Head Hunters


Head Hunters
Head Hunters
Studioalbum von Herbie Hancock
Veröffentlichung 1973
Label Columbia Records
Format LP, CD
Genre Fusion
Anzahl der Titel 4
Laufzeit 41 min 34 s

Besetzung

Produktion Herbie Hancock, Dave Rubinson
Studio Wally Heider und Different Fur Studios, San Francisco
Chronologie
Sextant
(1972)
Head Hunters Thrust
(1974)

Head Hunters ist das zwölfte Studio-Album des Jazz-Musikers Herbie Hancock, das am 13. Oktober 1973 bei Columbia Records veröffentlicht wurde. Die Aufnahmen zum Album fanden im September 1973 in den Wally Heider Studios und Different Fur Studios in San Francisco, Kalifornien, statt. Das Album ist eine Schlüsselveröffentlichung in Hancocks Karriere und zugleich ein „umstrittenes“ Werk.[1] Es ist das erste Jazzalbum überhaupt, das einen Platinstatus erreichte.[2] Auf dem Album-Cover ist eine afrikanische Maske zu sehen, die dem Baoulé-Stamm der Elfenbeinküste zugeordnet ist.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Head Hunters folgte auf eine Serie von tendenziell experimentellen Alben des Hancock Sextetts, Mwandishi (1970), Crossings (1971) und Sextant (1972), das zu einer Zeit veröffentlicht wurde, als Hancock nach neuen Richtungen für seine Musik suchte. Dieses Sextett, „das sich durch ein besonders kreatives und inspiriertes Zusammenspiel auszeichnete“, musste Hancock aufgrund kommerzieller Probleme auflösen.[3]

In den Liner Notes zu Head Hunters schrieb Hancock:

„ Ich begann zu fühlen, dass ich zu viel Zeit damit verbrachte, die obere Atmosphäre der Musik und die mehr ätherische Art von super spacigen Sachen zu erforschen. Nun gab es dieses Bedürfnis, etwas mehr Erde zu nehmen und sich ein wenig mehr angebunden zu fühlen; eine Verbindung zur Erde .... Ich begann zu fühlen, dass wir (das Sextett) diese schwere Art von Musik spielten, und ich war müde von allem, was schwer war. Ich wollte etwas Leichteres spielen.[4]

Herbie Hancock[5]

Für das Album stellte Hancock eine neue Band zusammen, The Headhunters, von deren Mitgliedern nur Bennie Maupin bereits zum vorigen Sextett gehört hatten. Hancock spielte alle Synthesizerstücke selber, während er bis dahin von Patrick Gleeson unterstützt wurde. Er entschied sich gegen eine Gitarre und favorisierte stattdessen den Einsatz des Clavinets, das eines der den Sound bestimmenden Instrumente auf dem Album wurde.

Die neue Band besaß eine am Funk-orientierte Rhythmus-Gruppe, das Album hat einen entspannten, funkigen Groove, der das Album für ein breiteres Publikum zugänglich machte.

Aufbau des Albums

Herbie Hancock (2006)

Auf dem Album sind vier Stücke, von denen nur Watermelon Man nicht speziell für das Album geschrieben wurde. „Der Aufbau des Albums war raffiniert.“[1]

Das Stück Chameleon fungierte als „funky Auftakt,“[1] mit einer leicht wieder erkennbaren Einleitung (1:29), einer funkigen Basslinie, die auf einem ARP-Odyssey-Syntheziser gespielt wurde. Wie bereits der Songtitel nahe legt, sind die Klänge nicht immer das, was sie zu sein scheinen;[6] auch die hinzukommende „Gitarre“ wird von Hancock auf den Keyboards gespielt. Dieses groovige Motiv, mit einem ostinaten Schlagzeug, das auch Clave-Funktion hat,[7] organisiert das gesamte Stück. Aus ihm entsteht nach 7:42 ein zweites Thema, über das erstmals auf den Keyboards jazzorientiert improvisiert wird (bis das Stück nach einem erinnernden Riff (11:41) nach weiteren anderthalb Minuten wieder zum ursprünglichen Thema zurückkehren lässt). Ein im ersten Teil des Stückes zu hörendes Solo von Hancock schöpfte eher rockorientiert die Möglichkeiten des Synthesizers aus und „ließ es pfeifen, pitchen, modulieren.“[1]

Watermelon Man ist ein Jazzstandard aus Hancocks Hard-Bop Tagen, das bereits auf seinem Debüt-Album Takin' Off veröffentlicht und 1963 ein Hit wurde; das Stück wurde von Hancock und Mason für Head Hunters geschickt überarbeitet und dabei „rhythmisch komplex“ und „afrikanesk“ wurde:[1] Einleitend bläst Bill Summers auf einer Flasche und imitiert dabei sehr geschickt das Hindewhu-Pfeifen der zentralafrikanischen BaBenzélé-Pygmäen; mit diesen repetitiven Sounds hört das Stück auch wieder auf.[8] Mit nur 79 bpm ist diese Version des Stückes eigentlich zu langsam für ein typisches Funkstück, hat aber eine sehr starke Betonung auf dem ersten Beat.[9]

Auf die beiden Stücke der Rückseite der ursprünglichen LP hatte Miles Davis einen besonderen Einfluss:[10]Sly ist dem Pionier der Funk-Musik, Sly Stone, dem Bandleader von Sly & the Family Stone, gewidmet. Das letzte Stück, Vein Melter ist eine Ballade, bei der Hancock und Maupin im Vordergrund stehen. Hancock spielt dabei hauptsächlich Fender Rhodes Electric Piano, Maupin ist zumeist auf der Bassklarinette zu hören.

