrer
  • 1721 - 1743: Johann Heinrich Thienen, 1. Pfarrer
  • 1743 - 1757: Johann Gottfried Peill, 1. Pfarrer
  • 1763 - 1794: Gerhard Rübel, 1. Pfarrer
  • 1794: Rulemann Ludwig Eylert, 1. Pfarrer
  • 1795 - 1846: Jakob Wülfingh, 1. Pfarrer

Literatur

  • Friedrich Wilhelm Jerrentrup: Mittelalterliche Kirchen in Hamm, in: Zeitspuren. Die Anfänge der Stadt Hamm, hrsg. von Georg Eggenstein – Ellen Schwinzer, Bönen 2001, S. 108-110.
  • Andreas von Scheven: Orgel in der Pauluskirche mit reicher Klangvielfalt. Restaurierungsarbeiten 2005 gaben interessante Rückblicke auf vergessene Innengestaltungen, in: Unser Westfalen 2007, S. 78.
  • Arnold Torhorst: Die alten Epitaphe in der Pauluskirche zu Hamm, in: Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte 75, 1982, S. 185-197.

Einzelnachweise

  1. Nähere Informationen zur Orgel der Pauluskirche
  2. Theo Fehn: Der Glockenexperte. Bochumer Gußstahlglocken. Badenia, Karlsruhe 1997, S. 530.

Weblinks

 Commons: Evangelische Pauluskirche (Hamm) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
51.6813837.819601

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