Harvestehuder Gespräche


Harvestehuder Gespräche
Tagungsort der Harvestehuder Gespräche

Die Harvestehuder Gespräche sind eine international und interdisziplinär angelegte akademische Vortragsreihe in Hamburg.

Veranstalter der Reihe ist seit ihrer Etablierung im Jahr 1911 die älteste Hamburger Studentenverbindung Corps Irminsul, dessen Corpshaus in der Parkallee 62 im Hamburger Stadtteil Harvestehude liegt.

Inhaltsverzeichnis

Profil der Vortragsreihe

Zu den Referenten der Harvestehuder Gespräche zählen Referenten aus den Bereichen Politik, Hochschule, Wissenschaft und Militär sowie Vertreter des Diplomatischen Corps als auch Entscheidungsträger aus der Wirtschaft. Die Themen dieser Vorträge reichen von aktuellen Entwicklungen in Wirtschaft und Politik über Militärhistorie bis zu Weinkunde und Literatur.

Im Anschluss an den Vortrag der Referenten gibt es in aller Regel eine offene Diskussion. Üblicherweise finden die Veranstaltungen im Kneipsaal der Corpshauses der Irminsul in Hamburg-Harvestehude statt und werden meist in deutscher oder englischer Sprache gehalten.

Die Absicht der Vortragsreihe ist zum einen, die Referenten und ihre Arbeitsgebiete einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen, und zum anderen, einen Beitrag zum Studium generale in der Freien und Hansestadt Hamburg beizutragen. Sie versucht demgemäß im Sinne des humanistischen Bildungserbes eine umfassende Allgemeinbildung zu fördern. Hierbei folgt sie dem Prinzip der Meinungsfreiheit und bietet auch Rednern ein Podium, deren Meinungen nicht unbedingt dem jeweiligen Zeitgeist entsprechen.

Geschichtliche Entwicklung

Die Veranstaltungsreihe geht zurück auf das Jahr 1911. Während des Deutschen Kaiserreiches konnten verschiedene Professoren und Vertreter des Offizierkorps sowie der Abgeordnete des kaiserlichen Reichstages Ferdinand Werner als Referenten gewonnen werden.

Ihm folgten als Persönlichkeiten der Weimarer Republik u.a. der Reichstagsabgeordnete Reinhold Wulle, der Romanist und Mitbegründer des Stahlhelm Karl Voretzsch und der "Seeteufel" Felix Graf von Luckner.

Während des Dritten Reiches konnte ob der verbindungsfeindlichen Einstellung der Nationalsozialisten als einzig externer Redner der Hamburgische Staatsrat Hellmuth Becker im Jahr 1933 gewonnen werden.

Nach dem Ende des NS-Regimes sind die Harvestehuder Gespräche seit der Rekonstitution des Corps Irminsul im Jahr 1949 in Hamburg inzwischen zu einer akademischen Institution geworden, welcher sich bereits an die 125 Referenten zur Verfügung gestellt haben. Obwohl bei den Harvestehuder Gesprächen u.a. auch Politiker der SPD und der FDP gesprochen haben, wurde dem CDU geführten Senat der Freien und Hansestadt Hamburg im Jahr 2010 ob der Senatoren, welche bei den Harvestehuder Gesprächen als Referenten dienten [1], eine besondere Nähe zum Corps Irminsul attestiert [2].

