Helenamausoleum


Helenamausoleum
Helenamausoleum

Das Helenamausoleum ist ein antikes Grabmonument in Rom an der Via Casilina, der früheren Via Labicana. Es wurde unter Kaiser Konstantin zwischen 326 und 330 errichtet und diente als Grablege für Helena, die Mutter des Kaisers († 328).

Inhaltsverzeichnis

Lage

Zum Mausoleum gelangt man von der Via Casilina durch die Via Marcellino. Unmittelbar benachbart befinden sich eine Katakombe, eine frühchristliche Basilika, von der nur noch rudimentäre Reste erhalten sind, sowie die Pfarrkirche Santi Marcellino e Pietro ad Duas Lauros.

Nach antiken Quellen (Liber Pontificalis von 314 n.Chr.) erstreckte sich außerhalb der Stadtmauern ein großer kaiserlicher Besitz mit Landgut von der Porta Maggiore bis zum dritten Meilenstein der Via Labicana. Dazu gehörte auch ein Gebiet, das „Ad Duas Lauros“ (zu den zwei Lorbeerbäumen) genannt wurde. Hier lagen der Exerzierplatz und der Friedhof der Equites singulares, einer berittenen kaiserlichen Garde. Zahlreiche, mit Inschriften versehene Grabsteine sind in den später an dieser Stelle errichteten Gebäuden wiederverwendet und bei den 1956 begonnenen Ausgrabungen aufgefunden worden.

Geschichte

Katakombe der Heiligen Marcellinus und Petrus

In unmittelbarer Nähe des Reiterfriedhofs wurde in der zweiten Hälfte des 3. Jh. eine christliche Katakombe errichtet, in der auch einige Märtyrer, so Marcellinus, Petrus u.a. bestattet wurden. Nach dem Ende der Christenverfolgung und der konstantinischen Wende ergriff Kaiser Konstantin selbst die Initiative, erste große Kirchen zu errichten (u.a. Grabeskirche in Jerusalem, San Giovanni in Laterano). So ließ er auch auf dem kaiserlichen Grundstück an der Via Labicana auf dem Friedhofsgelände zu Ehren der Märtyrer eine 65 m lange und 29 m breite Basilika errichten, von der sich nur geringe Reste erhalten haben. Die These ist durchaus plausibel, dass Konstantin den vorgefunden Friedhof zur Errichtung der Basilika bewusst zerstört habe, da die equites singulares bei der Schlacht an der Milvischen Brücke auf Seiten seines Gegners Maxentius gekämpft hatten. Wohl aus den gleichen Gründen hatte er über ihrer Kaserne die Lateranbasilika errichten lassen.

Die Basilika diente von Anfang an als Begräbnisplatz. Der Wunsch, in der Nähe der in den Katakomben bestatteten Heiligen begraben zu werden, war derart ausgeprägt, dass nahezu der gesamte Boden der Kirche aus Grabplatten bestand. Auch die Mitglieder der christlich gewordenen Kaiserfamilie wollten auf ein solches Grab ‚ad sanctos’ nicht verzichten. Deshalb wurde an die Basilika ein repräsentatives kaiserliches Mausoleum angebaut. In Rom finden sich mehrere Beispiele aus dem frühen 4. Jh. für eine solche Kombination von Katakombe, Basilika und angrenzendem, rundem Mausoleum für ein Mitglied der Kaiserfamilie (Santa Costanza, San Sebastiano u. a.).

Seit Helenas Tod gehörten die Besitztümer ad duas lauros der Kirche. Im 8. Jh. diente das Mausoleum als Festung, nachdem durch den Raub der Reliquien der Titelheiligen Marcellinus und Petrus die Kirche ihre Bedeutung verloren hatte. In den folgenden Jahrhunderten wurde es teilweise als Steinbruch verwendet und ihres Marmorschmuckes beraubt, so dass heute nur noch eine - wenn auch beeindruckende - Ruine vom alten Glanz zeugt.

Bau

Das Mausoleum – ein Rundbau mit eigener Vorhalle – wurde nach Vollendung der Basilika vor deren Fassade angebaut. (Der Zugang zur Basilika erfolgte von nun an vom südlichen Seitenschiff aus.) Diese besondere Lage, wie auch der stattliche Durchmesser von 20 m im Erdgeschoss, wies bereits auf die große Bedeutung der dort bestatteten Person hin. In die 3,75 m starke Mauer waren acht Nischen eingelassen, rechteckig in den Hauptachsen, rund in den Diagonalen.

Leere Amphoren im Kuppelansatz

Das obere Stockwerk des Mausoleums hat einen geringeren Durchmesser, wodurch sich von außen eine klare Gliederung ergibt. In diesem oberen Stockwerk finden sich sieben, nach außen gerichtete, runde Nischen, in denen sich große Fenster befinden, die für eine beeindruckende Helligkeit im Inneren gesorgt haben dürften. Darüber wölbte sich eine Kuppel aus opus caementitium. Zur Verstärkung der Betonmasse dienten nicht, wie sonst üblich, Steine, sondern leere Amphoren, wodurch das Gewicht der Kuppel erheblich reduziert wurde und von denen einige am Kuppelansatz noch heute sichtbar sind. Hierher rührt die volkstümliche Bezeichnung "Tor Pignattara" (Topfturm).

Geringe Reste lassen darauf schließen, dass der gesamte Bau nach außen rot verputzt war. Im Inneren war er über beide Geschosse mit aufwendigen Inkrustrationen aus mehreren Reihen von hochrechteckigen Marmorplatten versehen. Auch der Boden war mit quadratischen Platten (1,80 m Seitenlänge) aus Cipollino-Marmor verkleidet. Im Gewölbe haben sich Abdrücke von Mosaiksteinen erhalten. Über das Motiv des Kuppelmosaiks liegen leider keinerlei Hinweise mehr vor.

Sarkophag der Helena

Sarkophag

In der dem Haupteingang des Mausoleums gegenüberliegenden Nische stand der Sarkophag. Er war aus Porphyr, ringsherum mit Schlachtenszenen geschmückt und mit einer Länge von 2,70 m und einer Höhe von 1,80 überaus repräsentativ. Gerade diese Schlachtenszenen stützen die These, dass Mausoleum und Sarkophag ursprünglich für den Kaiser selbst bestimmt waren, aufgrund der Verlegung der kaiserlichen Residenz von Rom nach Konstantinopel aber nicht mehr benötigt wurden.

Trotz der Zerstörungen und Umbauten verblieb der Sarkophag bis ins 11. Jh. an seinem Standort; dann wurde er zunächst in die Lateranbasilika, wo er die Gebeine von Papst Anastasius IV. aufnahm, und später in die Vatikanischen Museen übertragen, wo er sich bis heute befindet.

Weblinks

Literatur

  • Hugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen in Rom, Schnell und Steiner Verlag, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1656-6.
41.87894444444412.548805555556

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