Frei Kadlub


Frei Kadlub
Frei Kadlub
Kadłub Wolny
Wappen von Kadłub Wolny
Frei KadlubKadłub Wolny (Polen)
Frei KadlubKadłub Wolny
Frei Kadlub
Kadłub Wolny
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Oppeln
Landkreis: Oleski
Geographische Lage: 50° 46′ N, 18° 22′ O50.77111111111118.370555555556Koordinaten: 50° 46′ 16″ N, 18° 22′ 14″ O
Einwohner:
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OOL
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Kattowitz
Verwaltung
Webpräsenz: www.kadlubwolny.pl

Frei Kadlub (polnisch Kadłub Wolny, zunächst Kadlub und Groß Kadlub, Anfang des 16. Jahrhunderts auch Skadlub, dann Frey Kadlub und Wolny Kadłub, im III. Reich zwischen 1936 und 1945 zu Freihöfen umbenannt und schließlich heute als Kadłub Wolny bezeichnet) ist ein Dorf in der Woiwodschaft Oppeln in Polen, Powiat Oleski, eingemeindet nach Zembowitz.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am 17. November 1295 wurde das Dorf Kadlub erstmals urkundlich erwähnt. Der zuvor an die Adalbertskirche in Oppeln zu zahlende Zins war ab diesem Zeitpunkt an die dortige Kreuzkirche zu entrichten[1]. Am 2. April 1375 erwarb ein Nikolaus Bochnek die Zinsen des Dorfes[2]. Im 16. Jahrhundert gelangte der Besitz an die oberschlesische Adelsfamilie Przissowsky, die es 1572 an Christoph Hoff, gen. Schnorbein, von Kantersdorf verkaufte[3]. Anschließend kam das Rittergut Kadlub an Johann von Beeß. Er war verheiratet mit Margarete, Tochter des Daniel Zierowsky auf Slupsko und Kotulin, verkaufte 1594 die Herrschaft Rosenberg an Melchior von Gaschin und behielt vorerst neben Kadlub noch Sausenberg (damals Schumirad) und Chudoba. Er erlangte später eine kaiserliche Bestätigung für den in seiner Familie schon früher geführten Freiherrenstand und begründete die Linie der Freiherren Beeß von Werchels und Rosenberg.

Am 5. April 1605 fand im Wirtshaus von Groß Kadlub, so nannte man zu dieser Zeit das eigentliche Dorf, während die kleinere Ansiedlung des Rittergutes den Namen Kadlub trug, ein für Schlesien historisches Ereignis statt. Johann von Bees verkaufte Gut und Dorf Kadlub mit Teichen, Mühlen, Jagden, Zinsen sowie allen niederen und oberen Rechten nicht an einen anderen Adligen, sondern für 2500 Taler an die Einwohner der beiden Gemeinden und entließ sie dadurch auch aus der Untertänigkeit. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gab es unter den etwa 5000 Ortschaften in ganz Schlesien nur zwei solche freien Dörfer (1717 hatten sich auch die Bewohner von Kaudewitz im Landkreis Liegnitz freigekauft)[4]. Den Verkauf bezeugten auf einer Urkunde neben von Beeß auch der erwähnte Vorbesitzer Christoph Hoff von Kantersdorf auf Oschietzko und dessen Söhne Hildebrand und Kaspar sowie Johann und Siegmund Wachowsky auf Leschna und Georg Ossietzky auf Pawlowitz (Kreis Tost-Gleiwitz). Es folgte eine Bestätigung durch den eigentlichen Lehnsherrn, Kaiser Rudolf II., in seiner Funktion als Fürst von Oppeln-Ratibor am 13. Dezember 1605. Die für die Bewohner so wichtigen Urkunden wurden sorgfältig in einer Eichenholzschatulle aufbewahrt[5].

Infolge setzte sich für das Dorf der Name Frei-Kadlub durch. Die Bewohner mussten öfters ihre Rechte gegenüber der jeweiligen Obrigkeit verteidigen. Ende des 18. Jahrhunderts gewannen sie einen Prozess wegen der Bewirtschaftung des Gemeindeforstes gegen die preussische Regierung. Ebenso scheiterten alle späteren Versuche im III. Reich als auch in der kommunistischen Ära nach dem II. Weltkrieg Teile des Dorfes zu enteignen bzw. zu verstaatlichen.

Nach dem historischen Verkauf von 1605 waren 25, je nach Kapitalbeteiligung zum Teil unterschiedlich große Anteile entstanden. Forsten, Teiche, Mühlen und das Wirtshaus wurden gemeinsam genutzt und verwaltet. Nach der allgemeinen Bauernbefreiung in Schlesien hatte sich in den 1840er Jahren eine Gesellschaft der Anteilseigner gegründet, die am 12. Mai 1843 auch nach einer Überprüfung der noch vorhandenen Urkunden durch das Oberlandgericht in Breslau in das Hypothekenbuch des Landkreises Rosenberg als Eigentümer eingetragen worden war. Um eine Zerstückelung des Besitzes zu vermeiden, entschieden die Gesellschafter 1845, dass der Anteil nur an jeweils einen Erben übergehen durfte. In jüngerer Zeit gründete sich die Bäuerliche Wäldergemeinschaft des Dorfes Frei Kadlub. Auf einer jährlich am 29. Juni stattfindenden Versammlung werden die jeweiligen Gewinne aus der Bewirtschaftung verteilt, über neue Investitionen verhandelt und gemeinnützige Projekte geplant. In den 1990er Jahren sammelte die Gemeinschaft beispielsweise einen größeren Geldbetrag für die Schule des Dorfes.

Einzelnachweise

  1. Vgl. Colmar Grünhagen (Hrsg.): Codex Diplomaticus Silesiae, Bd. 7, Teil 3, Regesten zur schlesischen Geschichte, bis zum Jahre 1300. Breslau 1886, S. 226, Nr. 2387.
  2. Vgl. Colmar Grünhagen (Hrsg.): Codex Diplomaticus Silesiae, Bd. 6, Registrum St. Wenceslai. Breslau 1865, S. 12.
  3. Landbuch Fürstentum Oppeln-Ratibor F, fol. 323.
  4. Vgl. Johannes Ziekursch: Hundert Jahre schlesische Agrargeschichte. Breslau 1927, S. 62f.
  5. Fotografien der Urkunden und der Truhe siehe hier abgerufen in 06/2010.

Literatur

  • Hieronymus Wiechulla: Das Dorf Frei-Kadlub. In: Oberschlesische Heimat. Nr. 9, 1913, S. 46-47.

Weblinks


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