Bedeutende Referenten seit Gründung der BRD bis zur Gegenwart

  • Menno Aden, Professor für Ökonomie und Management der FH Essen, Präsident des Oberkirchenrates der evangelisch-lutherischen Landeskirche Mecklenburg a.D.
  • Pastor Helge Adolphsen, ehem. Hauptpastor an St. Michaelis in Hamburg
  • Barbara Ahrons, MdHB, Vorsitzende der Hamburger Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung, Abgeordnete der CDU
  • Alfred Ardelt, Vorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Niedersachsen, stellv. Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen in Niedersachsen
  • S.K.H. Prinz Asfa-Wossen Asserate, Bestsellerautor und Infant des Kaiserhauses von Äthiopien
  • Generalmajor Hans-Christian Beck, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg
  • Ayatollah Seyyed Mohammad Hosseini-Beheschti, ehem. Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg, ehem. Vorsitzender des iranischen Revolutionsrats und Oberster Richter des Iran
  • S.D. Fürst Ferdinand von Bismarck, Schirmherr des Bismarckordens und Chef des Hauses Bismarck
  • Wilhelm von Boddien, Vorsitzender des Förderkreises Berliner Schloß
  • Christian von Boetticher, MdEP, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein, stellv. Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, CDU
  • Rüdiger Wulf Brocke, MdHB, Leiter des Büros der Konrad Adenauer Stiftung in Bulgarien, Abgeordneter der CDU
  • Axel Bruhn, MdHB, Rechtsanwalt und CDU Abgeordneter in Hamburg
  • Alfredo Dornheim, Professor der Universidad Nacional de Cuyo in Argentinien
  • Klaus Dudek, Professor FH für Finanzen NRW Schloß Nordkirchen
  • Jürgen Echternach, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesfinanzministerium a.D., CDU
  • Constantin Floros, Präsident der Gustav-Mahler-Vereinigung, Professor der Universität Hamburg
  • Wittko Francke, Professor an der Universität Hamburg
  • Vizeadmiral Hans Frank, Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik
  • Hermann Frenzel, Professor und Dekan an der Universität Göttingen, Entwickler der Frenzelbrille
  • Jürgen Gramke, Wirtschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt a.D., Honorarkonsul der Republik Litauen, Professor der Universität Bochum und Vorstandsvorsitzender des Instituts for European Affairs, SPD
  • Uwe Greve, MdL, Vorsitzender der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung Schleswig-Holstein, Abgeordneter der CDU
  • Brigadegeneral Reinhard Günzel, ehem. Kommandeur der Spezialeinheit KSK
  • Eberhard Hamer, Leiter des Mittelstandsinstituts Niedersachsen – Begründer der Mittelstandsökonomie
  • Klaus Hänsch, MdEP, Professor an der Universität Duisburg, ehem. Präsident des Europäischen Parlaments, Abgeordneter der SPD
  • Heiko Hecht, MdHB, Abgeordneter der CDU
  • Georg Jarzembowski, MdEP, Sprecher der EVP-ED Fraktion im Ausschuss für Verkehr und Fremdenverkehr des Europäischen Parlaments, Abgeordneter der CDU
  • Hans Kähler, Professor der Universität Hamburg und Professor der University De La Salle in Manila, Südseeforscher
  • Ulrich Karpen, MdHB, Professor an der Universität Hamburg, Abgeordneter der CDU
  • General Günter Kießling, ehem. Befehlshaber der NATO-Landstreitkräfte
  • Hans „Johnny“ Klein, MdB, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit a.D., ehem. Vizepräsident des Deutschen Bundestages, CSU
  • Johannes Werner Klein, Mitbegründer der anthroposophisch orientierten Christengemeinschaft, Philosoph
  • Hans Klose, Leiter der Bundesanstalt für Naturschutz und Landschaftspflege a.D., Vater“ des Reichsnaturschutzgesetzes
  • Ayyub Axel Köhler, ehem. Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland
  • Generalmajor Gerd-Helmut Komossa, ehem. Chef des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), Präsident der Gesellschaft für die Einheit Deutschlands
