Gutshof Menterschwaige


Gutshof Menterschwaige
Gutshof Menterschwaige
Südflügel von 1899 mit „Restaurationssaal und Bühne“

Der Gutshof Menterschwaige ist ein denkmalgeschütztes[1], dreiflügeliges Gebäude direkt am Hochufer der Isar, nur durch einen öffentlichen Fuß- und Radweg und alten Waldbestand von der Hangkante getrennt. Er liegt im nach ihm als Menterschwaige benannten Ortsteil des Münchner Stadtteils Harlaching. In ihm befindet sich heute ein Gasthof mit Biergarten.

Plan des Gutes Hardthausen im Jahr 1700. Ausschnitt aus einer Karte des Geometers Mattias Paur

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Menterschwaige geht zurück auf eine als Harthausen bezeichnete Schwaige, die um das Jahr 1012 erstmals in einer Besitzurkunde erwähnt wurde.[2] Der Name stammt vom Wort Hardt für einen hochgelegenen Wald. Seit 1189 gehörte zur Schwaige auch eine Kirche, die südlich des Hofes auf der Rodung am Rand des Perlacher Forsts errichtet wurde. Im 15. Jahrhundert gelangte der Hof wie das rund fünf Kilometer südlich gelegene Grünwald in den Besitz der Herzöge von Bayern. Herzog Johann IV. zog sich im Pestjahr 1463 aus München in die abgelegene Schwaige Harthausen zurück, wurde aber dennoch infiziert und starb dort.

Im Jahr 1504 brannte der Gutshof nieder, der wiederaufgebaute Hof wurde 1632 im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden zerstört. Erneut wurde der Hof wieder aufgebaut und 1660 machte Kurfürst Ferdinand Maria den Hof seinem Oberlandeshofmeister Max von Kurz zum Geschenk. Nach dessen Tod erwarb die herzogliche Familie die Schwaige wieder, sie blieb bis 1793 im Besitz der Wittelsbacher.[2]

Ausflugsziel im 19. Jahrhundert

Anschließend wurde der Hof mehrfach kurz hintereinander verkauft.[3] Erster Käufer war der Reichsgraf Marquart von Kreith, von ihm erwarb die für den Nockherberg bekannte Bankiersfamilie Nockher die Schwaige. 1803 eröffnete Nockher im ehemaligen Gut erstmals einen Gasthof. Der nächste Eigentümer war der Schweizer David Edvard. 1807 erwarb Peter Johann Gaibl den Hof. Er betrieb bereits die Brauerei und Gaststätte Menter in der Münchner Altstadt, so dass er als Menterbräu bezeichnet wurde und seitdem Gasthof und Gut Hardhausen als Menterschwaige bekannt wurden.

Das Gasthaus wurde wegen seiner reizvollen Lage auf dem Hochufer mit Blick auf den Fluss und die Alpen zu einem viel besuchten Ziel für Landpartien aus der Stadt, auch längere Aufenthalte in der Sommerfrische waren beliebt. Es wird beschrieben als „einsames Wirtshaus, [...] wo uns das herrliche Gebirg zum ersten Mal einen vertraulichen Blick in seinen Schoß gestattet“ und die Menterschwaige„ist einer der beliebtesten Besuchsorte, besonders an Sonn- und Feiertagen und am 1. Mai, wo Tausende von Menschen hier zusammenkommen.“[3] Reiseberichte von Besuchern Münchens um die Mitte des 19. Jahrhunderts erwähnen nahezu immer auch einen Ausflug zur Menterschwaige.[2]

Von besonderer Bedeutung waren die jährlichen Künstlerfeste, die König Ludwig I. in der Menterschwaige ausrichtete. Ursprünglich für den 1. Mai angesetzt, wurden sie wegen des Wetters oft verschoben, manchmal bis weit in den Juni. Es handelte sich um gemeinsame Feste aller Münchner Künstler- und Sängervereine, die als Promenade mit „Musik, Fahnen, Frauen, Trinkhörnern und Sonnenschirmen“[4] aus der Stadt rund eineinhalb Stunden an der Isar entlang zum Gasthof zogen. Dort war ein Festplatz mit verschiedenen Bühnen und Kulissen eingerichtet worden, auf denen „Ritter-, Geister-, Gespenster-, Trauer- und Schauerkomödien“[4] vorgeführt wurden. Es gab üppige Mahlzeiten und Maibock.