Wirkungsgeschichte

Das Album verkaufte sich zunächst nur langsam. Erst nach einem Vierteljahr erreichte es die Billboard 200 am 12. Januar 1974. Bedingt durch eine schlechte Vermarktungspolitik dauerte es noch mehrere Monate, bis das Album schließlich seine Spitzenposition auf Platz 13 der amerikanischen Popcharts erreichte; bis Ende 1974 waren 750.000 Exemplare verkauft, mehr als zuvor je ein anderes Jazzalbum erreichte.[11] Letztlich wurde es mehr als eine Million mal in den USA verkauft.

Das Album in der Kritik

Von der Jazzkritik ist das Album sehr unterschiedlich beurteilt worden: Für einen Teil der Kritiker ist es Hancocks „Einstieg in seine zweifelhafte kommerzielle Phase, die bis zu dem Instrumental-Welthit Rock It (auf Future Shock, 1983) allerlei zweitrangiges Disco-Material hervorbrachte. Den anderen gilt es als Klassiker des synthetisch geprägten Fusion-Sounds der frühen Siebziger, der sich nebenher millionenfach verkaufte.“[1] Lee Underwood meinte: „Schlimmstenfalls ist es kommerzieller Müll, bestenfalls ist es so schizoid wie die Angebote Frank Zappas.“[12] Auch Joachim-Ernst Berendt urteilte: „Es ist unglaublich, dass ein Mann mit dem Level an Errungenschaften und einem musikalischen Reichtum wie Hancock ein solches Album machen sollte“[13] Der Jazzhistoriker Steven F. Pond wies darauf hin, dass das Album zunächst tatsächlich keine Erfolge im Jazzbereich, sondern vor allem im afroamerikanischen Popbereich hatte.[14]

Die US-amerikanische Musikzeitschrift Rolling Stone veröffentlichte 2003 eine Liste der „500 Greatest Albums of All Time“, in der das Album auf Platz 498 gewählt wurde.

Im Jahr 2007 wurde es von der Library of Congress in die National Recording Registry aufgenommen, das „kulturell, historisch oder ästhetisch wertvolle Aufnahmen“ des 20. Jahrhunderts sammelt.

Aaron Basiliere beurteilte das Album bei allaboutjazz überaus positiv. „Darüber hinaus veränderte es letztlich die Art, wie die Menschen Musik hörten, es öffnet die Tür zu neuen musikalischen Klangwelten und Möglichkeiten. Allein aus diesem Grund bleibt Head Hunters eine der gefragtesten und einflussreichsten Jazz-Aufnahmen, die jemals kreiert wurde.[15][16]

Richard Cook und Brian Morton zeichneten das Album mit der Höchstbewertung aus und sahen es als Resultat Miles Davis’ Rückbesinnung auf die Musik Sly Stones und James Browns. Es sei „eine ansteckend funkige und durch und durch fröhliche Platte“; lediglich die Schlussnummer Vein Melter deute eine gewisse Melancholie an; es sei wohl der Höhepunkt des Albums und stelle die Verbindung zu einer eher introvertierten Musik der frühen 70er Jahre her. Die Kritiker hoben besonders die Bedeutung Bennie Maupins hervor, die sei mit der Wayne Shorters bei Weather Report vergleichbar; entscheidend sei dabei weniger der solistische Beitrag, sondern die Art und Weise, wie er punktuelle Stimmungen schaffe. Hancock glänze solistisch vor allem im viertelstündigen Chameleon[17]

Titelliste

Seite A

  1. "Chameleon" (Hancock/Jackson/Mason/Maupin) – 15:41
  2. "Watermelon Man" (Hancock) – 6:29

Seite B

  1. "Sly" (Hancock) – 10:15
  2. "Vein Melter" (Hancock) – 9:09

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Dombrowski Basis-Diskothek Jazz, S. 102f.
  2. Vgl. Scott H. Thompson, Liner Notes (1992) und Pond Head Hunters, S. 155ff.
  3. Karl Lippegaus Jazz Rock in Joachim-Ernst Berendt Die Story des Jazz. Reinbek 1995, S. 233 und Pond Head Hunters, S. 162
  4. Engl. Originaltext: I began to feel that I had been spending so much time exploring the upper atmosphere of music and the more ethereal kind of far-out spacey stuff. Now there was this need to take some more of the earth and to feel a little more tethered; a connection to the earth....I was beginning to feel that we (the sextet) were playing this heavy kind of music, and I was tired of everything being heavy. I wanted to play something lighter.
  5. Liner Notes (1996)
  6. Die Basslinie wurde wegen des Stereo-Effekts zweimal, nahezu identisch eingespielt. Vgl. Pond Head Hunters, S. 41
  7. Pond Head Hunters, S. 44
  8. Pond Head Hunters, S. 79
  9. Pond Head Hunters, S. 80f.
  10. Vgl. Scott H. Thompson Liner Notes (1992)
  11. Pond Head Hunters, S. 155f.
  12. Coda 143, zit. nach Pond Head Hunters, S. 156
  13. Jazz Forum 39, zit. nach Pond Head Hunters, S. 156
  14. Pond Head Hunters, S. 157
  15. Review bei allaboutjazz
  16. Moreover, it ultimately changed the way people heard music by opening the door to new musical soundscapes and possibilities. For that fact alone, Head Hunters remains as one of the most sought after, influential jazz recordings ever created.
  17. Richard Cook & Brian Morton: The Penguin Guide to Jazz on CD 6th edition. ISBN 0-14-051521-6 S. 658.

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