  • Günther Kratzel, Sowjetologe, Professor der Universität Hamburg
  • Herbert Krüger, Staatsrechtler, Professor der Universität Hamburg
  • A. W. Heinrich Langhein, MdHB, Abgeordneter der CDU
  • Siegfried Lenz, Schriftsteller und Hamburgischer Ehrenbürger
  • Karl-Heinz Lesnau, MdA, CDU Abgeordneter in Berlin
  • Konrad Löw, Professor an der Universität Bayreuth
  • Pastor Carl Malsch, Senior der Hamburgischen Landeskirche a.D.
  • Wilhelm Meise, Ornithologe und Professor an der Universität Hamburg
  • Udo Nagel, Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg, parteilos
  • Gert Nicolaysen, Rechtswissenschaftler, Professor an der Universität Hamburg
  • S.E. Bernd Niehaus Quesada, ehem. Außenminister und Botschafter von Costa Rica in Deutschland, Ungarn und Tschechien, Professor der Universidad de Costa Rica
  • Karl Prahl, Kunstmaler der Hamburgischen Sezession
  • Rüdiger Proske, Fernsehjournalist, Mitbegründer der Sendung „Panorama“, sozialdemokratischer Gewerkschafter
  • Hermann Rauhe, Ehrenpräsidenten der Hamburger Hochschule für Musik und Theater
  • Pastor Ulrich Rüß, Hauptpastor an der Eppendorfer St.-Johannis-Kirche und Vorsitzender der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den Evangelischen Kirchen Deutschlands
  • Ulrich Schacht, Chefreporter der „Welt am Sonntag“
  • Klaus Schleicher, Erziehungswissenschaftler, Professor der Universität Hamburg
  • Edzard Schmidt-Jortzig, MdB, Bundesminister der Justiz a.D., Professor der Universität Kiel, FDP
  • Regierungsdirektor Wilhelm Schnee, Landrat a.D. des Landkreises Schwaz in Tirol, Bundesrechnungshof Frankfurt a.M.
  • Otto Schubert, Professor für Tribologie der FH Gießen
  • Generalmajor Gerd Schultze-Rhonhof, ehem. Territorialer Befehlshaber für die Bundesländer Niedersachsen und Bremen
  • Hans Joachim Selenz, Vorstandsvorsitzender Salzgitter AG a.D.
  • Kurt Stapelfeldt, Rundfunkpionier und Intendant der Vorläuferin des Nordwestdeutschen Rundfunks NORAG
  • Karlheinz Spielmann, Retter und Ehrenbürger der Stadt Iphofen, Wirtschaftsführer
  • Brigadegeneral Reinhard Uhle-Wettler, ehem. stellv. Kommandeur der 1. Luftlandedivision
  • Gunnar Uldall, MdB, Wirtschaftssenator der Freien und Hansestadt Hamburg, Abgeordneter der CDU
  • Heino Vahldieck, MdHB, Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz und Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg, Abgeordneter der CDU
  • Angelika Volquartz, MdB, Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Kiel a.D., CDU
  • Arthur Arno Wachmann, Astronom, ehem. Observator der Hamburger Sternwarte
  • Otto Waldmann, Entdecker des Impfstoffes gegen die Maul- und Klauenseuche, Professor an der Universität Greifswald
  • Max Wartemann, ehem. Staatssekretär beim Finanzministerium des Landes Schleswig-Holstein, Bürgermeister der Hansestadt Lübeck, parteilos
  • Admiral Dieter Wellershoff, ehem. Generalinspekteur der Bundeswehr
  • Bernard Willms, Professor der Universität Bochum
  • Peter Kurt Würzbach, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverteidigungsministerium a.D., CDU

Siehe auch

Literatur

  • Klaus Großweischede: 100 Jahre Corps Irminsul, Hamburg 1980
  • Hartmut Elers & Andreas Walther: 125 Jahre Corps Irminsul, Hamburg 2005
  • Otto Carstens: Aktivenfibel – Leitfaden für junge Corpsstudenten, Hamburg 2009
  • Christian Anders & Otto Carstens: Viele Wege zum Erfolg - 130 Jahre Corps Irminsul Hamburg, in CORPS-Magazin 03/2010
  • Otto Carstens & Christian Anders: Ein Jahrhundert Harvestehuder Gespräche - Traditionsreiche und hochkarätige Vortragskultur in Hamburg, in CORPS-Magazin 01/2011

Weblinks

Einzelnachweise

  1. „Senatskarussel in Hamburg“ im Hamburger Abendblatt vom 17. August 2010
  2. „Zu viele Verbindungen“ in der taz vom 17. August 2010
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