Das Lola-Montez-Haus, ein Nebengebäude der Menterschwaige

Laut unzähligen Veröffentlichungen soll sich die nicht-standesgemäße Geliebte des Königs Lola Montez am 11. Februar 1848 in der Menterschwaige versteckt haben, als es wegen ihr zu Unruhen in München kam. Diese Angaben sind falsch. Montez verbrachte die erste Nacht nach ihrer Flucht aus der Stadt auf dem anderen Isarufer in einem Gasthof in Großhesselohe, wie ein Brief aus ihrer Hand an den König belegt. Die nächste Nacht zog sie sich in die Blutenburg zurück und floh dann über Lindau in die Schweiz.[3]

Der Umbau 1899

1896 kaufte die Baufirma Heilmann & Littmann den Gasthof und den zugehörigen Grundbesitz von 52 Hektar für 450.000 Mark.[3] Jakob Heilmann erschloss die Region für eine seiner Villenkolonien. Das eigentliche Gasthaus mit vier Hektar Grund verkaufte er 1898 an die Aktiengesellschaft Bürgerliches Bräuhaus München für 220.000 Mark weiter. Im folgenden Jahr riss die Brauerei landwirtschaftliche Nebengebäude ab und baute die Anlage um. Sie errichtete damals etwa den heutigen Gebäudebestand. Er besteht aus dem historischen Hauptgebäude mit zwei Gasträumen im Erdgeschoss und zwei weiteren im Obergeschoss und einer anschließender Bierhalle im ehemaligen Kuhstall mit Kreuzgewölbe. Über einen Verbindungstrakt mit Küche, Kühlraum und zwei weiteren Gasträumen wurde der parallel zum Hauptgebäude angeordnete große „Restaurationssaal mit Bühne“ im Südflügel angebunden. Eine geplante weitere Halle direkt an der Hangkante jenseits des öffentlichen Weges wurde nie verwirklicht. Die Eröffnung der Straßenbahn nach Grünwald 1910 mit einer Haltestelle Menterschwaige erleichterte den Zugang. 1921 fusionierte der Bürgerbräu mit Löwenbräu. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die Vereinigten Staaten den Gasthof Menterschwaige und die Mehrzahl der Villen im umliegenden Stadtviertel. Im Saal wurde ein Kino eingerichtet. Ende der 1950er Jahre erhielt Löwenbräu die Mentschwaige zurück und richtete den Hof wieder her.

Die Menterschwaige ist heute ein Restaurant mit rund 500 Plätzen in verschiedenen Räumen und mit einem beliebten Münchner Biergarten mit über 2000 Sitzplätzen. Das Lola-Montez-Haus kann für Veranstaltungen gemietet werden.

Kirche St. Margaretha

1189 wurde die zugehörige Kirche unter dem Patronizium der St. Margaretha durch Bischof Otto II von Freising eingeweiht.[3] Sie war als Filialkirche dem Kloster Schäftlarn unterstellt. Für 1315 ist nachgewiesen, dass die Kirche inzwischen zur Pfarrei Bogenhausen gehörte. Später wurde sie als Nebenkirche der Filialkirche zu Giesing zugeordnet, 1628 wurde sie der neu eingerichteten Pfarrei in der Au unterstellt. Um 1750 wurde die Kirche durch Spenden der späteren Besitzer des Gutes Nockher aus- und umgebaut sowie großzügig im Stil des Rokoko ausgestattet. Nach der Säkularisation 1803 betrachtete der damalige Eigentümer des Gutes Edvard die Kirche irrtümlich als sein Eigentum obwohl sie als Gemeindekirche nicht der Säkularisierung unterlag und ließ sie 1804 abreißen. Die Ausstattung verkaufte er über einen Antiquitätenhändler. Dies fiel erst 1807 durch eine Anfrage des neuen Besitzers Gaigl auf, als dieser um Erlaubnis bat, ein Altarzimmer für Hausgottesdienste einrichten zu dürfen.

Literatur

  • Dorle Gribl: Harlaching und die Menterschwaige – Vom Edelsitz zur Gartenstadt, Buchendorfer, München 2004, ISBN 3-937090-05-3.

Weblinks

 Commons: Gutshof Menterschwaige – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
  2. a b c Karl Spengler: Unterm Münchner Himmel. Bruckmann Verlag München, 1971. Kapitel Ganz Bayern zu Gast in der Menterschwaige, Seiten 220–226
  3. a b c d e Gribl 2004, Seiten 170–184
  4. a b Edmund Zoller in Über Land und Meer, 1860. zitiert nach Gribl, Seite 176 f.
48.0813711.54525

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