Carl Ludwig von Bar


Carl Ludwig von Bar

Carl Ludwig von Bar (* 24. Juli 1836 in Hannover; † 20. August 1913 in Folkestone, Großbritannien) war ein deutscher Straf- und Völkerrechtslehrer. Er war Jurist und Mitbegründer der Lehre vom internationalen Privatrecht. In diesem Bereich, aber auch im internationalen Straf- und Verwaltungsrecht, erbrachte er seine größten wissenschaftlichen Leistungen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Carl Ludwig von Bar wurde als Sohn des Generalsekretärs für die finanziellen Geschäfte des königlichen Hausministeriums Carl Ludwig von Bar geboren und wuchs im Umfeld des hannoverschen Beamtentums auf. Seine schulische Ausbildung am Gymnasium zu Hannover beendete er im Jahre 1853 noch nicht 18-jährig. Daran anschließend begann er an der Universität Göttingen sein Studium der Rechtswissenschaften und besuchte neben den juristischen Vorlesungen auch Kurse in Differentialrechnung und Volkswirtschaftslehre, Geschichte und Philosophie, die er eingehend studierte. Im Jahr 1854 ging er ein Jahr nach Berlin um dort Vorlesungen zum Zivilrecht u.a. zu besuchen.

Im Alter von 23 Jahren promovierte er zum Thema: „Zur Lehre von Versuch und Teilnahme am Verbrechen“. Dieser Arbeit folgten 15 weitere Werke die sich thematisch mit dem Kriminalrecht und dem Kriminalprozessrecht beschäftigten. Im Jahre 1863 trat er die Stelle als Gerichtsassessor am Obergericht Göttingen an, nachdem er am 18. Dezember 1858 seine juristische Doktorwürde mit dem ersten Grade erhalten hatte. Im Frühjahr 1863 folgte er dem Ruf nach Halle und habilitierte sich. Im Jahre 1866 wurde er nach Rostock an das dortige Ordinariat für Criminalrecht und Criminalprizessrecht berufen. Zwei Jahre später (1868) folgte er dem Ruf an die Universität Breslau, welche er wieder für eine Rückkehr an die Universität Göttingen im Jahre 1879 verließ. Dort wirkte er über 30 Jahre lang.

Von Bar tat sich auch als politischer Schriftsteller hervor. Hieraus resultierte auch seine Kandidatur als Abgeordneter des Wahlkreises Rostock für den Reichstag, in den er im Jahr 1890 gewählt wurde. Im Jahre 1889 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität von Bologna verliehen. Im Jahre 1895 zogen Cambridge, 1911 Oslo und 1913 Oxford nach.

Er starb 1913 in Folkestone, Großbritannien. Begraben ist er auf dem Göttinger Stadtfriedhof.

Leistungen

In seinen Werken äußerte er sich zu vielen wesentlichen Problemen auf dem Gebiet des Strafrechtes, auch wenn er sich nahezu mit allen Materien des Rechts literarisch beschäftigt hat (dazu gehören auch das Konkurs- oder Völkerrecht). Eine besondere Bedeutung hatte für Ihn aber auch die Geschichte und die Philosophie des Rechts, die er für unentbehrlich hielt, um den Erscheinungen des Rechtslebens gerecht zu werden. Zu seinen wichtigsten historischen Arbeiten gehört Die Geschichte des deutschen Strafrechts und der Strafrechtstheorien (1882), die als erster Band eines Handbuches des deutschen Strafrechts geplant war. Als Reformator konnte er sich einen Namen auf dem Gebiet des internationalen Privatrechts machen. So lag es nahe, dass er 1875 zum Mitglied des Institut de Droit international gewählt wurde, dessen 1891 in Hamburg stattfindende Sitzung er als Präsident leitete. Von Bar war darüber hinaus ab 1900 Mitglied des Ständigen Schiedshofs in Den Haag und förderte Bestrebungen, die sich die Annäherung der Völker zum Ziel gesetzt hatte.

Ehrungen und Andenken

1954 wurde eine Göttinger Gedenktafel an seinem letzten Göttinger Wohnhaus in der Herzberger Landstraße 25 angebracht.

Werke

  • Das internationale Privat- und Strafrecht", Hahn'sche Hofbuchhandlung, Hannover 1862.
  • Das Beweisurtheil des germanischen Processes. Ein Beitrag zur Geschichte und Kritik des deutschen Preocesses und des deutschen Rechtes Hahn'sche Hofbuchhandlung, Hannover 1866.
  • Geschichte des deutschen Strafrechts und der Strafrechtstheorien, Berlin 1882 (s. Weblink).
  • Lehrbuch des internationalen Privat- und Strafrechts Ferdinand Enke, Stuttgart 1892.
  • Gesetz und Schuld im Strafrecht. Fragen des geltenden deutschen Strafrechts und seiner Reform. Bd. 1: Das Strafgesetz J.Guttentag, Berlin 1906.
  • Gesetz und Schuld im Strafrecht. Bd. 2: Die Schuld nach dem Strafgesetze. I.Guttentag, Berlin 1907.
  • Gesetz und Schuld im Strafrecht. Bd. 3: Die Befreiung von Schuld und Strafe durch das Strafgesetz. I. Guttentag, Berlin 1909.

Literatur

  • Dietrich Lang-Hinrichsen: Bar, Carl Ludwig von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, S. 579 f.
  • Axelena von Bar: Verzeichnis der Schriften von Ludwig von Bar; Prof. der Rechte an der Universität Göttingen. Deuerlichsche Buchhandlung, Göttingen 1916.
  • Walter Nissen: Göttinger Gedenktafeln. Göttingen 1962, S. 20 f.

Weblinks


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